Vom Ley zur Leylinie: Die Entwicklung eines alternativen archäologischen Konzepts

Zusammenfassung – Die These eines durchaus anerkannten Laienforschers, des Hereforder Fotografen Alfred Watkins, dass sich vorgeschichtliche Straßen, die Leys, geradlinig durch die Landschaft zogen, wurde in den 1960er-Jahren mit dem Phänomen der UFOs und Ende dieses Jahrzehnts im psychedelischen Umfeld auch als Leylinie mit der Radiästhesie verknüpft. Durch die esoterische Literatur verbreitete sich die Vorstellung von der durch Erdkräfte befruchteten Landschaftslinie immer weiter, ohne dass die Protagonisten dieser Verbreitung noch die Ursprünge dieser Idee kannten. Der Aufsatz zeichnet diese Entwicklung nach.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts erscheinen Veröffentlichungen, die feststellen, dass prähistorische Bauten in ihrer Beziehung zueinander einem übergeordneten System folgen – sie liegen auf geografischen Linien, auf Kreisen, wurden nach den Maßen des Sonnensystems angelegt, weisen eine astronomische Ausrichtung auf oder formen sogenannte terrestrische Tierkreise (bei denen Tierkreiszeichen im Umriss von Bergen, Straßen und Flüssen „gezeichnet“ werden) (vgl. Maltwood 1934). Diese Entdeckungen werden allgemein auf Landkarten, nicht bei Vermessungsarbeiten oder im Gelände selbst gemacht. Deshalb bleiben die meisten Linien unterhalb einer Länge, die durch die Erdkrümmung verzerrt werden würde – im Allgemeinen erstrecken sie sich maximal über ein Kartenblatt.[1]       
Rund um diese populäre archäologische Annahme hat sich eine eigene Disziplin etabliert, die je nach Umfang der berücksichtigten Phänomene oder Ausrichtung der Autoren Ley Hunting, Geomantie oder Earth Mysteries (EM) genannt wird. Geomanten verstehen die wissenschaftliche Erforschung alter Kalenderbauten, die sogenannte Astroarchäologie, als Teildisziplin der Geomantie.

Alfred Watkins

Alle modernen Ausprägungen der Ley-Suche berufen sich auf den Amateurarchäologen Alfred Watkins (1855–1935).[2] Watkins arbeitete als Vertreter einer Brauerei, in seiner Freizeit betrieb er als Liebhaber Archäologie, Heimatkunde, war Fotografiepionier, machte Erfindungen (u. a. konstruierte er einen Belichtungsmesser) und bekämpfte das metrische System. Sein bleibender Beitrag zur Kulturgeschichte ist aber seine Entdeckung, dass früh- und vormittelalterliche Überreste aufeinander bezogen und auf geraden Linien in der Landschaft liegen. Watkins verband die Symbole prähistorischer Fundstätten auf topografischen Karten mit Lineal und Bleistift und nahm an, dass die so entstandenen linearen Ausrichtungen der letzte feststellbare Rest des frühesten Straßensystems Britanniens darstellte, das aus geradlinigen Schneisen im Forst bestanden habe, den sogenannten Leys, und das in regelmäßigen Abständen durch Menhire, Teiche, Erdhügel und Signalfeuer markiert gewesen sei. Diese Markierungspunkte hätten sich später weiterentwickelt und seien schließlich zu Steinkreisen, Burgen und Kirchen geworden.         
Das Ley, als es noch zur Fortbewegung diente (u. a. für Töpfer, Salz- und Metallhändler) beschrieb er so:

„Stellen Sie sich eine Feenkette vor, die sich, soweit das Auge reicht, über die Bergspitzen hinzieht und die hohen Plätze der Erde auf Graten, Böschungen und Anhöhen miteinander verbindet. Visualisieren Sie dann eine Erhebung, einen runden Erdwall oder eine Baumgruppe, die auf diesem hohen Punkt gepflanzt wurde, und andere weithin sichtbare, vom Wasser umgebene Erhebungen im Tal. Dann große, aufrecht stehende Steine, die in Abständen hingestellt wurden, um den Weg zu bezeichnen, den tief eingeschnittenen Pfad auf einer zu einem Berggrat hinauf- oder zu einer Furt hinunterführenden Böschung, der sich deutlich am Horizont abzeichnet. Auf einem Pass ist eine Straße, weithin als Kerbe sichtbar, tief in den höchsten Punkt des Berggrates eingeschnitten. Mancherorts deuteten Leuchtfeuer an den beiden Enden des Weges seinen Verlauf an. Am Weg angelegte Teiche oder zu glänzenden Flächen gestaute Flüsse spiegelten die traditionell wenigstens einmal im Jahr angezündeten Leuchtfeuer wider, um den Verlauf des Pfades deutlich erkennbar zu machen, all dies genau entlang der Visier-Linie. Das alles wurzelt nach wie vor tief im Geiste des heutigen Bauern, wenn er Ihnen sagt – obwohl es längst nicht mehr zutrifft –: Gehen Sie geradeaus.“ (Watkins 1925, 218; Übersetzung U. M.)

