Assyrische Menschentiere? Der Schwarze Obelisk und das Relief des Assurnaṣirpal (MMM 5)

Mumien, Monstren, moderne Mythen: Mischwesen in der Prä-Astronautik V

Bei den Ausgrabungen in Nimrud, der assyrischen Residenzstadt Kalḫu, stieß der Ausgräber Austen Henry Layard 1846 auf den sogenannten „Schwarzen Obelisken“. Die 197,48 m hohe Kalksteinstele wurde 825 v. Chr. zu Ehren des neuassyrischen Königs Salmanassar III. (reg. 858–824 v. Chr.) angefertigt, dessen zahlreiche Feldzüge und Erfolge in der akkadischen Keilinschrift beschrieben werden. Heute befindet sich der Obelisk in der Ausstellung des British Museums in London (BM 118885).    
Fünf Reliefdarstellungen auf jeder Seite illustrieren die unterworfenen Völker und ihre Tributleistungen, die sie dem Assyrerkönig überbringen. Berühmtheit erlangte der Obelisk maßgeblich durch die Erwähnung und Darstellung des Königs Jehu von Israel, womit es sich um die früheste bildliche Darstellung eines Israeliten und eines der wenigen außerbiblischen Zeugnisse für einen im Alten Testament genannten Herrscher handelt.
Eine andere Reliefreihe zeigt Tiere, die dem assyrischen König aus Ägypten als Tribut gebracht werden. Neben einem Elefanten, zwei Kamelen und weiteren Tieren sind auf zwei Bilder mehrere Wesen mit tierischen Körpern, aber menschlichen Köpfen abgebildet.     
Ähnliche Kreaturen finden sich auch auf einem Relief des früheren assyrischen Königs Assurnaṣirpal II. (883 bis 859 v. Chr.). Nach Deutung verschiedener Pseudowissenschaftler wie Erich von Däniken und Jörg Lanz von Liebenfels soll es sich hierbei um groteske „Menschentiere“ handeln, die die Menschen der Antike aus eigener Anschauung kannten. Liefern die Reliefs also tatsächlich den Beweis für die vormalige Existenz einer Rasse halbmenschlicher Mischwesen – oder stellen sie vielmehr zwei Arten von Affen dar, wie der Konsens der altorientalistischen Forschung annimmt?

Der Schwarze Obelisk in der Prä-Astronautik

Der Schwarze Obelisk im British Museum

Zu den prä-astronautischen Thesen Erich von Dänikens gehört die Annahme, Außerirdische hätten in grauer Vorzeit nicht nur den Menschen, sondern auch einen ganzen Zoo grotesker Mischwesen geschaffen. Neben dem Serapeum von Sakkara (MMM 1), ägyptischen Tiermumien (MMM 2) und dem Zitat des Eusebius (MMM 3) gehört der Schwarze Obelisk zu den zentralen Belegen für deren vormalige Existenz.
Erstmals erwähnt Däniken diesen in seinem zweiten Buch Zurück zu den Sternen (1969):

„Auf den Reliefs des schwarzen Obelisken Salmanassars II. im Britischen Museum sind seltsame tiermenschliche Wesen zu erkennen. […] Auf assyrischen Kunstwerken sind Darstellungen von Halbmenschen keine Seltenheit. Die »Begleittexte« berichten von »gefangenen Menschentieren«, die von Kriegern gefesselt, entführt und als Tribute des Landes Musri an den Großkönig abgeliefert wurden.“[1]

Zusammen mit einem zweiten Relief erscheint der Obelisk im Buch Die Augen der Sphinx (1989) erneut:

„Auf einem Relief des Assyrer-Königs Assurnasirpal (Britisches Museum) führt ein stämmiger Mann ein merkwürdiges Tier an einem Strick. Es schreitet affenartig auf zwei Füßen, die Greifwerkzeuge enden in Flossen. Ebenfalls im Britischen Museum steht der schwarze Obelisk des Assyrerkönigs Salamasar [sic!] II. Hinter einem Elefanten laufen zwei kleinwüchsige Figuren, als ob es Kinder wären. Die kleinen Wesen mit den Menschenköpfen haben Oberschenkel und Beine von Tieren, sie werden von zwei Wärtern abgeführt. Auf einem anderen Bildausschnitt desselben Obelisken erkennt man zwei sphingenartige Gestalten – eindeutig mit Menschenköpfen. Nichts Besonderes? Weshalb lutscht denn eine der Sphingen am Daumen, weshalb werden sie an Ketten gehalten, und weshalb spricht der eingemeißelte Begleittext von »Menschentieren, die in Gefangenschaft geführt« werden?“[2]

Ähnlich bei anderen Grenzwissenschaftlern: Hartwig Hausdorf übernimmt Dänikens Darstellung in seinem Buch Götterbotschaft in den Genen vollständig und fügt hinzu: „Einige Mensch-Tier-Bastarde werden von den Archäologen als Affen bezeichnet. Die aber können sie schwerlich sein, denn deren Hände, Füße und Gesichter sind eindeutig menschlicher Natur.“[3]Auch Reinhard Habeck erwähnt das Relief kurz im Sinne Dänikens, jedoch ohne nähere Ausführungen.[4]

„Menschentiere“ bei Jörg Lanz von Liebenfels

Wie sich herausstellte, war Erich von Däniken nicht der erste „Querdenker“, der die Wesen auf dem Schwarzen Obelisken thematisierte. Der Vorrang gebührt vielmehr dem Rechtsesoteriker Jörg Lanz von Liebenfels (1874–1954), Gründer des „Neutemplerordens“ und zentrale Gestalt völkischer Esoterik des frühen 20. Jahrhunderts. Lanz, der sich später selbst als maßgebliches Vorbild für die Ideen Adolf Hitlers bezeichnete, postulierte in Schriften wie der Theozoologie (1905) und den Bibeldokumenten (1907) die einstige Existenz einer Rasse arischer „Gottmenschen“, die durch die sexuelle Vermischung mit niederen Tiermenschen (sogenannten „Sodomsäfflingen“ oder „Schrätlingen“) zu den heutigen Menschenrassen degeneriert sei.        
Zwar deutete Lanz fast jede Form mythisch-legendärer Fabelwesen und Tiere als Beispiel für jene tierischen Unterwesen, doch stellen die assyrischen Abbildungen in seinem Werk die zentrale Quelle zur Beschreibung und Klassifikation der „Sodomsäfflinge“ dar. In der Broschüre Der Affenmensch der Bibel (Bibeldokumente 1) erläutert er die Relevanz der Reliefs und Inschriften als Quelle:

