Monster, Aliens, Sex und Nazis – Rassenlehre mit Erich von Däniken (MMM 4)

Orgie mit Satyren und Sphinx. Symposionsgeschirr des 6.–5. Jh. v. Chr., Altes Museum Berlin.

Mumien, Monstren, moderne Mythen: Mischwesen in der Prä-Astronautik IV

Triggerwarnung: Der vorliegende Artikel thematisiert Rassismus, Zoophilie und sexuelle Gewalt (in unterschiedlicher Kombination).

Erich von Däniken gilt in der allgemeinen Wahrnehmung als Begründer der Prä-Astronautik. Doch auch wenn seine Theorien rund um Außerirdische in der Vergangenheit zum ersten Mal ein flächendeckendes Publikum erreichten, so gingen ihm doch zahlreiche frühere Autoren voraus, die ähnliche Themen und Hypothesen behandelten.  
Bereits 1971 dokumentierte Gerhard Gadow in dem Büchlein Erinnerungen an die Wirklichkeit, dass sich Dänikens erstes Buch Erinnerungen an die Zukunft in weiten Teilen auf Übernahmen aus nicht mehr als fünf grenz- und populärwisssenschaftlichen Büchern zurückführen lässt, deren Wortlaut teils identisch und ohne Quellenangabe kopiert wurde.[1] Auch in späteren Büchern bediente sich Däniken umfangreich bei anderen Autoren – teils mit legitimen, teils unvollständigen oder fehlenden Quellenangaben. Im Folgenden soll auf eine bislang unbekannte Inspirationsquelle aufmerksam gemacht werden, die weit problematischer ist, als ein simples Plagiat es wäre.        
Deutlich geringere Aufmerksamkeit als sein Erstlingswerk, gerade auch bei seinen Kritikern, erregte Dänikens zweites Buch Zurück zu den Sternen (1969). In diesem behandelte er unter anderem erstmals das Thema der mythischen Mischwesen. Im Gegensatz zu späteren Werken (ab Die Augen der Sphinx, 1989) spielen das Serapeum von Sakkara (MMM 1) und das Zitat des Eusebius (MMM 3) noch keine Rolle. Vielmehr ist das Kapitel mit dem markanten Titel „Von Perversionen unserer Vorfahren“ deutlich sexuell konnotiert – Zoophilie und Fabelwesen geben sich die Klinke in die Hand.
Wie es schon bei einem Großteil von Erinnerungen an die Zukunft der Fall war, kann auch dieses Kapitel in weiten Teilen auf Übernahmen aus dem Werk eines früheren Autors zurückgeführt werden. Bei der Quelle handelt es sich um niemand anderen als den berüchtigten Rechtsesoteriker Jörg Lanz von Liebenfels.

Wer war Jörg Lanz von Liebenfels?

Jörg Lanz von Liebenfels, vor 1907 (Wikimedia Commons)

Jörg Lanz von Liebenfels zählt zu den prominentesten völkischen Esoterikern des frühen 20. Jahrhunderts. Geboren am 19. Juli 1874 als Adolf Joseph Lanz, zeigte er bereits früh Interesse an religiösen und esoterischen Bewegungen und schloss sich 1893 dem Zisterzienserorden an. 1898 zum Priester geweiht, wurde er bereits ein Jahr später unter kontroversen Umständen wieder zum Austritt gedrängt.
Bereits 1900 gründete er den esoterischen Neutempler-Orden, dessen Aufbau und Liturgie an die Zisterzienser angelehnt, inhaltlich jedoch durch völkisch-rassistisches Gedankengut geprägt war. Gottesdienste wurden unter anderem in der von Lanz erworbenen Burgruine Werfenstein (Oberösterreich) abgehalten; zu seiner Hochzeit erreichte der Orden 300 bis 400 Mitglieder.
Seit 1902 führte Lanz einen erfundenen Doktortitel, ab 1910 trat er mit einem ebenfalls erfundenen Adelstitel als „Jörg Lanz von Liebenfels“ auf. Er begann mit dem Verfassen radikaler Schriften, deren Ideologie in Rassismus, Antisemitismus, Antisozialismus, Misogynie und der Verteidigung des Adels und Kolonialismus bestand. Ab 1905 gab er die ariosophische Zeitschrift Ostara heraus, von der auch Adolf Hitler in seiner Wiener Zeit einige Bände las. In der dreibändigen Artikelserie Anthropozoon biblicum (1903-4) sowie seinem Hauptwerk Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götter-Elektron, eine Einführung in die älteste und neueste Weltanschauung und eine Rechtfertigung des Fürstentums und des Adels (1905) entwickelte Lanz eine exzentrische Theologie, in der er völkische Rassenlehre mit antiken Quellen und Mythologie verband. 
Nach dem 1. Weltkrieg emigrierte er nach Ungarn, wo er weiter zahlreiche Artikel und Bücher mit verschwörungstheoretischen, antisemitischen und esoterischen Inhalten verfasste. In den 1910er bis 20er Jahren wandte er sich auch verstärkt der Astrologie und Wahrsagekunst zu.
Seit den 1920er Jahren verstand sich Lanz als maßgeblicher Wegbereiter Adolf Hitlers. Tatsächlich jedoch scheint sein Einfluss auf die nationalsozialistische Bewegung bescheiden gewesen zu sein: Obgleich seine rassistischen und antisemitischen Positionen in deren Ideologie nur allzu anschlussfähig waren, wurden esoterische Bewegungen wie seine doch von Hitler und anderen ranghohen Nationalsozialisten vielmehr verspottet und missachtet. Lanz‘ Neutemplerorden war wie andere esoterische Organisationen im nationalsozialistischen Deutschland aufgelöst worden, er selbst wurde an weiteren Publikationen gehindert. Auch nach dem 2. Weltkrieg stilisierte Lanz sich weiter als „Der Mann, der Hitler die Ideen gab“, wie die gleichnamige Biographie von Wilfried Daim (1958) ihn nannte. Mit bescheidener Wirkung führte er seine publizistischen Tätigkeiten bis zu seinem Tod am 22. April 1954 fort.