Die Ley-Idee, erklärte Watkins, sei ihm während eines Autoausflugs am 21. Juni 1921 in der Nähe des Weilers Blackwardine gekommen, als er eine Straßenkarte betrachtete. Als Mitglied des örtlichen heimatforschenden „Field Clubs“ verfasste er einen Vortrag, den er bald darauf veröffentlichte (Watkins 1922) und später zu einer Monografie erweiterte (Watkins 1925). Der Band ist recht trocken und ohne Anzeichen für eine überhitzte Fantasie verfasst. Archäologen, die in den vorrömischen Briten noch Wilde sahen, nahmen das Werk kaum zur Kenntnis; es wurde aber von Ley-Jägern[3] in vielen Heimatvereinen und bei den Pfadfindern rezipiert. Bald schon ‚jagten‘ interessierte Amateure auf den gesamten britischen Inseln Leys. Watkins selbst lieferte im Alter von 77 Jahren ein Buch zur Grafschaft Cambridge (Watkins 1932); ein „Straight Track Club“ gründete sich, in dem neue Entdeckungen von Mitglied zu Mitglied kreisten. Dabei gesellten sich zu Watkins’ Idee des alten, kerzengeraden Wegs Vorstellungen der Astroarchäologie und des Rutengehens. Ebenfalls wurden Vorläufer Watkins’ wiederentdeckt, beispielsweise die Arbeiten des Archäologen Lockyer in Stonehenge oder die Forschungen des Dichters Hillaire Belloc (1911) zu alten Pilgerwegen (vgl. Michell 1993).

UFOs und Erdkräfte

1958 veröffentlichte der französische Philosoph Aime Michel das Buch Flying Saucers and the Straight-Line Mystery, in dem er die Ansicht vertrat, alle UFO-Sichtungen eines Tages fielen auf gerade, das Land überziehende Linien, sogenannte Orthotenien.[4] Der englische Ufologe Tony Wedd (1961) verband Michels Vorstellungen mit Aussagen von Venusiern, die Erdmenschen kontaktiert hatten, und hielt die Orthothenien für magnetische Flugbahnen – und für identisch mit Watkins’ Leys. Er sammelte junge, an UFOs interessierte Menschen um sich, die sich wieder mit Leys zu beschäftigen und die Zeitschrift The Ley Hunter herauszugeben begannen (Pennick/Devereux 1989, 210).
Die zweite Hälfte des Jahrzehnts brachte mit der kalibrierten Radiokarbonmethode die Erkenntnis mit sich, dass britische Megalithen älter waren als die Cheopspyramide; die (nach  wie vor durchaus kontrovers diskutierten) Arbeiten von Gerald S. Hawkins (1965) und Alexander Thom (1967) schienen zu belegen, dass die Menschen der Jungsteinzeit über ein hohes astronomisches und mathematisches Wissen verfügten, bei dem Visurlinien eine große Rolle spielten. Visurlinien sind optische Sichtschneisen, die durch mindestens zwei Punkte – einen im Steinkreis, einen am Horizont – markiert werden (Burl 1979, 32).       
Dem aus vornehmem Hause stammenden Hippie John Michell in Großbritannien gelang Ähnliches wie Erich von Däniken Ende der 1960er-Jahre, nämlich eine Synthese aus Archäologie, Mythologie und Raumfahrt zu schaffen. Sein Buch The View over Atlantis (1969, seither viele Auflagen und Übersetzungen) schuf die moderne Geomantie. Michell überhöhte Watkins’ Entdeckung mystisch – nicht eine Autofahrt mit Blick auf eine Landkarte habe zur Entdeckung des Ley-Systems geführt, sondern eine Vision mit der Kraft der Ahnen. John Michell mischte esoterisches Material mit Watkins’ bodenständiger Sicht, fügte paranormale Archäologie, UFOs, Mythen um Jesus in England, Numerologie, die chinesische Platzierungslehre Feng Shui (die allerdings gerade Linien zu meiden versucht) und Rutengehen hinzu. Michell postulierte, die Leys markierten subtile Erdenergielinien, und die darin steckenden Hinkelsteine könnten analog zu Akupunkturnadeln betrachtet werden. Die Lehre von den Leys oder Geomantie sei eine uralte Wissenschaft der Erdakupunktur. Würde sie wiederentdeckt, könne man die Erde heilen; sie würde fruchtbar, ewiger Friede herrsche – das goldene Zeitalter oder die Zeit von Atlantis kehrten wieder. Mit Michell wird aus Watkins’ archäologischer Entdeckung ein religionsartiges System mit Heilserwartung.
Das Ehepaar Janet und Colin Bord griff Michells Ideen auf und durchforschte die britischen Mythen nach Hinweisen auf das goldene Zeitalter, als Leys noch die Erdkräfte kontrollierten und England ein fruchtbares Paradies war. Ihre ersten Bücher wurden Besteller (Bord 1972; 1976). Spätere Studien widmeten sich der Erd- und Wasserfolklore und sogenannten fortianischen Erscheinungen.[5] All diese Veröffentlichungen kamen im Duktus der Gewissheit daher, beinhalteten aber nur Deutungen. Sowohl Michell als auch die Bords betonten dies, was jedoch nicht immer rezipiert wurde.

