Mumien, Monstren, Manipulationen ‒ Antike Mischwesen bei Erich von Däniken und Jörg Lanz von Liebenfels

  1. Das Serapeum von Sakkara – Grab heiliger Stiere oder Gefängnis für Monster?
  2. Rätselhafte Tiermumien
  3. Die Mischwesen des Eusebius
  4. Monster, Aliens, Sex und Nazis – Rassenlehre mit Erich von Däniken
  5. Assyrische Menschentiere? Der Schwarze Obelisk und das Relief des Assurnaṣirpal
  6. Mumien, Monstren, Manipulationen ‒ Antike Mischwesen bei Erich von Däniken und Jörg Lanz von Liebenfels

Zusammenfassung: In seinen Büchern Zurück zu den Sternen und Die Augen der Sphinx stellte Erich von Däniken die These auf, außerirdische Götter hätten einst eine Vielzahl grotesker Mischwesen erschaffen. Davon sollen neben antiken Überlieferungen auch assyrische Reliefs, ägyptische Tiermumien und die monumentalen Sarkophage im Serapeum von Sakkara zeugen. Eine Überprüfung der Quellen zeigt jedoch in allen Fällen wahrheitswidrige Manipulationen, bei denen relevante Informationen weggelassen oder hinzuerfunden wurden. Wie zudem anhand von Textvergleichen belegt werden kann, geht Dänikens frühe Behandlung der Mischwesen-Thematik in zentralen Punkten auf die Werke des völkischen Esoterikers Jörg Lanz von Liebenfels in der Adaption durch Eugen Georg zurück.

Summary: In his books Return to the Stars and The Eyes of the Sphinx, Erich von Däniken suggested that extraterrestrial gods once created a multitude of strange hybrid creatures. Ancient literary accounts, Assyrian reliefs, Egyptian animal mummies, and the monumental sarcophagi in the Serapeum of Saqqara shall bear evidence for this. However, an examination of the sources shows that in all cases those were manipulated in a way contrary to the truth, with relevant information being omitted or added. As can be proven by text comparison, Däniken’s early treatment of hybrid creatures is directly based on the works of the right-wing mystic Jörg Lanz von Liebenfels, as adapted by Eugen Georg.

Stichworte: Fabelwesen, Mischwesen, Prä-Astronautik, Altes Ägypten, Mesopotamien, Assyrer

Keywords: legendary creatures, hybrid creatures, ancient astronauts, ancient Egypt, Mesopotamia, Assyrians

Chimäre, Sphinx und Minotaurus, Satyrn und Kentauren, von den menschenköpfigen Stieren der assyrischen Paläste bis zu den tierköpfigen Göttern Ägyptens: Mischwesen aus verschiedenen Tieren und/oder Menschen sind in der Mythologie und Bilderwelt antiker Kulturen weit verbreitet. Einst für real existierende Wesen gehalten, hat spätestens die moderne Biologie solche Kreaturen ins Reich der Fabel und Fantasy verbannt. Auch in der heutigen Kryptozoologie spielen sie, wenn überhaupt, nur eine periphere Rolle.       
Anders ist dies in der Prä-Astronautik, den Spekulationen über angebliche Besuche Außerirdischer in der fernen Vergangenheit: Vor allem in seinen Büchern Zurück zu den Sternen (1969) und Die Augen der Sphinx (1989) sowie weiteren Werken (Däniken/Tomas 1989; Däniken 2011) stellte Erich von Däniken die Behauptung auf, die Mischwesen der antiken Mythen hätten tatsächlich existiert – chirurgische oder gentechnische Schöpfungen der außerirdischen Götter. Zeugen sollen hiervon neben den zahlreichen antiken Überlieferungen (darunter einem Zitat des Kirchenvaters Eusebius) auch Bilddarstellungen (etwa auf dem Schwarzen Obelisken Salmanassars III.) sowie archäologische Funde: In den monumentalen Granitsarkophagen des Serapeums von Sakkara seien die Überreste toter Ungeheuer beigesetzt worden; auch in ägyptischen Tiermumien fänden sich abnorme Überreste.         
In dieser Zusammenstellung bereits vor über dreißig Jahren publiziert, gehört die Mischwesen-These heute zu den wiederkehrenden Motiven des prä-astronautischen Narrativs. Meist ohne weitere Prüfung wurden die angeblichen Belege von verschiedenen anderen Autoren der Szene übernommen (u. a. Dopatka 1998, 235‒37; Langbein 1996, 42‒46; ders. 2006, 147‒151; Hausdorf 2011, 97‒110; ders. 2012, 150‒152; Habeck 2008, 183 f; ders. 2015, 25 f; kritisch dagegen ders. 2019, 62‒87). Weshalb sich die Thematik in der Prä-Astronautik solcher Beliebtheit erfreut, lässt sich leicht erschließen: Mischwesen aus verschiedenen Tieren und/oder Menschen könnten unmöglich durch natürliche Evolution, sondern nur durch Gentechnik bzw. moderne Biotechnologie entstanden sein. Sollte sich also deren tatsächliche Existenz belegen lassen, so wäre das ein kaum widerlegbarer Beweis für das Wirken einer technologisch fortgeschrittenen (= außerirdischen) Intelligenz im Altertum. Dies ist umso relevanter, da in der Prä-Astronautik auch oft eine genetische Manipulation des frühen Menschen durch Außerirdische postuliert wird.          
Angesichts der anhaltenden Prominenz des Themas lohnt sich ein näherer Blick auf die zugrundeliegenden Fakten. Deren Überprüfung veranschaulicht nicht nur die zweifelhafte Arbeitsweise Erich von Dänikens, sondern vermag auch eine bisher nicht erkannte Quelle seiner Thesen aufzuzeigen.

Das Serapeum: Gefängnis für Ungeheuer?

Abb. 1 Sarkophag V AK
Abb. 1: Sarkophag aus der späten Ptolemäerzeit im Serapeum, Kammer V’ (Foto: André Kramer).

1851 macht der Ägyptologe Auguste Mariette in Ägypten eine spektakuläre Entdeckung: In der Nekropole von Sakkara südlich von Kairo stößt er auf eine Allee steinerner Sphingen, die den Weg zu einem lange verborgenen Bauwerk weist. Unter dem Wüstensand legen Mariettes Arbeiter mehrere Grabkammern und zwei gewaltige Gewölbe frei. Hier, so deuteten bereits die antiken Autoren Strabon[1] und Pausanias[2] an, seien im Alten Ägypten die heiligen Apis-Stiere von Memphis beigesetzt worden.
Der Apis war ein heiliger Stier, der als Verkörperung der Götter Ptah und Osiris galt. Sein Kult lässt sich von der 1. Dynastie (um 3.000 v. Chr.) über die gesamte ägyptische Geschichte bis zu dem Verbot aller heidnischen Kulte durch den christlichen Kaiser Theodosius (reg. 379‒395 n. Chr.) nachweisen; seine größte Bedeutung erlangte er in der ägyptischen Spätzeit des 1. Jt. v. Chr. (Dodson 2015, 72; Ikram 2015, 7 f). Zu Lebzeiten wurde der Apis als Verkörperung des Gottes Ptah verehrt und nahm an religiösen Zeremonien teil; an seinem Tempel stand ihm ein Harem von Kühen zur Verfügung. War der heilige Stier gestorben, so machte sich eine Priesterkommission im ganzen Land auf die Suche nach einem geeigneten Kalb, das sich (so der antike Autor Aelian) anhand von 27 körperlichen Merkmalen als Nachfolger qualifizierte.   
Nach seinem Tod wurde der Apis aufwendig mumifiziert und mit allem Prunk beigesetzt. Eine detaillierte Anleitung für die Einbalsamierung gibt der sog. Apis-Papyrus, welcher sich heute im Kunsthistorischen Museum Wien befindet (Inv.-Nr. ÄS 3873; Quack 2019; Abb. 6). Dem griechischen Geschichtsschreiber Diodor (I 84) zufolge betrugen die Kosten eines solchen Apis-Begräbnisses nicht weniger als 100 Talente, wobei ein Talent in der Antike etwa 25,8 kg Silber oder dem Gegenwert eines Schiffes entsprach. Noch heute findet man in Memphis einen monumentalen Steintisch zur Stier-Mumifizierung, den der Pharao Scheschonq I. (946‒924 v. Chr.) für den Apis stiften ließ (Ritner 2009, 186 f).

Abb. 2 Sarkophag D AK
Abb. 2: Sarkophag aus der Zeit des Chabbasch (338‒336 v. Chr.) im Serapeum, Kammer D’ (Foto: André Kramer).

Entsprechend monumental gestaltet sich das von Mariette entdeckte Grabmal in Sakkara, nach dem benachbarten Serapis-Tempel als Serapeum bekannt: In Nischen entlang einer fast 200 m langen unterirdischen Galerie stehen insgesamt 24 riesige Steinsarkophage (Abb. 1, 2). Mit bis zu 4 m Länge, 3,3 m Höhe und 2,3 m Breite scheinen diese selbst für Stiere überdimensioniert. Ein jeder wurde aus einem einzigen Block Rosengranit gemeißelt, einem besonders harten und hochwertigen Stein aus den Steinbrüchen des rund 800 km entfernten Assuan. Das Gewicht eines einzelnen Sarkophags einschließlich des rund 60 cm dicken Deckels berechnete Mariette (1882, 80) auf nicht weniger als 65 Tonnen. Ein schier größenwahnsinniger Aufwand – „nur“ für die Bestattung verstorbener Rinder?
Eine andere These vertrat Erich von Däniken in seinen Büchern Die Augen der Sphinx (1989) und einem Beitrag für die kurz zuvor erschienene Anthologie Kosmische Spuren, wo er die Entdeckung bildhaft beschreibt:

„Mit Hebeln und Winden wurde der erste Sarkophag mühsam geöffnet. Er enthielt ‒ nichts. Verblüfft und enttäuscht wurden die Hebel an den zweiten Deckel gelegt. Mariette fand »… eine bitumöse Masse, die fürchterlich stank und beim geringsten Druck der Hände zu Staub zerfiel … keinen Stierschädel, keine großen Knochen, im Gegenteil, ein Durcheinander von kleinen Knochensplittern …« Nicht ein einziger Sarkophag enthielt eine Stiermumie! Einzig in einem schweren Holzsarkophag entdeckte Mariette die Mumie eines jungen Prinzen.“ […] „Immerhin steht fest, daß die Monstersarkophage im Serapeum nie Stiermumien enthielten.“ (Däniken/Tomas 1989, 25 f – ausführlicher in Däniken 1989, 15‒22)

Die Schlussfolgerung angesichts der rätselhaften Befunde:

„Hier stimmte etwas nicht. Die unterirdische Anlage mit ihren Nischen und eingemauerten Sarkophagen hatte gar nichts von einem Heiligtum an sich. Mich erinnerte die düstere Gruft eher an ein Gefängnis, in dem etwas aufbewahrt wurde, vor dem sich die Menschen fürchteten. Was hier unten in undurchdringlichen Granitgehäusen lag, sollte die Menschen nie mehr bedrohen können, sollte nie mehr das Tageslicht sehen.“ (Däniken/Tomas 1989, 24 f)

Nicht heilige Stiere, so seine These, sondern mythische Ungeheuer oder deren tierische Nachkommen seien einst im Serapeum bestattet worden:

„Nach dem Tode hingegen sollten die Knochen der unheimlichen Kreaturen zerschlagen, zersplittert und mit Asphalt vermischt werden. Aus härtestem Granit sollten schwere Sarkophage gehauen werden, derartig wuchtig und gewaltig, daß kein wiedergeborenes Untier das Gefängnis zu sprengen vermochte. Die Sarkophage mußten in unterirdische Felsgruften eingemauert werden, nie wieder sollten Monster und Ungeheuer über die Menschen herfallen, die Menschen tyrannisieren können.“ (Däniken 1989, 84/86)

Mag die Vorstellung von wandelnden Mumien auch eher der modernen Populärkultur entspringen, so war die Vorstellung von bedrohlichen Untoten dem Alten Ägypten doch offenbar nicht vollkommen fremd: Tatsächlich sind auch aus Ägypten, vor allem den Gräberfeldern der einfachen Bevölkerung, eine Vielzahl von irregulären Bestattungen belegt, bei denen die Verstorbenen enthauptet, verstümmelt, gefesselt oder mit schweren Steinen beschwert beigesetzt worden waren ‒ möglicherweise, um ihre Auferstehung als gefährliche Wiedergänger zu verhindern (Kohse 2019, 234‒35). Von der fortwährenden Gefährlichkeit mancher Toter zeugen auch verschiedene Schriftquellen, darunter Pyramiden- und Sargtexte, Briefe an Tote, Ächtungsrituale sowie Grabinschriften, die potenzielle Grabräuber vor der Rache des Verstorbenen warnen (ebd., 235‒38). Ob es derartige Vorstellungen jedoch auch bezüglich heiliger Tiere wie dem Apis oder mythischen Mischwesen gab, geht aus den überlieferten Quellen nicht hervor.      
Doch stimmt es, dass im Serapeum niemals eindeutige Belege für die Bestattung von Apis-Stieren gefunden wurden – und erweist sich Dänikens unkonventionelle Interpretation angesichts der rätselhaften Funde als zumindest denkbar?

Das Serapeum: Grabmal der Apis-Stiere

Abb. 3 Serapeum Dodson 2015
Abb. 3: Plan des Serapeums mit Großer Galerie (horizontal), Kleiner Galerie (vertikal) und Einzelgräbern (rechts) (Dodson 2015, fig. 4.4).

Das Serapeum besteht aus drei Bereichen (Abb. 3), deren Baugeschichte und Belegung sich anhand zahlreicher Inschriften und Artefakte gut rekonstruieren lässt (Mariette 1857; ders. 1882; Überblick bei Dodson 2015): In der 18. und 19. Dynastie, der Zeit von Amenophis III. (reg. 1388–1351 v. Chr.) bis Ramses II. (reg. 1279‒1213 v. Chr.), wurden sieben Apis-Stiere in einzelnen Grabkammern mit eigenem Zugangsschacht beigesetzt (Gräber A‒G/H). Wo die früheren Apis-Stiere seit dem Alten Reich bestattet wurden, ist bis heute unbekannt. Zur Zeit Ramses II. wurde ein neues Grabmal angelegt, die Kleine Galerie, in der die Apis-Stiere der folgenden Jahrhunderte nicht mehr in einzelnen Gräbern, sondern in Nischen zu beiden Seiten eines Ganges beigesetzt wurden (Gräber I‒T und 1‒5). Bis dahin geschah die Bestattung in Holzsärgen, nur in Einzelgrab E fand sich ein kleinerer Steinsarkophag. Aufgrund von Einsturzgefahr ist die Kleine Galerie heute nicht für Besucher zugänglich.[3] Erst in der 26. Dynastie unter Psammetich I. (reg. 664–610 v. Chr) entstand die sog. Große Galerie, der heute bekannteste und als einziger touristisch erschlossene Abschnitt: Entlang eines sukzessive auf fast 200 m Länge erweiterten Ganges fanden bis zur Römerzeit 29 Apis-Stiere ihre letzte Ruhe, seit König Amasis (reg. 570–526 v. Chr.) in gewaltigen Granitsarkophagen.          
Dass das Serapeum tatsächlich der Beisetzung von Apis-Stieren diente, ist dabei durch zahlreiche Relikte aus allen Bereichen der Anlage dokumentiert: Hierzu zählen die in der benachbarten Kapelle des Nektanebos gefundene Statue eines Apis-Stieres (Louvre N 390; Abb. 4) und mehrere Wandmalereien (in Grab D, G und neben Kammer M), welche die Verehrung des Apis zeigen. Sämtliche Einzelgräber (A–H) enthielten Kanopen (Gefäße für die separate Beisetzung der Organe), die unberaubte Grabkammer G zudem weit über 200 teils stierköpfige Uschebtis (Miniaturfiguren, die dem Verstorbenen im Jenseits als Diener zur Verfügung stehen sollten). Dies entspricht dem üblichen Grabritus der alten Ägypter, um einem Verstorbenen das sichere und würdige Weiterleben im Jenseits zu ermöglichen – in jedem anderen Kontext wären diese Objekte fehl am Platz. Weitere Kanopen und Uschebtis fanden sich in der Kleinen Galerie; mehrere von ihnen tragen Inschriften mit Nennung des Apis (vgl. Dodson 1999; ders. 2000; ders. 2015).