„Anthropozoon“ – Umzeichnung des assyrischen Reliefs eines Affen als Titelbild von Jörg Lanz von Liebenfels‘ Theozoologie

In seinem monographischen Hauptwerk Theozoologie sowie den kürzeren „Bibeldokumenten“ entwickelte Lanz von Liebenfels eine ebenso menschenverachtende wie phantastische Rassenlehre, die sich liest, als hätte H. P. Lovecraft Mein Kampf geschrieben: Ursprünglich habe eine Rasse von zweigeschlechtlichen arischen Gottmenschen („Homo Aesus“) existiert, die Ursprung jeglicher Kultur und natürlich in Deutschland beheimatet gewesen sei. Diese jedoch hätte sich gegen den Willen Gottes mit verschiedenen Arten affenartiger Tiermenschen vermischt und durch diese „Bastardisierung“ die heutigen Menschenrassen hervorgebracht. Mythische Mischwesen, Riesen, Zwerge, Drachen, Fischwesen und alle anderen Fabelwesen der antiken Überlieferung sowie Kleinwüchsige und anderweitig „missgestaltete“ Menschen werden als Exemplare dieser „Sodomsäfflinge“ verstanden, die in Höhlen, Pfahlbauten, Erdställen und anderen Plätzen gelebt und den Menschen in blasphemischen Kulten zu sexuellen Eskapaden gedient hätten.      
Im dritten Band der „Bibeldokumente“ fasst Lanz zentrale Punkte seines Weltbildes zusammen (orthographische Fehler so im Original):

„1. (These): Das archäologisch und historisch nachgewiesene pagu und udumu und sind identisch mit den anthropologisch festgestellten bezah niederen Anthropozoa der prähistorischen und zum Teile historischen Perioden. Denn gerade wo die paguta und baziati zuhause sind, finden wir die mit den Kabirenkulten verbundenen Pygmäen und niederen Menschentypen. Die ganz rätselhafte Erscheinung der Pfahlbauten, Erdställe, Labyrinthe, die Unkenidole, 1) die Unken-Wortrune für Mensch und Weib, die orgiastischen Culte, die Schuppentätowierung finden dadurch eine ganz ungezwungene Erklärung. Die uduni sind die Riesenmenschen der Vorzeiten.
2. (Hypothese). Paguta, baziati und udumi stellen drei verschiedene Menschentierarten dar, von denen die pagutu schwarz, die baziati gelblich, die udumi rötlich waren. Die drei Anthropozoenarten wären demnach die Ahnen der negroiden, mongoliden und mediterranen Rasse. […]     
3. (These). Der Homo sapiens oder besser Homo Aesus 2) hat seine ethnologischen Wurzeln im heutigen Norddeutschland, Niederland und Belgien und vermischt sich more sodomitico mit den Menschentierarten, als deren Produkt gegen Osten und Süden in immer inferioreren Formen in — Orten, die dem Verkehr nicht zugänglich sind, in fast unvermischten Urformen (Zentralafrika, Malakka, Sundainseln, Australien) — die zwei farbigen Rassen entstehen. […]
4. (These) Stammt die asische Rasse aus Deutschland, ist sie allein die Trägerin der Kultur, und ist sie anfangs allein im Besitz einer artikulierten Sprache, ist das Anthropozoon stumm 2) und steht auf einer sehr tiefen, fast tierischen Kulturstufe, 3), so ist der Ursprung der Sprachen, der Technik und der Künste, überhaupt der Kultur in Deutschland zu suchen.“ (Bd. 3, 36–45)

Die Schlussfolgerung – man müsse ausgehend von „überlegenen“ Menschentypen (Ariern) die Menschheit zum einstigen Ideal zurückzüchten:

„Lassen wir nur physisch und moralisch vollkommene Menschen zur Zeugung zu, so löst sich die soziale Frage von selbst, und der uralte Fluch, der seit Adam und Eva infolge wahl- und sinnloser Bastardisierung auf dem Menschengeschlechte lastet, wird von selbst weichen und das irdische Paradies von selbst wieder in unsere Mitte zurückkehren.“ (Bd. 3, 41)

Lanz vs. Däniken: Die Gegenüberstellung

„Menschentiere“ auf dem Schwarzen Obelisken Salmanassars III. (assyrischer König 858–824 v. Chr.), eine der wichtigsten Quellen für Lanz und Däniken. Der Inschrift zufolge handelt es sich jedoch um Affen. Replik im Vorderasiatischen Museum Berlin, Foto LI.

Ganz ähnliche Motive finden sich in Erich von Dänikens Buchkapitel „Von Perversionen unserer Vorfahren“ in Zurück zu den Sternen – auch dort geht es um eine Vielzahl antiker Überlieferungen, die allesamt auf die Vermischung antiker Menschen mit Tieren und Mischwesen hindeuten sollen. Es lohnt sich daher, die ersten Seiten des Kapitels Absatz für Absatz durchzugehen und einschlägigen Stellen aus den zentralen Werken Lanz von Liebenfels‘ – den drei Bänden der Bibeldokumente (Bd. 1–3) und der Theozoologie (Theoz.) – gegenüberzustellen.

