Das Serapeum von Sakkara – Grab heiliger Stiere oder Gefängnis für Monster? (MMM 1)

Mumien, Monstren, moderne Mythen: Mischwesen in der Prä-Astronautik
Teil I

1. Die Entdeckung des Serapeums

Das Jahr 1851. Auguste Mariette ist eigentlich in Ägypten, um koptische Papyri für den französischen Staat zu erwerben. Doch die Geschäfte verzögern sich – der französische Forscher hat viel Zeit, durch die Gassen von Kairo und Alexandria zu streifen. Da entdeckt er nacheinander mehrere antike Sphingen in den städtischen Gärten.           
Spontane Nachforschungen nach dem Ursprung der altehrwürdigen Figuren führen Mariette in die alte Nekropole von Sakkara, 20 km südlich von Kairo, wo er auf eine ganze Allee von Sphingen stößt. Als schließlich auch noch eine Stele mit dem Wort Apis im Wüstensand auftaucht, ist der Forscher sich sicher, einer großen Entdeckung auf der Spur zu sein: Beschreibt doch der griechische Geograph Strabon im 2. Jahrhundert n. Chr. genau einen solchen Ort in der Nähe von Memphis:

„Auch ein Serapistempel ist daselbst an einem sehr sandigen Orte, so daß vom Winde Sandhügel aufgeworfen werden, von welchen wir die Sphingen bis zum Kopfe verschüttet, teils halb bedeckt sahen, woraus man auf die Gefahr schließen konnte, wenn einen zum Tempel Gehenden ein Wirbelwind überfiele.“

Strab. 17:1,32

Dem antiken Autor Pausanias zufolge wurden in einem solchen Serapeum bei Memphis die heiligen Apis-Stiere bestattet[1], die in Ägypten als lebender Gott verehrt wurden. Auch Diodor berichtet, dass diese nach ihrem Tod wie Menschen eine Mumifizierung und Beisetzung erfuhren, deren Kosten er auf nicht weniger als 100 Talente beziffert.[2]      
Und tatsächlich, noch im selben Jahr entdeckt Mariette einen Eingang und steigt in das seit Urzeiten vergessene Gewölbe herab. Doch mit dem, was er dort vorfindet, hätte er selbst im von beeindruckenden Monumenten nicht armen Ägypten kaum gerechnet: Riesige Steinsarkophage, 24 an der Zahl, aufgestellt in den Nischen einer fast 200 m langen Galerie. Die Länge der Särge beträgt Mariettes Messungen zufolge rund 4 m, bei einer Höhe von 3,3 m und 2,3 m Breite. Das Gewicht eines einzelnen schätzte er (vielleicht etwas hoch gegriffen) auf 65 Tonnen, hinzu kommt ein rund 60 Zentimeter dicker Deckel. [3] Massiver Granit, aus dem Fels gehauen im 1000 Kilometer entfernten Assuan, dann unter größten Mühen den Nil hinauf bis nach Sakkara ins unterirdische Grabmal geschafft. Ein schier unermesslicher Aufwand – „nur“ für die Beisetzung eines heiligen Stieres? Oder steckt doch etwas Anderes dahinter, wie manche Vertreter der Prä-Astronautik behaupten?

2. Rätselhafte Bestattungen – Gewagte Thesen

Längst hat das Serapeum Eingang in den Kanon angeblicher Beweismittel der grenzwissenschatlichen Prä-Astronautik gefunden. In mehreren Büchern thematisiert Erich von Däniken den beeindruckenden Fundplatz – mit unterschiedlichen und teils kuriosen Thesen.    
Bereits in seinem zweiten Buch Zurück zu den Sternen (1969) wird das Serapeum kurz erwähnt:

„Vielleicht sollte man in diesem Zusammenhang auch die ägyptischen Apis-Stiere, die »heiligen Stiere von Memphis«, erwähnen. Sie wurden ihrer Fruchtbarkeit wegen mumifiziert – in drei Meter langen und vier Meter hohen Sarkophagen. Vor drei Jahren stand ich in diesen muffigen Grabkammern tief unter dem Wüstensand und fragte mich: Was haben diese fruchtbaren Stiere wohl zu Lebzeiten getan?“[4]

Die Implikationen sind eindeutig sexueller Natur – sie stehen im Kontext eines Theoriengebäudes zweifelhaften Ursprungs, dem in einem späteren Beitrag nachzugehen sein wird (siehe MMM 4).           
Von dieser Interpretation jedoch liest man in späteren Büchern von Dänikens nichts mehr, in denen die Apis-Stiere zunehmend aus der Gleichung getilgt wurden. In einem Beitrag der Anthologie Kosmische Spuren (1989) richtet von Däniken zwanzig Jahre später das Augenmerk auf ganz andere Rätsel des Serapeums:

„Mit Hebeln und Winden wurde der erste Sarkophag mühsam geöffnet. Er enthielt – nichts. Verblüfft und enttäuscht wurden die Hebel an den zweiten Deckel gelegt. Mariette fand »… eine bitumöse Masse, die fürchterlich stank und beim geringsten Druck der Hände zu Staub zerfiel… keinen Stierschädel, keine großen Knochen, im Gegenteil, ein Durcheinander von kleinen Knochensplittern…« Nicht ein einziger Sarkophag enthielt eine Stiermumie! Einzig in einem schweren Holzsarkophag entdeckte Mariette die Mumie eines jungen Prinzen.“ […] „Immerhin steht fest, daß die Monstersarkophage im Serapeum nie Stiermumien enthielten.“[5]

Die Schlussfolgerung:

„Hier stimmte etwas nicht. Die unterirdische Anlage mit ihren Nischen und eingemauerten Sarkophagen hatte gar nichts von einem Heiligtum an sich. Mich erinnerte die düstere Gruft eher an ein Gefängnis, in dem etwas aufbewahrt wurde, vor dem sich die Menschen fürchteten. Was hier unten in undurchdringlichen Granitgehäusen lag, sollte die Menschen nie mehr bedrohen können, sollte nie mehr das Tageslicht sehen.“[6]

Was genau er sich darunter vorstellte, erläuterte von Däniken in seinem Buch Die Augen der Sphinx (1989), das noch im selben Jahr erschien:

„Als sich der Staub verzog und Fackeln herbeigereicht wurden, stand Mariette vor einer Nische mit einem gewaltigen Sarkophag. Es gab für ihn nicht die geringsten Zweifel. Er war am Ziel. Da drinnen mußte ein göttlicher Apis-Stier liegen. Als er näher trat und mit der Fackel die Nische ausleuchtete, sah er den gigantischen Sarkophag-Deckel. Er war vom Sarkophag gestoßen worden. Der Sarkophag war leer.    
In den kommenden Wochen durchkämmte Mariette systematisch die unheimlichen Grüften. Das Hauptgewölbe maß an die dreihundert Meter, war acht Meter hoch und drei Meter breit. Rechts und links davon lagen breite Kammern. Jede enthielt – am Sockel perfekt eingemauert – einen Granit-Sarkophag.     
Ein zweites Gewölbe, genauso groß wie das erste, wurde durchbrochen. Die zwölf Sarkophage darin hatten dieselben überdimensionalen Ausmaße wie die zwölf im ersten Gewölbe. Hier die Ausmaße eines Sarkophages: Länge = 3,79 Meter, Breite = 2,30 Meter, Höhe = 2,40 Meter (ohne Deckel), Dicke der Sarkophagwand = 42 Zentimeter. Mariette schätzte das Gewicht eines Sarkophages auf siebzig Tonnen, den Deckel zusätzlich mit zwanzig bis fünfundzwanzig Tonnen. Gigantisch. Alle Sarkophag-Deckel waren entweder zur Seite geschoben oder vom Sarkophag herabgestoßen worden. Nirgendwo eine Spur von »prachtvoll bestatteten« Stiermumien.“[7]

„Wo blieben die göttlichen Stiere? Im Laufe des Sommers 1852 entdeckte Mariette in einer neuen Gruft noch zusätzliche Apis-Sarkophage. Die Ältesten darunter wurden mit 1500 v. Chr. datiert. Nicht eine enthielt eine Stiermumie!      
Endlich, man zählte den 5. September 1852, stand Mariette vor zwei unversehrten Sarkophagen. […] Mühsam wurden die Sarkophag-Deckel mit Stemmeisen und Seilwinden gehoben. Doch sollte hier Auguste Mariette persönlich zu Worte kommen [4]:
»Auf diese Weise hatte ich Gewißheit, daß vor mir eine Apis-Mumie liegen müsse, und konsequenterweise verdoppelte ich meine Vorsicht… Meine erste Sorgfalt galt dem Kopf des Stieres, aber ich fand keinen. Im Sarkophag lag eine bitume, sehr stinkige Masse, die beim kleinsten Druck zerbröselte. In der stinkigen Masse lag eine Anzahl sehr kleiner Knöchelchen, offenbar schon zersplittert in der Epoche des Begräbnisses. Inmitten des Durcheinanders von Knöchelchen ohne Ordnung und eher zufällig fand ich fünfzehn Figürchen…«      
Dieselbe niederschmetternde Feststellung machte Mariette beim Öffnen des zweiten Sarkophages. »Keine Stierschädel, keine größeren Knochen; im Gegenteil, eine noch größere Verschwendung von winzigen Knochensplittern.«            
Die Gewölbe unter Sakkara, in denen keine göttlichen Apis-Stiere gefunden wurden, obschon jedem Tourist das Gegenteil gesagt wird, und obschon es auch in der Fachliteratur vorwiegend falsch nachzulesen ist, tragen heute den Namen: Serapäum.“[8]

Was aber steckt hinter diesen rätselhaften Funden – leeren Riesensarkophagen und bis zur Unkenntlichkeit zerstörten Mumien?   
Erich von Däniken vertritt eine ungewöhnliche Theorie: Wie er bereits in früheren Büchern wie Zurück zu den Sternen[9]skizzierte, hätten die von ihm angenommenen außerirdischen Besucher mithilfe fortschrittlicher Gentechnik nicht nur den modernen Menschen, sondern auch einen ganzen Zoo grotesker Mischwesen erschaffen: Die Chimären, Sphingen und anderen Fabelwesen der antiken Mythologien, wie sie unter anderem in einem Zitat des Kirchenvaters Eusebius aufgezählt und auf dem Schwarzen Obelisken Salmanassars III. abgebildet werden. Doch irgendwann seien die außerirdischen „Götter“ wieder verschwunden, die von ihnen geschaffenen Monster zurücklassend.          

„Jahrhunderte, Jahrtausende verstrichen, die Zeiten änderten sich und mit der Zeit die Menschen. Im Volksglauben war die Erinnerung an schreckliche Monster wachgeblieben. Zwar gab es sie längst nicht mehr, diese Ungeheuer, doch ihre Nachfahren, erkennbar an bestimmten Merkmalen des Felles oder Gebisses, lebten wie göttliche Spione unter den übrigen Tieren. Vor den kleinen Kreaturen, den Vögeln, Fischen und Haustieren ängstigte sich niemand. Mit ihnen konnte der Mensch reden, vielleicht gar erreichten die Gebete über die Vermittlerdienste der Tiere die Götter. Doch was war mit den großen, achtunggebietenden Bestien? Würden sie sich nach ihrem Tod in ihre schreckliche, ursprüngliche Form zurückverwandeln? Würden sie bei einer Wiedergeburt Furcht und Entsetzen unter den Menschen verbreiten? Was konnte der Mensch tun, um die Götter zufriedenzustellen, ohne unter den Bestien zu leiden?
Lange bekümmerte dieser schwerwiegende Gedanke die Priester. Schließlich fanden sie eine einfache Lösung des Dilemmas. Solange die Tiere lebten, sollten sie verwöhnt, angebetet, vergöttlicht werden, damit ihr Ka und Ba nach dem Tode zu den Göttern auffuhr und dort vom menschlichen Wohlwollen und der Ehrerbietung vor den göttlichen Tieren Zeugnis ablegte. Nach dem Tode hingegen sollten die Knochen der unheimlichen Kreaturen zerschlagen, zersplittert und mit Asphalt vermischt werden. Aus härtestem Granit sollten schwere Sarkophage gehauen werden, derartig wuchtig und gewaltig, daß kein wiedergeborenes Untier das Gefängnis zu sprengen vermochte. Die Sarkophage mußten in unterirdische Felsgruften eingemauert werden, nie wieder sollten Monster und Ungeheuer über die Menschen herfallen, die Menschen tyrannisieren können.“[10]