Abb. 4 Apis Louvre
Abb. 4: Apis-Statue und Apis-Stele aus dem Serapeum, Louvre IM 1803 (Foto: Wikimedia Commons).

Schließlich stammen aus dem Serapeum über tausend steinerne Stelen, von Königen oder Privatpersonen gestiftet, die in Wort und Bild von der Verehrung des Apis zeugen (Malinine et al. 1968; Übersetzungen bei Labudek 2010) ‒ durch die präzise Nennung der Lebensdaten der Stiere im Verhältnis zu den Regierungsjahren der Könige eine unschätzbare Quelle für die Chronologie der ägyptischen Spätzeit. Auf einer Stele aus der Zeit des Amasis (Abb. 5) wird die Bestattung eines Apis im allerersten Granitsarkophag geschildert:

„Im Jahre 23 (= 547 vor Chr.) am 15. Tag des 1. Monat zur Zeit der Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten Amasis, der ewiglich mit Leben beschenkt sei, zog der Gott (= Apis) in Frieden zum schönen Westen (= Jenseits). Man ließ ihn ruhen in seinem Grab in der Nekropole an dem Ort, den seine Majestät für ihn bereitet hatte. Niemals war dergleichen gemacht worden seit Anbeginn. Man vollzog an ihm (dem Apis) alle Zeremonien in der Reinigungsstätte, da sich seine Majestät erinnerte, wie man es Horus für seinen Vater Osiris getan hatte. Man machte ihm einen großen Sarkophag aus Granit und seine Majestät fand es gut, ihn aus kostbarerem Stein herstellen zu lassen als irgendein König zu irgendeiner Zeit. Man machte ihm ein Grabgewand aus geheimem Stoff der heiligen Stätten von Sais, um ihm (dem Apis) Schutz zu verleihen. Sein Schmuck war aus Gold und allerlei herrlichen Edelsteinen, schöner als man es je gemacht hatte. Denn seine Majestät liebte den Apis mehr als jeder König. […]“ (Winter 1978, 28)

Eine ähnliche Inschrift findet sich auf dem zugehörigen Sarkophag:

„Horus, Samn-mēꜤet; King of Upper and Lower Egypt, KhenmibrēꜤ; he dedicated his monument to the Living Apis, (namely) a great sarcophagus of granite. Now his Majesty found that it (a sarcophagus) had not been made in a costly stone by any king at any time.‒That he might be one who is given life for ever.“ (Gunn 1926a, 93)

Abb. 5 Stele Amasis
Abb. 5: Apis-Stele des Königs Amasis aus dem Serapeum, Louvre IM 4131 (Foto: Wikimedia Commons).

Vergleichbare Inschriften sind in drei weiteren Granitsarkophagen aus der Perser- und Ptolemäerzeit eingemeißelt (Abb. 1; 2):

„Horus, Sam-towi; King of Upper and Lower Egypt, Meswet-rēꜤ; Son of Rē, Cambyses, may he live for ever! He dedicated his monument to his father, Apis-Osiris : a great coffin of granite which the King of Upper and Lower Egypt Meswet-rēꜤ, Son of RēꜤ, Cambyses, made, who is given all life, all continuance and dominion (?), all health, all gladness, glorious as King of Upper and Lower Egypt, for ever.“ (Gunn 1926, 85 f )

„Second Regnal-year, third Month of Akhet under the Majesty of the King of Upper and Lower Egypt, Ḫ-b-š (sic), may he live for ever! beloved of Apis-Osiris, Lord(?) of Kem.” (Gunn 1926, 87)

„O Apis-Osiris, someone shall stand behind thee, thy brother shall stand behind thee, he stands and shall not perish behind thee; <thou> shalt not perish, thou shalt not pass away, during the whole of eternity, Apis-Osiris!“ (Gunn 1926, 88 f; weitere Inschriften ebd. ff)

Zwei Stelen aus der Regierungszeit des Perserkönigs Dareios I. erwähnen zudem die Erweiterung des Serapeums durch einen neuen Eingangskorridor und die prachtvolle Bestattung zweier verstorbener Apis-Stiere in dafür angefertigten Granitsarkophagen (Louvre IM 4187 und 4039 = Labudek 2010, 399‒402).
All diese Inschriften stimmen darin überein, dass 1. die Granitsarkophage in der ägyptischen Spätzeit unter historisch identifizierbaren Herrschern angefertigt wurden, 2. darin Apis-Stiere mit aller ihnen zustehenden Pietät beigesetzt wurden und 3. die monumentalen Sarkophage dazu dienten, ihnen Schutz zu verleihen. Dies ist das exakte Gegenteil von Dänikens These, darin sollten verhasste Ungeheuer festgehalten und an der Auferstehung gehindert werden. Auch die Inschriften auf den Innensärgen der Gräber E („Apis-Osiris, großer Gott, der in Amenti wohnt, der ewig lebende Herr“) und G („Das ist Osiris-Apis, der in Amenti wohnt, der große Gott, der ewige Herr, der Herrscher für immer“), von denen im Folgenden die Rede sein wird, kennzeichnen den Inhalt explizit als Apis und widersprechen einer beabsichtigten Vernichtung diametral. Unschwer zu erkennen ist nicht zuletzt das sogenannte Scheintür-Relief an der Vorderseite eines Granitsarkophags (Abb. 1), welches typisch für ägyptische Gräber ist und dem Verstorbenen einen permanenten Durchgang zwischen Dies- und Jenseits ermöglichen sollte.     
An der Funktion des Serapeums als Grabmal der Apis-Stiere besteht demnach kein berechtigter Zweifel. Doch warum wurde dort keine vollständige Stiermumie gefunden – und was ist mit jener rätselhaften Bitumenmasse, die sich in den Sarkophagen befunden haben soll?

Abb. 6 Apis Papyrus
Abb. 6: Papyrus mit Anleitung für die Einbalsamierung des Apis, Kunsthistorisches Museum Wien ÄS 3873 (Foto: Leif Inselmann).

Der Zustand der Apis-Mumien

Abb. 7 Apis Kopf Louvre
Abb. 7: Mumifizierter Kopf eines Apis-Stiers aus dem Serapeum, vmtl. Einzelgrab E, Louvre N 2884 (Foto: Musée du Louvre, Dist. GrandPalaisRmn / Christian Décamps © 2004, https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010015210).

Trotz seiner ausführlichen Beschreibung des Serapeums unterläuft Däniken von Anfang an ein zentraler Fehler: Anders als in seinen Publikationen suggeriert (s. o.), wurde die rätselhafte Masse von Bitumen und Knochensplittern in keinem der monumentalen „Monstersärge“ gefunden, sondern nur in den kleineren Holz- und Steinsärgen der Einzelgräber E und G sowie dem Grab K der Kleinen Galerie. In Die Augen der Sphinx unterscheidet Däniken noch zwischen den verschiedenen Anlagen, dagegen finden Einzelgräber und Kleine Galerie in anderen Publikationen (Däniken/Tomas 1989; Däniken 2011) gar keine Erwähnung.  
Die Granitsarkophage der Großen Galerie waren bei ihrer Entdeckung durch Mariette allesamt leer, bereits in früherer Zeit ausgeraubt. Wahrscheinlich wurde das Serapeum bereits in der Spätantike von Christen verwüstet, als man die Hieroglyphen zum Teil noch lesen konnte, da der Name Apis in manchen Inschriften ausgemeißelt worden ist. Eine weitere Plünderung vermutete Mariette (1857, 5 f) durch Araber im Mittelalter. Dabei ist auch mit gewöhnlichen Grabräubern zu rechnen, die es auf den Totenschmuck der Apis-Stiere „aus Gold und allerlei herrlichen Edelsteinen“ abgesehen hatten. Aus den Protokollen der Verhöre von Grabräubern, die zur Zeit Ramses‘ IX. (ca. 1129‒1111 v. Chr.) im Tal der Könige ihr Unwesen trieben, ist die Praxis überliefert, die Holzsärge mitsamt der Königsmumien zu verbrennen, um schneller an die darin verborgenen Schätze zu gelangen und sich vielleicht auch vor der Rache der Toten zu schützen (Papyrus Amherst und Papyrus B.M. 10054 ‒ Peet 1930, 48 f, 60 f). Einem ähnlichen Schicksal könnten auch die Mumien der Apis-Stiere in der Großen Galerie zum Opfer gefallen sein.     
Nur in der Kleinen Galerie sowie den älteren Einzelgräbern fanden sich drei bislang ungestörte Gräber, deren Inhalt von Mariette dokumentiert werden konnte. So beschreibt dieser die Befunde im Einzelgrab E aus der Zeit des Haremhab:

„In der Mitte stand eine Konstruktion aus weißen Steinen, die einen rechteckigen, unbemalten Sarg enthielt, der auf jeder Seite mit länglichen Tafeln verziert war, auf denen in der Mitte mehrmals die Inschrift erschien: ‚Apis Osiris, großer Gott, der in Amenti wohnt, der ewig lebende Herr‘. […] 
Als ich den Deckel anhob, dachte ich, das Grab sei leer. Aber als ich genauer hinsah, erkannte ich am Boden des Sarges den Kopf eines Stieres und darunter eine schwärzliche Masse, die als Stütze diente.                   
Ich untersuchte zuerst den Kopf. Er haftete an nichts und war auf die Masse gelegt worden. Die Haut war völlig verschwunden, und alle meine Bemühungen, die Spuren der Binden zu finden, waren vergeblich.         
Dann untersuchte ich die Unterlage. Sie hatte eine ovale Form, war ziemlich gleichmäßig und etwa einen Meter lang, dreißig Zentimeter breit und ungefähr genauso dick. Was ihre Beschaffenheit anbelangt, so erkannte ich, dass sie aus einer verworrenen Masse von Bitumen und großen zerbrochenen Stierknochen bestand, die alle ungeordnet unter einer Musselinabdeckung aufgeschichtet waren.“ (Mariette 1857, 10 f; Übers.: DeepL – ähnlich Mariette 1882, 67)

In dem Einzelgrab G entdeckte Mariette sogar zwei ungestörte Bestattungen, welche in die Regierungszeit Ramses II. datieren:

„Ich stieg hinab und stellte fest, dass ich mich in einem ziemlich großen unterirdischen Raum befand, der gleichmäßig in den Fels gehauen war. Vor mir stand ein großer, rechteckiger, schwarz bemalter Holzsarkophag mit vier sehr großen Kanopen aus orientalischem Alabaster, alle vier mit menschlichen Köpfen. Zu meiner Rechten stand ein Sarkophag von gleicher Größe, daneben eine vergoldete Holzstatue in natürlicher Größe, die den stehenden Osiris darstellte und an die Wand gelehnt war. […]        
Als der erste Sarkophag entfernt wurde, erkannte ich einen zweiten, dann einen dritten, beide aus einfachem Holz und sorgfältig zusammengefügt, aber ohne Farbe und ohne Legenden. Als ich die dritte dieser aufeinanderfolgenden Hüllen entfernte, sah ich einen großen Mumienkasten mit einem goldenen Gesicht, ohne Uräus und mit einer Beschriftung auf der Brust, die von vier kleineren Beschriftungen rechtwinklig durchschnitten wurde. Diese vier Beschriftungen enthielten nur die Namen der vier Genien der ägyptischen Unterwelt. Auf der längsten stand: ‚Das ist Osiris-Apis, der in Amenti wohnt, der große Gott, der ewige Herr, der Herrscher für immer.‘
Ich war mir also sicher, dass ich eine Mumie des Apis vor mir hatte und verdoppelte meine Aufmerksamkeit. Ich nahm den Deckel des Sarges an den Füßen, ein anderer nahm ihn am Kopf und wir hoben ihn an. Zu meinem Erstaunen erkannte ich, dass es sich bei dem oberen Teil nur um eine Sarghälfte handelte und dass der Deckel direkt auf dem Boden lag. Da es sich um ein großes Monument handelte, hatte man unter dem Boden in der Dicke des Holzes einen Hohlraum geschaffen, der etwa sieben Zoll tief, etwas mehr als vier Fuß lang und etwa zwei Fuß breit war, so dass ich, als ich den Deckel anhob, auf dem Boden lag. Ich fand auf dem Felsen nur einen schwarzen Haufen, der die Form und Größe des Hohlraums beibehalten hatte, in dem er gelegen hatte. 
Meine erste Sorge galt der Suche nach einem Stierkopf, aber ich fand keinen. Eine bituminöse, stark stinkende Masse, die beim geringsten Druck mit der Hand zu Staub zerfiel, umhüllte eine Menge kleiner Knochen, die bereits bei der Bestattung des Stiers zerbrochen waren. Inmitten dieser Knochen, die ungeordnet und wahllos in der Masse verstreut waren, fand ich 1. fünfzehn Grabstatuetten mit Stierköpfen, mit Legenden mit Namen des toten Apis; 2. etwa zehn Goldobjekte, in die der Name von Scha-em-Djom [= Chaemwaset; LI] und verschiedener anderer Persönlichkeiten, die in Memphis hohe Funktionen innehatten, eingraviert sind; 3. mehrere Statuetten aus Steatit, die den Prinzen selbst darstellen; 4. weitere Statuetten aus demselben Material, die andere Prinzen der königlichen Familie darstellen; 5. schließlich Amulette aus Karneol, rotem Quarz und Serpentin, fein graviert. In der Masse hatte sich eine große Menge von Goldplättchen abgelagert. […]       
Dann untersuchte ich den zweiten Sarkophag, der keine Inschrift trug und dessen äußere Umhüllungen sich in demselben Zustand befanden wie die des ersten Monuments. Der Sarg in Form einer Mumie wies dieselben Inschriften auf, und als ich ihn anhob, erkannte ich, dass er flach auf dem Felsen lag und dass der Sarg auch hier nur seinen Deckel hatte.          
Die gleichen Beobachtungen machte ich, als ich das Tuch entdeckte, in das die bituminöse Masse eingewickelt war. Kein Stierkopf, keine großen Knochen, im Gegenteil, eine noch größere Ansammlung von kleinen Knochenbruchstücken. Doch anstelle der Juwelen, Statuetten und Amulette des anderen Sarkophags fand ich nur einen goldenen Naos mit gewellter Emaille, der unterhalb des Frieses die Namenskartusche von Ramses II. trug und von sechs stierköpfigen Grabstatuetten begleitet wurde.“ (Mariette 1857, 13‒15; Übers.: DeepL)