Erich von Däniken: Zurück zu den Sternen[2]Jörg Lanz von Liebenfels: Theozoologie / Bibeldokumente 1–3
„In grauer Vorzeit muss es ein Zwitterwesen von Mensch und Tier gegeben haben. Darüber lassen Literatur und Kunst der Frühzeit keinen Zweifel. Darstellungen von menschenköpfigen Flügelstieren, Meerjungfrauen, Skorpionmenschen, Vogelmenschen, Zentauren und mehrköpfigen Monstren sind uns allen bildhaft in Erinnerung. Alte Bücher behaupten, dass diese Zwitterwesen noch in historischer Zeit in Horden, Stämmen und sogar in der Großformation von Völkern zusammen gelebt haben. Sie berichten von gezüchteten Zwitterwesen, die als »Tempeltiere« ihr Dasein fristeten und verhätschelte Lieblinge der Bevölkerung gewesen zu sein scheinen.
Die sumerischen Großkönige und später auch die Assyrer machten Jagd auf Menschentiere – möglicherweise zur puren Belustigung.„Neben anderen Darstellungen sehen wir auf dieser Schüssel auch eine höchst interessante Szene, einen Fürsten (oder König) auf der Zwergenjagd! […] Wir haben in dieser den Stempel der Naturwahrheit und Realistik tragenden Darstellung eine Illustration zu den keilinschriftlichen Berichten, daß Sargon und andere Könige auf das Pagu und anderer Anthopozoa Jagd gemacht haben.“ (Bd 3, 12 f)
Geheimnisvolle Texte spielen auf »Halbwesen« und »Mischwesen« an, deren merkwürdige Existenz sich allerdings immer wieder in die unkontrollierbaren Bereiche des Mythischen verflüchtigt.  
Der ägyptische Bock geistert noch durch die Geschichten des im 12. Jahrhundert gegründeten Templerordens. Er wird mit aufrechtem Gang, Menschenhaaren auf dem Haupt, Bockshufen, Bockshinterteil und starkem Phallus dargestellt.„in Mendes verehre man den Pan und den Bock (tragos)“ (Theoz., 20) „Eine besondere Rolle spielt bei den Aegyptern der Widder und der Bock.“ (Bd. 3, 6)
– Herodot (490-425 v. Chr.) spricht in seinen »Ägyptischen Geschichte« von seltsamen schwarzen Tauben, die »Menschentierweibchen« gewesen seien (II, 57).„hierher gehört auch die merkwürdige Erzählung, die Herodot II, 55 bringt, da er von den Priesterinnen des Orakels zu Dodona spricht: „Die Priesterinnen zu Dodona erzählten mir also: Es wären zwei schwarze Tauben […] von Theben in Aegypten ausgeflogen, davon wäre die eine nach Libyen gekommen, die andere aber zu ihnen, und die hätte sich auf eine Eiche gesetzt und mit menschlicher Stimme […] gesprochen […] Tauben […] aber, glaube ich, sind die Weiber von den Dodonäern genannt worden darum, weil sie Fremdlinge […] waren und es kam ihnen ihre Sprache vor wie die der Vögel. […] Das Menschentierweibchen war eben zugleich Beischläferin, Lustobjekt und Orakeltier!“ (Bd 3, 14-16)
Kommentar Das Wort „Menschentierweibchen“ steht nicht im Originaltext von Herodot, sondern nur bei Lanz von Liebenfels. Die Gleichsetzung mit den schwarzen Tauben ist eine Interpretation von diesem und findet sich nicht direkt im Text.
– Die im Mündungsgebiet des persischen Araxes wohnenden Menschen sollen sich »mit Fischen gesellt« haben und – nach Herodot – Fischmenschen mit Schuppenhaut gewesen sein (I, 202).„Nach I. 202 leben an den Mündungen des Araxes „die sich in Sümpfe und Moräste verlieren“, Menschen die von rohen Fischen „leben“ und mit Robbenfellen bekleidet sind. Die Stelle besagt offenbar, daß sich jene Menschen mit „Fischen“, i.e. pagutu vermischten, weswegen das Volk eine schuppenartige Haut bekam.“ (Bd 3, 27)
Kommentar Hdt. 1:202: „Der Araxes entspringt bei den Matienen ebenso wie der Gyndes, den Kyros in 360 Kanäle teilte. Er mündete in vierzig Armen, die sich alle außer einem einzigen in Sümpfen und Morästen verlieren. Dort sollen Menschen wohnen, die rohe Fische essen und sich in Robbenfelle kleiden. Eine einzige Mündung des Araxes fließt durch offenes Land in das Kaspische Meer. Dieses ist ein Binnenmeer und steht mit dem Weltmeer in keinerlei Verbindung.“ Dass sich die Menschen „mit Fischen gesellt“ oder als Fischmenschen eine Schuppenhaut gehabt haben, steht nicht im Primärtext. Dies ist die Interpretation von Lanz, die dieser nach der Herodot-Paraphrase vorbringt. Erich von Däniken zitiert also erneut Lanz‘ Erfindung als vermeintliches Herodot-Zitat, ohne die Originalstelle nachzuprüfen.
– In indischen Veden wird von Müttern berichtet, die »auf Händen laufen«.
– Im Gilgamesch-Epos heißt es, dass Enkidu »von den Tieren entfremdet« werden musste.„Das babylonische Gilgames-Epos (I. Taf. II. Kol.) hat eine der bereits erwähnten Vermischung des Herkules mit der Echidna ähnliche Begebenheit. Jabani [= veraltete Lesung für Enkidu, Anm. LI] ist ein zottiger šair-Mensch wie Esau. Mit dem „Vieh” und dem „Gewimmel des Wassers” lebt er wild zusammen. Er ist ein Geilheitsmensch (I. Taf. IV. Kol.). Gilgames lässt ihn durch eine Buhldirne fangen. „Da machte das Freudenmädchen ihre Brüste los, öffnete ihre Scham und er nahm ihre Überkraft, sie scheute sich nicht, nahm seine Fülle … sie machte ihm Geilheit, des Weibes Werk … seine Muskel preßten sich auf ihren Rücken, 6 Tage und 7 Nachte begattet so Jabani das Freudenmädchen.” (Theoz., 19)
Kommentar Die Entfremdung Enkidus von den Tieren wird auch bei Lanz von Liebenfels erwähnt. Jedoch kennt Däniken diese Geschichte auch aus der (stark fehlerhaften) Gilgamesch-Übertragung von Georg Burckhardt (1920) und vielleicht weiteren Quellen; sie wird bereits in Erinnerungen an die Zukunft (2015:62) zitiert. Lanz von Liebenfels verwendet zudem die veraltete Lesung Jabani (= Ea-bani) für Enkidu, kann also nicht die einzige bzw. primäre Quelle sein.
– Bei der Hochzeit des Peirithoos vergreifen sich die Zentauren, halbtierische Wesen mit Pferdeleib und menschlichem Oberkörper, an den Frauen der Lapithen.
– Dem stierköpfigen Minotaurus mussten sechs Jünglinge und sechs Jungfrauen »geopfert« werden.„Deswegen wohnte der Minotaurus, 1) das urmenschliche Scheusal, in dem kretischen Labyrinth und die schönsten Jungfrauen mußten seinen Lüsten geopfert werden!“ (Bd 3, 24)
Schließlich darf man wohl auch die lebenden Mägde des Hephaistos unter dem Aspekt geschlechtlicher Belustigung betrachten.„ebensolche Kunstwerke waren die goldenen, lebendigen Mägde, auf die sich der watschelnde Hephästos stützte“ (Theoz., 53)
– Es gibt für mich auch wenig Zweifel, dass der Tanz um das Goldene Kalb der Höhepunkt einer Sexorgie gewesen ist.„Offenbar ein Sodomskunstwerk war das goldene Kalb, mit dem der ägyptische Pöbel im Judenheer buhlte, […]“ (Theoz., 53)
Kommentar Auch bei Lanz von Liebenfels erscheinen goldenes Kalb und Mägde des Hephaistos unmittelbar hintereinander wie bei Erich von Däniken.
Platon schreibt in seinem »Gastmahl«: »Ursprünglich gab es neben dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht noch ein drittes. Dieser Mensch hatte vier Hände und vier Füße … groß war die Stärke dieser Menschen, ihr Sinn war verwegen, sie planten, den Himmel zu stürmen und sich an den Göttern zu vergreifen …«          
Die Kabiren, auf Inschriften meist die »Großen Götter« betitelt, trieben einen geheimnisvollen Kult mit den Fruchtbarkeitsdämonen, der sich von dem ägyptischen Altertum über die hellenistische Epoche noch bis in die Blütezeit der römischen Kultur fortsetzte. Da die Kabirenweihen geheim waren, konnte bis heute nicht genau ermittelt werden, was denn die Herrschaften für robuste Sexspiele miteinander trieben. Immerhin gilt es als sicher, dass an den Vergnügungen stets zwei weibliche und zwei männliche Kabiren sowie ein Tier teilnahmen: Es paarten sich nicht nur Männlein und Weiblein, das Tier hatte einen aktiven Part!       „Jedem, der Herodot liest, muß es auffallen, daß er, wenn er auf da Kabirengeheimnis zu sprechen kommt, ängstlich besorgt ist, das Mysterium nicht zu offenbaren: Immer finden sich diese Stellen, wo von orgiastischen Culten 2) die Rede ist. Nachdem er erwähnt hatte, daß die Hellenen die ithyphallischen Hermesbilder 3) von den Pelasgern haben, fügte er hinzu: „Und wer da eingeweiht ist in den geheimen Dienst der Kabiren, der gehalten wird von den Samothrakern, die ihn angenommen von den Pelasgern, der versteht, was ich sagen will!“ (Bd 3, 5) „Ja, man könnte sogar etwas weiter gehen und direkt sagen: Hinter den Kabirenmysterien und hinter den anderen Geheimculten steckt die Sünde mit dem Tier, die Sodomie oder schärfer: die systematische in Cultformen gekleidete Bestialität.“ (Bd. 3, 11)
Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch die ägyptischen Apis-Stiere, die »heiligen Stiere von Memphis«, erwähnen. Sie wurden ihrer Fruchtbarkeit wegen mumifiziert – in drei Meter langen und vier Meter hohen Sarkophagen. Vor drei Jahren stand ich in diesen muffigen Grabkammern tief unter dem Wüstensand und fragte mich: Was haben diese fruchtbaren Stiere wohl zu Lebzeiten getan?