Kurzum: „Die mächtigen Sarkophage dienten nicht der Wiedergeburt, sondern dem Gegenteil. Sie waren Gefängnisse für die Ewigkeit.“[11] Als weiteren Beleg für Begräbnisse mythischer Mischwesen führt von Däniken andere ägyptische Tiermumien mit ungewöhnlichem Inhalt an.[12]

Erich von Dänikens Thesen um das Serapeum lassen sich also folgendermaßen zusammenfassen:

  • Im Serapeum wurde nie der Körper – auch ausdrücklich kein Kopf – eines Apis-Stiers gefunden.
  • Die „Monstersarkophage“ im Serapeum haben nie Stiermumien enthalten.
  • In den riesigen Granitsarkophagen wurde entweder gar nichts oder eine mysteriöse Bitumen-Knochen-Masse gefunden.
  • Sowohl die riesigen Granitsarkophage als auch die zerstoßenen Mumien sind Versuche der alten Ägypter, mythische Mischwesen oder deren tierische Nachkommen an der Auferstehung zu hindern.

Doch entspricht dies den archäologischen Tatsachen? Handelt es sich hierbei wirklich um eine Alternative zum Konsens der Wissenschaft, der den Zweck des Serapeums in der Bestattung von Apis-Stieren sieht? Um dies zu beurteilen, ist eine genauere Betrachtung der Funde und Befunde unumgänglich.       
Für die folgende Untersuchung ergeben sich somit folgende Fragen:

  1. Entspricht die faktische Darstellung der Funde der Realität?
  2. Welche Befunde im Serapeum geben Aufschluss über den Zweck der Granitsarkophage und ungewöhnlichen Mumien?
  3. Ist die alternative Interpretation Erich von Dänikens mit den Befunden vereinbar?
  4. Wenn nein, was ist die plausibelste Erklärung dafür?

Doch zunächst: Gab es im Alten Ägypten überhaupt einen dahingehenden Aberglauben, dass man die Wiederkehr von Toten als Bedrohung fürchtete und daher mit einer abweichenden Bestattung zu verhindern versuchte?

3. Totenfurcht im alten Ägypten?

Den Leichnam eines Toten verstümmeln und mit Steinen beschweren, um ihn an der Wiederauferstehung zu hindern: Praktiken dieser Art sind aus dem mittelalterlichen und neuzeitlichen Europa gut dokumentiert. Aus historischen Aufzeichnungen wissen wir von verschiedenen Methoden, um mutmaßliche Wiedergänger und Vampire im Grab zu halten, auch archäologisch lassen sich solche Gräber mittlerweile zahlreich fassen.[13] Doch gab es eine solche Totenfurcht auch im Alten Ägypten?    
Das bewusste Zerstören eines Leichnams scheint dem ägyptischen Bestattungsritus diametral zu widersprechen – wurde doch ansonsten mit der Mumifizierung alles darangesetzt, den Körper zu erhalten, um dem Verstorbenen ein Leben im Jenseits zu garantieren. Man glaubte durchaus, Tote könnten als Geister weiterhin Einfluss auf die Lebenden nehmen und diesen bisweilen auch schaden – davon zeugen etwa Grabinschriften und Totenbuchtexte, in denen der Verstorbene zukünftigen Grabschändern seine Rache androht.[14] Doch galt die Vorstellung körperlicher Untoter im alten Ägypten auch in der Forschung lange Zeit als unbekannt[15]; selbst der Glaube an gefährliche Totengeister wurde mitunter als peripher und nicht eigentlich ägyptisch abgetan.[16]  
Diese Auffassung wurde erst jüngst durch die Forschungen von Antje Kohse revidiert, die in ihrer Dissertation die Vielfalt irregulärer Bestattungen in Gräberfeldern des alten Ägyptens dokumentierte. Unter verschiedenen Abweichungen in Grabbau, Orientierung und Positionierung des Toten, Manipulationen am Skelett und anderen vom Durchschnitt der Bestattungen abweichenden Praktiken finden sich auch solche, die von Kohse als deutliche Hinweise auf eine Totenfurcht und damit einhergehende Wiedergängerprävention interpretiert werden:

„Entsprechend deutliche Belege für eine Beschwerung oder Fixierung der Verstorbenen mit Steinen stammen beispielsweise aus Matmar Cem. 2300, iv und Grab 2302, Qau, Grab 671, Naga ed-Deir N 7595, Mahasna, H 29 sowie Elephantine EF 100. Hier kamen entweder große Steine direkt auf den Leichnamen zum Einsatz oder die Grabgrube wurde mit Steinen aufgefüllt. Eine ventrale Lage, die ebenfalls als wahrscheinliche Maßnahme zur Verhinderung der Wiederkehr der Verstorbenen herausgestellt wurde, kann zweifelsfrei auf der Qubbet el-Hawa 89/202 und in Balat (Grabkammer Ima-Pepi; Komplex des Khentika, Grab 122) nachgewiesen werden. Bei den Manipulationen am Skelett sind die Befunde aus Badari (Grab 5528), wo der Schädel des Leichnams auf dem Sargdeckel niedergelegt wurde, Naga ed-Deir (N 845), wo der kopflose Leichnam in einem Sarg bestattet wurde, dessen Abmessung fur einen vollständigen Körper keinen Platz geboten hatte, und Hierakonpolis, HK43, burial 147, wo die Schädel der Doppelbestattung jeweils auf den Brustkorben der Verstorbenen positioniert wurden, hervorzuheben. Unter den Sonstigen Abweichungen stechen besonders die Befunde aus Mostagedda, Grab 1640 sowie Elephantine EF 82, EF 85-2F und EF 85-2G hervor, wo um den Verstorbenen herum vor allem im Kopfbereich in den Boden eingeschlagene Holzpflöcke gefunden wurden, und die Bestattungen EF 42 und EF 77 aus Elephantine sowie die Bestattung 35a von der Qubbet el-Hawa, wo die Hand- und teilweise auch die Fußgelenke der Verstorbenen zusammengebunden waren.“[17]

Entgegen der bisherigen Auffassung hat eine Furcht vor einer Wiederkehr von Toten, die man durch eine abweichende Bestattung zu verhindern versuchte, im alten Ägypten also durchaus eine dokumentierte Grundlage.     
Doch handelt es sich dabei offenbar, wie Kohse herausstellt, um Praktiken des „Volksglaubens“, die sich so in den normalen Gräberfeldern, aber nicht in den Elitenbestattungen finden, die mit ihren Mumien und Grabmälern meist im Fokus der Forschung und Öffentlichkeit stehen.[18] Für letztere lässt sich die Vorstellung gefährlicher Untoter oder Totengeister bislang nur in den Fluchformeln fassen. Ob solche Vorstellungen auch von den Priesterschaften geteilt wurden, die die Bestattungen im Serapeum organisierten, und ob man etwas derartiges auch für heilige Tiere wie den Apis hätte in Betracht ziehen können, lässt sich anhand der Quellen jedoch nicht feststellen.