Die Kleine Galerie, welche noch zur Zeit Ramses II. wohl unter dessen Sohn Chaemwaset angelegt wurde, war zum Zeitpunkt der Erforschung weitgehend ausgeraubt. Nur in Kammer K, welche durch einen Deckeneinsturz verschüttet worden war und von Mariette (1882, 58) mit Schießpulver freigesprengt wurde, fand sich eine weitere ungewöhnliche Bestattung:

„Man stelle sich eine menschenförmige Mumie vor, deren gesamter unterer Teil von der Brust abwärts zerstört war. Eine dicke Goldmaske, die sich heute im Louvre befindet, bedeckte das Gesicht. Am Hals waren zwei ebenfalls goldene Ketten befestigt, an einer davon hingen drei Amulette. Das Innere bestand nur noch aus einer duftenden Bitumenmasse, vermischt mit formlosen Knochen, in deren Mitte zwei oder drei Schmuckstücke mit goldenen Trennwänden gefunden wurden, die mit Glasplättchen gefüllt waren. Schließlich sammelte ich bei diesem einzigartigen Monument einen großen Skarabäus aus grauem Steatit, eine Säule aus grünem Feldspat und etwa zwanzig menschenförmige Grabfiguren. Das ist unser Apis, und die Verlegenheit, in die uns dieser Fund bringen muss, wird deutlich, wenn wir wissen, dass alle Denkmäler, die bei der Mumie gefunden wurden, nichts anderes als den Titel und den Namen Scha-em-Djom [= Chaemwaset] tragen, während alle in der Umgebung gefundenen Denkmäler den Namen und die üblichen Qualifikationen von Osorapis erwähnen. Ist dies ein Apis? Ist dies die Mumie von Scha-em-Djom, der im Jahr 55 nach der Herrschaft seines Vaters starb und darauf bestand, in dem schönsten Grab auf dem Friedhof der Stadt, deren Gouverneur er war, begraben zu werden, wie die anderen Großen Ägyptens, die sich in Abydos neben dem Grab des Osiris beerdigen ließen? Ich zögere, mich auf eine Seite zu schlagen, und ich werde mich nicht einmal auf eine Diskussion einlassen, die uns weit über die Grenzen hinausführen würde, auf die wir uns beschränken müssen.“ (Mariette 1857, 15 f; Übers.: DeepL )

Die rätselhafte Bitumenmasse wurde also tatsächlich gefunden, wenn auch nicht in den monumentalen Granitsarkophagen der Großen Galerie. Diese Bestattungsform galt für die Mumie in Einzelgrab E, die zwei Bestattungen in Einzelgrab G sowie die „Chaemwaset-Mumie“ in Grab K der Kleinen Galerie, d.h. alle erhaltenen Mumien aus der Zeit des Neuen Reiches von Haremhab bis Ramses‘ II.
Da die Grabkammern hinter unberührten Wänden oder Schutt verborgen und die zum Teil goldenen Grabbeigaben noch vorhanden waren, lässt sich eine Zerstörung durch Grabräuber sicher ausschließen. Das Vorhandensein von Bitumen (natürlicher Asphalt) muss grundsätzlich nicht überraschen, da dieses in Ägypten vielfach bei der Mumifizierung zum Einsatz kam – so auch bei der Münchener Ochsenmumie (Schlüter 2020, 47). Auch von anderen ägyptischen Tiermumien, vor allem Vögeln, ist bekannt, dass diese oftmals nur einzelne Knochen oder Federn, mitunter sogar gar keine tierischen Bestandteile enthielten (Ikram 2015, 14). Doch dabei handelte es sich stets um Votivmumien, die in Massen als Weihegaben an Heiligtümern produziert wurden, und nicht um die Mumifizierung eines individuellen heiligen Tieres, wie es der Apis war. Zwar beschreibt der Apis-Papyrus genau das Prozedere von dessen Mumifizierung, wobei der Stier offenbar im Stück gereinigt, gesalbt und umwickelt wurde – doch stammt dieser Text aus der Regierungszeit Nektanebos‘ II. (Quack 2019, 418 f), als die Tiere bereits in der Großen Galerie bestattet wurden, und kann somit nicht als verlässliche Quelle für die tausend Jahre früheren Bestattungen des Neuen Reiches gelten.  
Eine religiöse Erklärung für die disartikulierten Überreste ist in der Forschung u. a. von Mond/Myers (1934, 4‒8) vorgeschlagen worden: Demnach sei der Apis-Stier, zumindest bis zur Zeit des Neuen Reiches, nach seinem Tod vom Pharao rituell verspeist worden. Als Hinweis auf derartige Rituale wird der in der Forschung unter anderem als Kannibalenhymne bekannte, erstmals in den Pyramidentexten des Unas (ca. 2380–2350 v. Chr) belegte Text angeführt: Dieser beschreibt in poetisch-drastischen Worten, wie der Pharao Unas seine Apotheose zum Gott vollendet, indem er Menschen und sogar Götter verschlingt, um ihre Kraft in sich aufzunehmen (Kammerzell 2001). Sollte dieser Text in mythologischer Form auf reale Rituale Bezug nehmen ‒ auch wenn der Apis hierbei nicht explizit erwähnt wird ‒, so könnten die Funde im Serapeum die Überreste eines solchen Festmahls repräsentieren. 
Eine andere mögliche Erklärung ist deutlich prosaischer: So stellt die Mumifizierung eines vollständigen Stierkörpers keine einfache Aufgabe dar. Aufgrund des Hitzestaus beginnt ein Körper dieser Größe, zumal in der tropischen Wärme Ägyptens, innerhalb kürzester Zeit von innen zu verderben, wenn er nicht sofort zerteilt wird (sog. Verhitzung; vgl. Habeck 2019, 82 f). Die zur Zeit des Neuen Reiches längst perfektionierten Methoden der Mumifizierung von Menschen, bei der diese u. a. zum Austrocknen in Natron eingelegt wurden, stießen hierbei an ihre Grenzen.          
Darauf deuten auch die Funde anderer Rindermumien aus Ägypten hin, unter ihnen die „Große“ und „Kleine“ Stiermumie im National Museum of Natural History in New York (Nr. A413942-0 und A413941-0), die sog. Münchener Ochsenmumie im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst (Schlüter 2020) sowie kleinere Kalbsmumien im Museo Egizio in Turin (2343/02) und dem British Museum (EA6771 und EA6773). Abgesehen von den Kuhmumien aus der Baqaria bei Armant (s. u.) sowie einem Rinderskelett im Landwirtschaftsmuseum in Kairo, welches mitunter als angeblicher Apis-Stier aus Sakkara bezeichnet wird (dazu Habeck 2019, 76‒78), enthielten all diese Rindermumien keine vollständigen Körper, sondern vielmehr entfleischte Knochen, welche separat eingewickelt und in Gestalt eines Rindes wieder zusammenmodelliert worden waren. Durchaus möglich also, dass auch die Apis-Stiere über Jahrhunderte hinweg in entfleischter Form mumifiziert wurden, bevor man das später im Apis-Papyrus beschriebene Verfahren entwickelte.     
Während in Grab E zumindest der mumifizierte Kopf eines Apis-Stieres gefunden wurde, waren die drei Mumien aus der Zeit Ramses‘ II. (Grab G und Kleine Galerie K) in menschlicher Gestalt mit anthropoiden Goldmasken modelliert. Wie schon Mariette in Betracht zog, gehen spätere Forscher wie Mond/Myers (1934, 9) und A. Dodson (2015, 103) davon aus, dass es sich auch bei der Mumie in Grab K nicht um den Leichnam des Prinzen Chaemwaset selbst, sondern um einen weiteren Apis in einem anthropoiden Sarg handelte. Hierauf deuten 18 Fayence-Uschebtis mit der typischen Aufschrift „Osiris-Apis, großer Gott, Herr der Ewigkeit“ (Mariette 1882, 58) hin, welche unmittelbar neben dem Sarg vorgefunden wurden. Möglicherweise repräsentierte die Bestattung im anthropoiden Sarg die Verwandlung des Apis zum Gott Osiris, mit welchem dieser nach seinem Tod identifiziert wurde (Winter 1978, 6‒8). Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Anekdote des griechischen Historikers Diodor (I 85, 4‒5) über das Verhältnis beider ägyptischer Gottheiten: „Als Ursache für die Verehrung dieses Bullen führen einige an, nach dem Tode sei die Seele des Osiris in ihn übergegangen und wandere daher bis auf den heutigen Tag stets wieder in dessen Nachfolger hinüber, sobald dieser öffentlich gezeigt werde. Nach anderen sammelte Isis, als Osiris durch Typhon [= Seth; LI] ermordet worden war, seine Glieder und legte sie in ein hölzernes Rind, das mit Byssos [= Muschelseide; LI] umhüllt war.“
Über den ursprünglichen Zweck der ungewöhnlichen Bestattungen im Serapeum lassen sich also nur begründete Vermutungen anstellen. Da die wenig ansehnliche Knochenmasse bei Mariettes Ausgrabungen nicht bewahrt wurde (Dodson 2015, 103), ist eine nachträgliche Untersuchung nicht möglich. Die prä-astronautische Interpretation jedoch lässt sich mit hinreichender Sicherheit ausschließen. Dagegen sprechen nicht nur die zahlreichen Funde und Inschriften im Serapeum, welche von frommer Ehrerbietung gegenüber dem verstorbenen Apis zeugen, sondern auch die praktische Plausibilität: Für die Beseitigung der Überreste gefürchteter Ungeheuer hätte es weit weniger aufwendige Methoden gegeben als die Endlagerung in fein bearbeiteten Granitsarkophagen aus dem hunderte Kilometer entfernten Assuan – von roh bearbeiteten Särgen aus lokalem Gestein bis hin zur simplen Verbrennung der Körper. Vielmehr ist ein solcher Ressourcenaufwand, wie er im Serapeum nachweislich betrieben wurde, nur verständlich für das Begräbnis eines religiösen Würdenträgers, der auf gleicher Stufe mit dem Pharao stand und buchstäblich als Gott verehrt wurde – dem heiligen Apis-Stier von Memphis.       
Während Däniken vor allem über den Zweck der monumentalen Sarkophage spekuliert, bezweifeln andere grenzwissenschaftliche Autoren sogar, dass diese überhaupt mit antiken Methoden hergestellt und bewegt worden sein könnten. Reinhard Habeck (2019, 86) etwa verweist auf die perfekte Bearbeitung der „Monstersärge“ und fragt, ob „die Apisschätze und Scherben nicht vielleicht nur Restbestände einer Nachnutzung gewesen sind“ und „die Riesensärge aus viel älteren Epochen stammen“. Direkte Hinweise auf eine solche Sekundärnutzung bzw. eine ältere Belegungsphase gibt es keine. Dagegen spricht neben den einschlägigen Inschriften auch die Tatsache, dass aus der ägyptischen Spätzeit durchaus zahlreiche architektonische Leistungen bezeugt sind, die den Sarkophagen im Serapeum gleichkommen – seien es gewaltige Tempel wie jene in Dendera und Philae oder die 21,79 und 9 m hohen monolithischen Obelisken von Montecitorio und Philae. Habecks Argument, „dass nirgendwo in Ägypten ähnlich gigantische Granitwannen hinterlassen worden sind“ (ebd.), widerlegen nicht nur die teils gewaltigen Steinsarkophage im Tal der Könige (im Gegensatz zu jenen im Serapeum noch in der Bronzezeit gefertigt), sondern auch ein Stiersarkophag aus Granit im Bucheum von Armant (Mond/Myers 1934, 53) sowie der hellenistische Granitsarkophag von etwa 30 Tonnen Gewicht, der 2018 unter großem Medienecho in der Innenstadt von Alexandria entdeckt wurde. 
Schlussendlich ist die Aussage, dass bei Ausgrabungen im Serapeum (abgesehen von dem Kopf in Grab E) nie eine Stiermumie gefunden wurde, nur bedingt wahr: Zwar waren bei Mariettes „Entdeckung“ 1851 bereits fast alle Bestattungen beraubt – doch scheinen Teile des Serapeums, zumindest die Kleine Galerie, bereits ein Jahrhundert zuvor von Grabräubern entdeckt worden zu sein. Dies berichtet zumindest der französische Kaufmann Paul Lucas (1664–1737), welcher in den Jahren 1704, 1712 und 1719 Ägypten bereiste und seine Eindrücke in ausgeschmückten Reiseberichten festhielt. In Sakkara sei dieser in unterirdische Gewölbe hinabgestiegen, welche Vogel- und auch Rindermumien enthielten:

„I noticed in many of the niches the heads of bulls, from which I deduced that this was the place where the god Apis was interred; I have no doubt that the bull-head that was given to me for M. de Valincourt by M. le Maire, Consul in Egypt, came from this place. It had been found by the Arabs of Sacara in a chamber cut in the rock and hermetically sealed, which by a singular chance was opened and an embalmed bull found.        
I found something similar in the catacombs that I have described; this bull was buried in a large case, upon which the head was represented: this case was gilded and painted, and surrounded by a beautiful balustrade around five feet high, also gilded and painted in various colours.” (zit. nach Dodson 2000, 50)

In seinem Buch bildete Lucas die Zeichnungen mehrerer Kanopenkrüge ab, welche jenen in der Kleinen Galerie entsprechen und in ihren Inschriften den Apis nennen. Da diese an benachbarten Orten wie dem Iseum nicht vorkommen und die Entzifferung der Hieroglyphenschrift erst ein Jahrhundert später gelang, ist jede Fälschung ausgeschlossen. Lucas muss also tatsächlich die Kleine Galerie des Serapeums betreten haben. In dieser waren demnach noch Anfang des 18. Jahrhunderts mehrere Stiermumien vorhanden, welche zu Mariettes Zeiten bereits verschwunden waren. Bei jener „hermetisch verschlossenen Felskammer“ könnte es sich um eines der früheren Einzelgräber handeln (Dodson 2000).

Ägyptische Monster-Mumien?

Nicht nur die heiligen Apis-Stiere von Memphis wurden im alten Ägypten mumifiziert, sondern auch zahlreiche weitere Tiere, deren Mumien sich zu Millionen in Sakkara und anderen Grabstätten finden. Doch während im Serapeum bei dessen Entdeckung keine aussagekräftigen Körper mehr vorhanden gewesen seien, sollen manch andere Tiermumien tatsächlich einen unerwarteten Inhalt aufweisen, folgt man den Darstellungen in Dänikens Die Augen der Sphinx (1989). Sollten diese materiellen Überreste mythischer Mischwesen tatsächlich in der beschriebenen Form existieren, dann könnten sie einen der deutlichsten Beweise für die Thesen der Prä-Astronautik darstellen.