Kommentar Die Erwähnung der Apis-Stiere geht offenbar nicht auf Lanz, sondern den eigenen Besuch des Serapeums von Sakkara zurück. Bemerkenswert ist, dass Däniken hier noch die Bestattung von Apis-Stieren im Serapeum anerkennt und davon ausgehend weiterspekuliert, während er sie ab Kosmische Spuren und Die Augen der Sphinx vollkommen leugnet.
Tacitus (Annalen XV, 37) schildert eine abendliche Orgie im Hause des Tigellinus, bei der »unter Mitwirkung von Menschentieren gebuhlt« wurde. Wie lange die Perversitäten in Geheimbünden betrieben wurden, lässt sich nicht ermitteln.„Plinius berichtet IX, 5 allen Ernstes von den mit Schuppen bedeckten Wassermenschen und Tigellinus veranstaltet nach Tacitus, Ann. XV 37 eine Sodoms-Orgie, bei der die ,,Meerestiere” beteiligt sind, so daß die lüsternen römischen Edeldamen in hellen Haufen herbeiströmen.“ (Theoz., 38)
Kommentar Ann. 15:27: „Am berühmtesten wurde durch seine vielberedete Üppigkeit ein Gastmahl, das Tigellinus in Szene setzte und das ich als Beispiel aufführen will, um nicht allzu oft von derselben Verschwendung erzählen zu müssen. Er ließ also auf dem See des Agrippa ein Floß bauen, auf dem das Gelage angerichtet war und das von anderen Schiffen gezogen fortbewegt werden konnte. Die Schiffe waren mit Gold und Elfenbein geziert; Ruderer waren Lustknaben, die man entsprechend ihrem Alter und ihrer sexuellen Erfahrung verteilte. Geflügel und Wild hatte er aus entlegenen Ländern, Meerestiere bis vom Ozean herkommen lassen. An den Ufern des Sees standen Bordelle voller vornehmer Frauen, und gegenüber ließen sich Dirnen mit nacktem Körper blicken. Schon sah man unzüchtige Gebärden und Bewegungen; und als die Dunkelheit hereinbrach, hallten der ganze Hain daneben und die umliegenden Häuser vom Gesang und erstrahlten im Lichterglanz.“
Bei Tacitus werden keine „Menschentiere“ erwähnt, sondern „Vögel und verschiedenste Tiere der Erde und Meerestiere des Ozeans“ (volucris et feras diversis e terris et animalia maris Oceano). Die tatsächliche Quelle erwähnt nicht, dass die Tiere bei der beschriebenen Orgie sexuell beteiligt waren. Lanz von Liebenfels zitiert hier korrekt Meerestiere, die er wiederum als Mischwesen deutet. Erich von Däniken scheint die dort zitierten Stellen von Plinius („Wassermenschen“, genauer: Nereiden) und Tacitus (Orgie im Haus des Tigellinus, „Meerestiere“) zu vermischen, die Lanz von Liebenfels in einem Satz hintereinander nennt. Plinius dagegen berichtet tatsächlich von angeblichen Belegen für die Existenz von Fischmenschen.
Herodot scheint die Sache mitunter etwas peinlich gewesen zu sein; er schreibt sie mit der linken Hand weg (II, 46): „… Und es vermischte sich der Bock vor den Augen aller mit einem Weibe …«„In derselben Mark begab sich zu meiner Zeit folgendes Wunder […]: es paarte sich ein Bock (Pan!!) mit einem Weibe vor aller Augen und alle Leute erfuhren es.“ (Bd 3, 7) „In derselben Mark begab sich vor mir folgendes; es vermischte sich ganz offenbar ein Bock mit einem Weibe.“ (Bd 1, 8) „Es paarte sich ein Bock (tragos) mit einem Weibe vor aller Augen“ (Theoz., 20)
Kommentar Hdt. 2:46: „In diesem Gau ereignete sich zu meiner Zeit eine wunderliche Begebenheit: Ein Bock begattete öffentlich eine Frau; und die Leute erfuhren davon.“
Die Stelle findet sich mehrfach bei Lanz, ist jedoch korrekt zitiert und könnte auch direkt von Herodot übernommen sein.
Der göttliche Pan wurde von antiken Künstlern mit Bocksfüßen und Ziegenkopf dargestellt. Auch das genierte Herodot (II, 46): »Warum sie ihn so darstellen, darüber soll man nicht reden . . .«      „Es malen und hauen aber die Maler und Bildner das Bild des Pan mit einem Ziegenkopf und mit Bocksfüssen; sie glauben aber nicht, dass er so aussieht, sondern wie die anderen Götter. (!) Warum sie ihn aber also malen, das darf ich nicht sagen.“ (Bd 1, 8) „Es malen und hauen die Maler und Bildner das Bild des Pan wie die Hellenen mit einem Ziegenkopf und mit Bocksfüßen; sie glauben aber nicht, daß er so aussieht, sondern wie die andern Götter. Warum sie ihn aber also malen, das kann ich nicht wohl sagen.“ (Bd 3, 6)
Kommentar Die Stelle ist korrekt zitiert. Dieses und das vorige Zitat verwendet Däniken erneut in seinem späteren Buch Die Augen der Sphinx (89), dort in Zusammenhang mit der angeblichen Geburt eines Pavians durch die Hohepriesterin Makare. Dies ist einer der wenigen späteren Rückbezüge auf das Thema aus Zurück zu den Sternen.
Der jüdische Talmud berichtet, dass Eva von einer Schlange begattet wurde. Diese Vorstellung animierte viele Künstler.„Der nachaš, so heißt der „Wurm” hebräisch, war keine „Schlange” in unserem Sinne, denn er hatte (nach Gen. III, 14) Füße. Er war ein vernünftiges, redendes, daher menschenähnliches Wesen (Gen. III, 1). Er war sogar ein gottähnliches oder gottgleiches über ‘Adam stehendes Wesen. Talmud, Sabbath 146 a sagt ausdrücklich, daß der nachaš die Eva begattet habe.“ (Theoz., 73)
Auf Scherben, die in Nippur gefunden wurden, ist ein Weib mit gutentwickelten Brüsten und einem Schlangenschwanz konterfeit – eine Darstellung übrigens, die denjenigen von Sirenen, die sich schönen Jünglingen begehrlich machen, nicht unähnlich ist. „Die Lamia ist ein Säugetier, denn sie gibt ihren Jungen die Brüste. Sie ist menschenähnlich, wie dies aus Darstellungen auf althebräischen Schalen ersichtlich ist, die Hilprecht bei den Ausgrabungen des Sonnentempels von Nippur gefunden hat. Die Lamia ist auch eine libysche Königin, die schöne Jünglinge an sich lockt und sie wie die Sirenen umbringt.“ (Theoz., 66)
Kommentar Beide verbinden die Erwähnung von Abbildungen auf Keramikfunden aus Nippur (Mesopotamien) mit den Sirenen des griechischen Mythos. Die Formulierung „schöne Jünglinge“ gleicht sich.
Die sündige Seite in unserer Urvergangenheit lässt sich, so peinlich sie ist, nicht wegretuschieren. Pornographie war zu allen Zeiten ein begehrtes Stimulans. Prähistorische Darstellungen sexueller Exzesse auf Tontäfelchen, Felswänden und Tierknochen sprechen für sich. 
Auf den Reliefs des schwarzen Obelisken Salmanassars II. im Britischen Museum sind seltsame tiermenschliche Wesen zu erkennen.„Auf dem sogenannten schwarzen Obelisken des Assyrerkönigs Salmanassar (905—870 v. Chr.) sind ganz merkwürdige Darstellungen zweibeiniger, menschenartiger Wesen zu sehen. (Fig. 7, 8, 9).“ (Theoz., 26) „Es sind die baziati und udumi auf dem schwarzen Obelisken Salmanassars II. (905–870) und die pagutu auf dem Relief Assurnassirbals (930–905) aus Nimrud.“ (Bd. 3, 1) „Auf dem bekannten schwarzen Obelisken 1) Salmanassars II. (905–870) sind die baziati und udumi dargestellt“ (Bd. 3, 1)
Kommentar Der Schwarze Obelisk nimmt einen zentralen Platz in der Lehre Lanz von Liebenfels‘ ein; auf seine Inschrift gehen die Bezeichnungen baziati und udumi für die Tiermenschen zurück. Wie dieser spricht auch Erich von Däniken von König Salmanassar II. Tatsächlich handelt es sich bei dem König des Schwarzen Obelisken jedoch um Salmanassar III. (vgl. RIMA 3.102.14). Der gemeinsame Fehler deutet auf eine Übernahme hin.
– Im Louvre, im Museum von Bagdad und andernorts gibt es Darstellungen merkwürdiger tiermenschlicher Kreuzungen. 
– Auf der Insel Malta stehen große Steinfiguren von außergewöhnlicher Anatomie: Sie haben kugelförmige Oberschenkel und spitze Füße; geschlechtlich lassen sie sich überhaupt nicht definieren.„In dieselbe Kategorie gehören die zahlreichen fettsteißigen Figurinen, die auf allen Inseln des Mittelländischen Meeres gefunden werden, so besonders auf Malta.“ (Bd 3, 19 f)
– Auf assyrischen Kunstwerken sind Darstellungen von Halbmenschen keine Seltenheit. Die »Begleittexte« berichten von »gefangenen Menschentieren«, die von Kriegern gefesselt, entführt und als Tribute des Landes Musri an den Großkönig abgeliefert wurden.„Laut der Beischrift werden die baziati und udumi als Tribut vom Lande Musri an den Assyrerkönig abgeliefert.“ (Bd 1, 2) „Die Beischrift, eine nüchterne geschichtliche Tributliste, besagt, daß der König aus dem Lande Musri (aramäische Landschaft) pirati baziati und udumi als Tribut erhalten habe.1)“ (Theoz., 26)
Kommentar „als Tribute(e) des Landes Musri an den Assyrer-/Großkönig abgeliefert“ – nahezu identische Formulierung.
– Ein altsteinzeitlicher Knochen aus Le Mas-d’Azil (Frankreich) zeigt ein Zwitterwesen – halb Mensch, halb Affe –, dessen Phallus besonders attraktiv gewesen sein muss.“„V. Palaeolithische Ritzzeichnung auf dem Knochenstück aus Mas d´ Azil (L´ Anthropologie, 1909, S. 503).“ (Bd 3, Abbildung im Einband) „So schreibt Wilser im Globus LXXXIV, 97 : „Nach einer von Piette der Pariser anthropologischen Gesellschaft gemachten Mitteilung zeigt ein mit eingeritzten Zeichnungen versehenes Knochenstück aus Mas d´Azil auf der einen Seite eine affenähnliche Gestalt mit anderen Tieren. Demnach hat auch in unserem Weltteil der Urmensch noch mit großen menschenähnlichen Affen zusammengelebt.“ (Bd 3, 17 f)