„Nachfolgende Bemerkungen dienen dazu, alle Freunde der ungeschminkten Wahrheit auf drei hochinteressante Wesen — nennen wir sie einstweilen der Vorsicht halber Zoa — die uns auf historischen assyrischen Monumenten und in historischen Texten sicher belegt sind, aufmerksam zu machen. Es sind dies die baziati und udumi auf dem schwarzen Obelisken Salmanassars II. (905—8701) und die pagutu auf dem Relief Assurnassirbals (930—905) aus Nimrud.2)“[5]

Anhand der Bilddarstellungen beschreibt Lanz von Liebenfels die Wesen genauer:

„Das pagu ist pygmäenartig, mikrocephal, das udumu, wie die Abbildungen auf dem schwarzen Obelisken zeigen, eine ganz gewaltige Bestie, mit großem Schädel, kurzen Beinen und Armen und einem gedrungenen Körper, während das pagu etwas längere Beine und einen schlankeren Körper hat. Die udumi haben mit ihrer zottigen Behaarung, den langen Armen und langen Schwänzen Beziehungen zu den heutigen Anthropoiden. Das pagu aber weist durch seinen höchst archaistischen Typus in eine sehr frühe Zeit, in das Zeitalter ,,der Drachen“, in das Sekundär zurück. Die baziati stehen in ihrem ganzen Typus zwischen den udumi und den pagutu. Die drei Anthropozoa- Arten haben sich sowohl untereinander als auch mit homo sapiens bastardiert, wofür nicht nur die besprochenen anthropologischen und archäologischen Zeugnisse, sondern auch die Bibel spricht.“[6]

Im Rahmen seiner eigenwilligen Linguistik verbindet Lanz das Wort baziāti sogar mit dem ägyptischen Namen Bes, einem zwergengestaltigen Gott[7], an anderer Stelle mit Ptah und den phönizischen Pataiken[8].        

Tributträger mit Affen auf einer Reliefplatte des Assurnaṣirpal II. aus Kalḫu/Nimrud, British Museum (BM 124562 – Bild: Aiwok, Wikimedia Commons, zugeschnitten)

Weshalb aber nehmen diese Abbildungen bei beiden Autoren eine so zentrale Rolle ein?

„Ich erlaube mir zur Orientierung folgende unanfechtbare Tatsachen zu konstatieren.
I. Tatsache: Die fraglichen Zoa werden durch Beischriften auf den Monumenten selbst als baziati, udumi, pagutu bezeichnet. Die Beischriften sind historische Texte nüchternster Art, Tributlisten, die sich durchaus auf reale Dinge beziehen.3) Die Wesen haben demnach wirklich existiert.
II. Tatsache: Von den baziati, udumi und pagutu haben wir mit absoluter Verlässlichkeit identifizierbare und naturgetreue Darstellungen erhalten, die für weitere anthropologische Forschung eine ebenso sichere Basis abgeben, wie etwa ein Skelettfund.
Auf dem bekannten schwarzen Obelisken Salmanassars II. (905—870) sind die baziati und udumi dargestellt (S. Tafel I und II) und als solche durch eine auf dem Monument selbst befindliche Beischrift bezeichnet. Der Obelisk mit seinen historischen Texten ist ein staatspolitisches Dokument, jedes Phantasieren oder Mythologisieren ist hier absolut ausgeschlossen. Ebenso ausgeschlossen ist es, dass die auf dem Obelisken dargestellten Zoa aus Mangel an künstlerischer Technik unverlässlich seien. Die auf demselben Objekte abgebildeten Tier- und Menschengestalten sind von überraschender Naturwahrheit. Uebrigens zeigen die Assyrer um diese Zeit in ihrer Plastik eine Realistik der Tierdarstellungen, die selbst heute noch ihresgleichen sucht. Bekanntlich nannte man die Assyrer in neuester Zeit scherzweise die „Holländer“ des Altertums. Die Wesen haben wirklich so ausgesehen, wie sie dargestellt sind.“[9]

Assyrer – die „Holländer des Altertums“ (J. Lanz von Liebenfels). Reliefplatte des Assurnaṣirpal, unwesentlich bearbeitet.

Dies ist ein durchaus relevanter Punkt: Die Reliefs zeigen keine mythischen Szenen mit großem Abstand in Raum und Zeit, sondern um zeitgenössische, klar datierbare Ereignisse, die von den damaligen Menschen unmittelbar erlebt und beobachtet wurden. Allerdings handelt es sich mitnichten um „nüchterne Tributlisten“, sondern vielmehr um staatliche Propagandawerke, die der Verherrlichung des Königs dienten. Ob dabei die künstlerischen Darstellungen tatsächlich fotorealistisch sind, wird zu diskutieren sein.