I. Nicht weit vom Serapeum in Sakkara befindet sich ein weiteres Grabmal, das Iseum, in dem die Mutterkühe der Apis-Stiere beigesetzt wurden. Hierzu Däniken:

„Der unermüdliche Ausgräber Walter Emery entdeckte in Sakkara auch Katakomben mit heiligen Kühen. Es gab keinen Zweifel daran, denn die Schriften auf den sorgfältig behauenen Kalksteinblöcken bestätigten: hier liegt Isis, die Mutter des Apis. Zudem wurden mehrere gut erhaltene Papyri aus dem 3. und 4. Jahrhundert v. Chr. gefunden, auf denen die Kuhgöttin angerufen und verehrt wird. Anstelle der erwarteten Kuhmumien förderten die Archäologen eingewickelte Rinderknochen sowie Knochen von anderen Tieren zutage. Dazu der Archäologe und Emery-Nachfolger Jean Philippe Lauer [14]:    
»Es handelt sich ganz klar um Knochen aus geplünderten Gräbern. Doch der Eingang zu diesen Gräbern zeigte sich nicht…«   
Ich erwähnte es schon: Grabräuber sind auf materielle Werte aus, sie lassen Unordnung und Zerstörung zurück. Pingeligkeit liegt ihnen nicht. Es ist schwer einzusehen, weshalb Plünderer die Knochen aus irgendeiner anderen Gruft in die Gewölbe der heiligen Kühe transportiert haben sollten.“ (Däniken 1989, 87 f)

Das kurze Zitat von Lauer (1977, 223) ist korrekt zitiert, aber falsch kontextualisiert: Die „Knochen aus geplünderten Gräbern“ wurden nicht in der Gruft des Iseums selbst, sondern im Schutt an der Oberfläche gefunden („Tatsächlich fanden sich gleichzeitig auch gewisse Mengen von Rinderknochen ‒ teilweise noch umwickelt ‒ hier und da in den Trümmern. Es handelt sich …“). Den Eingang zum Iseum entdeckte Emery erst später. Weitere Überreste kamen in einem kleinen Ziegelgebäude in der Nähe zutage:

„In seinem Hauptraum befanden sich Rinderknochen und -schädel, einige davon mit einer Art von bemaltem Gips bzw. bemalter Kreide überzogen. Nachdem mehrere Schichten derartiger Tierüberreste abgetragen worden waren, zeigte sich eine seltsame, unversehrte Nachbildung einer Stier- oder Kuhmumie: Der für den Kopf zu kleine Körper bestand aus sorgfältig geformten Holzbrettern, die mit der gleichen Gips- bzw. Kreidemasse wie die Tierknochen überzogen und mit den typischen Apisstier-Merkmalen bemalt waren. Es muß noch andere falsche Mumien dieser Art gegeben haben, von denen wohl die bemalten Rinderschädel stammten, die sich zwischen den Tierknochen fanden“ (Lauer 1977, 223).

„Knochen von anderen Tieren“ dagegen werden bei Lauer nicht erwähnt; sie sind eine Hinzudichtung Dänikens.

II. Ein zweiter heiliger Stier im alten Ägypten war der Buchis, welcher im Bucheum von Armant (Hermonthis) bestattet wurde. Wie im Falle des Apis fanden die Mutterkühe des Buchis in einem benachbarten Grabmal, der Baqaria, ihre letzte Ruhe. Hier zitiert Däniken (übersetzt und gekürzt) den Bericht des Ausgräbers Sir Robert Mond:

„»Vielleicht der am besten erhaltene Körper von allen, den wir erst am Ende unserer Arbeit fanden, war derjenige von Baqaria 32. Wir haben diese Mumie sehr sorgfältig behandelt und jede Einzelheit aufgezeichnet … Die Position [der Mumie, EvD] war nicht die eines ruhenden Ochsen, sondern die eines Schakals oder eines Hundes … Keine Knochen waren gebrochen.«“ (Däniken 1989, 24 nach Mond/Myers 1934, 58).

Später kommentiert Däniken hierzu:

„Schließlich – es ist zum Haare ausraufen – entpuppen sich erwartete Stiermumien als Schakale oder Hunde.“ (Däniken 1989, 25)

„Wieso entdeckte der Archäologe Sir Robert Mond in Stier-Sarkophagen Knochen, von denen er annahm, es müßten »die eines Schakals oder Hundes« sein? Ich verüble es keinem Anthropologen, der unter diesen Umständen Knochen nicht weiter untersucht. Wie sollte man auch auf die absurde Idee von »vierleibigen Hunden« (Eusebius) kommen, »deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückwärts an den Hinterteilen hervorliefen«?“ (Däniken 1989, 87)

Von Schakal- oder Hundeknochen ist bei Mond/Myers (1934, 58) jedoch an keiner Stelle die Rede. Vielmehr wurden die Buchis-Mutterkühe (nicht Stiere!) nur in der Körperhaltung eines Anubis-Schakals beigesetzt, wie auf den publizierten Fotos der Gräber gut zu erkennen ist (Abb. 8). Hierzu mussten bei der Mumifizierung die Beinsehnen zerschnitten werden. Die Knochen von Baqaria 32 und den anderen Kuh-Mumien wurden von dem Osteologen J. Wilfrid Jackson eingehend untersucht und vermessen, wobei keine Unregelmäßigkeit festgestellt wurde (in Mond/Myers 1934, 137‒141).

III. Ausgehend von dem populärwissenschaftlichen Buch Die Mumien von Ange-Pierre Leca (1982) beschreibt Däniken weitere Rindermumien:

„Da wurden in den unterirdischen Anlagen bei Abusir zwei prächtig einbalsamierte Stiere gefunden. Die linnenen Bandagen, kreuzweise über den Tierkörper gelegt und mit Faserschnüren festgezurrt, waren unverletzt. Endlich guterhaltene Stiermumien, frohlockte man, denn aus den Bandagen ragte sogar der Kopf mit den Hörnern. Sorgfältig schnitten französische Spezialisten, Monsieur Lortet und Monsieur Gaillard, die jahrtausendealten Schnüre auf, zogen Schicht für Schicht der Linnen weg. Die Verblüffung war unbeschreiblich. Im Innern lagen kreuz und quer Knochen von verschiedenen Tieren, die sich teilweise nicht einmal einer bestimmten Gattung zuordnen ließen. Die zweite Mumie, zweieinhalb Meter lang und einen Meter breit, die äußerlich wahrhaftig wie ein perfekter Stier aussah, enthielt ein Kunterbunt von mindestens sieben verschiedenen Tieren, darunter auch Kalbs- und Stierknochen.“ (Däniken 1989, 26)

„Dr. Ange-Pierre Leca ist Arzt und Spezialist für ägyptische Mumien. Über sein Spezialgebiet verfaßte er ein aufregendes Buch [10]. Darin erwähnt er zwei »wunderbar bandagierte Stiere« mit »wunderschönem Äußeren«, die in den Gewölben von Abusir entdeckt worden waren. Zitat:
»Im Innern einer zweiten Mumie, wieder schien es sich um einen einzigen Stier zu handeln, wurden abermals die Knochen von sieben Tieren gefunden, darunter ein zweijähriges Kalb und ein riesiger alter Bulle. Ein dritter muß zwei Schädel gehabt haben.«
Wie bitte? Zwei Schädel? Schlag nach bei Eusebius: »Wunderwesen, mannigfaltig geartet und untereinander verschieden … und einem Leib mit zwei Köpfen.«“ (Däniken 1989, 87)

Zwar ist das wörtliche Zitat von Leca (1982, 197) korrekt – doch werden auch hier die behaupteten „Knochen von verschiedenen Tieren, die sich teilweise nicht einmal einer bestimmten Gattung zuordnen ließen“ in der Originalquelle an keiner Stelle erwähnt. Beim Inhalt der Mumien handelte es sich ausschließlich um die Knochen von Rindern verschiedenen Alters, im Falle der ersten „von sieben Bullen, vier davon mit zahnlosen Kiefern, alle offensichtlich sehr alt“ (ebd.). Zudem verschweigt Däniken Lecas weit prosaischere, direkt im Anschluss gegebene Erklärung für die ungewöhnlichen Funde. So berichtet bereits der antike Historiker Herodot (II 41) über die ägyptische Praxis der Rindermumifizierung:

„die Stiere begräbt man in den Vorstädten und läßt ein oder beide Hörner als Wahrzeichen aus dem Grabe hervorragen. Wenn dann das Tier verwest und die bestimmte Zeit naht, kommt ein Fahrzeug aus der sogenannten Prosopitisinsel in jede Stadt. […] Wenn sie die Knochen der Stiere ausgegraben haben, schaffen sie alle an einen bestimmten einzigen Platz und begraben sie dort.“

Leca (1982, 197) führt den Gedanken weiter:

„Jedes Jahr kamen mehr Kadaver zusammen, bis die verantwortlichen Beamten auf ihrer Runde durch die Dörfer vorbeikamen und alle ausgruben, ob sie nun verwest waren oder nicht, auf Boote luden und über den Fluß nach Memphis brachten, wo sie den Einbalsamierern übergeben wurden. Diese hatten die nicht zu beneidende Aufgabe, die halb verwesten, zergliederten und auseinandergebrochenen Leiber zu sortieren und, so gut es ging, in Gestalt eines einzigen Stieres zu bandagieren und ihre Arbeit mit den besten Hörnern zu krönen.“

IV. Ungewöhnlich erscheint auch die Mumie der Hohepriestern Makare (konv. Maatkare Mutemhat; Abb. 9), welche zusammen mit den Mumien zahlreicher Könige und Priester in der Cachette von Deir el-Bahari (DB/TT320) entdeckt wurde:

„Prof. Dr. James E. Harris von der University of Michigan, USA, beschäftigte sich intensiv mit der Mumie der Priesterin Makare. Diese Dame trug den höchsten Titel der weiblichen Hierarchie, sie war »Gattin des Gottes Amon« [22]. Die Bandagierung ihres Körpers ließ den Schluß zu, die Priesterin sei an einer Fehlgeburt gestorben, denn das Baby, ebenfalls von Bandagen umwickelt, lag im Sarkophag auf dem Körper der Mutter. Sorgfältig wurde das kleine Bündel von allen Seiten geröntgt. Die Verblüffung war grenzenlos. Der vermeintliche Säugling entpuppte sich klipp und klar als hundsköpfiger Pavian mit einem etwas zu großen Gehirnvolumen!      
Man wird ja nun fragen dürfen, ob die Frau, immerhin Priesterin des Gottes Amon, das kleine Monster zur Welt gebracht habe?
Nicht umsonst läßt Herodot seinen Widerwillen über die sexuellen Abartigkeiten der ägyptischen Priesterschaft immer wieder durchblicken. Im 2. Buch, Kapitel 46, sagt er, die ägyptischen Bildhauer würden den Gott Pan »mit Ziegenkopf und Bocksbeinen darstellen. »Weshalb sie ihn in dieser Weise darstellen, ist mir peinlich zu sagen.« Er läßt es denn auch, um einige Zeilen später verärgert zu vermerken: »Vor aller Augen paarte sich ein Bock mit einer Frau.« Offenbar wußte auch Diodor von Sizilien mehr, als er schrieb, der Ursprung der Tierverehrung müsse »geheimgehalten werden«.“ (Däniken 1989, 89)

Als Quellen nennt Däniken erneut Lecas Die Mumien (1982, 174 f) sowie das Buch X-Raying the Pharaohs von James E. Harris und Kent R. Weeks (1973, 53, 173‒175). Beide erwähnen die unerwartete Entdeckung des mumifizierten Pavians – von einem „etwas zu großen Gehirnvolumen“, mit dem Däniken offenbar ein halbmenschliches Mischwesen suggerieren will, ist jedoch nirgendwo die Rede. Vermutlich handelte es sich bei dem Äffchen vielmehr um ein geliebtes Haustier, das die Priesterin ins Jenseits begleiten sollte: „Offensichtlich war sie zusammen mit ihrem Lieblingstier begraben worden, wie auch ihre Halbschwester Esemcheb eine mumifizierte Gazelle mit in ihre Grabkammer genommen hatte“ (Leca 1982, 175; ähnlich auch S. Ikram in Bodderas 2011). Eine solche Mitbestattung von Tieren ist aus ägyptischen Gräbern immer wieder belegt, so etwa in den Gräbern KV 50 (Affe und Hund), KV 51 (drei Affen, drei Enten, Ibis) und KV 52 (ein Affe) im Tal der Könige.

Wo der Hund begraben liegt

Einen weiteren scheinbar rätselhaften Fund erwähnt Däniken bereits in seinem ersten Buch Erinnerungen an die Zukunft ohne weiteren Kommentar oder Quellenangabe:

„Es ist vermutlich das Grab des Königs Udimus, in dem eine Halskette aus Gold und daran das Skelett eines vollkommen unbekannten Tieres gefunden wurden. Woher stammt das Tier?“ (Däniken 11968, 80)

Wie bereits G. Gadow (1971, 88 f) und U. Magin (2025) erkannten, dürfte diese Stelle auf das Buch Auferstandene Geschichte (en. Digging for History) von Edward Bacon (1960, dt. 1964) zurückgehen, aus dem Däniken auch an anderer Stelle ungekennzeichnete Übernahmen machte. Jedoch stammt der beschriebene Fund nicht aus dem Grab des frühdynastischen Königs Udimu (konv. Den) oder Udimus [sic!], wie Däniken fälschlich schreibt, sondern aus der benachbarten Mastaba der wahrscheinlich in dessen Regierungszeit verstorbenen Königin Herneith (Grab S3507) in Sakkara. Dort findet sich die erwähnte goldene Halskette – und das Skelett eines alles andere als unbekannten Tieres:

„Von den Grabbeigaben, die die Grabschänder zurückgelassen haben, sind am interessantesten eine Halskette aus Gold- und Karneolperlen, die zu jener Zeit selten sind, einige vollkommen einfache, aber äußerst zierliche, untertassenförmige Schüsseln aus Bergkristall und das Trinkgefäß der Königin, ein trompetenförmiges Geschirr aus dunklem Schiefer mit einem rosa Kalksteinfuß.      
Zu diesen Grab gehörende Sklaven- oder Dienerschaftsgräber gibt es nicht. Jedoch war nahe am Eingang der Lieblingshund der Königin begraben, ein zusammengerolltes Skelett eines salukiähnlichen Tiers, das zweifellos dazu bestimmt war, seiner Herrin einziger Begleiter in die andere Welt zu sein.“ (Bacon 1964, 333)

Bei dem „vollkommen unbekannten Tier“ handelte es sich also um nichts anderes als einen Hund. Walter Emery (1958, 78), auf dessen Grabungspublikation sich Bacon stützt, bildete dessen Skelett auch auf einem Foto ab (Abb. 10).

Abb. 10 NEU
Abb. 10: Hundebestattung im Grab der Herneith, Mastaba S3507 (Emery 1958, pl. 91b).