Ley-Studien und Ley-Ideen

Zusätzlich zu breiten und spekulativen Übersichtsdarstellungen wurden in den 1970er-Jahren Spezialstudien zur Untersuchung des postulierten Phänomens durchgeführt. Deutlich erkennbar ist das Bemühen, auch akademischen Kriterien gerecht zu werden. Dass es ein Ley-System gab, versuchte Michell (1974) anhand einer Studie aller Menhire bei Land’s End in Cornwall nachzuweisen. Es war die erste rein archäologische Studie seit Watkins‘ Arbeiten. Der Rutengänger Tom Graves (1978) unternahm den Versuch, die Natur der Erdenergie genauer zu bestimmen. Im Jahr 1979 veröffentlichten Paul Devereux (der später eine zentrale Rolle spielen wird) und Ian Thomson eine Analyse von 40 ausgewählten Leys in England, um nach gemeinsamen Eigenschaften zu suchen. Sie stellten fest, dass sich auch wahllos auf einer Karte verteilte Punkte viel häufiger als gedacht durch gerade Linien verbinden ließen, dass also auch Leys ein reines Zufallsprodukt sein könnten. Sie forderten kürzere Linien mit mehr Punkten, um statistische Signifikanz zu erreichen.           
Gleichzeitig setzte sich die Adaption vieler Ideen von Michell durch. Auch Devereux und Thomson berücksichtigten Geistererscheinungen auf Leys, und die Bords mutmaßten, dass selbst das Ungeheuer von Loch Ness nur auf Leys auftauche (all das verstanden als Äußerung der Erdenergien). Der Journalist F. W. Holiday baute diese Spekulationen für Seeungeheuer (1974) und UFOs (1980) aus und hielt Leys aus der Bronzezeit für den Schlüssel zur Lösung anthropologischer Rätsel wie der Entstehung der Religion und schließlich sogar zum Verständnis des Bösen in der Welt. Der Rutengänger J. Havelock Fidler (1983, 32 f) fand mit der Rute Erdenergieströme in Schottland und identifizierte auf dieser Basis glaziale Findlinge als Megalithen. Er popularisierte für diese Energielinien den Begriff ley line – der nach ihm in die esoterische Terminologie einging.           
1983 erschien auch das erste Buch, das sich kritisch mit Leys beschäftigte: Ley Lines in Question der Archäologen Tom Williamson und Liz Bellamy. Ihre Hauptkritikpunkte waren folgende: 1) Eine teleskopische Sicht der Vergangenheit durch die Verfechter des Ley-Systems (alles, was weiter zurückreicht als das Mittelalter, gilt irgendwie als „alt“; 2) die generelle Annahme, jeder Kirche oder Burg liege ein steinzeitlicher Vorgängerbau zugrunde, ist durch nichts gesichert und – gerade bei Watkins’ Leys – mehrmals eindeutig widerlegt; 3) den folkloristischen Annahmen der Bords und anderer Autoren liegt keine wissenschaftliche Methodik zugrunde; es sind a-priori-Deutungen; 4) bei der Unmenge an berücksichtigten Markierungspunkten sind Linien rein statistisch zu erwarten; und 5) Leys werden durch die Verwendung topografischer Karten statt archäologischer Surveys erstellt – die Karten sind archäologisch ungenau und enthalten nur einen Bruchteil der Bodendenkmale. Diese Kritik ging zwar kaum auf den esoterischen Ley-Überbau ein, aber dennoch wurde den Ley-Jägern bewusst, dass ernsthafte Arbeit die Spekulation ersetzen musste.       

Das Dragon Project

Paul Devereux begründete mit Mitstreitern aus der Leserschaft der Zeitschrift The Ley Hunter das Dragon Project, das untersuchen sollte, ob es an Leys und Leypunkten tatsächlich, wie von den meisten Ley-Forschern angenommen, den Physikern unbekannte „Erdenergien“ gibt. Dazu dienten konventionelle wissenschaftliche Messmethoden, aber auch der Einsatz von Rutengängern.  
Die (vorläufigen) Ergebnisse des Projekts wurden in The Ley Hunter und in zwei Büchern veröffentlicht (Robins 1985; Devereux 1990): Nur bislang bekannte Energien an sogenannten Kraftorten – zum Beispiel Magnetismus und Radioaktivität. Devereux folgerte, dass die Bemühungen der Rutengeher nichts zur Erforschung von Leys beitragen könnten. Tom Graves, der diese Ideen am stärksten popularisiert hatte, schloss sich ihm darin an (1990).