Es ist davon auszugehen, dass die Ausführungen zum Schwarzen Obelisken bei Jörg Lanz von Liebenfels auch Erich von Däniken inspirierten. Bei diesem erscheint der Obelisk erstmals im Kapitel „Von Perversionen unserer Vorfahren“ in Zurück zu den Sternen, welches insgesamt auf den Thesen Lanz von Liebenfels‘ beruht (vgl. MMM 4: Monster, Aliens, Sex und Nazis). Däniken zufolge berichtet die beistehende Inschrift „von »gefangenen Menschentieren«, die von Kriegern gefesselt, entführt und als Tribute des Landes Musri an den Großkönig abgeliefert wurden“[10]. In sehr ähnlichem Wortlaut formuliert auch Lanz von Liebenfels, dass die „baziati und udumi als Tribut vom Lande Musri an den Assyrerkönig abgeliefert“ werden.[11] Das Wort „Menschentiere“ findet sich nicht in der originalen Inschrift, sehr häufig aber in den Schriften Lanz von Liebenfels‘ (u.a. im Titel der Bibeldokumente 2 und 3). Insofern ist Dänikens Zitat eine Fälschung – er zitiert nicht die Inschrift, sondern fasst die Interpretation durch Lanz von Liebenfels mit dessen Worten zusammen. Schließlich schreiben beide Autoren den Schwarzen Obelisken durchweg dem König Salmanassar II. zu (vgl. Zitate oben) – tatsächlich aber handelt es sich bei dem antiken Herrscher um Salmanassar III.[12]
Ein dritter Autor wiederum ließ sich von beiden Quellen inspirieren: Walter-Jörg Langbein thematisiert in seiner Artikelreihe „Monstermauern, Mumien und Mysterien“ wiederholt Mischwesen in der Tradition Erich von Dänikens, von dem er auch verschiedene Aspekte und Fehler übernimmt (vgl. MMM 1 und 3), bezieht sich jedoch auch explizit auf Jörg Lanz von Liebenfels als Urquelle zurück. Dessen Broschüre Der Affenmensch der Bibel sei ihm zu Studienzeiten von einem Professor als vermeintliche „wissenschaftliche Fachpublikation“[13] bzw. „theologisches Traktat“[14] zum Lesen gegeben worden. Langbein übernimmt die Ausführungen von Lanz, ohne dessen zugrundeliegende Ideologie zu thematisieren.

All diese Autoren verstehen den Schwarzen Obelisken und das Relief des Assurnaṣirpal als Belege für die Existenz einer bislang unbekannten, menschenähnlichen, wenngleich nicht ganz menschlichen Spezies – mit dramatischen Implikationen.
Wie aber lässt sich zuverlässig bestimmen, welche Wesen auf dem Assyrischen Kunstwerken abgebildet sind? Die beste Quelle hierfür bieten die Inschriften selbst.

Die Inschriften des Assurnaṣirpal

Die Inschrift auf der Reliefplatte des Assurnaṣirpal ist ein Teil seiner „Standardinschrift“, die den König und seine Eroberungen preist und sich auf vielen Reliefplatten findet.[15] Diese erwähnt das dargestellte Tier jedoch nicht.  
Eine ausführlichere Form der Annalen Assurnaṣirpals findet sich auf einer anderen Reliefplatte sowie mehreren Torwächterstatuen in Form geflügelter Stiere und Löwen aus dem Palast von Kalḫu. Diese berichtet:

30 (…)ina u4-me šu-ma pa-ga-a-te GAL.MEŠ 31 pa-ga-a-teMES TURMEŠ it-ti ma-da-ti-šu2nu am-ḫur-šu-nuZu jener Zeit erhielt ich große weibliche Affen und kleine weibliche Affen mit ihrem Tribut.
a-na KUR-ia aš-šur lu ub-la-ši-naIn mein Land Assur ließ ich sie bringen.
i-na IRI kal-ḫi 32 mar-ši-si-na ana ma-a‘-dis u2ša2li-di UN.MES KUR-ia DU3ši-na u2šab-ri (…)In der Stadt Kalḫu ließ ich sie sich in großer Zahl vermehren und alle Menschen meines Landes ließ ich sie sehen.[16]

Pagû (im Akkusativ pagâ, Femininum pagūtu, hier Plural pagâtē) ist das im Akkadischen gebräuchliche Wort für „Affe“.[17] Als exotische Tributgeschenke kommen diese noch einige weitere Male in den Inschriften Assurnaṣirpals vor[18]; der Inhalt bleibt jedoch stets der gleiche.

Im Gegensatz zu Erich von Däniken und den meisten heutigen Pseudowissenschaftlern arbeitete Lanz von Liebenfels seiner Zeit tatsächlich mit den Originaltexten – wenn auch nicht sonderlich gut. So zitiert er eine weitere Inschrift mit der Erwähnung von pagūta rabīta namsua amēl nāri (eine weitere Tributliste). Die Schlussfolgerung:

„Amilu bedeutet Mensch! Also schon die Assyrer erkannten in dem Wesen eine Menschenart! Doch noch mehr! Das, was schon aus dem ganzen Habitus des Wesens hervorgeht, dass es nämlich ein Wasserwesen ist, das wird durch den historischen Text bestätigt. Die pagutu sind amel nari, Flussmenschen!“[19]

Doch diese Argumentation weist Fehler auf. Zum einen stammt die Inschrift nicht wie behauptet ebenfalls von Assurnaṣirpal II., sondern von einer Stele des deutlich früheren assyrischen Königs Aššur-bēl-kala (reg. 1073–1056 v. Chr.). Zudem unterschlägt Lanz von Liebenfels, dass zwischen pagûta und amēl nāri noch ein weiteres Wort steht, nämlich namsuḫa, ein Krokodil. Der „Flussmensch“ (amēl nāri) kann also mitnichten eine nähere Bestimmung zum Affen (paguta) sein. Korrekt liest sich die Inschrift folgendermaßen:

iv 29 pa-gu-ta GAL-ta nam-su-ḫa amēl nāri (LÚ ÍD) ú-ma-a-mi šá A.AB.BA 30 GAL-te MAN KURmu-uṣ-re-e u2še-bi-laEinen großen weiblichen Affen, ein Krokodil, einen „Mann des Flusses“, große Tiere des Meeres, schickte mir der König von Ägypten.[20]

Worum es sich bei dem genannten „Flussmenschen“ handelt, bleibt offen und wäre eine spannende Forschungsfrage. Der zuvor erwähnte Affe ist es jedoch eindeutig nicht.  
Von größerem Interesse als die Texte Assurnaṣirpals ist der Schwarze Obelisk, da dort Abbildungen und Inschrift direkt aufeinander Bezug nehmen und beide nicht einfach zu interpretieren sind.