4. Leben und Sterben des Apis-Stieres

Apis-Statue (N 390) und Apis-Stele aus dem Serapeum im Louvre (Wikimedia Commons)

Über den Apis-Kult sind wir aus zahlreichen Quellen unterrichtet. Neben ägyptischen Inschriften und Papyri sind dies nicht zuletzt auch griechische und römische Autoren wie Herodot, Diodor und Strabon, denen die Verehrung eines heiligen Stieres besonders kurios und damit berichtenswert erschien.    
Es handelt sich um einen der langlebigsten und bedeutsamsten Kulte in der ägyptischen Geschichte. Während der hellenistische Autor Manetho seinen Beginn auf den zweiten König der 2. Dynastie zurückführt, nennt der Palermostein den Apis bereits in Verbindung mit zwei Königen der 1. Dynastie (um 3000 v. Chr.).[19]Seit jener Zeit ist das Ritual „Lauf des Apis“ im Kontext des Sed-Festes bezeugt, das der Erneuerung der Kraft des Königs diente. Spätestens seit dem Neuen Reich nahm der Apis eine doppelte religiöse Rolle ein: War er zu Lebzeiten vor allem mit dem Schöpfergott Ptah verbunden, verschmolz er nach seinem Verscheiden mit dem Totengott zu Osiris-Apis bzw. Apis-Osiris.[20] Einerseits verkörperte er seit frühesten Zeiten Zeugungskraft und Fruchtbarkeit, zudem nahm er durch seine Verbindung mit Osiris die Rolle eines Totengeleiters ein: Darstellungen der Spätzeit zeigen den Apis-Stier, wie er eine Mumie auf dem Rücken trägt.[21]Wie auch die anderen Tierkulte erlebte die Verehrung des Apis-Stieres einen massiven Aufschwung in der ägyptischen Spätzeit (~ 1. Jt. v. Chr.): Während das Land zunehmend von einer Reihe ausländischer Eroberer (Libyer, Nubier, Assyrer, Perser, Ptolemäer) regiert wurde, nahm die Verehrung heiliger Tiere an flächendeckender Popularität zu und bot der ägyptischen Bevölkerung ständigen Kontakt mit dem Göttlichen.[22] So entwickelte sich auch der Apis zu einer Art ägyptischem Nationalsymbol, dessen Verehrung sich auch die ausländischen Herrscher (meistens) anschlossen – selbst Alexander der Große vergaß bei seiner Eroberung Ägyptens und Krönung zum Pharao nicht, dem Apis-Stier zu opfern.[23]Auf geringeres Interesse scheint der Kult hingegen bei den römischen Kaisern gestoßen zu sein, die Ägypten ab 31 v. Chr. beherrschten. Sein Ende fand der Kult erst mehr als dreitausend Jahre nach seiner erstmaligen Bezeugung durch das Verbot der heidnischen Kulte unter dem christlichen Kaiser Theodosius; dessen Nachfolger Honorius (395–423 n.Chr.) das Serapeum 398 n. Chr. endgültig schließen ließ.[24]

Der Lebenslauf des Apis lässt sich aus den Quellen gut rekonstruieren: War der heilige Stier gestorben, machte eine Priesterkommission sich auf den Weg, dessen Nachfolger zu identifizieren, der – so der Glaube – durch einen Mondstrahl gezeugt[25] worden sei. Im ganzen Land wurde unter den Herden nach einem Kalb gesucht, das (nach Aelian) 27 charakteristische Zeichen auf sich vereinte. So musste der Stier fast ganz schwarz sein, jedoch eine dreieckige weiße Blesse auf der Stirn und eine charakteristische weiße Rückenzeichnung besitzen – eine Erscheinung, die durch die ägyptischen Bilddarstellungen bestätigt wird. War das auserwählte Kalb gefunden, ließ man es durch Milchkühe als Ammen so lange aufpäppeln, bis er stark genug für die Reise war. Auf einer geschmückten Barke wurde der Stier nach Memphis gefahren, wo er fortan in einem Anbau des Ptah-Tempels, dem Sekos, lebte. Dort standen ihm nicht nur eine Auslauffläche und eigene Priesterschaft, sondern auch ein Harem von ausgewählten Kühen zur Verfügung. Auch das Muttertier des Apis wurde in den Kult eingebunden und nach dem Tod ebenso mumifiziert und im Iseum von Sakkara festlich beigesetzt.[26] Zeit seines Lebens nahm der Apis fortan an verschiedenen Festen, Ritualen und Prozessionen teil. Manche klassischen Autoren berichten, dass er nach einer Lebenszeit von 25 Jahren durch Ertränken rituell getötet wurde – doch finden sich hierfür keine Belege in den ägyptischen Quellen, zumal nur die wenigsten Stiere ein solches Alter erreichten und für einen Apis-Stier sogar ein Sterbealter von 26 Jahren belegt ist.[27]        
War der Apis schließlich gestorben, wurde er nicht anders als ein Mensch mumifiziert und schließlich im Serapeum der Nekropole Sakkara beigesetzt. Diese Mumifizierung ist durch zahlreiche Quellen belegt: Bereits Diodor erwähnt, dass der Apis nach seinem Tod „mit großer Pracht begraben“ werde.[28] In Memphis findet sich ein Stier-Mumifizierungstisch mit einer Inschrift des Pharaohs Šešonq I. (946 bis 924v. Chr.), der diesen „für seinen Vater Osiris-Apis“ gestiftet habe.[29]  
Die ausführlichste Quelle ist jedoch der sogenannte Apis-Papyrus – gefunden vermutlich in Sakkara, heute aufbewahrt im Kunsthistorischen Museum Wien[30]: Der in hieratisch-demotischer Schrift verfasste Text aus der Zeit Nektanebos II. (359–341v. Chr.) enthält detaillierte Anweisungen für die Mumifizierung eines Apis-Stieres. Ein Dokument vergleichbarer Ausführlichkeit ist für die Mumifizierung von Menschen nicht überliefert. Der Grund dürfte darin zu suchen sein, dass nur im Schnitt alle 15 Jahre ein Apis-Stier zu mumifizieren war, was eine kontinuierliche Schulung der Mumifizierer bei der praktischen Arbeit ausschloss und die Aufzeichnung der vorgesehenen Arbeitsschritte nötig machte.