Ley-Jagd wird wissenschaftlich … und endet

Auch die Suche nach Leys, die tatsächlich aus der Steinzeit stammen könnten, sowie nach archäologischen Indizien für Linien aus allen Zeiten und Kulturen wurde intensiviert und auf akademisch anerkannte Quellen wie z. B. archäologische Untersuchungen der britischen Cursus-Monumente (oft kilometerlange, generell geradlinige doppelte neolithische Erdwälle) oder der Steinreihen in Schottland und der Bretagne gestützt.
1987 veröffentlichte Nigel Pennick Landscape Lines, Leys and Limits in Old England, in dem er alten englische Grenzwälle, Straßennetze, mittelalterliche Stadtgründungen und barocke Landschaftsgestaltung auf lineare Aspekte untersuchte. Mit Paul Devereux widmete er den archäologisch einwandfrei nachweisbaren Liniensystemen eine Monografie (Devereux/Pennick 1989). In diesem Werk bereits angedeutet ist die von beiden Autoren gemutmaßte Erklärung für die Vorliebe gerader Linien bei sakraler Landschaftsgestaltung – es könnte ein geografischer Ausdruck der in Trance wahrgenommenen Formkonstante der Tunnelvision, mithin also schamanischen Ursprungs sein (vgl. Horowitz 1975). Diese Vorstellung hat Devereux in zahllosen Veröffentlichungen der 1990er- und 2000er-Jahre ausgebaut und vertieft und dabei auch akademisches Interesse gewonnen (z. B. Deveureux 1992; 2003; eine Zusammenfassung des Erreichten aus Sicht eines Ley-Hunters bietet Sullivan 1999).          
Diese intensive Forschungsphase (an der auch ich teilnehmen durfte) erbrachte allerdings, dass weder die Vorstellung von Leylinien, Erdenergien, noch von einem steinzeitlichen Straßennetz gerechtfertigt war. Es gab eine ganze Bandbreite linearer Anlagen, die oft mit Vorstellungen des Totenkults und der sakralen Geografie verknüpft waren. Anders gesagt, es gab nie ein Ley als solches, sondern zahllose Linien aus ganz unterschiedlichen historischen Epochen und mit jeweils eigener Funktion. Devereux betonte das immer wieder: „There is no specific entity that is a ley“ (Devereux 1998, 31) oder: „Watkins case for leys was clearly a mixture of chance alignments, the odd possibly deliberate prehistoric alignment, and, as has been becoming increasingly apparent, medieval features like churchways. Leys as seperate features do not exist“ (Devereux 1999, 11).      
Die Zeitschrift The Ley Hunter stellte 1999 mit ihrer 133. Nummer ihr Erscheinen ein, und die wissenschaftlich orientierten Forscher widmeten sich anderen Disziplinen (Devereux beispielsweise forscht nach wie vor über die Interaktion von Landschaft und Bewusstsein in seinen mannigfachen Formen, Pennick versucht eine neuheidnische Religion für Europa zu definieren). 
Interessanterweise fand zu diesem Zeitpunkt die archäologische Tatsache gerader Linien und ihre schamanische Interpretation Resonanz im akademischen Mainstream. Die akademisch orientierte Beschäftigung mit „Leys“ (der Begriff selbst ist obsolet geworden) fand nun innerhalb der Archäologie statt und verschwand vom Gebiet „interessierter Laienforschung“. Häufig stellen Archäologen fest, dass gerade beim Totenkult die lineare Ausrichtung von Monumenten eine Rolle gespielt hat, etwa bei Prozessionsstraßen, bei Totenstraßen oder bei heiligen Straßen (vgl. etwa Lekson 1999, 154). In der amerikanischen Frühgeschichtsforschung wird oft eine Verknüpfung mit rituellem Drogengebrauch gezogen, in der europäischen Archäologie eher mit dem Totenkult (vgl. für die Kelten: Kuckenburg 2007, 59).

… bleibt aber esoterisch

Neben ihrer forschungsorientierten Spielart hat Geomantie als Lehre der Erdstrahlen Eingang in die populäre Esoterik gefunden. Hier wird an Erdstrahlen geglaubt, an die Große Erdmutter, die unsere Ahnen verehrten. Auch die Ergebnisse der stärker wissenschaftlich orientierten Forschung werden schnell in ein eklektisches Weltbild integriert. So wurden etwa Paul Devereux’s Mutmaßungen über außerkörperliche Erfahrungen und ihre Entsprechungen in Leys im Oktober 1995 im deutschen Magazin esotera wie folgt rezipiert: „Kraftorte haben eine physikalisch meßbare Ausstrahlung. Geomantie-Experten behaupten, auch die aus Mythen vieler Kulturen bekannten ‚Geisterwege‘ oder ‚Himmelsleitern‘ seien wahrscheinlich reale ‚feinstofflich-physikalische‘ Phänomene.“ Deutsche Geisterwege und chinesische Drachenwege seien identisch, „das althochdeutsche Wort für Drachen war ‚track‘, es bildet die direkte Beziehung zum englischen Begriff für Pfad.“
Die moderne Forschung – so esotera (Brönnle 1995) – habe gezeigt, dass die Seele ein energetisches Phänomen ist, das durch einen Tunnel ins Jenseits fliegt. Dieser Tunnel sei ein echtes physikalisches Phänomen im Äther und verlaufe entlang des Energiegitters der Erde. Der Tunnel könne mit Wünschelruten nachgewiesen werden, und sei das, was die alten Kulturen als Geisterwege und modernen Geomanten als Leylinie beschreiben.
Man spricht von der Verbindung von Diesseits und Jenseits als „vertikalen Phänomenen, die von einer Art ‚Äthermantel‘ umgeben sind“ und bei denen es sich „um die räumliche Abbildung jener ‚axis mundi‘ handelt. Sie können ähnlich einer Leylinie auch radiästhetisch gefunden werden.“ (Brönnle 1995, 33, 35)          
Ähnliche Vorstellungen über ley lines sind so zahlreich in der Literatur zu finden, dass dieses Zitat genügen möge. Für die meisten Leser populärer Bücher sind Leys ausnahmslos Leylinien, und als solche Leitungen von Erdenergien mit quasi magischen Kräften. In England ist dieses Konzept so populär, dass es von einem Popsänger wie Robbie Williams in einem Songtext angeführt und offenbar vom Zielpublikum verstanden werden kann.[6]