Die Inschrift auf dem Schwarzen Obelisken

Die beiden fraglichen Abbildungen auf dem Schwarzen Obelisken gehören zu insgesamt zwanzig Bildreliefs (auf vier Seiten je fünf übereinander). Jeweils vier auf gleicher Höhe bilden dabei einen Bildzyklus, der mit einer rings herum verlaufenden Inschrift versehen ist. Die mittlere Reihe, zu der die Abbildungen der „Menschentiere“ gehören, stellt hierbei die Geschenke aus Ägypten dar.

Die Reliefs des Schwarzen Obelisken in Umzeichnung

Die zugehörige Inschrift in akkadischer (assyrischer) Sprache über den Bildern liest sich folgendermaßen:

ma-da-tu ša2 KURmu-uṣ-ri ANŠE.A.AB.BAMEŠ ša2 šu-na-a-a ṣe-ri-ši-na al-ap ID2 sa-de-e-ia su-u2su pi-ra-a-tiMEŠ BA-ZI-A-TIU2-DU-MIMEŠ am-ḫur-šu

„Tribut aus dem Land Ägypten: Kamele mit zwei Höckern, einen Wasserbüffel, ein Nashorn, eine Antilope, weibliche Elefanten, BA-ZI-A-TI und U2-DU-MIMEŠ empfing ich.“[21]

Mit dem Land Muṣri ist Ägypten gemeint (vgl. arabisch Miṣr). Von dort bezog bereits Aššur-bēl-kala seine Affen und weitere Tiere.       
Es werden genau die Tiere aufgezählt, die auch im Bilderzyklus abgebildet sind: zwei Kamele, Wasserbüffel, Nashorn, Antilope, ein Elefant sowie zwei Arten von jeweils drei und zwei “Menschentieren”, die als BA-ZI-A-TI und U2-DU-MIMEŠbezeichnet werden. Die Übersetzung beider Begriffe ist nicht selbsterklärend, sondern erfordert eine gewisse Erläuterung.

BA-ZI-A-TI

Das akkadische Wort für Affe, wie wir es bereits in ganz ähnlichem Kontext aus den Inschriften von Assurnaṣirpal und Aššur-bēl-kala kennen, ist pagû, im Obliquus Plural Femininum pagâti oder pagiāti.[22] Die Inschrift schreibt jedoch ba-zi-a-ti.  
Die Laute b und p sind in der Keilschrift zu einem gewissen Grad austauschbar, dies muss nicht überraschen. Ungewöhnlicher ist die Schreibung mit z statt g. Ein Wort b/pazītu, b/pazâtu oder b/pazû, von dem man baziāti ableiten könnte, ist nirgendwo sonst belegt; der Schwarze Obelisk wäre die einzige Quelle.[23]    
Doch betrachtet man einmal die neuassyrischen Zeichenformen von GI und ZI, so fällt auf, dass diese nahezu identisch aussehen:

(Borger 1978: Assyrisch-babylonische Zeichenliste, 80 f)

Obwohl in früheren Zeiten noch deutlich verschiedener, unterscheiden sich die beiden Zeichen in ihrer neuassyrischen Form nur in einem einzigen Winkelhaken, der jeweils auf der anderen Seite der drei schrägen Winkelhaken steht. Daher dürfte es sich an dieser Stelle sehr wahrscheinlich um einen Schreibfehler bzw. eine Zeichenvariation für das sehr ähnliche bagi!a-ti „weibliche Affen“ handeln.

Lanz von Liebenfels betrachtete die baziāti des Schwarzen Obelisken und die pagūtu in der Inschrift des Assurnaṣirpal als zwei verschiedene Arten von „Anthropozoa“. Tatsächlich sind es zwei Formen desselben Wortes. Damit sind auch die abgebildeten Tiere auf beiden Monumenten identisch oder gehören zumindest so nahe verwandten Arten an, dass für sie derselbe akkadische Begriff verwendet wurde.   

U2-DU-MIMEŠ

Die Zeichenfolge ist U2-DU-MIMEŠ, wobei MEŠ einen ungesprochenen Pluralmarker darstellt.
Lanz von Liebenfels versteht dies entsprechend den Standardlesungen der Zeichen als Udumi. Ein solches Wort ist, wie er auch selbst erwähnt, in der akkadischen Sprache sonst nirgendwo belegt. Stattdessen verbindet er es einerseits mit dem biblischen Adam, zum anderen mit dem Land Edom in der südlichen Levante[24], das in assyrischen Quellen tatsächlich Udumāja (KURu2du-mu-a-a / KURu2du-um-ma-a-a / KURu2-du-me) genannt wird[25]. Da in der Bibel der haarige Esau (Bruder Jakobs) als Stammvater Edoms gilt, sei dies wieder ein Hinweis auf die postulierten Affenmenschen.
Dem entgegen steht jedoch die Aussage der Inschrift, dass die Tiere als Tribut aus Ägypten (Muṣri) kommen. Gibt es eine andere Lesart des Wortes?