Kronzeuge Eusebius

Doch wenn nicht Apis-Stiere und andere heilige Tiere – welche seltsamen Kreaturen sollten dann im Serapeum und anderen Tiermumien beigesetzt worden sein? Hierzu führt Däniken wiederholt ein Zitat des spätantiken Kirchenvater Eusebius von Caesarea (ca. 260/64‒339/40 n. Chr.) an, welcher eine Vielzahl grotesker Mischwesen beschreibt. Eusebius zitierte in seiner Chronik die Werke älterer Autoren, deren Schriften selbst nicht überliefert sind – darunter auch den bedeutenden ägyptischen Geschichtsschreiber Manetho:

„Die Götter, so Manetho, hätten verschiedene Wesen entstehen lassen, Monstren und Mischkreaturen aller Art. Genau dies bestätigt der Kirchenfürst Eusebius [19]:    
»Und es waren daselbst gewisse andere Untiere, von denen ein Teil selbsterzeugte waren, und mit lebenerzeugenden Formen ausgestattete; und sie hätten erzeugt Menschen, doppelbeflügelte; dazu auch andere mit vier Flügeln und zwei Gesichtern und einem Leib und zwei Köpfen, Frauen und Männer, und zwei Naturen, männlichen und weiblichen; weiter noch andere Menschen, mit Schenkeln von Ziegen und Hörnern am Kopfe; noch andere, pferdefüßige; und andere von Pferdegestalt an der Hinterseite und Menschengestalt an der Vorderseite, welche der Hippokentauren Formen haben; erzeugt hätten sie auch Stiere, menschenköpfige, und Hunde, vierleibige, deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits aus den Hinterteilen hervorliefen; auch Pferde mit Hundeköpfen; und Menschen sowie noch andere Ungeheuer, pferdeköpfige und menschenleibige und nach Art der Fische beschwänzte; dazu weiter auch allerlei drachenförmige Unwesen; und Fische und Reptilien und Schlangen und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten, deren Bilder sie im Tempel des Belos eins neben dem andern dargestellt aufbewahrten.«“ (Däniken 1989, 68 f)

Anders als bei Däniken behauptet, ist von Manetho jedoch kein Bericht über von den Göttern erschaffene Mischwesen überliefert (vgl. Verbrugge/Wickersham 2003 mit allen überlieferten Exzerpten Manethos); der ägyptische Kontext zu Serapeum und Tiermumien entfällt somit. Das angegebene Zitat, hier noch korrekt zitiert aus der Chronik des Eusebius in der Übersetzung von J. Karst (Langbein 2006, 150 und Däniken 2011, 204 zitieren später fälschlich „gezeugt haben/hätten die Götter auch Menschen …“), stammt dagegen ursprünglich von dem babylonischen Autor Berossos, der im 3. Jh. v. Chr. eine Geschichte Mesopotamiens in griechischer Sprache (Babyloniaká) verfasste. Im Kontext lautet die Passage:

„Es war, sagt er, einstens, da durch das (Welt-)All hin Finsternis und Wasser war. Und es waren daselbst gewisse andere Untiere [… s. o.; LI] und eine Menge von Wunderwesen, mannigfaltig gearteten und untereinander verschieden geformten, deren Bilder sie im Tempel des Belos eins neben dem andern dargestellt aufbewahrten. Und es habe über alle diese ein Weib geherrscht, dessen Name Markaye heiße, das auf chaldäisch Thalattha genannt werde und auf griechisch verdolmetscht werde Thalattha [das ist Meer].          
Während nun dieses Sämtliche aufgeregt stand zu einer chaotischen Masse, sei Belos [= der babylonische Hauptgott Marduk; LI] dagegen angestürmt und habe das Weib mitten entzwei gespalten: aus der einen Hälfte habe er gemacht die Erde, aus der andern Hälfte den Himmel; und auch die andern Tiere, die in ihr waren, habe er vernichtet. Sinnbildlicherweise aber, sagt er, und in übertragener Bedeutung sei solches mythologisiert worden über die Naturen: daß nämlich, als noch überall Feuchtigkeit und Wasser war und allein die Ungeheuer in demselben waren, jener Gott sich das Haupt abgeschlagen habe, und das Blut, das von ihm herabrann, die andern Götter aufgefangen, mit Erde verknetet und Menschen daraus gebildet hätten; weshalb diese auch weise und des Geistes des Göttergeschlechtes teilhaftig würden.         
Und von Belos sagt man, der auf griechisch Dios übersetzt wird und auf armenisch Aramazd, er habe die Finsternis mitten durchschnitten und habe getrennt von einander den Himmel und die Erde, und habe ordnend eingerichtet die Welt; die Untiere aber hätten nicht ertragen des Lichtes Kraft und seien untergegangen. Belos aber, als er eine öde und fruchtbare Gegend sah, habe einem von den Göttern Befehl gegeben von dem Blute, das von seinem abgetrennten Haupte herabfließe, mit Erde zu vermischen und Menschen zu bilden, sowie andere Tiere und wildes Vieh, die diese Luft ertragen könnten. Gegründet habe Belos die Gestirne und die Sonne und den Mond und die fünf Wandelsterne.“ (Karst 1911, 7 f)

Berossos, dem die keilschriftliche Überlieferung Babyloniens vorliegt, gibt hier eine leicht variierte Nacherzählung des babylonischen Schöpfungsmythos, wie er vor allem aus dem akkadischen Epos Enūma eliš (Edition: Lambert 2013; Heinrich 2021) überliefert ist. Bei den beschriebenen Monstern handelt es sich um mythische Wesen, die einst im Urmeer noch vor der Weltschöpfung gelebt haben sollen. So berichtet auch das Enūma eliš (I 133‒144; II 19‒32), dass die uranfängliche Meeresgottheit Tiāmtu (bei Berossos Markaye/Thalattha) eine Gruppe von elf Kreaturen zum Kampf gegen die noch jungen Götter hervorbrachte, aber schließlich dem heldenhaften Gott Marduk unterlag. Die Ungeheuer wurden also nicht von den (zeitgenössischen) Göttern geschaffen, wie von Däniken behauptet, sondern waren zum Teil „selbsterzeugte“, zum Teil auseinander hervorgegangen (nach Berossos) bzw. von Tiāmtu hervorgebracht (im Enūma eliš). Nach Berossos‘ Bericht haben diese auch nicht in historischen Zeiten mit den Menschen koexistiert, wie bei Däniken angenommen, sondern wurden bereits im Zuge der Weltschöpfung von Belos/Marduk vernichtet oder gingen kurz darauf durch das Licht und die Luft der neugeschaffenen Welt zugrunde. Den Menschen seien sie nur durch die Abbilder im Tempel des Marduk in Babylon präsent gewesen.        
Die Zusammenstellung der Ungeheuer bei Berossos/Eusebius ist hierbei nicht deckungsgleich mit jenen im Enūma eliš, sondern scheint zusätzlich Gestalten der altorientalischen Bilderwelt (geflügelte Menschen, menschenköpfige Stiere) sowie der griechisch-römischen Mythologie wie Satyrn und Kentauren zu inkorporieren. Mit „Hunde[n], vierleibige[n], deren Schweife nach Art der Fischschwänze rückseits aus den Hinterteilen hervorliefen“, könnte das homerische Seeungeheuer Skylla gemeint sein, welche in der antiken Ikonografie häufig mit mehreren Hundeköpfen und Fischschwanz dargestellt wird (vgl. dem Krater Louvre CA 1341 oder das canosische Prunkgefäß Altes Museum V.I. 3194). Die Idee von im Meer lebenden Mischwesen findet sich im antiken Mesopotamien nicht nur im Enūma eliš, sondern auch auf der sog. Babylonischen Weltkarte (British Museum 92687 = Horowitz 1998, 35 mit Bašmu- und Mušḫuššu-Drache, Anzu-Vogel und Skorpionmensch) sowie dem Relief vom Zederntransport aus dem Palast Sargons II. (Louvre AO 19889), wo inmitten der Wasser ein geflügelter und ein menschenköpfiger Stier (Aladlammû) sowie zwei Seeschlangen abgebildet sind.

Assyrische „Menschentiere“?

Abb. 11a Schwarzer Obelisk bagiati
Abb. 11b Schwarzer Obelisk uqupu
Abb. 11a/b: Reliefs und Inschrift auf dem Schwarzen Obelisken Salmanassars III., British Museum 118885 (Fotos: Leif Inselmann).

Im British Museum in London findet sich der sogenannte Schwarze Obelisk des neuassyrischen Königs Salmanassar III. (reg. 858–824 v. Chr.), welcher 1846 bei Ausgrabungen in der assyrischen Residenzstadt Kalḫu (heute Nimrud) im Nordirak entdeckt wurde. Während die Inschrift auf dem Obelisken die zahlreichen Feldzüge des Königs verherrlicht, zeigen je fünf Reliefbilder auf jeder der vier Seiten die Tributgaben der unterworfenen Völker. Diese Abbildungen (Abb. 11a/b) – ebenso wie eine ähnliche auf einer Reliefplatte des früheren Königs Assurnaṣirpal II. (reg. 883‒859 v. Chr.) (Abb. 12) – zeigen ungewöhnliche Geschöpfe, für die Erich von Däniken eine einschlägige Erklärung parat hat:

„Auf einem Relief des Assyrer-Königs Assurnasirpal (Britisches Museum) führt ein stämmiger Mann ein merkwürdiges Tier an einem Strick. Es schreitet affenartig auf zwei Füßen, die Greifwerkzeuge enden in Flossen. Ebenfalls im Britischen Museum steht der schwarze Obelisk des Assyrerkönigs Salamasar [sic!] II. Hinter einem Elefanten laufen zwei kleinwüchsige Figuren, als ob es Kinder wären. Die kleinen Wesen mit den Menschenköpfen haben Oberschenkel und Beine von Tieren, sie werden von zwei Wärtern abgeführt. Auf einem anderen Bildausschnitt desselben Obelisken erkennt man zwei sphingenartige Gestalten – eindeutig mit Menschenköpfen. Nichts Besonderes? Weshalb lutscht denn eine der Sphingen am Daumen, weshalb werden sie an Ketten gehalten, und weshalb spricht der eingemeißelte Begleittext von »Menschentieren, die in Gefangenschaft geführt« werden?“ (Däniken 1989, 72/74)

Abb. 12 Assurnasirpal
Abb. 12: Tributträger mit Affen auf einer Reliefplatte des Assurnaṣirpal II. aus Kalḫu/Nimrud, British Museum 124562 (Foto: Aiwok, Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0, freigestellt LI).

Anders als etwa der mythische Bericht des Eusebius/Berossos beziehen sich die assyrischen Reliefs auf zeitgenössische Ereignisse, die sich historisch klar verorten lassen. So findet sich auf dem Obelisken über der Reliefreihe auch ein begleitender Text in assyrischer Keilschrift mit Aufzählung der dargestellten Wesen:

„Tribut aus dem Land Ägypten: Kamele mit zwei Höckern, einen Wasserbüffel, ein Nashorn, eine Antilope, weibliche Elefanten, weibliche Affen (ba-ZI-a-ti)[4] und schwarze(?) Affen (u2qup MIMEŠ)[5] empfing ich.“ (RIMA Shalmaneser III 89 = Grayson 1996, 149 f; Übers.: LI )

Die Inschrift verwendet Formen von pagû und uqūpu, den akkadischen Wörtern für „Affe“ – von gefangenen „Menschentieren“ ist dagegen keine Rede.       
Der Text auf der Reliefplatte des Assurnaṣirpal, eine Variante von dessen Königsannalen, erwähnt das abgebildete Wesen nicht. Eine ausführlichere Version der Annalen findet sich jedoch als „Standardinschrift“ auf anderen Reliefplatten und Torwächterstatuen aus Kalḫu. Dort heißt es:

„Zu jener Zeit erhielt ich große weibliche Affen (pa-ga-a-te GALMEŠ) und kleine weibliche Affen (pa-ga-a-teMEŠ TURMEŠ) mit ihrem Tribut. In mein Land Assur ließ ich sie bringen. In der Stadt Kalḫu ließ ich sie sich in großer Zahl vermehren und alle Menschen meines Landes ließ ich sie sehen.“ (RIMA Ashurnasirpal II 2, 30‒32 = Grayson 1991, 226; Übers.: LI).

Abb. 13a Meerkatze
Abb. 13a: Weißgrüne Meerkatze (Cercopithecus aethiops) in Äthiopien (Foto: Rod Waddington, Wikimedia Commons CC BY-SA 2.0).
Abb. 13b Pavian
Abb. 13b: Mantelpavian (Papio hamadryas) im Awash-Nationalpark, Äthiopien (Foto: Charles J. Sharp, Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0).

Die verwendeten Wörter, pagû und uqūpu, sind aus anderen Keilschriftquellen gut als die akkadischen Begriffe für Affen belegt (Klein 1979; Dunham 1985). Zwar sind die Darstellungen nicht exakt naturalistisch, sondern gerade auf dem Schwarzen Obelisken offensichtlich stark vermenschlicht, doch lässt sich anhand bestimmter Details durchaus die Art der Affen näher bestimmen (Hilzheimer 1928, 41): Bei den kleineren pagû mit langen Händen (nicht Flossen!) und Schwanz, Backenbart sowie kapuzenartiger Kopffrisur dürfte es sich um die weißgrüne Meerkatze (Cercopithecus aethiops; Abb. 13) handeln. Die größeren uqūpū dagegen lassen sich durch den markant abgeknickten Schwanz als Paviane identifizieren, möglicherweise die zwei aus Ägypten bekannten Arten Steppen- (Papio cynocephalus) und Mantelpavian (Papio hamadryas; Abb. 14), welche durchaus eine annähernd schwarze Haut besitzen können. Auch wenn die Gesichter beider Arten auf dem Obelisken allzu menschlich dargestellt sind, so geht aus mehreren Schriftquellen indirekt hervor, dass pagû und uqūpu tatsächlich keine menschlichen Gesichter besaßen.[6]

Der Ursprung der „Menschentiere“

Wie aber kommt Däniken auf die falsche Idee, die Inschrift auf dem Schwarzen Obelisken spreche nicht von Affen, sondern ominösen „Menschentieren“? Der ungewöhnliche Begriff, für den es in der akkadischen Sprache keine Entsprechung gibt, verweist auf eine andere Vorlage, von der Däniken seine Informationen bezogen haben muss. Bei dieser handelt es sich um den völkisch-esoterischen Autor Jörg Lanz von Liebenfels (1874‒1954), der im Jahr 1907 mehrere als Bibeldokumente bezeichnete Broschüren mit den Titeln Der Affenmensch der Bibel (Bd. 1) und Die Archäologie und Anthropologie und die assyrischen Menschentiere (Bd. 3) herausgab.[7]
Adolf Joseph Lanz, besser bekannt unter seinem selbstgewählten Ordensnamen Jörg Lanz von Liebenfels, gilt als eine der zentralen Figuren der Ariosophie, einer Gruppe von rassistisch-esoterischen Strömungen des frühen 20. Jahrhunderts. 1893 in das Zisterzienserkloster Heiligenkreuz eingetreten und 1898 zum Priester geweiht, wurde Lanz schon ein Jahr später – wohl aufgrund sexueller Verfehlungen – wieder zum Austritt gedrängt, woraufhin er 1900 zusammen mit seinen Brüdern den sogenannten „Neutemplerorden“ (Ordo Novi Templi) gründete. In dieser Zeit las und verfasste Lanz zahlreiche Publikationen mit okkultistischem, rassistischem, antisemitischem, antifeministischem und antisozialistischem Inhalt. In seinem Hauptwerk Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götter-Elektron (1905) und weiteren Schriften entwickelte Lanz schließlich eine ebenso fantastische wie menschenfeindliche Alternativgeschichte der Menschheit: Demnach habe in grauer Vorzeit eine Rasse arischer Gottmenschen mit elektro-telepathischen Kräften (sog. Theozoa) existiert, welche sich jedoch durch sexuelle Vermischung mit niederen Affenmenschen (Anthropozoa) versündigte. Historische und religiöse Quellen verschiedener Kulturen bezögen sich auf diese weithin praktizierte Sodomie mit sogenannten „Äfflingen“, welche zur Degeneration und Herausbildung „minderwertiger“ Rassen geführt habe, während das eigentliche göttliche Gebot im Verbot dieser Beziehungen bestünde. Nun gelte es, durch radikale Rassentrennung, Eugenik und strenge Kontrolle der Frauen das Erbe der einstigen Theozoa in der arisch-deutschen Rasse vor weiterer Vermischung zu bewahren und zu ihrer einstigen Form zurückzuzüchten. Obwohl sich Lanz selbst seit den 1920er Jahren als maßgeblicher ideologischer Wegbereiter Adolf Hitlers verstand, entfalteten seine exzentrischen Ideen zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur keine nennenswerte Breitenwirkung und wurden von Hitler selbst vielmehr verspottet. Noch nach dem 2. Weltkrieg bis zu seinem Tod am 22. April 1954 stilisierte sich Lanz weiter als „Der Mann, der Hitler die Ideen gab“, wie die gleichnamige Biografie von W. Daim (1958) ihn nannte.      
In seinen Bibeldokumenten thematisierte Lanz von Liebenfels ausführlich die assyrischen Reliefs, welche ihm als wichtigste Bildquelle für seine „Sodomsäfflinge“ dienten:

„Es sind dies die baziati und udumi[8] auf dem schwarzen Obelisken Salmanassars II. (905‒870) und die pagutu auf dem Relief Assurnassirbals (930‒905) aus Nimrud.[…] Die fraglichen Zoa werden durch Beischriften auf den Monumenten selbst als baziati, udumi, pagutu bezeichnet. Die Beischriften sind historische Texte nüchternster Art, Tributlisten, die sich durchaus auf reale Dinge beziehen. Die Wesen haben demnach wirklich existiert.“ (Lanz-Liebenfels 1907, 1)

„paguta, baziati und udumi stellen drei verschiedene Menschentierarten dar, von denen die pagutu schwarz, die baziati gelblich, die udumi rötlich waren. Die drei Anthropozoaarten wären demnach die Ahnen der negroiden, mongoliden und mediterranen Rasse.               
Das pagu ist pygmäenartig, mikrocephal, das udumu, wie die Abbildungen auf dem schwarzen Obelisken zeigen, eine ganz gewaltige Bestie, mit großem Schädel, kurzen Beinen und Armen und einem gedrungenen Körper, während das pagu etwas längere Beine und einen schlankeren Körper hat. Die udumi haben mit ihrer zottigen Behaarung, den langen Armen und langen Schwänzen Beziehungen zu den heutigen Anthropoiden. Das pagu aber weist durch seinen höchst archaistischen Typus in eine sehr frühe Zeit, in das Zeitalter ‚der Drachen‘, in das Sekundär zurück. Die baziati stehen in ihrem ganzen Typus zwischen den udumi und den pagutu. Die drei Anthropozoa-Arten haben sich sowohl untereinander als auch mit homo sapiens bastardiert, wofür nicht nur die besprochenen anthropologischen und archäologischen Zeugnisse, sondern auch die Bibel spricht.“ (Lanz-Liebenfels 1907a, 37 f)

Däniken (11969, 183) zufolge berichte die Inschrift des Obelisken „von »gefangenen Menschentieren«, die von Kriegern gefesselt, entführt und als Tribute des Landes Musri an den Großkönig abgeliefert wurden.“ Ganz ähnlich schreibt Lanz von Liebenfels (1907, 2), dass die „baziati und udumi als Tribut vom Lande Musri an den Assyrerkönig abgeliefert“ werden. Bei der vermeintlichen Originalinschrift handelt es sich also um eine Paraphrase der Interpretation von Lanz von Liebenfels. Zudem schreiben beide Autoren den Schwarzen Obelisken fälschlich Salmanassar II. zu, während es sich tatsächlich um König Salmanassar III. handelt.

Die „Perversionen unserer Vorfahren“

Abb. 14 Kylix
Abb. 14: Orgie mit Satyrn und Sphingen. Attische Kylix aus dem Umfeld des Nikosthenes-Malers, um 500 v. Chr., Altes Museum Berlin 1964.4 (Foto: Leif Inselmann).

Bereits Dänikens erste Behandlung der Mischwesen-Thematik in Zurück zu den Sternen lässt sich auf die Ideen Jörg Lanz von Liebenfels‘ zurückführen. Vermittelt wurden diese offenbar durch das Buch Verschollene Kulturen von Eugen Georg (1930), welches Däniken (11969, 201) auch im Literaturverzeichnis angibt, einer allzu poetischen Synthese zeitgenössischer Esoterik und rassistischer Geschichtsphilosophie: „Georg verbindet in seinem Buch die gängigen Atlantis-Theorien von Autoren wie Steiner, Scott-Elliot, Wieland und Wirth mit ariosophischen Rassentheorien, die er vorwiegend den Schriften Lanz von Liebenfels‘ und Guido von Lists entnimmt“ (Strube 2013, 95), alles eingebettet in die „Welteislehre“ Hanns Hörbigers.   
Unter dem Titel „Von Perversionen unserer Vorfahren“ gibt Däniken (11969, 181‒183) eine Zusammenstellung von mythischen Mischwesen und angeblichen sodomitischen Praktiken im Altertum (vgl. Abb. 14). Fast jedes Beispiel der dreiseitigen Passage findet eine direkte Entsprechung im Kapitel „Tempeltier und Sodomsorgie“ von Georgs Verschollenen Kulturen (1930, 124‒134), welches wiederum eine Zusammenfassung der Thesen Jörg Lanz von Liebenfels‘ darstellt:

Erich von Däniken:
Zurück zu den Sternen
Eugen Georg:
Verschollene Kulturen
Jörg Lanz von Liebenfels:
Theozoologie / Bibeldokumente 1–3
„In grauer Vorzeit muss es ein Zwitterwesen von Mensch und Tier gegeben haben. Darüber lassen Literatur und Kunst der Frühzeit keinen Zweifel. Darstellungen von menschenköpfigen Flügelstieren, Meerjungfrauen, Skorpionmenschen, Vogelmenschen, Zentauren und mehrköpfigen Monstren sind uns allen bildhaft in Erinnerung. Alte Bücher behaupten, dass diese Zwitterwesen noch in historischer Zeit in Horden, Stämmen und sogar in der Großformation von Völkern zusammen gelebt haben.„Dieser schemenhaft erschaute oder visionär rekonstruierte Ur-Homo, dieser Artenzwitter, dieser Mensch im Gewand der Tiere […]: er hat ‒ es ist nicht daran zu zweifeln ‒ noch in historischen Zeiten in Horden, vielleicht sogar in ganzen Stämmen und Völkern existiert!“ (124)
„Oder ob ihnen ‒ jenseits eines Pantheons wahrscheinlich nie existierender, wirklich nur phantasiegeborener Mischwesen: Löwendämonen, Flügelstiere, Flügellöwen, Sphinge ‒ doch noch andere Ur-Homo-Typen angereiht werden können? Etwa Fisch-, Schlangen-, Skorpionmenschen, hundsschwänzige Monstra, hundsköpfige, vogelgesichtige, gehörnte Menschenwesen? Oder Zentauren, Riesen, Zwerge, Stiermenschen?“ (127)
 
Sie berichten von gezüchteten Zwitterwesen, die als »Tempeltiere« ihr Dasein fristeten und »verhätschelte Lieblinge« der Bevölkerung gewesen zu sein scheinen.„Diese Halbmenschen, diese letzten Ur-Homos, diese Überbleibsel einer verschollenen, ausgestorbenen Welt ‒ fristen am Ende ihrer entwicklungsgeschichtlichen Laufbahn ihr Leben als ‚Tempeltiere‘!
Man handelt sie auf den großen Sklavenmärkten. Sie werden in Käfigen und unterirdischen Ställen gezüchtet. […] Die Tiermenschen sind die verhätschelten Lieblinge der Männer und Frauen.“ (125)
 
Die sumerischen Großkönige und später auch die Assyrer machten Jagd auf Menschentiere – möglicherweise zur puren Belustigung.„In der Krim, in Nubien, wo die Halbmenschen noch in ganzen Rudeln wohnen, machen die assyrischen Großkönige oder ihre Lieferanten, die reichen, erbarmungslosen Sklavenhändler, Treibjagd auf sie. Wie wilde Tiere fängt man sie ein.“ (125)„Neben anderen Darstellungen sehen wir auf dieser Schüssel auch eine höchst interessante Szene, einen Fürsten (oder König) auf der Zwergenjagd! […] Wir haben in dieser den Stempel der Naturwahrheit und Realistik tragenden Darstellung eine Illustration zu den keilinschriftlichen Berichten, daß Sargon und andere Könige auf das Pagu und anderer Anthopozoa Jagd gemacht haben.“ (Bd 3, 12 f)
Geheimnisvolle Texte spielen auf »Halbwesen« und »Mischwesen« an, deren merkwürdige Existenz sich allerdings immer wieder in die unkontrollierbaren Bereiche des Mythischen verflüchtigt.       „Wie ein roter Faden durchziehen geheimnisvolle, zurückhaltende Andeutungen die gesamte antike Literatur. Andeutungen auf wunderbare Wesen, die da leben sollen. Andeutungen auf Halbmenschen und Tiermenschen. Auf Mischwesen aus seltsam zusammengekuppelten Formen …“ (124) 
Der ägyptische Bock geistert noch durch die Geschichten des im 12. Jahrhundert gegründeten Templerordens. Er wird mit aufrechtem Gang, Menschenhaaren auf dem Haupt, Bockshufen, Bockshinterteil und starkem Phallus dargestellt.der ägyptische Bock spukt noch in der Geschichte des Tempelritterordens“ (126)„in Mendes verehre man den Pan und den Bock (tragos)“ (Theoz., 20) „Eine besondere Rolle spielt bei den Aegyptern der Widder und der Bock.“ (Bd. 3, 6)
– Herodot (490‒425 v. Chr.) spricht in seiner »Ägyptischen Geschichte« von seltsamen schwarzen Tauben, die »Menschentierweibchen« gewesen seien (II, 57).
– Die im Mündungsgebiet des persischen Araxes wohnenden Menschen sollen sich »mit Fischen gesellt« haben und – nach Herodot – Fischmenschen mit Schuppenhaut gewesen sein (I, 202).  
„Da ist die merkwürdige Erzählung Herodots (II 55) von den zwei weissagenden ‚schwarzen Tauben‘ aus Nubien. Es sind wunderbare ‚Tauben‘. Es sind Tauben, die mit Menschenworten reden ‒ allerdings, hört man sie, die ‚heiligen Weiber‘, deucht einem, sie zwitscherten wie Vögel. ‒ Oder da ist der unklare Bericht von Menschen an der Mündung des Araxes, ‚die sich mit Fischen gesellen‘ und mit Robbenfellen kleiden.“ (125)
„die ‚schwarzen Tauben‘ aus Nubien sind Menschentierweibchen, halbmenschliche Beischläferinnen, und die Araxesbewohner, ‚die sich mit Fischen gesellen‘, sind Fischmenschen mit Schuppenhaut“ (126)
„hierher gehört auch die merkwürdige Erzählung, die Herodot II, 55 bringt, da er von den Priesterinnen des Orakels zu Dodona spricht: ‚Die Priesterinnen zu Dodona erzählten mir also: Es wären zwei schwarze Tauben […] von Theben in Aegypten ausgeflogen, davon wäre die eine nach Libyen gekommen, die andere aber zu ihnen, und die hätte sich auf eine Eiche gesetzt und mit menschlicher Stimme […] gesprochen […] Tauben […] aber, glaube ich, sind die Weiber von den Dodonäern genannt worden darum, weil sie Fremdlinge […] waren und es kam ihnen ihre Sprache vor wie die der Vögel. […] Das Menschentierweibchen war eben zugleich Beischläferin, Lustobjekt und Orakeltier!“ (Bd 3, 14‒16)
„Nach I. 202 leben an den Mündungen des Araxes ‚die sich in Sümpfe und Moräste verlieren‘, Menschen die von rohen Fischen ‚leben‘ und mit Robbenfellen bekleidet sind. Die Stelle besagt offenbar, daß sich jene Menschen mit ‚Fischen‘, i.e. pagutu vermischten, weswegen das Volk eine schuppenartige Haut bekam.“ (Bd 3, 27)
Anm.: Dass sich die Araxesbewohner „mit Fischen gesellt“ und eine Schuppenhaut gehabt haben sowie das Wort „Menschentierweibchen“ in Bezug auf die schwarzen Tauben finden sich nicht im Originaltext von Herodot[9], sondern nur bei Lanz und Georg. Auch Georg nennt ägyptischen Bock, schwarze Tauben und Araxes-Bewohner unmittelbar hintereinander.
– In indischen Veden wird von Müttern berichtet, die »auf Händen laufen«.„Die indische Überlieferung berichtet von Vormüttern, ‚die auf Händen laufen‘.“ (131) [Georgs Quelle ist vmtl. H. P. Blavatsky, The Secret Doctrine Vol. II, 192: „Red-haired, swarthy men going on all-fours, who bend and unbend (stand
erect and fall on their hands again) who speak as their forefathers, and run
on their hands as their giant fore-mothers.