Die Situation in Deutschland

In Deutschland gab es im Dritten Reich eine breite Strömung, die nach „heiligen Linien“ suchte (vgl. Teudt 1936; Röhrig 1930) – und sie war eng verknüpft mit germanophilen und rassistischen Vorstellungen (dazu ausführlich Magin 1996, 12–50). Ihr Schatten ist lang und beeinflusst die Szene in Deutschland bis heute, besonders bei der Überbewertung einer längst widerlegten astronomischen Nutzung der Externsteine.[7] Daher spielen Faktoren eine Rolle, die in Großbritannien weniger prominent in Erscheinung treten: Erstens, eine astroarchäologische Orientierung (z. B. Weisweiler 1981) und, zweitens, eine überdimensionierte Betonung ehemaliger germanischer Größe (vgl. Haasbach 2017).      
Astroarchäologische Forschung wird als Teildisziplin der Astronomie sowohl von Akademikern als auch Laienforschern betrieben. Der klassische Band stammt vom Doyen der Disziplin, Rolf Müller (1970), der bereits in der Erforschung der heiligen Linien und der Externsteine in den 1930er-Jahren aktiv war.     
Weder in der Esoterik noch in der akademischen Astroarchäologie wurden dabei die problematischen Grundlagen der Ley-Forschung in Deutschland aufgearbeitet, im Gegenteil. So war der ehemaliger Inhaber des Lehrstuhls und Astroarchäologe an der Ruhr-Universität Bochum, Theodor Schmidt-Kaler, in rechtsextreme Aktivitäten verstrickt (Hundseder 1995, 178 f), und sein Nachfolger Wolfhard Schlosser publiziert zu der kalendarischen Ausrichtung der Externsteine gemeinsam mit revisionistischen Autoren (Lippek/Schlosser 2012; Schröder/Schlosser 2015).[8]    
Zu den Astronomen reihten sich die Ingenieure. Zahllose Gitternetze, die auf frühgeschichtliche (vgl. Fester 1981) oder germanische (vgl. Haasbach 2010; 2017) Erbauer zurückgehen sollen, wurden vorgeschlagen. Dabei verband z. B. Richard Fester Ortsnamen mit der „Ursilbe“ KAL in Süddeutschland und erhielt ein starres Gitter aus Nordsüd- und Ostwest-Linien. Die Zahl der Veröffentlichungen von Laienforschern, die in ihrer Heimat auf Linien oder Liniennetze gestoßen sind, ohne je von Watkins oder Leys gehört zu haben, ist gerade in Deutschland groß.

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Abb. 2: Leys haben längst den Mainstream und die Heimatvereine erreicht: Hinweistafeln auf alte gerade Linien im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg (an einem rekonstruierten Steinkistengrab) …
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Abb. 3: … und an einem Wanderweg bei Hennef im Siegtal (die Tafel stellt Linien dar, die ein lokaler Hobbyforscher entdeckt haben will).