Akkadische Zeichen haben oft mehrere Lesungen, d.h. sie können für verschiedene Lautwerte stehen. Das Zeichen DU besitzt neben der Silbe du auch die Lesung qup.[26] Die Verwendung solcher Konsonant-Vokal-Konsonant-Zeichen wie qup ist besonders typisch für assyrische Königsinschriften. Uqūpu wiederum ist ein weiteres in der akkadischen Sprache gut bezeugtes Wort für „Affe“, abgeleitet vom sumerischen Wort ugubi.[27]           
Von manchen Forschern wird nun die Zeichenfolge als fehlerhafte Schreibung für u2qup-pi! oder u2qup-pu! „Affen“ angenommen.[28] Fehler im Ausgangstext anzunehmen, ist in der altorientalistischen Philologie manchmal sinnvoll und unvermeidlich, wie an voriger Stelle zu sehen, doch immer ein unangnehmer Weg, der gut begründet sein sollte. Neben diesem Problem spricht auch die unkonventionelle Verdopplung des p (uquppi statt uqūpi) gegen die Lesung.          
Doch es gibt eine alternative Möglichkeit. Das Zeichen MI lässt sich auch als GE6 lesen, ein sogenanntes Sumerogramm: Ein ursprünglich sumerisches Zeichen steht für ein bedeutungsgleiches akkadisches Wort, das nicht syllabisch (in Silben) ausgeschrieben und auch nicht konjugiert wird. Hierbei steht GE6 für die Wörter ṣalmu „schwarz“, mūšu „Nacht“ und weitere damit verwandte Begriffe.[29] Daraus ergibt sich als wahrscheinlichste Lesung u2-qup GE6MEŠ = uqūp ṣalmūti „schwarze Affen“.      
Für diese Lösung spricht auch ein weiteres Indiz: Das Zeichen MEŠ als Markierung für den Plural wird im Akkadischen (und auch speziell dem mittel- bis neuassyrischen Dialekt) meistens nach Logogrammen (wie hier GE6) verwendet.[30] Die Schreibung nach rein akkadischen, syllabisch geschriebenen Wörtern, bei denen der Plural meist ohnehin aus der Kasusendung ersichtlich wird, findet sich dagegen deutlich seltener. Allerdings ist im selben Text bei pi-ra-a-tiMEŠ „Elefanten“ auch ein Fall des Pluralmarkers nach einem syllabisch geschriebenen Wort vorhanden (bei bagiāti fehlt er dagegen) – ganz ausschließen lässt sich dies also nicht.     
Auch möglich wäre eine Lesung von GE6 als mūšum „Nacht“ oder ṣillum „Schatten, Dunkelheit“. Dann jedoch müsste der Pluralmarker für das hintere Substantiv gelten, wobei uqūp mūšāti „Affe(n) der Nächte“ oder uqūp ṣillī „Affe(n) der Schatten/Dunkelheiten“ semantisch kaum einen Sinn ergeben würden.

Es kann also mit der größten Plausibilität davon ausgegangen werden, dass die Zeichenfolge als u2qup GE6MEŠ = uqūp ṣalmūti „schwarze Affen“ zu lesen ist. Diese Lesung setzt als einzige weder Schreibfehler und unkonventionelle Schreibung (wie bei u2qup-pi!) noch ein unbekanntes Wort (u-du-mi) voraus.
Eine Übersetzung als „Menschentiere“ entbehrt somit jeder Grundlage. Im Akkadischen sind durchaus verschiedene Wörter für mythische Mischwesen bekannt, etwa Lamu („haarige Helden“, mythische Diener des Weisheitsgottes Enki/Ea, im Göttertypentext als eine Art Gattungsbezeichnung für verschiedene Mischwesen gebraucht), Šedu/Lamassu/Aladlammu (die menschenköpfigen Flügelstiere der assyrischen Palasttore), Urmalullû („Löwenmensch“), Kulullû („Fischmensch“) oder Apsasu (eine Art Sphinx, auch für eine reale Tierart verwendet) – doch keines der bekannten Wörter liegt an dieser Stelle vor.
Die richtige Übersetzung der Inschrift lautet also:

ma-da-tu ša2 KURmu-uṣ-ri ANŠE.A.AB.BAMEŠ ša2 šu-na-a-a ṣe-ri-ši-na al-ap ID2 sa-de-e-ia su-u2su pi-ra-a-tiMEŠ ba-gi!-a-ti u2qup GE6MEŠ am-ḫur-šu

„Tribut aus dem Land Ägypten: Kamele mit zwei Höckern, einen Wasserbüffel, ein Nashorn, eine Antilope, weibliche Elefanten, weibliche Affen und schwarze Affen empfing ich.“

Sowohl die sich unterscheidenden Abbildungen als auch die Verwendung zweier verschiedener Wörter (pagû und uqūpu) auf dem Obelisken deuten darauf hin, dass zwei unterschiedliche Arten von Affen gemeint sind. Englische Übersetzungen der Inschrift geben die Bedeutungsnuance daher mitunter als „monkeys and apes“ wieder, auch wenn nicht wirklich apes im Sinne von Menschenaffen gemeint sind. Doch um welche Arten handelt es sich?

Analyse der Abbildungen

Weißgrüne Meerkatze auf dem Relief des Assurnaṣirpal (s.o.) und einer kenianischen Briefmarke von 1966 (Wikimedia Commons)

Neben der Philologie bleiben auch noch die Abbildungen selbst, um die dargestellten Arten zu identifizieren. Dazu schreibt etwa Max Hilzheimer im Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie:

„Es dürfte sich um die auch noch heute in Afrika am weitesten nach Oten und Norden gehende weißgrüne Meerkatze (Cercopithecus aethiops L.) handeln, die durch starken weißen Backenbart ausgezeichnet ist. Sie war auch den alten Ägyptern bekannt und wurde von ihnen einbalsamiert. Das so schon sehr menschenähnliche Gesicht ist auf den assyrischen Darstellungen, besonders dem Obelisk Salmanassars, […] noch mehr vermenschlicht. […]
Auf diesem Obelisk findet sich noch eine zweite Affenart, uqûpu genannt […]. Nach dem etwas hinter der Basis abgeknickt dargestellten Schwanz kann es sich nur um einen Pavian handeln, für den es kennzeichnend ist, daß etwa die ersten (basalen) 10 cm des Schwanzes steil in die Höhe stehen, der Rest des langen Schwanzes aber scharf abgeknickt herabhängt. Der Kopf ist gänzlich falsch dargestellt. Er zeigt bei beiden Tieren ein richtiges Menschengesicht, während sich gerade die Paviane durch lange Hundeschnauze (daher der deutsche Name: Hundskopfaffen) auszeichnen. Auffallenderweise trägt der Kopf des einen dichtes langes Lockenhaar, während der des anderen glatt ist. Es ist möglich, daß hier an die zwei auch den Ägyptern bekannten Arten gedacht ist, den glatt und überall gleichmäßig kurzbehaarten Babuin (Papio cynocephalus L.) und den am Vorderkörper und Scheitel mit langer Mähne versehenen Mantelpavian (Papio hamdryas L.). […] Die eigenartige Darstellung des Kopfes läßt vielleicht den Schluß zu, daß der Verfasser die Tiere nur flüchtig, vielleicht nur von Erzählungen kennt oder nur Felle bzw. ausgestopfte Tiere gesehen hatte.“[31]