5. Der archäologische Befund

5.1 Überblick

Plan des Serapeums (Dodson 2015, Fig. 4.4, überarbeitet nach Mariette)

Das Serapeum trägt seinen Namen von einem Tempel des Gottes Serapis, der in der Ptolemäerzeit über dem Grabmal errichtet wurde und heute nicht mehr erhalten ist. Er ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Serapeum in Alexandria.      
Der unterirdische Komplex mit den Apis-Begräbnissen besteht aus drei zeitlich wie räumlich getrennten, untereinander nicht verbundenen Bereichen. Aus Stelen und Inschriften lässt sich deren sukzessive Belegung rekonstruieren[31], die sich nach aktuellem Stand der Forschung folgendermaßen darbietet:

1. Die Einzelgräber. Bei den ältesten Gräbern handelt es sich um einzelne Grabkammern (A–G+H), die jeweils über einen eigenen Eingang verfügten – nicht unähnlich, wie man es auch von den Pharaonengräbern im Tal der Könige kennt. Bei Raum H handelt es sich um eine Nebenkammer zu Grab G. Man bestattete die Stiere noch nicht in riesigen Granitsarkophagen, sondern in Holzsarkophagen innerhalb kleinerer Steinsarkophage. Belegt wurde dieser Bereich offenbar während der 18. und 19. Dynastie, von der Zeit Amenophis III. (1388–1351 v. Chr.) bis Ramses‘ II. (1303–1213 v. Chr.).

2. Die Kleine Galerie. Noch zur Zeit Ramses II., der rund 66 Jahre regierte und ein selbst unter Pharaonen einmaliges Ausmaß an Bauvorhaben initiierte, wurde ein neuer Abschnitt begründet, in dem die folgenden Apis-Stiere fortan nicht mehr in einzelnen Gräbern, sondern in Nischen zu beiden Seiten eines gemeinsamen Ganges beigesetzt wurden. Auch hier geschahen die Bestattungen in Holzsarkophagen. Diese „Kleine Galerie“ wurde bis in die Zeit von Pharao Psammetich I. (26. Dynastie, 664 – 610 v. Chr.) belegt (Gräber I–T und 1–5). Sie ist wegen der Deckeneinstürze heute nicht mehr zugänglich.

3. Die Große Galerie. Nachdem der erste von zwei unter Psammetich I. gestorbenen Stieren (im 20./21. Regierungsjahr) noch in der Kleinen Galerie beigesetzt worden war, entstand abermals ein neuer Abschnitt von ähnlicher Gestalt. Diese „Große Galerie“ – der bekannteste und als einziger der Öffentlichkeit zugängliche Teil des Serapeums – wurde in den folgenden Jahrhunderten sukzessive bis zu einer Länge von fast 200 m erweitert. Ein zweiter Stier unter Psammetich I. (52. RJ, Grab U) und drei weitere unter dessen Nachfolgern (Gräber V, X, W) wurden wie in der Kleinen Galerie in Holzsärgen beigesetzt. Unter König Amasis (26. Dynastie, 570–526 v. Chr.) wurde schließlich erstmalig ein monumentaler Steinsarkophag verwendet (Grab Y). Wenig später eroberten die Perser unter Kambyses II. Ägypten, gefolgt von mehreren Rebellionen selbsternannter einheimischer Pharaonen und persischen Rückeroberungen (27.–31. Dynastie). Beide setzten die Bestattungen in gewaltigen Steinsarkophagen in der Großen Galerie fort (Gräber A‘–D‘). Selbiges gilt für die Ptolemäer, die nach der Eroberung durch Alexander den Großen (332 v. Chr.) Ägypten beherrschten und die Große Galerie um einen weit abgesetzten Bereich im Westen (Gräber K‘–W‘) erweiterten. Ab der römischen Herrschaft (31 v. Chr.) scheint das Serapeum nicht mehr für Bestattungen verwendet worden zu sein.

Die wichtigste Grundlage für diese chronologische Rekonstruktion bilden die sogenannten Apis-Stelen: Im gesamten Serapeum fanden sich weit über tausend steinerne Stelen, von Königen oder Privatpersonen gestiftet, die vom Tod der Stiere und der Verehrung der Menschen für diese künden. Für die Ägyptologie bedeutete die Entdeckung dieser Stelen den eigentlichen wissenschaftlichen Schatz, von größerer Bedeutung als alle Goldschätze und Mumien: Die ägyptische Kultur kannte keine absolute Zeitrechnung vergleichbar dem heutigen vor/nach Christus oder dem römischen ab urbe condita[32] – stattdessen wurde nach den Regierungsjahren der jeweiligen Herrscher gerechnet (z.B. „im 15. Jahr Ramses‘ II.“). Die Stelen aber nennen auf den Tag genau die Lebensdaten (Geburt, Inthronisation und Tod) der Apis-Stiere entsprechend den jeweiligen Regierungsjahren sowie das erreichte Alter. Aus den Daten von Stieren, die über einen Herrscherwechsel hinweg lebten, lässt sich also die exakte Regierungsdauer der Pharaonen berechnen. Die Stelen des Serapeums ermöglichten somit erstmalig die Rekonstruktion einer genauen Chronologie der ägyptischen Spätzeit.
Publiziert wurden die Stelen etwa bei Malinine/Posener/Vercoutter 1968; zahlreiche finden sich zudem bei Labudek 2010 mit Transkription und englischer Übersetzung editiert. Ein großer Teil der Stelen– rund 800 – befindet sich heute im Louvre und ist dort online einsehbar. Etwa 400 Stelen zählten zur Sammlung des Boulaq-Museums nahe Kairo, von denen jedoch die meisten bei verheerenden Überschwemmung 1878 und 1891 zerstört wurden. Weitere Stelen befinden sich in verschiedenen Museen und Privatsammlungen.[33]        