Anm. LI, 03.09.2026]
– Im Gilgamesch-Epos heißt es, dass Enkidu »von den Tieren entfremdet« werden musste. „Das babylonische Gilgames-Epos (I. Taf. II. Kol.) hat eine der bereits erwähnten Vermischung des Herkules mit der Echidna ähnliche Begebenheit. Jabani ist ein zottiger šair-Mensch wie Esau. Mit dem ‚Vieh‘ und dem ‚Gewimmel des Wassers‘ lebt er wild zusammen. Er ist ein Geilheitsmensch (I. Taf. IV. Kol.). Gilgames lässt ihn durch eine Buhldirne fangen. ‚Da machte das Freudenmädchen ihre Brüste los, öffnete ihre Scham und er nahm ihre Überkraft, sie scheute sich nicht, nahm seine Fülle … sie machte ihm Geilheit, des Weibes Werk … seine Muskel preßten sich auf ihren Rücken, 6 Tage und 7 Nachte begattet so Jabani das Freudenmädchen.‘“ (Theoz., 19)
Anm.: Die Entfremdung Enkidus von den Tieren wird zwar bei Lanz erwähnt, doch kennt Däniken diese Geschichte auch aus der fehlerhaften Gilgameš-Übertragung von G. Burckhardt (1920) und vielleicht weiteren Quellen (Däniken 11968, 62). Da Lanz die veraltete Lesung Jabani (= Ea-bani) für Enkidu verwendet, kann er hier nicht die einzige bzw. primäre Quelle sein. Georg erwähnt das Gilgameš-Epos nur an einer Stelle, verwechselt die Figur jedoch mit dem dort ebenfalls erwähnten Sintfluthelden (135: „Der Utnapischtim im Gilgamesch-Epos ist ein fellbehaarter Riese“).
– Bei der Hochzeit des Peirithoos vergreifen sich die Zentauren, halbtierische Wesen mit Pferdeleib und menschlichem Oberkörper, an den Frauen der Lapithen.  
Dem stierköpfigen Minotaurus mussten sechs Jünglinge und sechs Jungfrauen »geopfert« werden.„im kretischen Labyrinth sind es 6 Jünglinge und 6 Jungfrauen, die ‒ hier dem stierköpfigen Minotaurus ‒ geopfert werden müssen“ (133)„Deswegen wohnte der Minotaurus, das urmenschliche Scheusal, in dem kretischen Labyrinth und die schönsten Jungfrauen mußten seinen Lüsten geopfert werden!“ (Bd 3, 24)
Schließlich darf man wohl auch die lebenden Mägde des Hephaistos unter dem Aspekt geschlechtlicher Belustigung betrachten.
– Es gibt für mich auch wenig Zweifel, dass der Tanz um das Goldene Kalb der Höhepunkt einer Sexorgie gewesen ist.
„Deshalb knetet sich Hephaistos ‚lebende Mägde aus Gold‘. Deshalb formen die Juden das ‚goldene Kalb‘, um das sie jubelnd tanzen. Aber es ist Sodomswerk, was sie treiben“ (131)„Offenbar ein Sodomskunstwerk war das goldene Kalb, mit dem der ägyptische Pöbel im Judenheer buhlte, ebensolche Kunstwerke waren die goldenen, lebendigen Mägde, auf die sich der watschelnde Hephästos stützte (II. XVIII, 411).“ (Theoz., 53)
Anm.: Auch bei Lanz und Georg erscheinen goldenes Kalb und Mägde des Hephaistos unmittelbar hintereinander wie bei Däniken.
Platon schreibt in seinem »Gastmahl«: »Ursprünglich gab es neben dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht noch ein drittes. Dieser Mensch hatte vier Hände und vier Füße … groß war die Stärke dieser Menschen, ihr Sinn war verwegen, sie planten, den Himmel zu stürmen und sich an den Göttern zu vergreifen …«„Ein naiv-phantastischer Kommentar zum Thema vom Androgyn ist im Kapitel vom mannweiblichen Urmenschen in Platos ‚Gastmahl‘ zu finden: ‚Ursprünglich gab es drei Geschlechter, drei, nicht wie heute nur zwei: neben dem männlichen und weiblichen lebte noch ein drittes Geschlecht, es war aus Teilen der beiden ersten zusammengesetzt … Dieser Mensch hatte vier Hände und vier Füße, zwei Gesichter drehten sich an seinem Halse, und zwischen beiden Gesichtern stak der gemeinsame Kopf. Dieser Mensch besaß doppelte Schamteile, und auch alles andere war dementsprechend gebaut … Groß und übermenschlich war die Stärke dieser Menschen, ihr Sinn war verwegen, sie wollten es den Göttern gleichtun, sie planten, den Himmel zu stürmen, an den Göttern wollten sie sich vergreifen.‘“ (139) 
Die Kabiren, auf Inschriften meist die »Großen Götter« betitelt, trieben einen geheimnisvollen Kult mit den Fruchtbarkeitsdämonen, der sich von dem ägyptischen Altertum über die hellenistische Epoche noch bis in die Blütezeit der römischen Kultur fortsetzte. Da die Kabirenweihen geheim waren, konnte bis heute nicht genau ermittelt werden, was denn die Herrschaften für robuste Sexspiele miteinander trieben. Immerhin gilt es als sicher, dass an den Vergnügungen stets zwei weibliche und zwei männliche Kabiren sowie ein Tier teilnahmen: Es paarten sich nicht nur Männlein und Weiblein, das Tier hatte einen aktiven Part!          „Auch in den ‚Weihen‘ des Kabirenkults spielt die Tiervermischung die große Rolle. Wer die Kabiren eigentlich sind ‒ man weiß es nicht. Aber immer werden sie im Zusammenhang mit orgiastischen Kulten genannt. Immer äußert man sich über sie mit Scheu, mit Zurückhaltung. ‚Wer eingeweiht ist in den geheimen Dienst der Kabiren, der von den Samothrakern zelebriert wird, die ihn von den Pelasgern übernommen haben, der versteht, was ich sagen will‘ ‒ so vorsichtig geht Herodot an dieses Thema heran: ou moi hedion esti legein ‒ es ist ihm überhaupt nicht angenehm, sich darüber viel zu äußern, es ist ihm vielleicht sogar verboten, darüber zu sprechen. Soviel aber ist öffentliches Geheimnis: Kabirenkult ist Sodomie, systematische, in Kultform gekleidete Bestialität.“ (131)„Jedem, der Herodot liest, muß es auffallen, daß er, wenn er auf da Kabirengeheimnis zu sprechen kommt, ängstlich besorgt ist, das Mysterium nicht zu offenbaren: Immer finden sich diese Stellen, wo von orgiastischen Culten die Rede ist. Nachdem er erwähnt hatte, daß die Hellenen die ithyphallischen Hermesbilder von den Pelasgern haben, fügte er hinzu: ‚Und wer da eingeweiht ist in den geheimen Dienst der Kabiren, der gehalten wird von den Samothrakern, die ihn angenommen von den Pelasgern, der versteht, was ich sagen will!‘“ (Bd 3, 5)
„Ja, man könnte sogar etwas weiter gehen und direkt sagen: Hinter den Kabirenmysterien und hinter den anderen Geheimculten steckt die Sünde mit dem Tier, die Sodomie oder schärfer: die systematische in Cultformen gekleidete Bestialität.“ (Bd. 3, 11)
Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch die ägyptischen Apis-Stiere, die »heiligen Stiere von Memphis«, erwähnen. Sie wurden ihrer Fruchtbarkeit wegen mumifiziert – in drei Meter langen und vier Meter hohen Sarkophagen. Vor drei Jahren stand ich in diesen muffigen Grabkammern tief unter dem Wüstensand und fragte mich: Was haben diese fruchtbaren Stiere wohl zu Lebzeiten getan?  
Anm.: Däniken besuchte das Serapeum bereits 1954 zum ersten Mal (Däniken 1989, 8). Man beachte, dass er hier noch die Bestattung von Apis-Stieren im Serapeum anerkennt, welche er in späteren Werken bestreitet.
Tacitus (Annalen XV, 37) schildert eine abendliche Orgie im Hause des Tigellinus, bei der »unter Mitwirkung von Menschentieren gebuhlt« wurde. Wie lange die Perversitäten in Geheimbünden betrieben wurden, lässt sich nicht ermitteln.„Noch 70 nach Christus wird der Kult der Mithrasschlange modern, die reichen Damen Roms strömen in hellen Scharen zu den Orgien, die Tigellinus ‚unter freundlicher Mitwirkung von Menschentieren‘ veranstaltet (Tacitus Annal. XV 37).“ (132)„Plinius berichtet IX, 5 allen Ernstes von den mit Schuppen bedeckten Wassermenschen und Tigellinus veranstaltet nach Tacitus, Ann. XV 37 eine Sodoms-Orgie, bei der die ‚Meerestiere‘ beteiligt sind, so daß die lüsternen römischen Edeldamen in hellen Haufen herbeiströmen.“ (Theoz., 38)
Anm.: Bei Tacitus werden keine „Menschentiere“ genannt, sondern „Vögel und verschiedenste Tiere der Erde und Meerestiere des Ozeans“ (volucris et feras diversis e terris et animalia maris Oceano).[10] Die Originalquelle erwähnt nicht, dass die Tiere bei der beschriebenen Orgie sexuell beteiligt gewesen seien. Lanz zitiert hier korrekt „Meerestiere“, doch bereits Georg schreibt fälschlich „Menschentiere“, was Däniken übernimmt.
Herodot scheint die Sache mitunter etwas peinlich gewesen zu sein; er schreibt sie mit der linken Hand weg (II, 46): »… Und es vermischte sich der Bock vor den Augen aller mit einem Weibe …« Der göttliche Pan wurde von antiken Künstlern mit Bocksfüßen und Ziegenkopf dargestellt. Auch das genierte Herodot (II, 46): »Warum sie ihn so darstellen, darüber soll man nicht reden …«[11]Da sind die sonderbaren Anspielungen (II 46ff. und II 1/0) auf die Ägypter, die tragos und aix (Bock und Ziege) ‚als Götter verehren‘ ‒, und Herodot fährt fort, als handle es sich um eine Sache, von der man nicht viel Aufhebens macht: ‚… und es vermischte sich der Bock vor den Augen aller Menschen mit einem Weibe‘ ‒ und (nach einer Bemerkung über Pan, den die Künstler mit Ziegenkopf und Bocksfüßen abbilden): ‚Warum sie ihn so darstellen, darüber darf man wohl nichts sagen.‘“ (125)Es paarte sich ein Bock (tragos) mit einem Weibe vor aller Augen“ (Theoz., 20) „In derselben Mark begab sich vor mir folgendes; es vermischte sich ganz offenbar ein Bock mit einem Weibe.“ (Bd 1, 8)
„In derselben Mark begab sich zu meiner Zeit folgendes Wunder […]: es paarte sich ein Bock (Pan!!) mit einem Weibe vor aller Augen und alle Leute erfuhren es.“ (Bd 3, 7)
„Es malen und hauen aber die Maler und Bildner das Bild des Pan mit einem Ziegenkopf und mit Bocksfüssen; sie glauben aber nicht, dass er so aussieht, sondern wie die anderen Götter. (!) Warum sie ihn aber also malen, das darf ich nicht sagen.“ (Bd 1, 8)
„Es malen und hauen die Maler und Bildner das Bild des Pan wie die Hellenen mit einem Ziegenkopf und mit Bocksfüßen; sie glauben aber nicht, daß er so aussieht, sondern wie die andern Götter. Warum sie ihn aber also malen, das kann ich nicht wohl sagen.“ (Bd 3, 6)
Der jüdische Talmud berichtet, dass Eva von einer Schlange begattet wurde. Diese Vorstellung animierte viele Künstler.der Talmud sagt klipp und klar, die Schlange habe Eva begattet“ (133)„Der nachaš, so heißt der ‚Wurm‘ hebräisch, war keine „Schlange” in unserem Sinne, denn er hatte (nach Gen. III, 14) Füße. Er war ein vernünftiges, redendes, daher menschenähnliches Wesen (Gen. III, 1). Er war sogar ein gottähnliches oder gottgleiches über ‚Adam stehendes Wesen. Talmud, Sabbath 146 a sagt ausdrücklich, daß der nachaš die Eva begattet habe.“ (Theoz., 73)
Auf Scherben, die in Nippur gefunden wurden, ist ein Weib mit gutentwickelten Brüsten und einem Schlangenschwanz konterfeit – eine Darstellung übrigens, die denjenigen von Sirenen, die sich schönen Jünglingen begehrlich machen, nicht unähnlich ist.„Die Lilith aus den apokryphen Paralleltexten zur Genesis ist auf Schalenscherben aus Nippur als geflügeltes Weib mit Brüsten und Schlangenschwanz dargestellt. Und wird späterhin identisch mit der grausigen libyschen Lamia, die ‒ wie die Sirenenschöne Jünglinge an sich lockt und ihnen vampyrhaft das Blut aussaugt.“ (128)„Die Lamia ist ein Säugetier, denn sie gibt ihren Jungen die Brüste. Sie ist menschenähnlich, wie dies aus Darstellungen auf althebräischen Schalen ersichtlich ist, die Hilprecht bei den Ausgrabungen des Sonnentempels von Nippur gefunden hat. Die Lamia ist auch eine libysche Königin, die schöne Jünglinge an sich lockt und sie wie die Sirenen umbringt.“ (Theoz., 66)
Anm.: Alle drei verbinden die Darstellungen aus Nippur mit den Sirenen des griechischen Mythos; die Formulierung „schöne Jünglinge“ gleicht sich.
Die sündige Seite in unserer Urvergangenheit lässt sich, so peinlich sie ist, nicht wegretuschieren. Pornographie war zu allen Zeiten ein begehrtes Stimulans. Prähistorische Darstellungen sexueller Exzesse auf Tontäfelchen, Felswänden und Tierknochen sprechen für sich.„Aber die literarischen Belege für die Existenz altertümlicher Menschenformen noch in historischen Zeiten werden ergänzt durch die handgreiflicheren: durch Knochenritzzeichnungen, Felsenmalereien und plastische, reliefartige Darstellungen von Tiermenschen aus antiker und vorantiker Zeit.“ (126) 
Auf den Reliefs des schwarzen Obelisken Salmanassars II. im Britischen Museum sind seltsame tiermenschliche Wesen zu erkennen.„die Reliefs auf dem schwarzen Obelisken Salmanassars II. und auf einer Tafel aus der Zeit Assurnasirbals (beide im Britischen Museum).“ (126)„Auf dem sogenannten schwarzen Obelisken des Assyrerkönigs Salmanassar (905‒870 v. Chr.) sind ganz merkwürdige Darstellungen zweibeiniger, menschenartiger Wesen zu sehen. (Fig. 7, 8, 9).“ (Theoz., 26)
„Auf dem bekannten schwarzen Obelisken Salmanassars II. (905–870) sind die baziati und udumi dargestellt“ (Bd. 3, 1)
– Im Louvre, im Museum von Bagdad und andernorts gibt es Darstellungen merkwürdiger tiermenschlicher Kreuzungen.  
– Auf der Insel Malta stehen große Steinfiguren von außergewöhnlicher Anatomie: Sie haben kugelförmige Oberschenkel und spitze Füße; geschlechtlich lassen sie sich überhaupt nicht definieren. „In dieselbe Kategorie gehören die zahlreichen fettsteißigen Figurinen, die auf allen Inseln des Mittelländischen Meeres gefunden werden, so besonders auf Malta.“ (Bd 3, 19 f)
– Auf assyrischen Kunstwerken sind Darstellungen von Halbmenschen keine Seltenheit. Die »Begleittexte« berichten von »gefangenen Menschentieren«, die von Kriegern gefesselt, entführt und als Tribute des Landes Musri an den Großkönig abgeliefert wurden.„Nüchtern stellen ‒ als Erläuterung zum Bildinhalt, der auf beiden Reliefs der gleiche ist: die gefangenen Menschentiere werden von Kriegern gefesselt fortgeführt ‒ die Beischrifttexte fest: daß diese seltsamen Geschöpfe zu den Tributen gehören, die das Land Musrī (eine aramäische Gegend) dem Großkönig schickt, und daß diese baziati, udumi, pagutu, diese Tiermenschen, unter den Tributleistungen als ganz besonders rühmenswerte Gaben erscheinen.“ (127)„Laut der Beischrift werden die baziati und udumi als Tribut vom Lande Musri an den Assyrerkönig abgeliefert.“ (Bd 1, 2)
„Die Beischrift, eine nüchterne geschichtliche Tributliste, besagt, daß der König aus dem Lande Musri (aramäische Landschaft) pirati baziati und udumi als Tribut erhalten habe.“ (Theoz., 26)
– Ein altsteinzeitlicher Knochen aus Le Mas-d’Azil (Frankreich) zeigt ein Zwitterwesen ‒ halb Mensch, halb Affe –, dessen Phallus besonders attraktiv gewesen sein muss.“„Auf ein altsteinzeitliches Knochenstück aus Mas d’Azil ist eine, angeblich als Affe zu identifizierende Gestalt eingeritzt ‒ aber es ist kein Affe. Sondern ein unbekanntes, plumpes, auf allen Vieren gehendes behaartes Wesen ithyphallischen (!) Charakters.“ (126)Palaeolithische Ritzzeichnung auf dem Knochenstück aus Mas d’ Azil“ (Bd 3, Abbildung im Einband)
„Nach einer von Piette der Pariser anthropologischen Gesellschaft gemachten Mitteilung zeigt ein mit eingeritzten Zeichnungen versehenes Knochenstück aus Mas d’ Azil auf der einen Seite eine affenähnliche Gestalt mit anderen Tieren. Demnach hat auch in unserem Weltteil der Urmensch noch mit großen menschenähnlichen Affen zusammengelebt.“ (Bd 3, 17 f)

Mit wenigen Ausnahmen besitzt jeder Punkt in Dänikens Aufzählung eine Parallelstelle bei Eugen Georg, welcher diese Inhalte wiederum von Jörg Lanz von Liebenfels entlehnte (Georg 1930, 125: „Nur wenige schrieben darüber, das Material zusammengestellt hat eigentlich erst der Kapitelherr des Zisterzienserordens Jörg Lanz-Liebenfels“). Viele spezifische Formulierungen ‒ etwa von „Tempeltieren“ als „verhätschelte Lieblinge“, den sich „mit Fischen gesellenden“ Araxesbewohnern, dem „durch die Geschichte des Templerordens spukenden“ ägyptischen Bock und der „Mitwirkung von Menschentieren“ bei der Orgie des Tigellinus ‒ wurden offenbar direkt von Georg übernommen und belegen, dass dieser und nicht Lanz von Liebenfels die hauptsächliche Quelle Dänikens darstellt. Jedoch finden sich die maltesischen Statuen sowie die Formulierung, dass die Menschentiere des Schwarzen Obelisken beim assyrischen König „abgeliefert“ werden, so nur bei Lanz und nicht bei Georg. Demnach scheinen also auch dessen Schriften (ausgehend von den bei Georg 1930, 297 genannten Literaturangaben?) von Däniken herangezogen worden zu sein.