Weißgrüne Meerkatze in Äthiopien (Rod Waddington, Wikimedia Commons), auf dem Relief des Assurnaṣirpal (s.o.) und auf dem Schwarzen Obelisken

Die Darstellungen auf dem Schwarzen Obelisken, obwohl auf den ersten Blick nicht sehr realistisch, zeigen also selbst im Detail anatomische Ähnlichkeit zu realen Affenarten: Der Backenbart der bagiāti sowie der abgeknickte Schwanz der Paviane sind klar zu erkennen. Hinzu kommt die deutlich sichtbare Trennung des Gesichtes vom Oberkopf ähnlich einer Kapuze, was der Behaarung echter Meerkatzen entspricht. Die langen Hände auf dem Assurnaṣirpal-Relief sind mitnichten flossenartig, wie Däniken behauptet, sondern entsprechen ganz denen einer realen Meerkatze.
Allein das sehr menschlich wirkende Gesicht unterscheidet die dargestellten Tiere von echten Affen. Handelt es sich dabei um ein tatsächliches Merkmal, Unfähigkeit des Künstlers oder vielmehr eine stilistische Konvention?  
Mehrere Indizien sprechen für letzteres. Beim Vergleich der verschiedenen Darstellungen zeigt sich, dass bei sonst gleichem Körperbau der pagû/bagiāti die Menschenähnlichkeit der Gesichter einer gewissen Variation unterworfen ist: Im Gegensatz zu den sehr anthropomorphen bagiāti auf dem Schwarzen Obelisken besitzen die beiden Affen auf dem Relief des Assurnaṣirpal durchaus eine gewisse Prognathie, die der Erscheinung echter Meerkatzen entspricht.           
Was diesen speziellen Aspekt angeht, helfen abermals die Schriftzeugnisse weiter: Der sogenannte Babylonische Göttertypentext beschreibt die Statuen von 26 Göttern und Mischwesen, die offenbar in einem mesopotamischen Tempel gestanden haben. Zu diesen gehört auch ein weibliches Mischwesen namens „Ammakurkur, Auserwählte der Ereškigal“, das die „Schnauze eines Affen“ (ḫu-uṭ-ṭi-im-mu [p]a-gu-u2) besitzt.[32] Der medizinische Kommentartext BRM 4 32:23 erklärt das Wort pagû als „ein uqūpu, dessen Nase zu den Augen hinaufgeht“ (u2qu-pi2 ša2 ap-pi-ta-šu2 ana IGI-šu2 qa-pa-at)[33].    
Demzufolge kann, anders als Däniken und Lanz behaupten und es auf dem Schwarzen Obelisken den Anschein hat, das Gesicht eines pagû eben nicht mit dem eines Menschen identisch sein. Damit ist belegt, dass auf dem Obelisken die bagiāti mit menschlichen Gesichtern dargestellt wurden, obwohl den Assyrern durchaus bekannt war, dass sie in der Realität keine menschlichen Gesichter besaßen.         

Mantelpavian (Charles J. Sharp, Wikimedia Commons) / Darstellung auf dem Schwarzen Obelisken (Replik im Vorderasiatischen Museum Berlin)

Ist diese Darstellungskonvention aber bei den bagiāti erwiesen, so lässt sie sich ohne weiteres auch für die uqūp ṣalmūti annehmen. Die Schriftquellen bestätigen dies: In der Omenserie Šumma izbu, in der die Bedeutung von abnormen Geburten bei Mensch und Tier interpretiert wird, findet sich der Eintrag: „Wenn eine Missgeburt den Kopf eines Affen (UGUU.GU5.BI) hat …“[34] Also unterscheidet sich auch der Kopf eines uqūpu von dem eines Menschen – anders als es auf dem Schwarzen Obelisken zunächst den Anschein hat.

Lanz von Liebenfels zufolge zeigen die assyrischen Bilder „naturgetreue Darstellungen […], die für weitere anthropologische Forschung eine ebenso sichere Basis abgeben, wie etwa ein Skelettfund“, das Ganze mit einer „Realistik der Tierdarstellungen, die selbst heute noch ihresgleichen sucht“. Dies kann damit als widerlegt gelten. Auch betrachtet man das auf demselben Obelisken abgebildete Nashorn, so ist dieses zwar von handwerklicher Perfektion, doch sieht mit seinem überlangen Hals einem echten Nashorn nur bedingt ähnlich. Offenbar wurde nahezu derselbe Körper, der auch bei der Antilope dargestellt ist, nach „Baukastenprinzip“ mit einem Horn erweitert. Ein weiteres Beispiel für nicht naturalistische Abbildungen sind die Unterschenkel der menschlichen Gestalten, deren Muskulatur häufig stark überzeichnet dargestellt ist.       
Ob also, wie von Lanz kategorisch abgelehnt, die Affen „aus Mangel an künstlerischer Technik unverlässlich“ dargestellt wurden, ob, wie Hilzheimer vermutet, der individuelle Steinmetz keine gute Vorstellung der exotischen Tiere hatte, oder ob es sich bei der vermenschlichenden Darstellung um eine bewusste stilistische Konvention handelte, die von den Zeitgenossen als solche verstanden wurde, das lässt sich nicht mehr sicher feststellen.     
Letztendlich aber deutet alles darauf hin, dass mit den bagiāti und uqup GE6MEŠ zwei Arten von Affen dargestellt sind: Meerkatzen mit charakteristischem Backenbart und „Mützenfrisur“ sowie Paviane, die durch ihren abgeknickten Schwanz als solche zu identifizieren sind.