Die Übereinstimmungen beider Quellen sind offenkundig. An mindestens fünf Stellen gibt es so konkrete Entsprechungen, dass eine direkte Übernahme gesichert erscheint:

  • Schwarzer Obelisk: gleichartige Formulierung „als Tribute(e) des Landes Musri an den Assyrer-/Großkönig abgeliefert“ und identischer Fehler „Salmanassar II.“ statt Salmanassar III.
  • Weibliches Mischwesen auf Scherben aus Nippur erwähnt und mit Sirenen verbunden
  • Schwarze Tauben: Bezeichnung als „Menschentierweibchen“ nur bei Lanz, nicht bei Herodot
  • Menschen an Araxesmündung als „Fischmenschen mit Schuppenhaut“ – Interpretation bei Lanz, nicht bei Herodot
  • Orgie im Haus des Tigellinus: Mitwirkung von Tieren nur bei Lanz suggeriert, nicht bei Tacitus
  • Mägde des Hephaistos und Tanz ums Goldene Kalb bei beiden sexuell gedeutet und jeweils direkt hintereinander genannt

Klare Parallelen finden sich weiterhin für die meisten (zehn) der bei Däniken aufgezählten Mischwesen: Jagd auf „Menschentiere“ durch assyrische Könige, Enkidu im Gilgameš-Epos, Minotaurus, Kabiren, Sodomie mit Bock und Darstellung des Pan in Ägypten (zwei Herodot-Zitate), Begattung Evas durch Schlange (Talmud), Schwarzer Obelisk, Figuren von Malta, Knochen aus Le Mas-d’Azil – und all dies auf nur drei Buchseiten. Die bei Däniken wiederholt verwendete Bezeichnung „Menschentiere“ ist ebenfalls typisch für Lanz von Liebenfels.