Theozoologie nach Erich von Däniken

Von den Einzelbeispielen abstrahiert Däniken daraufhin zum Gesamtphänomen im Sinne der Prä-Astronautik:

„Der geschlechtliche Mensch-Tier-Kult, der im Altertum mit Vehemenz und Genuss geübt wurde, scheint mir wider besseres Wissen zelebriert worden zu sein. Kann das »bessere Wissen« von einer artgemäßen Paarung nicht nur und ausschließlich von fremden Intelligenzen gekommen sein?      
Wurden die Erdbewohner, nachdem die »Götter« wieder abgereist waren, rückfällig?   
Und kam diese Rückfälligkeit einer Sünde, der Erbsünde, gleich?         
Fürchteten sie vielleicht deshalb den Tag, an dem die »Götter« wiederkehren würden? Das entwicklungshemmende Element der Urzeit war anscheinend die Tiervermischung. Aus einer solchen Sicht wird der »Sündenfall« nichts anderes als die hemmende rückläufige Entwicklung durch Vermengung mit bestialischem Blut.[12] Die »Erbsünde« wird nur dadurch logisch, dass bei jeder Zeugung etwas vom ehemals Tierischen mitvererbt wird: das Bestialische im Menschen.
Was ‒ um alles in der Welt ‒ gäbe es denn sonst für eine »Sünde« zu vererben?“ (Däniken 11969, 183 f)

„Die Strafen für den Sündenfall waren hart, mussten es auch sein, weil der Beischlaf mit Tieren offenbar an der Tagesordnung war. […]
Erst das »auserwählte Volk« sollte von dieser Lustseuche befreit sein ‒ nach einer 40 Jahre währenden Quarantäne in der Wüste. Danach würde die neue Generation vor tierischen Blutmischungen Ekel empfinden. So führten die »Götter« einen strengen, aber erfolgreichen Kampf gegen den Tiermenschen und für den höheren, von ihnen genetisch programmierten Menschen.“ (Däniken 11969, 188, 189)

Sodomitische Kreuzungen als Ursünde, rassische Verunreinigung durch „bestialisches Blut“, der alttestamentliche Bund als göttliches Verbot der Tiervermischung und ein ewiger Kampf der „Götter“ gegen „den Tiermenschen“: Was Däniken in Zurück zu den Sternen skizziert, kann als direkte Adaption der Theozoologie Lanz von Liebenfels‘ und ihrer Synopse durch Eugen Georg gelten, neu kontextualisiert im Deutungsrahmen der Prä-Astronautik. Konzept und Beispiele gleichen sich in den Werken aller drei Autoren, wobei Däniken an dieser Stelle[13] jedoch auf Lanz‘ expliziten Rassismus und politische Ideologie verzichtet. In seinen späteren Büchern werden die „Perversionen unserer Vorfahren“ schließlich kaum noch aufgegriffen; nur der Schwarze Obelisk und die Herodot-Zitate anlässlich der ägyptischen Pavianmumie (s. o.) finden u. a. in Die Augen der Sphinx erneut Erwähnung.
Die Parallele zur Lanz’schen Ariosophie beschränkt sich dabei nicht auf die Mischwesen: Den niederen „Menschentieren“ (Lanz: Anthropozoa) nämlich stehen auch bei Däniken die von den außerirdischen Göttern befruchteten „Gottmenschen“ (Lanz: Theozoa) gegenüber. Als Beleg hierfür zieht er einen falsch wiedergegebenen sumerischen Mythos heran:

„Es wird überliefert, dass der Luftgott Enlil mehrere Menschen »schwängerte«. Eine Keilschrifttafel berichtet, dass Enlil seinen »Samen« in den Schoß von Meslamtaea ergoss: »… Der Same deines Herrn, der leuchtende Same, ist in meinem Schoß; der Same Sins, der göttliche Name, ist in meinem Schoß …«         
Als die Menschen noch nicht erschaffen waren und in der Stadt Nippur nur Götter wohnten, vergewaltigte Enlil die entzückende Ninlil und schwängerte sie auf höheren Befehl. Das hübsche Erdenkind Ninlil weigerte sich zunächst, ausgerechnet von einem »Gott« befruchtet zu werden. Über die Furcht Ninlils vor dem Vergewaltigungsakt berichtet die Keilschrift aus Nippur: »… Meine Vagina ist zu klein, sie versteht den Beischlaf nicht. Meine Lippen sind zu klein, sie verstehen nicht zu küssen …«    
Der göttliche Enlil überhörte Ninlils abwehrende Worte. Es war ein Beschluss der »Götter«, die widerliche Brut unreinen Lebens auf der Erde auszutilgen, und also ergoss Enlil sich in den Schoß der Ninlil.“ (Däniken 11969, 184 f ; ähnlich auch bei Langbein 1996, 39)

Auch hier handelt es sich um Zitate aus einem realen Text, dem sumerischen Preislied Enlil und Ninlil (ETCSL 1.2.1) ‒ doch zeigt die Quelle erneut nicht, was sie zeigen soll: So ist Ninlil anders als bei Däniken behauptet keine menschliche Frau, sondern als spätere Gemahlin des Götterkönigs Enlil selbst eine hochstehende Göttin, was im Text durch die Schreibung mit Gottesdeterminativ (18eba8d1 a762 48f1 9900 84df3c54ebbd) angezeigt wird und aus zahlreichen anderen Quellen gut bekannt ist (vgl. Krebernik 2001). Auch bei Meslamtaea handelte es sich weder um einen Menschen noch eine Frau, sondern um den gemeinsamen Sohn (!) von Enlil und Ninlil, oft gleichgesetzt mit dem sumerischen Kriegs- und Unterweltsgott Nergal (vgl. Lambert 1990). Von einem „Beschluss der Götter“ steht im Original ebenfalls kein Wort – der Text Enlil und Ninlil hat mit der sexuellen Vermischung von Göttern und Menschen nichts zu tun.

Fazit

Antike Berichte über Halbgötter und Mischwesen gibt es viele. Doch ausgerechnet die auf den ersten Blick faszinierenden Funde und Schriftzeugnisse, die durch Erich von Däniken und nachfolgende Autoren für deren einstige Existenz angeführt werden, halten einer näheren Überprüfung nicht stand. Vielmehr kommen Dänikens Thesen in fast allen Fällen durch belegbare Falschdarstellungen zustande, wobei zentrale Informationen entgegen den zugrundeliegenden Quellen hinzuerfunden oder verschwiegen wurden: Das Serapeum von Sakkara diente nicht als Gefängnis für tote Ungeheuer, sondern als pietätvoller Bestattungsplatz der heiligen Apis-Stiere von Memphis, wie durch zahlreiche Inschriften und andere Funde belegt ist. Bei ägyptischen Tiermumien dichtet Däniken Knochen weiterer Tiere hinzu, die in den zitierten Quellen nicht vorkommen (Baqaria, Iseum, Abusir), ein kleiner Affe wird zum halbmenschlichen Mischwesen und das Skelett eines Hundes zum „vollkommen unbekannten Tier“. Das Mischwesen-Zitat des Eusebius stammt ursprünglich von Berossos und beschreibt keine Schöpfungen außerirdischer Götter, sondern Ungeheuer der babylonischen Mythologie, welche im Urmeer vor der Schöpfung und nicht in historischen Zeiten gelebt haben sollen. Bei den „Menschentieren“ auf dem Schwarzen Obelisken und der Reliefplatte des Assurnaṣirpal handelt es sich den assyrischen Inschriften nach um Affen, vermutlich Meerkatzen und Paviane. Wie ein Textvergleich zudem nachweisen kann, geht Dänikens erste Behandlung der Mischwesen-Thematik in Zurück zu den Sternen maßgeblich auf die Werke des völkischen Esoterikers Jörg Lanz von Liebenfels und deren Zusammenfassung bei Eugen Georg zurück, welche somit als weitere Inspirationsquellen der frühen Prä-Astronautik anerkannt werden müssen.

Anmerkung

Der vorliegende Artikel erschien zuerst im Jahrbuch für Kryptozoologie 6 (2025, 71‒120). Dabei handelt es sich um die überarbeitete Zusammenfassung von fünf Blog-Artikeln, die 2022 in der Wunderkammer der Kulturgeschichte erschienen:

  1. Das Serapeum von Sakkara – Grab heiliger Stiere oder Gefängnis für Monster?
  2. Rätselhafte Tiermumien
  3. Die Mischwesen des Eusebius
  4. Monster, Aliens, Sex und Nazis – Rassenlehre mit Erich von Däniken
  5. Assyrische Menschentiere? Der Schwarze Obelisk und das Relief des Assurnaṣirpal

Ich danke André Kramer für seine Fotos aus dem Serapeum von Sakkara. Zu den mit Inventarnummern angegebenen archäologischen Funden finden sich weitere Informationen in den Online-Katalogen der jeweiligen Museen.

Literatur

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Däniken, Erich von: Prophet der Vergangenheit. Riskante Gedanken um die Allgegenwart der Außerirdischen. Düsseldorf/Wien 11979 (Verwendete Ausgabe: Kopp-Verlag, Rottenburg 2015)

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Däniken, Erich von: Auferstehung der Toten. Mischwesen? – Nichts Neues unter der Sonne. In: Erich von Däniken (Hrsg.): Die andere Seite der Archäologie. Faszination des Unbekannten. Kosmische Spuren 7. Rottenburg 2011, pp. 201–211

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[1] Strab. XVII 1,32: „Auch ein Serapistempel ist daselbst an einem sehr sandigen Orte, so daß vom Winde Sandhügel aufgeworfen werden, von welchen wir die Sphingen bis zum Kopfe verschüttet, teils halb bedeckt sahen, woraus man auf die Gefahr schließen konnte, wenn einen zum Tempel Gehenden ein Wirbelwind überfiele.“

[2] Paus. I 18,4: „Of the Egyptian sanctuaries of Serapis the most famous is at Alexandria, the oldest at Memphis. Into this neither stranger nor priest may enter, until they bury Apis.“

[3] Zur Kleinen Galerie siehe auch die Dokumentation „Ägypten – Das Grab der heiligen Stiere“ (Arte 2022).

[4] bagiāti = pagȃti, Obl. Pl. f. von pagû „Affe“. Zeichen ZI (Ein Bild, das Mobiliar, Kunst enthält.

KI-generierte Inhalte können fehlerhaft sein.) möglicherweise verschrieben für das ähnlich aussehende Zeichen GI (7ae3c51b 709d 4590 8858 5d6715ba8862) (vgl. Grayson 1996, 149).

[5] Grayson (1996, 149 f) geht bei dem Zeichen MI (b4b968d3 b297 42f4 9f39 2ef8eb2a180a) von einer Verschreibung für u2quppu!/pi! aus. Alternativ lässt sich MI auch ohne Annahme eines Fehlers als GE6 = ṣalmu „schwarz“ lesen, d.h. uqūp ṣalmūti „schwarze Affen“.

[6] Der Babylonische Göttertypentext (iv 5) beschreibt die Statue eines Mischwesens namens „Ammakurkur, Auserwählte der Ereškigal“, das die „Schnauze eines Affen“ (ḫuṭṭimmu [p]agû) besitze (zit. nach Köcher 1953, 72 f). In der Omenserie Šumma izbu (VII 12) heißt es: „Wenn eine Missgeburt den Kopf eines Affen hat …“ (šumma izbu qaqqad UGUU.GU5.BI; zit. nach Dunham 1985, 250). Der medizinische Kommentartext BRM 4 32:23 erklärt pagû als „ein uqūpu, dessen Nase zu den Augen hinaufgeht“ (uqūpi ša appitašu ana īnīšu qapȃt; zit. nach Klein 1979, 157).

[7] Innerhalb der Prä-Astronautik wurde Lanz von Liebenfels auch von W.-J. Langbein in seinen Essays „Bibel, Götter, Monsterwesen“ (in Langbein 2019) und „Monstern auf der Spur“ (in Langbein 2020) im Kontext des Schwarzen Obelisken erwähnt, was erst dessen Identifikation als Quelle Dänikens ermöglichte.

[8] Lanz von Liebenfels, der den Originaltext der Inschriften vorliegen hatte, aber offensichtlich nur bedingt des Akkadischen mächtig war, ging von den wörtlichen Lesungen der Keilschriftzeichen (BA.ZI.A.TI und U2.DU.MI) aus, ohne die Ableitung von den Wörtern pagû und uqūpu „Affe“ zu erkennen.

[9] Hdt. I 202: „Der Araxes entspringt bei den Matienen ebenso wie der Gyndes, den Kyros in 360 Kanäle teilte. Er mündete in vierzig Armen, die sich alle außer einem einzigen in Sümpfen und Morästen verlieren. Dort sollen Menschen wohnen, die rohe Fische essen und sich in Robbenfelle kleiden.“

[10] Tac. Ann. 15:27: „Am berühmtesten wurde durch seine vielberedete Üppigkeit ein Gastmahl, das Tigellinus in Szene setzte und das ich als Beispiel aufführen will, um nicht allzu oft von derselben Verschwendung erzählen zu müssen. Er ließ also auf dem See des Agrippa ein Floß bauen, auf dem das Gelage angerichtet war und das von anderen Schiffen gezogen fortbewegt werden konnte. Die Schiffe waren mit Gold und Elfenbein geziert; Ruderer waren Lustknaben, die man entsprechend ihrem Alter und ihrer sexuellen Erfahrung verteilte. Geflügel und Wild hatte er aus entlegenen Ländern, Meerestiere bis vom Ozean herkommen lassen. An den Ufern des Sees standen Bordelle voller vornehmer Frauen, und gegenüber ließen sich Dirnen mit nacktem Körper blicken. Schon sah man unzüchtige Gebärden und Bewegungen; und als die Dunkelheit hereinbrach, hallten der ganze Hain daneben und die umliegenden Häuser vom Gesang und erstrahlten im Lichterglanz.“

[11] Vgl. hierzu Die Augen der Sphinx (1989, 89), wo die beiden Passagen in Bezug auf die angebliche Paviangeburt der Maatkare erneut zitiert werden.

[12] Vgl. hierzu Georg 1930, 130: „Die Menschen differenzieren sich geschlechtlich (Adam und Eva, Gen. II 21/23) und vermischen sich mit Tieren (Sündenfall).“

[13] Über einen Ursprung der menschlichen „Rassen“ als getrennte Schöpfungen der außerirdischen „Götter“ mit unterschiedlichen Anpassungen und Begabungen spekulierte Däniken ausführlich in seinem späteren Buch Prophet der Vergangenheit (11979, 54‒72).