Bei der Entdeckung durch Mariette waren mit Ausnahme von dreien sämtliche Gräber in allen drei Bereichen des Serapeums längst beraubt. Davon ausgenommen sind nur die Gräber E, G (Einzelgräber) und K (Kleine Galerie), in denen insgesamt vier Mumien gefunden wurden – dazu im Folgenden mehr. Die gewaltigen Granitsarkophage der Großen Galerie hingegen waren bei der Entdeckung allesamt leer.           
Was aber hat es mit dem rätselhaften Inhalt der Mumien auf sich – und woher wissen wir, dass auch die leeren Sarkophage der Großen Galerie der Bestattung von Apis-Stieren dienten? Im Folgenden sollen die kontroversen Befunde im Detail dargestellt werden. Die wichtigste Quelle hierfür stellen Mariettes erste Publikation von 1857 sowie die gleichnamige Monographie von 1882 dar, die nach seinem Tod von Gaston Maspero aus unpublizierten Notizen zusammengestellt wurde. Die unvollständige oder unpräzise Wiedergabe der Funde und Fundkontexte machen diese als Grabungsdokumentation mitunter problematisch, zumal das originale Grabungstagebuch heute verloren ist. Da manche Funde – etwa der Inhalt der Mumien – jedoch nicht aufbewahrt wurden, bleiben Mariettes Beschreibungen die einzige Quelle für diese.

5.2 Einzelgräber und Kleine Galerie: Vier Mumien mit ungewöhnlichem Inhalt

5.2.1 Grab E

Kopf des Apis aus dem Einzelgrab E im Serapeum
(Louvre N 2884 / Bild: Wikimedia Commons)

Wie fast alle Bestattungen war auch die separierte Grabkammer D vollständig beraubt worden. An der Nordwand jedoch erkannte man das Mauerwerk einer zugemauerten Tür, hinter der sich eine weitere, bislang ungestörte Kammer – Grab E – verbarg.[34] Hier fand Mariette das ungestörte Begräbnis des Apis 18.5/V, das in die Zeit Pharao Haremhabs (um 1300 v. Chr.) datiert. Mariette beschreibt die Funde:

„In der Mitte stand eine weiße Steinkonstruktion, die einen rechteckigen, unbemalten Sarg enthielt, der auf jeder Seite mit länglichen Tafeln verziert war, auf denen in der Mitte mehrmals die Inschrift stand: “Apis Osiris, großer Gott, der in Amenti wohnt, der ewig lebende Herr”. 
[…]    
Als ich den Deckel anhob, dachte ich, das Grab sei leer. Bei näherer Betrachtung sah ich jedoch bald einen Stierkopf am Boden des Sarges und darunter eine schwärzliche Masse, die als Stütze diente.                   
Ich habe zuerst den Kopf untersucht. Er war an nichts befestigt und wurde auf die Masse gelegt. Die Haut war völlig verschwunden, und alle meine Bemühungen, die Spuren der Streifen zu finden, waren vergeblich.     
Dann habe ich den Träger untersucht. Er hatte eine ovale Form, war ziemlich gleichmäßig und etwa einen Meter lang, dreißig Zentimeter breit und ungefähr genauso dick. Was seine Beschaffenheit anbelangt, so erkannte ich, dass er aus einer verworrenen Masse von Bitumen und großen zerbrochenen Ochsenknochen bestand, die alle ohne Ordnung unter einer Musselinabdeckung aufgeschichtet waren.“[35]

5.2.2 Grab G

Wandbild aus Grab G: Ramses II und Chaemwaset verehren den Apis
(Mariette 1857, Tf. 8 / Wikimedia Commons)

Zwei weitere ungestörte Bestattungen – Apis 19.2/VII und Apis 19.3/IX – entdeckte Mariette in Grab G, auch dieses hinter einer falschen Wand verborgen[36]. Diese datieren in die lange Regierungszeit Ramses‘ II. und wurden offenbar von dessen Sohn Chaemwaset beaufsichtigt. Dieser amtierte spätestens ab dem 20. Regierungsjahr Ramses II. als Hohepriester von Memphis, womit er auch für die Apis-Bestattungen und die zu jener Zeit stattfindende Errichtung der Kleinen Galerie zuständig gewesen sein dürfte. Seine zahlreichen Bauprojekte und Renovierungen an älteren Gräbern prägten ein Bild Chaemwasets als Weiser und Zauberer, von dessen Abenteuern mehrere demotische Erzählungen aus späteren Jahrhunderten berichten.[37]
In Grab G wurden offensichtlich zwei Apis-Stiere bestattet, die im 16. und 30. Regierungsjahr Ramses‘ II. verstarben. Ein Wandbild an der Südseite zeigt den König zusammen mit dem Prinzen und Priester Chaemwaset, wie sie dem Apis in anthropomorpher Gestalt opfern. Neben den beiden Sarkophagen lag eine lebensgroße, mit Gold überzogene Holzfigur des Osiris. Außerdem fanden sich im Boden der Kammer nicht weniger als 247 Uschebtis aus verschiedenen Steinsorten. Die Bestattungen selbst beschreibt Mariette folgendermaßen:

„Aber die Überwachung, der ich unterworfen war, ließ mich das Öffnen der Tür auf die Nacht verschieben. Ich ließ einen der Steine entfernen und erkannte sofort an dem Geruch, der aus dem neu geöffneten Loch drang, dass die Kammer nicht berührt worden war. Ich stieg hinab und stellte fest, dass ich mich in einem ziemlich großen unterirdischen Raum befand, der gleichmäßig in den Fels gehauen war. Vor mir stand ein großer, rechteckiger, schwarz bemalter Holzsarkophag mit vier sehr großen Kanopen aus orientalischem Alabaster, alle vier mit menschlichen Köpfen. Zu meiner Rechten stand ein Sarkophag von gleicher Größe, daneben eine vergoldete Holzstatue in natürlicher Größe, die den stehenden Osiris darstellte und an die Wand gelehnt war.  
[…]
Als der erste Sarkophag entfernt wurde, erkannte ich einen zweiten, dann einen dritten, beide aus einfachem Holz und sorgfältig zusammengefügt, aber ohne Farbe und ohne Legenden. Als ich den dritten dieser aufeinanderfolgenden Umschläge entfernte, sah ich eine große Mumienschachtel mit einem goldenen Gesicht, ohne Uräus und mit einer Beschriftung auf der Brust, die von vier kleineren Beschriftungen rechtwinklig durchschnitten wurde. Diese vier Beschriftungen enthielten nur die Namen der vier Genien der ägyptischen Hölle. Auf der längsten stand: “Das ist Osiris-Apis, der in Amenti wohnt, der große Gott, der ewige Herr, der Herrscher für immer.” 
Ich war mir also sicher, dass ich eine Mumie des Apis vor mir hatte und verdoppelte meine Aufmerksamkeit. Ich nahm den Deckel des Sarges an den Füßen, ein anderer nahm ihn am Kopf und wir hoben ihn an. Zu meinem Erstaunen erkannte ich, dass es sich bei dem oberen Teil nur um eine Sarghälfte handelte und dass der Deckel direkt auf dem Boden lag. Als ich den Deckel anhob, fand ich auf dem Felsen nur einen schwarzen Haufen, der die Form und Größe des Hohlraums beibehalten hatte, in dem er gelegen hatte.        
Meine erste Sorge galt der Suche nach einem Stierkopf, aber ich fand keinen. Eine bituminöse, stark stinkende Masse, die beim geringsten Druck mit der Hand zu Staub zerfiel, umhüllte eine Menge kleiner Knochen, die bereits bei der Bestattung des Stiers gebrochen waren. Inmitten dieser Knochen, die ungeordnet und wahllos in der Masse verstreut waren, fand ich 1. fünfzehn Grabstatuetten mit Ochsenköpfen, mit Legenden im Namen des toten Apis; 2. etwa zehn Goldobjekte, in die der Name von Scha-em-Djom [= Chaemwaset, LI] und verschiedener anderer Persönlichkeiten, die in Memphis hohe Funktionen innehatten, eingraviert sind; 3. mehrere Statuetten aus grünlichem Metall, die den Prinzen selbst darstellen; 4. weitere Statuetten aus demselben Material, die andere Prinzen der königlichen Familie darstellen; 5. schließlich Amulette aus Karneol, rotem Quarz und Serpentin, fein graviert. In der Masse hatte sich eine große Menge von Goldplättchen abgelagert.
[…]    
Dann untersuchte ich den zweiten Sarkophag, der keine Inschrift trug und dessen äußere Umhüllungen sich in demselben Zustand befanden wie die des ersten Monuments. Der Sarg in Form einer Mumie wies dieselben Inschriften auf, und als ich ihn anhob, erkannte ich, dass er flach auf dem Felsen lag und dass der Sarg auch hier nur seinen Deckel hatte.
“Die gleichen Beobachtungen machte ich, als ich das Tuch entdeckte, in das die bituminöse Masse eingewickelt war. Kein Ochsenkopf, keine großen Knochen, im Gegenteil, eine noch größere Ansammlung von kleinen Knochenbruchstücken. Doch anstelle der Juwelen, Statuetten und Amulette des anderen Sarkophags fand ich nur einen goldenen Naos mit gewellter Emaille, der unterhalb des Frieses die Namenskartusche von Ramses II. trug und von sechs Grabstatuetten mit Stierköpfen begleitet wurde.“[38]

Der Sarkophag von Apis VII war umringt von vier Kanopen, deren Inschriften jeweils den Namen des Apis enthielten. Kanopen für Apis IX fanden sich nicht direkt am Sarkophag, jedoch in der Nebenkammer H, die wahrscheinlich als Kanopenraum diente.[39] Zudem fanden sich in Grab G und Nebenkammer H mehrere Stelen, die die beiden Apis-Stiere, ihre Lebensdaten und den König Ramses II. nennen.[40]

5.2.3 Grab K – Die „Mumie des Chaemwaset“

Goldmaske der „Chaemwaset“-Mumie
(Louvre N 2291 / Bild: Finoskov, Wikimedia Commons)

In der Kleinen Galerie blieb nur eine Bestattung von der Beraubung verschont: Ein Einsturz der Decke hatte Kammer K verschüttet und den darin befindlichen Sarg teilweise zerbrochen. Erst Mariette, der sich mit Dynamit einen Weg durch den Schutt sprengte, entdeckte das Grab wieder. Im Inneren des teilweise zerstörten Außensarges machte er einen rätselhaften Fund:

„Man stelle sich eine menschenförmige Mumie vor, deren gesamter unterer Teil von der Brust abwärts zerstört war. Eine dicke Goldmaske, die sich heute im Louvre befindet, bedeckte das Gesicht. Am Hals waren zwei ebenfalls goldene Ketten befestigt, an einer davon hingen drei Amulette. Das Innere bestand nur noch aus einer duftenden Bitumenmasse, vermischt mit formlosen Knochen, in deren Mitte zwei oder drei Schmuckstücke mit goldenen Trennwänden gefunden wurden, die mit Glasplättchen gefüllt waren. Schließlich sammelte ich bei diesem einzigartigen Monument einen großen Skarabäus aus grauem Steatit, eine Säule aus grünem Feldspat und etwa zwanzig menschenförmige Grabfiguren. Das ist unser Apis, und die Verlegenheit, in die uns dieser Fund bringen muss, wird deutlich, wenn wir wissen, dass alle Denkmäler, die bei der Mumie gefunden wurden, nichts anderes als den Titel und den Namen Scha-em-Djom [= Chaemwaset] tragen, während alle in der Umgebung gefundenen Denkmäler den Namen und die üblichen Qualifikationen von Osorapis erwähnen. Ist dies ein Apis? Ist dies die Mumie von Scha-em-Djom, der im Jahr 55 nach der Herrschaft seines Vaters starb und darauf bestand, in dem schönsten Grab auf dem Friedhof der Stadt, deren Gouverneur er war, begraben zu werden, wie die anderen Großen Ägyptens, die sich in Abydos neben dem Grab des Osiris beerdigen ließen? Ich zögere, mich auf eine Seite zu schlagen, und ich werde mich nicht einmal auf eine Diskussion einlassen, die uns weit über die Grenzen hinausführen würde, auf die wir uns beschränken müssen.“[41]