Nur kurz sei an dieser Stelle inhaltlich zu den Thesen und vermeintlichen Belegen Stellung genommen: Einige der genannten Quellen sind missverständlich zitiert und enthalten die angeblichen Informationen gar nicht. Bei vielen sind die sexuelle Lesart und der Bezug auf Mischwesen nur eine sehr freie Interpretationen durch Lanz von Liebenfels, ohne eine eindeutige Grundlage im Text zu haben. Auf der anderen Seite existieren unbestreitbar sehr viele mythische, legendarische und historiographische Erzählungen aus zahlreichen Kulturen, die genau das, was Däniken und Lanz von Liebenfels postulieren, berichten, nämlich sexuelle Kontakte und sogar Fortpflanzung von Menschen mit Tieren und Fabelwesen (vgl. Titelbild u.a.). Auch bei einer Widerlegung der gegebenen Beispiele blieben also genug ähnliche Geschichten bestehen. Die Beweiskraft mythischer und sagenhafter Quellen, aber auch von Anekdoten der antiken Historiographie ist jedoch naturgemäß gering, solange sie sich nicht durch unabhängige Belege bestätigen lassen, was nur selten der Fall ist. Als historisch verlässliche Quellen können sie nicht gelten.     
Unabhängig davon widersprechen die Thesen jeglichen Fakten der modernen Genetik, Paläoanthropologie, Evolution- und Fortpflanzungsbiologie. Eine Fortpflanzung zwischen grundverschiedenen Gattungen ist aus mehreren Gründen biologisch unmöglich (u.a. Kompatibilität des Genoms sowie der Geschlechtsorgane, Eindringen der Spermien in die Eizelle, Heranwachsen des Embryos), zumal auch Däniken an dieser Stelle noch nicht von moderner Gentechnologie, sondern von herkömmlichem Geschlechtsverkehr spricht. Hätte es die Vermischung trotzdem gegeben, so wäre sie genetisch an heutigen Menschen bzw. überliefertem Skelettmaterial nachweisbar, wie es für die prähistorische Vermischung des Homo sapiens mit Neandertaler und Denisova-Mensch im Paläolithikum in der Tat der Fall ist.

Schlussfolgerungen

Pan mit Ziege. Statue aus der Villa dei Papiri, Herculaneum (© Marie-Lan Nguyen, Wikimedia Commons)

Man könnte auf den ersten Blick meinen, Erich von Däniken habe nur die von Lanz aufgelisteten Quellen übernommen, um sie in seine eigenen Theorien einzubauen. Doch wie sich im Anschluss herausstellt, sind auch die daraus folgenden Implikationen die gleichen:

„Nach heutigen biologischen Kenntnissen ist die Kreuzung Mensch-Tier unmöglich, weil die Chromosomenzahl der Partner nicht übereinstimmt. Diese Paarung ließe nie ein lebensfähiges Wesen entstehen. Aber wissen wir denn, nach welchem Genetischen Code die Chromosomenzahl der Mischwesen zusammengesetzt war? Der geschlechtliche Mensch-Tier-Kult, der im Altertum mit Vehemenz und Genuss geübt wurde, scheint mir wider besseres Wissen zelebriert worden zu sein. Kann das »bessere Wissen« von einer artgemäßen Paarung nicht nur und ausschließlich von fremden Intelligenzen gekommen sein?         
Wurden die Erdbewohner, nachdem die »Götter« wieder abgereist waren, rückfällig?
Und kam diese Rückfälligkeit einer Sünde, der Erbsünde, gleich? 
Fürchteten sie vielleicht deshalb den Tag, an dem die »Götter« wiederkehren würden? Das entwicklungshemmende Element der Urzeit war anscheinend die Tiervermischung. Aus einer solchen Sicht wird der »Sündenfall« nichts anderes als die hemmende rückläufige Entwicklung durch Vermengung mit bestialischem Blut. Die »Erbsünde« wird nur dadurch logisch, daß bei jeder Zeugung etwas vom ehemals Tierischen mitvererbt wird: das Bestialische im Menschen. Was – um alles in der Welt – gäbe es denn sonst für eine »Sünde« zu vererben?“[3]

Die Vermischung mit Tiermenschen als Erbsünde der menschlichen Rasse – dieses Motiv, bei Däniken wie gewohnt in Suggestivfragen gekleidet, könnte ebenso von Lanz von Liebenfels stammen (vgl. Zitat weiter oben). Däniken übernimmt also Grundlagen und Schlussfolgerung, aber entwickelt die Theorie im Rahmen seiner Prä-Astronautik weiter: Aus dem Willen Gottes, der die Unzucht mit den Mischwesen verbietet, wird die Weisung der Außerirdischen, und aus Homo Aesus, dem arischen Gottmenschen, die Abkömmlinge der Verbindung von Mensch und Alien. 
Zusätzlich zu der Vermischung der frühen Menschen mit Tieren und Mischwesen soll es nach Däniken nämlich noch eine zweite „Rassenmischung“ gegeben haben – die zwischen Menschen und Außerirdischen. Kronzeugen dafür sind die Nephilim-Tradition der biblischen Mythologie (s.u.) sowie zahlreiche andere Überlieferungen über die Zeugung von Halbgöttern oder die Abstammung der Menschen insgesamt von Göttern.[4] Kurz zusammengefasst:

„Mit meiner Brille – Baujahr 1969 – gelesen, stellen sich die Ereignisse so dar:   
»Götter« kamen aus dem Kosmos.   
»Götter« wählten eine Gruppe von Lebewesen aus und befruchteten sie.  
»Götter« gaben der Gruppe, die ihr genetisches Material trug, Gesetze und Anweisungen für eine entwicklungsfähige Zivilisation.       
»Götter« vernichteten rückfällig gewordene Wesen.           
»Götter« schenkten der auserwählten Gruppe bedeutendes hygienisches, medizinisches, technisches Wissen.“[5]

Prä-Astronautische Rassenlehre – Kontext und Bewertung

Sowohl hinsichtlich der genannten Quellen als auch dem daraus konstruierten Weltbild speist sich das Kapitel „Von Perversionen unserer Vorfahren“ in Zurück zu den Sternen maßgeblich aus dem Werk Jörg Lanz von Liebenfels‘, dem vielleicht verrücktesten Rassenesoteriker des frühen 20. Jahrhunderts. 
Allein eines kann man Däniken zugutehalten: Anders als seine Vorlage predigt er selbst keine Ideologie. Was bei Lanz von Liebenfels konkrete Forderung für die Tagespolitik war – die Vernichtung vermeintlich minderwertiger Menschentypen – ist bei Däniken das bereits in grauer Vorzeit umgesetzte Vorgehen der Astronautengötter. Jeder konkrete Bezug auf die heutigen sogenannten „Rassen“ des Menschen fehlt an dieser Stelle. Erst in seinem siebten Buch Prophet der Vergangenheit spekuliert Däniken auch über verschiedene außerirdische Ursprünge der „Rassen“ (Thesen, die zweifellos als naturwissenschaftlich und moralisch problematisch zu bewerten sind), grenzt sich dabei aber zugleich von allem Rassenhass explizit ab.[6] Die implizit normativen Konnotationen seiner prä-astronautischen Rassenlehre jedoch bleiben. Die abschließende moralische Bewertung des Sachverhalts sei an dieser Stelle dem Leser überlassen.