Affen im Alten Orient

Affen waren in Mesopotamien selbst niemals heimisch, doch stets bekannt – bereits seit dem 4. Jt. v. Chr. tauchen sie regelmäßig in der Bildkunst auf.[35] Die bisher ausführlichste Diskussion altorientalischer Quellen, die Affen thematisieren, bietet der Aufsatz The Monkey in the Middle von Sally Dunham (1985).         
In der sumerischen Literatur fungiert der Affe als abwertende Bezeichnung für fremde Völker, die man als barbarisch betrachtete. Die Gutäer, ein Gebirgsvolk, das gegen Ende der Akkad-Zeit in Mesopotamien einfiel, werden in dem literarischen Text Fluch über Akkade als „geschaffen als Menschen, aber mit dem Verstand von Hunden und der Gestalt von Affen“[36] charakterisiert. Ein Brief und ein Jahresname aus der Zeit von Ibbi-Sîn, dem letzten König von Ur (um 2000 v. Chr.), bezeichnen den Feind als „(dummen) Affen, der aus dem Bergland herabkam“[37]  
In der altbabylonischen Zeit werden Affen in verschiedenen Quellen (darunter ein Sprichwort und mehrere Bilddarstellungen) mit Musik assoziiert – offenbar dienten sie als Begleitung von Musikern zur Unterhaltung und Belustigung.[38]                
Ein besonderes Kuriosum ist der sogenannte „Affenbrief“: In einem wahrscheinlich fiktiven Brief schreibt eine Person namens Ugubi („Affe“) an seine Mutter, er werde im Haus des Musikers von Eridu festgehalten und sie solle ihm Nahrung schicken. Ob damit ein tatsächlicher Affe, ein Mann namens „Affe“ oder ein literarischer Scherz gemeint war, ist heute unklar und Gegenstand von Diskussionen.[39]

Nubischer Tributträger mit Oryx-Antilope, Leopardenfell und Meerkatze. Elfenbeinfigurine aus Nimrud, 8. Jh. v. Chr. (Metropolitan Museum of Art 60.145.11).

Neben anderen exotischen Tieren wurden Affen aus fernen Ländern nach Mesopotamien importiert, wie es auch der Schwarze Obelisk beschreibt. Bereits im Fluch über Akkade, der im späten 3. oder frühen 2. Jt. verfasst wurde und über die Verhältnisse der Akkad-Zeit (23. Jh. v. Chr.) berichtet, illustrieren Affen nebst anderen Tieren den Reichtum der akkadischen Könige. Woher diese Affen stammten, ist unbekannt, doch sind sie offensichtlich auch hier als exotische Tiere charakterisiert. Häufiger erscheinen Affen schließlich als Tributgeschenke für die assyrischen Könige wie Tiglat-pileser I. (1114–1076 v. Chr.), Assur-bēl-kala (1073–1056), Adad-nirari II (911 – 891), Assurnaṣirpal II (883–859) und Assurbanipal (668–627). Diese Affen stammen stets aus Ägypten oder aus Phönizien und Syrien, wohin sie ebenfalls aus Ägypten gelangt sein dürften.          
In dieselbe Zeit wie der Schwarze Obelisk datiert eine kleine Elfenbeinfigurine aus Nimrud, die einen Tributträger mit einer Meerkatze darstellt. Der Affe ist in derselben Pose abgebildet wie die pagû auf dem Schwarzen Obelisken und dem Relief des Assurnaṣirpal, hier jedoch deutlich realistischer dargestellt.        
Wie die meisten anderen Tierarten fanden Affen auch Eingang in die mesopotamische Omenkunde: So verzeichnen Vorzeichensammlungen etwa die zu erwartenden Folgen, wenn „ein Affe in der Stadt gesehen wird“ oder jemand im Traum „das Fleisch eines Affen isst“ (dann nämlich wird er „durch Gewalt Gewinn machen“).[40] Auch wurden Affenhaar und -knochen in der mesopotamischen Medizin verwendet.[41]

Statuette eines Affen aus Kar Tukulti-Ninurta, 1250–1200 v. Chr. (British Museum 116388).

Anhand der sumerischen Polemik und ihrer Verbindung zu Musik kommt Dunham zu dem Schluss, dass ein zentrales Merkmal von Affen aus der Sicht der antiken Mesopotamier ihre Menschenähnlichkeit war[42] – eine Betrachtung, die in Einklang mit der Wahrnehmung zahlreicher anderer Kulturen und der modernen Biologie steht.  
In gewisser Weise haben also auch Jörg Lanz von Liebenfels und Erich von Däniken mit ihren ausgedachten Übersetzungen Recht behalten: Was sind denn Affen letztlich anderes als „Menschentiere“?

Literatur

Borger, R. 1978: Assyrisch-babylonische Zeichenliste. AOAT 33, Neukirchen-Vluyn.

Däniken, E. von 2015 (11969): Zurück zu den Sternen. Argumente für das Unmögliche, Rottenburg.

Däniken, E. von 1989: Die Augen der Sphinx. Neue Fragen an das alte Land am Nil, München.

Dunham, S. 1985: The Monkey in the Middle. Zeitschrift für Assyriologie und Vorderasiatische Archäologie 75/2, 234–264.

Grayson, A. K. 1991: Assyrian Rulers of the early First Millennium BC I (1114–859 BC). The Royal Inscriptions of Mesopotamia. Assyrian Periods (RIMA) Volume 2, Toronto.

Grayson, A. K. 1996: Assyrian Rulers of the early First Millennium BC II (858–745 BC). The Royal Inscriptions of Mesopotamia. Assyrian Periods (RIMA) Volume 3, Toronto.

Habeck, R. 2008: Dinge, die es nicht geben dürfte. Mysteriöse Museumstücke aus aller Welt, Wien.

Hausdorf, H. 2012: Götterbotschaft in den Genen. Wie wir wurden, wer wir sind, München.

Hilzheimer, M. 1928: Affe. RlA 1, 41–42.

Klein, J. 1979: The Reading and Pronunciation of the Sumerian Word for „Monkey“. JCS 31/3, 149–160.

Köcher, F. 1953: Der babylonische Göttertypentext. MIO 1, 57–107.