Die englischen Ideen wurden hier vor allem durch Übersetzungen der Autoren Michell und Pennick befördert. Eine bedeutende Rolle bei der Vorstellung der eher akademisch-britischen Konzepte spielte ein schmaler Band des Verlegers Werner Pieper (1976). Er sammelte Aufsätze von Michell, aber auch der deutschen „Pioniere“. Piepers sorgfältige Auswahl allerdings machte nicht Schule; seine Veröffentlichung ist, wie Michells in Großbritannien, innerhalb der alternativen Strömungen erfolgt, die bald schon mit der aufkeimenden New-Age-Bewegung verschmolzen. Gemeinhin hat man in Deutschland die esoterischen Deutungen der Leylinien mit den Erdstrahlen enthusiastisch und ohne Quellenkritik übernommen. Ideen, die im englischen Heimatland keine Rolle spielten, wurden hier bedeutend, etwa die neuen, intuitiven Ideen über Landschaftstempel (vgl.  Dawkins 1995; er beeinflusste maßgeblich den regen Autor Kurt Derungs) und die naturspirituellen Konzepte des New Age (charakteristisch: Luczyn 1991). Die hiesige „Ley-Forschung“ ist, neben astronomischen Deutungen, vor allem durch Vorstellungen über Erdstrahlen geprägt (Landspurg 1994). In Fortführung der von Rutengängern postulierten Globalnetzgitter finden gerade deutsche Ley-Sucher gern weltumspannende oder zumindest europaweite Linien (Möller 1988; Kaminski 1995). Möller zog auf einem Autoatlas Verbindungslinien zwischen Kirchen rund um Karlsruhe und erhielt so ein gigantisches Pentagramm in der Rheinebene, dessen Eckpunkte Kirchen aus dem 19. und 20. Jahrhundert, also nicht aus grauer Vorzeit, bilden, und schrieb dieses ‚Erdzeichen‘ den Atlantern zu.[9] Besonders der Schweizer Bestseller-Autor Erich von Däniken zeigte sich von dieser Entdeckung beeindruckt. Für den Niederländer Wigholt Vleer (1992) bestehen Leylinien nur aus Verbindungslinien zwischen zwei kraftaufgeladenen Kirchen, die wahllos in der Landschaft verteilt sind; für den durch Workshops und zahlreiche Buchveröffentlichungen bekannt gewordenen M. Pogacnik (1996) darf eine Leylinie – je nach Energieart – auch schlängeln. Mit der Mutung von Kraftlinien in Kirchen ohne Bezug auf die umgebenden Kultstätten hat die esoterische Ausprägung der Ley-Bewegung in Deutschland ganz eigene Wege gefunden. Ist schon die britische Ley-Forschung selbst in der akademisch orientierten Ausprägung von Heilserwartungen eines goldenen Zeitalters geprägt, so ist die Sprache hier bereits ganz religiös. Jörg Purner (1988, 164–165) schreibt:

„Auf die nun folgenden Ereignisse war ich allerdings nicht gefaßt. Denn schon nach wenigen Schritten verspürte ich eine geheimnisvolle Kraft, die fast augenblicklich in mir ein merkwürdig vibrierendes Empfindungsphänomen auslöste, das, vom Herzbereich ausgehend, sehr rasch meinen ganzen Körper erfüllte und schließlich das gesamte Blickfeld meines Bewußtseinshorizonts durchstrahlte und durchtönte. […]          
Ich hatte mich völlig in Licht aufgelöst. Ich war Licht. Einverwoben und geborgen in diesem grenzenlosen Meer von Licht, ruhend in der Ewigkeit, ohne Raum und Zeitgefühl, war der anfängliche wohltuende Schauer zu einem unbeschreiblichen Glücksgefühl angeschwollen.“

Eine weitere Besonderheit der deutschen Ley-Forschung ist der Einfluss der Prä-Astronautik, also der These, dass die vorgeschichtlichen Kulturen von Raumfahrern von fremden Planeten beeinflusst worden seien. Einzelne Ansätze zu einer solchen Ley-Deutung finden sich in der englischsprachigen Literatur (vgl. Temple 1977). Däniken (1993; 1997) übernahm Ley-Thesen des Dänen Preben Hansson (1990) sowie von Jens Möller (1988): Hier werden die Leys entweder als Flugbahnen Außerirdischer oder als Beleg für eine globale Erdvermessung in grauester Vorzeit betrachtet.

Letzte Frage: Gab es wirklich Leys?

Auch wenn sich die meisten Forscher mittlerweile einig sind, dass Watkins’ Leys zum größten Teil zufällig entstanden waren, hat doch die Beschäftigung mit seinen Ideen dazu geführt, dass Geomantie-Forscher eine Vielzahl linearer archäologischer Reste genauer untersucht haben. Es zeigt sich, dass Linien in der Landschaft zum Repertoire viele Völker aller Zeiten gehört haben, und dass sie oft mit dem Totenkult oder der Vorstellung geistiger Kräfte in der Landschaft in Verbindung standen. Ob es sich hier um eine anthropologische Konstante oder um Überbleibsel eines weltumspannenden Schamanismus handelt, wird noch diskutiert. Meiner Ansicht nach bedeutet es nur, dass ähnliche Vorstellungen immer wieder neu diskutiert wurden (kritisch z. B. Stone 1998).