Wichtig ist jedoch vielmehr, die Bedeutung des völkisch-radikalen Weltbildes Jörg Lanz von Liebenfels‘ für die Tradition der Prä-Astronautik herauszuarbeiten: Motive, die ursprünglich Teil eines zutiefst rassistischen und anderweitig menschenverachtenden Weltbildes waren, wurden damit Teil des Beweis- und Theoriekanons der Prä-Astronautik. Das bei Däniken in Zurück zu den Sternen skizzierte Narrativ einer sexuellen Vermischung unterschiedlicher Rassen bzw. Spezies und die versuchte Ausrottung der daraus entstandenden Mischlinge durch die „Götter“, etwa mittels der biblischen Sintflut, ist längst ein etablierter Topos der prä-astronautischen Literatur geworden – ähnliche Motive finden sich auch etwa bei Zecharia Sitchin und anderen Autoren.          
Ob die Lanz’sche Rassenlehre jedoch die wichtigste Quelle hierfür darstellt, wäre näher zu diskutieren. Deutlich präsenter ist in der prä-astronautischen Literatur sicherlich die aus dem apokryphen Buch Henoch und verwandten Quellen[7] hergeleitete Tradition der Nephilim: In grauer Vorzeit steigen die „Gottessöhne“ (bei Henoch gefallene Engel) vom Himmel herab, nehmen sich Menschenfrauen und zeugen mit diesen ein Geschlecht gefährlicher Riesen (Nephilim). Als die Riesen, eine destruktive Mischrasse, alle Tiere und schließlich auch Menschen aufzufressen begannen, habe Gott sie durch die Sintflut vernichtet.
In dieser mythischen Überlieferung, wird sie wörtlich auf die heutige Zeit übertragen, ist somit längst das Potenzial einer gefährlichen Rassenlehre angelegt.[8] Ähnliches gilt für die Mythen zur Zeugung bzw. Erschaffung der Menschen durch „Götter“: Im Rahmen der Interpretatio technica als Deutungsrahmen der Prä-Astronautik wird man wie Erich von Däniken in Prophet der Vergangenheit zwangsläufig zur Schlussfolgerung gelangen, auch die (phänotypisch) unterschiedlichen “Rassen“ müssten auf eine bewusste Entscheidung der Schöpfer oder getrennte Schöpfungsvorgänge zurückgehen.          
Eine gewisse Rassenlehre ist der Prä-Astronautik somit auch unabhängig von Lanz immanent – doch gründet sich diese im Allgemeinen weniger auf primären Rassismus, also tatsächliche Menschenfeindlichkeit, sondern resultiert vielmehr zwangsläufig aus der „naturwissenschaftlichen“ Interpretation bereits vorliegender antiker Mythen.         
Die Vermischung von Engeln und Menschen im Buch Henoch wird auch bei Lanz von Liebenfels zitiert[9], doch wäre es sicher zu weit gegriffen, die gesamte Nephilim-Mythologie der modernen Pseudowissenschaft auf sein Erbe zurückzuführen. Belegt bleibt jedoch der direkte Einfluss der Lanz’schen Theozoologie auf Erich von Dänikens Zurück zu den Sternen, als Quelle sowohl einzelner Informationen wie auch des gesamten Theoriegebildes.

Appendix: Die Vergewaltigung Ninlils bei EvD

Bezüglich der angeblichen Vermischung von (außerirdischen) Göttern und Menschen ist noch eine weitere Quelle näher zu diskutieren, die gleich im Anschluss an die übrigen „Perversionen unserer Vorfahren“ genannt wird. Es handelt sich um eine sumerische Überlieferung aus Mesopotamien:

„Es wird überliefert, daß der Luftgott Enlil mehrere Menschen „schwängerte“. Eine Keilschrifttafel berichtet, daß Enlil seinen „Samen“ in den Schoß von Meslamtaea ergoß: „… Der Same deines Herrn, der leuchtende Same, ist in meinem Schoß; der Same Sins, der göttliche Name, ist in meinem Schoß …“     
Als die Menschen noch nicht erschaffen waren und in der Stadt Nippur nur Götter wohnten, vergewaltigte Enlil die entzückende Ninlil und schwängerte sie auf höheren Befehl. Das hübsche Erdenkind Ninlil weigerte sich zunächst, ausgerechnet von einem „Gott“ befruchtet zu werden. Über die Furcht Ninlils vor dem Vergewaltigungsakt berichtet die Keilschrift aus Nippur: „… Meine Vagina ist zu klein, sie versteht den Beischlaf nicht. Meine Lippen sind zu klein, sie verstehen nicht zu küssen …“     
Der göttliche Enlil überhörte Ninlils abwehrende Worte. Es war ein Beschluß der „Götter“, die widerliche Brut unreinen Lebens auf der Erde auszutilgen, und also ergoß Enlil sich in den Schoß der Ninlil.“[10]

Ähnlich im späteren Buch Der Götter-Schock (1992):

„Jahrtausende früher, als in der Stadt Nippur noch die Götter wohnten, schwängerte der „Luftgott“ Enlil die entzückende Meslamatea. Eine Keilschrifttafel berichtet darüber: „… Der Same deines Herrn, der leuchtende Same, ist in meinem Schoß; der Same Sins, der göttliche Same ist in meinem Schoß …“ [206]. Selbst vor Vergewaltigungen scheuten die „Götter“ nicht zurück. Das hübsche Erdenkind Ninlil fürchtete sich vor der Befruchtung. Auf einer Keilschrifttafel aus Nippur ist festgehalten: „… Meine Vagina ist zu klein, sie versteht den Beischlaf nicht. Meine Lippen sind zu klein, sie verstehen nicht zu küssen …“ [206]. Der göttliche Enlil überhörte die abwehrenden Worte.“[11]

Diese Quelle existiert tatsächlich und ist annähernd korrekt zitiert – es handelt sich um den in der Forschung als Enlil und Ninlil bekannten Text (vgl. ETCSL 1.2.1). Doch wie schon bei anderen antiken Zitaten stellt Däniken auch hier den Kontext vollkommen falsch dar.     
Bei dem Mädchen Ninlil, das der Gott Enlil vergewaltigt und mehrfach schwängert, handelt es sich mitnichten um eine Menschenfrau, sondern ebenfalls um eine Göttin. Ihr Name wird im Text (wie bei Göttern üblich) immer mit dem sogenannten Gottesdeterminativ (Zeichen DIĜIR vor dem Namen) geschrieben. Aus der mesopotamischen Religion ist Ninlil gut als die spätere Ehefrau Enlils bekannt.[12] Sie wird von der frühdynastischen Zeit an in zahlreichen Götterlisten genannt[13], besitzt eigene Tempel und Schreine (z.B. das Kiur in Nippur)[14], empfängt Opfergaben[15] und wird in Hymnen gepriesen, die ihre Göttlichkeit und göttlichen Kräfte rühmen[16]. Ninlil galt zu keiner Zeit als „Erdenkind“ im Sinne einer menschlichen Frau – sie war vielmehr eine der ranghöchsten und bedeutsamsten Göttinnen des antiken Mesopotamien. Bemerkenswert ist hierbei Dänikens Aussage, dass die Befruchtung zu einer Zeit stattfand „Als die Menschen noch nicht erschaffen waren und in der Stadt Nippur nur Götter wohnten“ – während im Folgenden doch die Vergewaltigung einer Menschenfrau suggeriert wird. Seine Nacherzählung ist also nicht nur falsch, sondern auch in sich widersprüchlich.        
Zudem ist Meslamtaea (Zurück zu den Sternen) bzw. Meslamatea (fehlerhaft in Der Götter-Schock) mitnichten eine weitere Menschenfrau, die vom Gott Enlil geschwängert wurde. Meslamtaea ist vielmehr ein Beiname des (männlichen!) Kriegs- und Unterweltsgottes Nergal, des Sohnes von Enlil und Ninlil. Er ist eines der drei Kinder, die Enlil im Text Enlil und Ninlil mit Ninlil zeugt (neben dem Mondgott Nanna-Suen und dem „Kanalinspektor“ Enbilulu), dort auch explizit als Nergal-Meslamtaea bezeichnet (Z. 90).         
Der Text bzw. Mythos von Enlil und Ninlil ist also kein Bericht über den sexuellen Missbrauch einer Menschenfrau durch einen Gott, vergleichbar den Umtrieben des Zeus im griechischen Mythos oder der Zeugung der Nephilim im Buch Henoch. Einmal mehr riss Erich von Däniken Zitatfetzen aus dem Kontext und stellte sie bewusst (?) in einen falschen Zusammenhang, der eine ganz andere Geschichte suggeriert als die tatsächliche Quelle.   
Und wie bereits bei Serapeum, Tiermumien und Eusebius wird auch hier Dänikens Falschdarstellung von mindestens einem nachfolgenden Autor unkritisch abgeschrieben: In Walter-Jörg Langbeins Buch Bevor die Sintflut kam erscheint dasselbe Zitat ohne korrekten Kontext, dort aber soll es ein Beispiel für die Vergewaltigung von Menschenfrauen durch vorzeitliche Riesen sein.[17] Sicher gäbe es alte Mythen oder Sagen mit ähnlichem Inhalt – doch der Mythos von Enlil und Ninlil hat nichts damit zu tun.