Lanz-Liebenfels, J. 1907: Der Affenmensch der Bibel. Lanz-Liebenfels Bibeldokumente 1, Groß-Lichterfelde.

Lanz-Liebenfels, J. 1907: Die Archäologie und Anthropologie und die assyrischen Menschentiere. Lanz-Liebenfels Bibeldokumente 3, Groß-Lichterfelde.

Lanz-Liebenfels, J. 1905: Theozoologie oder die Kunde von den Sodoms-Äfflingen und dem Götter-Elektron, eine Einführung in die älteste und neueste Weltanschauung und eine Rechtfertigung des Fürstentums und des Adels (mit 45 Bildern), Wien/Leipzig/Budapest.

Langbein, W.-J. 1: »Monstern auf der Spur«. Teil 174 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«. (http://www.ein-buch-lesen.de/2013/05/monstern-auf-der-spur.html, zzt. nicht mehr online)

Langbein, W.-J. 2: »Bibel, Götter, Monsterwesen« Teil 231 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« (http://www.ein-buch-lesen.de/2014/06/231-bibel-gotter-monsterwesen.html, zzt. nicht mehr online)

Fotos: Leif Inselmann (soweit nicht anders angegeben)

Siehe auch:
MMM 1: Das Serapeum von Sakkara – Grab heiliger Stiere oder Gefängnis für Monster?
MMM 2: Rätselhafte Tiermumien
MMM 3: Die Mischwesen des Eusebius
MMM 4: Monster, Aliens, Sex und Nazis – Rassenlehre mit Erich von Däniken
Altelefanten (Palaeoloxodon) im bronzezeitlichen China? (Erwähnung des Schwarzen Obelisken)
Godzilla in Assyrien – Altorientalische Mythen und der moderne Monsterfilm (thematisiert Schwarzen Obelisken)


[1] Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 183.

[2] Die Augen der Sphinx, 72/74.

[3] Hausdorf 2012, 157.

[4] Habeck 2008, 183 f.

[5] Bd 1, 1.

[6] Bd. 3, 37 f.

[7] Theozoologie, 47.

[8] Bd. 1, 3.

[9] Bd 1, 1 f.

[10] Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 183.

[11] Bd. 1, 2.

[12] Vgl. Shalmaneser III 089 (Grayson 1996 / RIAo) u.a.

[13] Langbein, W.-J.: »Monstern auf der Spur«. Teil 174 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien«. http://www.ein-buch-lesen.de/2013/05/monstern-auf-der-spur.html, zzt. nicht mehr online).

[14] Walter-Jörg Langbein, W.-J.: »Bibel, Götter, Monsterwesen« Teil 231 der Serie »Monstermauern, Mumien und Mysterien« (http://www.ein-buch-lesen.de/2014/06/231-bibel-gotter-monsterwesen.html, zzt. nicht mehr online).

[15] Ashurnasirpal II 023 (Grayson 1991 / RIAo).

[16] Ashurnasirpal II 002 (Grayson 1991 / RIAo), Üs. LI.

[17] Vgl. CAD P, 17 f.

[18] Ashurnaṣirpal II 001:iii 75, 84b / 002:31b, 35 / 030:95 (Grayson 1991 / RIAo)

[19] Bd. 1, 12.

[20] Ashur-bel-kala 07:iv 29 f (Grayson 1991 / RIAo), Üs. LI.

[21] Shalmaneser III 089 (Grayson 1996 / RIAo), Üs. LI.

[22] Das û bzw. â bezeichnet im Akkadischen eine Kontraktion, d.h. es handelt sich eigentlich um zwei aufeinanderfolgende Vokale (pagiu), bei denen der vordere vom hinteren gewissermaßen „überdeckt“ wird. Der letzte Vokal ist die Kasusendung: Nominativ –u, Akkusativ –a, Obliquus (erfüllt Funktion des Akkusativs im Plural) –ī, im Femininum –āti. Daher wird aus pagû „der Affe“ im Obl.Pl.f. pagiāti oder kontrahiert pagâti „die (Akk.) Äffinnen“.

[23] Vgl. CAD B, 185.

[24] Bd. 1, 6.

[25] Vgl. etwa Tiglath-pileser III 47:r 11‘ / Sennacherib 004:37 / Ashurbanipal 006:ii 28‘ (RINAP).

[26] Borger 1978, 108.

[27] Vgl. CAD U, 204, dazu auch Klein 1979. Wahrscheinlich verwandt mit dem in der Bibel bezeugten und bis heute gebräuchlichen hebräischen קוף (qoph) für „Affe“.

[28] So etwa Grayson 1996, 149 f.

[29] Borger 1978, 168.

[30] Vgl. Borger 1978, 185 (Nr. 533).

[31] Hilzheimer 1928, 41.

[32] Göttertypentext 4:5 (vgl. Köcher 1953, 72 f).

[33] Zitiert nach Klein 1979, 157.

[34] Šumma izbu 7:12: šumma izbu qaqqad UGUU.GU5.BI (zitiert nach Dunham 1985, 250).

[35] Dunham 1985, 234.

[36] Fluch über Akkade 156 (vgl. ETCSL 2.1.5): dim2-ma lu2-ulu3lu galga ur-ra SIG7.ALAN uguugu4-bi

[37] Brief von Ibbi-Sîn an Puzur-Numušda 16: ugu2ugu4-bi kur-bi-ta e11.d-de3
Jahr 23 des Ibbi-Sîn: mu dI-bi2dEN.ZU lugal-uri2ki-ma-ra ugu2ugu4-bi-dugud kur-bi mu-na-e-ra-a
„Jahr, als der dumme Affe aus dem Bergland zu Ibbi-Sîn, dem König von Ur, herabkam“ (nach Dunham 1985, 242)

[38] Dunham 1985, 244–248.

[39] Vgl. Dunham 1985, 244.

[40] Dunham 1985, 248–250.

[41] Dunham 1985, 252 ff.

[42] Dunham 1985, 264: „one of the most important traits of the monkey was its resemblence to humans“

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