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Abb. 4: Eine lineare Anlage aus der Steinzeit ist die Umfassung des Hünenbettes von Grundoldendorf auf dem Alten Land bei Hamburg. Quelle: DNösler, Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Einige solche archäologisch akzeptierten Leys sind bereits in Magin (1996, 115–143) angeführt. Tatsächlich werden jedes Jahr prähistorische Landschaftslinien entdeckt und beschrieben, wenn auch nicht als Ley bezeichnet. In Seddin in Brandenburg fand man zwei Reihen aus Brandgruben, die sich gerade und parallel über 290 m erstrecken. Sie begleiten ein Grab aus der Bronzezeit des 9. vorchristlichen Jahrhunderts (Goldmann/Schenk 2004). Ein bronzezeitliches Hügelgrab bei Hüsby in Schleswig-Holstein wies eine 60 m lange, kerzengerade, aus einer dreifachen Pfostenreihe gebildete Avenue auf (Freudenberg 2007, 10). Ähnliche Anlagen fand man aus der Keltenzeit am hessischen Glauberg und aus der Jungsteinzeit bei Züschen. Diese Linien dienten den Toten und ihrem Kult.   
Den heiligen Geist symbolisierten die sogenannten Kirchenkreuze, vier auf die Haupthimmelsrichtungen orientierte Kirchen mit dem Dom im Mittelpunkt, die viele hochmittelalterlichen Städte (Utrecht, Paderborn, Goslar, Worms, Speyer, Bamberg, Zürich) prägen. Zahllose Legenden künden davon, wie in den vier Himmelsrichtungen um ein Dorf errichtete Kreuze die Gemeinde vor Krankheiten schützen sollten, etwa in Hennef-Edgoven oder in Überlingen am Bodensee (vgl. Magin 2014).     
Absolutistische Macht symbolisieren barocke Landschaftslinien, etwa die Achsen von Kassel zum Herkules, vom Königsstuhl bei Heidelberg zur Kalmit in der Pfalz, die zugleich die Achse des kurfürstlichen Schlosses in Schwetzingen bildet, die Allee von Schloss Solitude zum Schloss Ludwigsburg in Schwaben oder die Linie von Schloss Ettlingen zum Schloss Rastatt in Baden, die in ihrer Fortführung auf die französische Grenzfeste Fort Louis ausgerichtet ist (vgl. Hank 2003). Linien können also dem Totenkult dienen, der Zurschaustellung von Macht wie auch der Verbreitung des Heiligen Geistes. Es werden aber auch, wie Watkins vermutet, einige Straßen darunter gewesen sein. Nur: Ein allumfassendes Konzept gab es nicht.   
Wohl gab es aber eine Ahnung im Volke, dass unnatürliche Linien in der Landschaft etwas Geheimnisvolles waren. Von dieser Ahnung speist sich nach wie vor die Faszination des Konzepts.         
Denn kurioserweise ist der Glaube, Geister könnten sich nur auf geraden Linien fortbewegen, weltweit verbreitet und könnte am Ursprung vieler prähistorischer Anlagen der Art gestanden haben. Im deutschsprachigen Gebiet, besonders dort, wo sich slawische und deutsche Bevölkerungen mischten, stoßen wir auf die Idee vom Geisterweg. Ein solcher Geisterweg, berichtet der Volkskundler Mengis (1986),

„ist immer derselbe, auf ihm begegnet man sehr oft den Geistern. Stets zieht er in gerader Linie über Berg und Tal, über Wasser und durch Sümpfe (Irrlichter!), in den Dörfern hart über die Häuser hin oder mitten durch sie hindurch. Entweder geht er von einem Friedhof aus oder endet daselbst. Diese Vorstellung hängt offenbar mit dem früher verbreiteten Brauch zusammen, die Leiche auf besonderen Totenwegen zum Friedhof zu fahren, so daß also diesem Weg dieselbe Eigenschaft zukommt wie dem Friedhof selbst, er ist ein Tummelplatz der Totengeister.“

Ein Beispiel für einen solchen Geisterweg ist die ostpreußische „Geisterflugbahn“, „die Geschichte von dem Leichenbesuch in Ragnit“:

„In Ragnit gibt es zwei Friedhöfe, den litauischen und den deutschen Friedhof. […] Aber die Toten auf den Ragniter Friedhöfen, die in der Mitternachtsstunde zum Sonntag geboren wurden und die sich zu Lebzeiten gut kannten, können sich in jeder Sturmnacht besuchen. Dann schweben sie in ganz gerader Richtung von einem Friedhof zum andern. Sie sind steil aufgerichtet, und in ihren Augen sind grünliche Funken. Sie strecken ihre Hände geradeaus, und die Füße der untersten – du mußt denken, daß es Hunderte und Tausende sind ‒ sind nur wenige Handbreit vom Boden entfernt. Sie nehmen immer nur den einen Weg, ganz geradeaus von einem Friedhof zum andern, und auf diesem Wege steht kein Haus und keine Mauer, kein Baum und kein Strauch; alles muß fallen und verdorren, was den Leichenbesuch hindern könnte.“ (Ratzka-Wendler 1917, 95–96)

Gerade Linien, ob man sie Leys nennt oder nicht, sind also immer Bestandteil des menschlichen Erlebens der sie umgebenden Welt gewesen – ob als Pfad, auf dem die Geister spuken, oder heute als Ader der Erdkraft, die einem Wünschelrutengänger eine spirituelle Erfahrung vermittelt.

Literatur

Belloc, H. 1911: The old road. Constable and Company, London.

Bord, J. / C. 1972: Mysterious Britain. Paladin, London.

Bord, J. / C. 1976: Secret country. Paladin, London.

Brönnle, S. 1995: Tore zur Ewigkeit. Esotera 10/1995, 32–39.

Burl, A. 1979: Rings of Stone. Book Club Associates, London.

Däniken, E. v. 1993: Spuren der Allmächtigen. Bertelsmann, München.

Däniken, E. v. 1997: Die Rätsel im Alten Europa. Bertelsmann, München.

Dawkins, P. 1995: Zoence. Knaur, München.