Quellen

Alberti, A. 1985: A Reconstruction of the Abu Salabikh God-List. SEL 2, 3-23.

Black, J. / Green, A. 2004: Gods, Demons and Symbols of Ancient Mesopotamia. An Illustrated Dictionary, London.

Burckhardt, G. 1920: Gilgamesch; eine Erzählung aus dem alten Orient, zu einem Ganzen gestaltet. Insel-Bücherei 203, Leipzig.

von Däniken, E. 2015 (11968): Erinnerungen an die Zukunft. Ungelöste Rätsel der Vergangenheit, Rottenburg.

Däniken, E. von 2015 (11969): Zurück zu den Sternen. Argumente für das Unmögliche, Rottenburg.

Däniken, E. von 2015 (11979): Prophet der Vergangenheit. Riskante Gedanken um die Allgegenwart der Außerirdischen, Rottenburg.

Däniken, E. von 1989: Die Augen der Sphinx. Neue Fragen an das alte Land am Nil, München.

Däniken, E. von 2015 (11992): Der Götter-Schock, Rottenburg.

George, A. R. 1993: House Most High. The Temples of Ancient Mesopotamia. Mesopotamian Civilizations 5, Winona Lake.

Herodot: Historien, hg. von Josef Feix (Sammlung Tusculum), München 1963.

Gadow, G. 1971: Erinnerungen an die Wirklichkeit. Erich von Däniken und seine Quellen, Frankfurt am Main.

Krebernik, M. 1986: Die Götterlisten aus Fāra. ZA 76, 161-204.

Langbein, W. 1996: Bevor die Sintflut kam. Von Götterbergen und Geisterstädten, von Zyklopenmauern, Monstern und Sauriern, München.

Lanz-Liebenfels, J. 1907: Der Affenmensch der Bibel. Lanz-Liebenfels Bibeldokumente 1, Groß-Lichterfelde.

Lanz-Liebenfels, J. 1907: Die Theosophie und die assyrischen »Menschentiere«. Lanz-Liebenfels Bibeldokumente 2, Groß-Lichterfelde.

Lanz-Liebenfels, J. 1907: Die Archäologie und Anthropologie und die assyrischen Menschentiere. Lanz-Liebenfels Bibeldokumente 3, Groß-Lichterfelde.

Lanz-Liebenfels, J. 1905: Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götter-Elektron, eine Einführung in die älteste und neueste Weltanschauung und eine Rechtfertigung des Fürstentums und des Adels (mit 45 Bildern), Wien/Leipzig/Budapest.

P. Cornelius Tacitus: Annalen. Lateinisch-deutsch, hg. von Erich Heller (Sammlung Tusculum), Mannheim 2010.

Sallaberger, W. 1993: Der kultische Kalender der Ur III-Zeit. Untersuchungen zur Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie 7, Berlin/New York.

Siehe auch:
MMM 1: Das Serapeum von Sakkara – Grab heiliger Stiere oder Gefängnis für Monster?
MMM 2: Rätselhafte Tiermumien
MMM 3: Die Mischwesen des Eusebius
MMM 5: Assyrische Menschentiere? Der Schwarze Obelisk und das Relief des Assurnaṣirpal


[1] Gadow 1971, 9. Gemeint sind: J. Bergier / L. Pauwels, Aufbruch ins dritte Jahrtausend; R. Charroux, Phantastische Vergangenheit und Verratene Geheimnisse; C. W. Ceram, Götter, Gräber und Gelehrte; E. Bacon, Auferstandene Geschichte. In der ersten Ausgabe war keines der Bücher im Literaturverzeichnis genannt; Charroux‘ Verratene Geheimnisse wurde nach einer Initiative des Verlegers in späteren Auflagen hinzugefügt.

[2] Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 181–183.

[3] Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 183 f.

[4] Vgl. Beispiele in Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 195 f.

[5] Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 190.

[6] Prophet der Vergangenheit (Kopp 2015), 54–61.

[7] Zu nennen sind u.a. 1. Mose 6, das fragmentarische Gigantenbuch, die apokryphe Apokalypse des Baruch sowie die spätere Rezeption im Kebra Negest und den Jüdischen Altertümern des Flavius Josephus.

[8] Auf der Nephilim-Tradition beruht nicht nur ein zentrales Motiv der Prä-Astronautik, sondern hat sich in den letzten Jahrzehnten auch ein ganzes Genre von Verschwörungsmythen innerhalb des radikal christlichen Spektrums herausgebildet, in denen alles Böse der Weltgeschichte bis hin zu aktuellen politischen Feindbildern auf die Blutlinien der mythischen Nephilim zurückgeführt wird. Dort ist die Interpretation des antiken Mythos somit untrennbar mit rechtsextremer politischer Ideologie verbunden.

[9] Theozoologie, 70 f.

[10] Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 184 f.

[11] Der Götter-Schock (Kopp 2015), 205 f.

[12] Vgl. Black/Green 2004, 140 f.

[13] Vgl. Krebernik 1974, 164 zu frühdynastischer Götterliste au Fāra, Alberti 1985, 12 zu frühd. Götterliste aus Tell Abu Ṣalabikh; später in großer Götterliste An = Anum und anderen (vgl. ORACC DCCLT).

[14] Vgl. George 1993, Nr. 38, 299, 338, 350, 351, 425, 539, 636, 637, 638, 683, 749, 810, 891, 1080, 1081, 1114.

[15] Vgl. Sallaberger 1993, 17–23 u.a.

[16] ETCSL 4.24.1: Ninlil A

[17] Langbein 1996, 39.

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