Devereux, P. 1990: Places of power. Blandford, London.

Devereux, P. 1992: Shamanism and the mystery lines: Ley lines, spirit paths, out-of-the-body travel and shape shifting. Llewellyn, St. Paul.

Devereux, P. 1998: Dear editor. 3rd Stone 30, 31–32.

Devereux, P. 1999: They’ll stone you when you’re trying to be so good … The Ley Hunter 133, 11–16.

Devereux, P. 2003: Fairy paths & spirit roads. Vega, London.

Devereux, P. / Thomson, I. 1979: The ley hunter’s companion: Aligned ancient sites – a new study with field guide and maps. Thames and Hudson, London.

Fester, R. 1981: Die Steinzeit liegt vor deiner Tür. Kösel, München.

Fidler, J. H. 1983: Ley Lines: Their Nature and Properties. Turnstone Press, Wellingborough.

Freudenberg, M. 2007: Grabhügel und Kultanlage von Hüsby bei Schleswig. Archäologie in Deutschland 5/2007, 6–11.

Goldmann, T., / Schenk, T. 2004: Kultfeuer am Königsgrab. Archäologie in Deutschland 1/2004, 50–51.

Graves, T. 1990: Energy dowsing: Muddling with the meta-pattern. The Ley Hunter 113, 1–6.

Haasbach, G. 2010: Spuren früher Vermessungen in NRW. Nachrichten aus dem öffentlichen Vermessungswesen Nordrhein-Westfalen 2/2010, 49–80.

Haasbach, G. 2017: Netzwerk vorchristlicher Kultstätten im südlichen NRW. Vortrag in Ruppichterroth, 17. März 2017.

Halle, U. 2003: „Treibereien wie in der NS-Zeit“. Kontinuitäten des Externsteine-Mythos nach 1945, in: U. Puschner / G. U. Großmann (Hrsg.), Völkisch und national. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 195–213.

Hank, P. 2003: Verborgene Sonnenstadt. Stadt Rastatt, Rastatt.

Hansson, P. 1990: Und sie waren doch da. Sie kamen von den Sternen. Hestia, Bayreuth..

Hawkins, G. S. 1965: Stonehenge decoded. Souvenier Press, London.

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[1] Vgl. die ausführliche Darstellung bei Pennick/Devereux 1989, 30–45.

[2] Zu Leben und Werk siehe Shoesmith 1990.

[3] Watkins veröffentlichte ein Handbuch für Ley-Sucher; vgl. Watkins 1927.

[4] Zur Diskussion und letztlichen Widerlegung des Konzepts siehe Vallée 1966, 60–96.

[5] Benannt nach Charles Fort (1874–1932), einem amerikanischen Schriftsteller und Anomalistikforscher, der mit seinen Büchern Sammlungen kurioser und bizarrer Naturphänomene (Anomalien) vorlegte.

[6] “Then I got laid on a ley line” aus dem Song “Bodies”, vom Album Reality Killed the Video Star (2009).

[7] Die Externsteine, eine Felsgruppe im Teutoburger Wald, wurden im frühen Mittelalter in eine Imitation des heiligen Grabes zu Jerusalem umgestaltet. In den 1920er-Jahren wollte der völkische und antisemitische Laienforscher Wilhelm Teudt herausgefunden haben, dass es sich bei Grab und Kapelle um ein vorgeschichtliches, nach den Sternen ausgerichtetes germanisches Heiligtum handelte, das die kulturelle Überlegenheit der „germanischen Deutschen“ über die römisch-jüdische Mittelmeerwelt beweisen sollte. Seine Thesen wurden im Dritten Reich offizielle Lehrmeinung. Die Vorstellung, die Externsteine seien ein astronomisch ausgerichteter Kultbau, gilt archäologisch längst als widerlegt, eine Rehabilitierung wird vor allem von rechtsextremen Propagandisten betrieben – und erstaunlicherweise auch von der in Deutschland universitär betrieben Astroarchäologie. Es gibt nach wie vor keinen einzigen archäologischen Beleg für eine Datierung der Externsteine und ihrer Kapelle in die vorchristliche Zeit (Magin 1996, 23–28, 111–114, zur Nachkriegsgeschichte Halle 2009).

[8] Ein Blick in das Verzeichnis des Arnshaugk-Verlags mit zahllosen einschlägigen Titeln, in dem Schlosser publiziert hat, mag diesen Eindruck festigen: http://www.arnshaugk.de/index.php?v=9&korb=

[9] Ein Eckpunkt, die Kirche St. Wendelinus in Rastatt-Rheinau, wurde 1913 erbaut, Karlsruhe selbst erst 1715 gegründet.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Zeitschrift für Anomalistik 17/3 (2017), 277–292.

Ulrich Magin lebt nahe Bonn und ist Autor zahlreicher Sachbücher, darunter „Megalithen in Deutschland: Rätselhafte Großsteingräber, Hinkelsteine und Steinkreise“ (Nikol).

Siehe auch:
Stonehenge – Ein prähistorisches Observatorium?
Die fliegenden Leichen von Ragnit