Handelt es sich bei dem Fund also um die Mumie des Prinzen Chaemwaset oder um einen weiteren Apis-Stier? Eine moderne Untersuchung der Überreste ist nicht mehr möglich, da die Knochen nicht aufbewahrt wurden. Aktuelle Forscher wie Aidan Dodson gehen jedoch davon aus, dass es sich in der Tat um einen weiteren Stier – Apis 19.7/XIV – und nicht die Mumie eines Menschen handelt. Bereits in Einzelgrab G waren Apis-Stiere als Knochen-Bitumen-Masse in Mumien anthropomorpher Form (ebenfalls mit menschlicher Mumienmaske) bestattet worden.[42]Auch diese Apis-Bestattungen gehen auf die Zeit Ramses‘ II. und Chaemwasets zurück – die Funde liegen damit nur 25 Jahre auseinander (16., 30. und 55. Regierungsjahr Ramses‘ II.) und wurden von denselben Personen organisiert. Zwar nannte die Inschrift auf dem Sarg selbst nur den Namen des Prinzen, in unmittelbarer Nähe standen jedoch auch Uschebtis mit der üblichen Apis-Inschrift: „Achtzehn Fayencenstatuetten mit menschlichen Köpfen, und mit der Legende “Osiris-Apis, großer Gott, Herr der Ewigkeit”, standen verstreut.“[43]       
Bemerkenswerterweise wurde die Identifikation als Stier bereits von Ange-Pierre Leca im Buch Die Mumien vertreten, das Erich von Däniken für Die Augen der Sphinx als Grundlage diente.[44]

5.3 Die Große Galerie: Monumentale Granitsarkophage

Korridor der Großen Galerie (Foto: André Kramer)

In der Großen Galerie fanden sich insgesamt 24 Granitsarkophage von monumentalen Ausmaßen, auf denen meist zudem eine Packung aus Steinen aufgeschichtet war. Im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen Bestattungen waren diese zum Zeitpunkt der Entdeckung durch Auguste Mariette jedoch bereits beraubt und damit leer.     
Wenn aber von Mariette keine einzige Mumie in den riesigen Granitsarkophagen der Großen Galerie gefunden wurde – woher wissen wir, dass auch dieser Bereich der Beisetzung von Apis-Stieren diente?   
Die Antwort liefern hier die Schriftzeugnisse. Insgesamt vier Steinsarkophage tragen Inschriften, die eine historische Kontextualisierung möglich machen; hinzu kommen die bereits erwähnten Apis-Stelen.

Der erste und größte[45] unter den Granitsarkophagen, gelegen in Grabkammer Y, geht auf den König Amasis (570–526 v. Chr.) aus der 26. Dynastie zurück. Auf dem Deckel findet sich in Hieroglyphen folgende Inschrift:

„Horus, Samn-mēꜤet; King of Upper and Lower Egypt, KhenmibrēꜤ; he dedicated his monument to the Living Apis, (namely) a great sarcophagus of granite. Now his Majesty found that it (a sarcophagus) had not been made in a costly stone by any king at any time.—That he might be one who is given life for ever.“[46]

Der Text deckt sich fast wörtlich mit einer am selben Ort gefundenen Stele, die Pharao Amasis dem verstorbenen Apis widmete:

IM 4131
Transkription: Labudek 2010, 388f.
Übersetzung: Winter 1978, 28.

[…] 
(6) ḥꜢt sp 23 tpy {Ꜣbd} šmw sw 15 r ḥm n nsw-bity ẖnm-jb-rꜤ dj Ꜥn ḏt„Im Jahre 23 am 15. Tag des 1. Monat zur Zeit der Majestät des Königs von Ober- und Unterägypten Amasis, der ewiglich mit Leben beschenkt sei,
(7) sṯꜢ nṯr m ḥtp r jmntt nfrt rdj ḥtp.f st.f m ḥr(7) zog der Gott in Frieden zum schönen Westen. Man ließ ihn ruhen in seinem Grab in der Nekropole
(8) m st jr n.f ḥm.f n pꜢwty jrt mjtt ḏr-bꜢḥ m-t(8) an dem Ort, den seine Majestät für ihn bereitet hatte. Niemals war dergleichen gemacht worden seit Anbeginn.
(9) jr.n.f jrt nb m wꜤbt js ḥm.f m sꜢ.f mj jrt n(9) Man vollzog an ihm alle Zeremonien in der Reinigungsstätte, da sich seine Majestät erinnerte,
(10) ḥr n jt.f wsjr jr.n.f ḏbꜢt m mꜢṯ js gmḥ.n(10) wie man es Horus für seinen Vater Osiris getan hatte. Man machte ihm einen großen Sarkophag aus Granit
(11) ḥm.f nfr n jrt sm ꜤꜢt t jn nsw nb ḥr hꜢw nb(11) und seine Majestät fand es gut, ihn aus kostbarerem Stein herstellen zu lassen als irgendein König zu irgendeiner Zeit.
(12) jr.n.f ḏbꜢw n mnt sštꜢ n rsy n ḏbꜢt mḥtt n ḏbꜢt rdj hꜢ(12) Man machte ihm ein Grabgewand aus geheimem Stoff der heiligen Stätten von Sais, um ihm Schutz zu verleihen.
(13) .t{w} n.f sꜢw.f ẖkrw.f nb m nbw ꜤꜢ t nb šps.sn r(13) Sein Schmuck war aus Gold und allerlei herrlichen Edelsteinen, schöner
(14) jrt m-bꜢḥ is mr ḥm.f ḥp Ꜥn r nsw nb pr(14) als man es je gemacht hatte. Denn seine Majestät liebte den Apis mehr als jeder König.
(15) ḥm n nṯr pn r pt m ḥꜢt sp 23 Ꜣbd 3 prt sw 6 ms.t{w}.f m ḥꜢt sp 6(15) Die Majestät dieses Gottes stieg auf zum Himmel im 23. Jahr, am 6. Tag des 7. Monats [= 3. Monat des Winters]. Geboren wurde er im [6.] Jahr,
(16) tpy Ꜣt {sw} 7 s[]n.f m ḥwt ptḥ m Ꜣbd 3 šmw sw 18 ꜤḥꜤ(16) am 7. Tag des 1. Monats, inthronisiert am 18. des 10. Monats [= 3. Monat des Sommers]. Die Lebenszeit
(17) nfr n nṯr pn ḥꜢt sp 18 Ꜣbd 6 jr n.f jꜤḥ-ms-sꜢ-nt dj Ꜥn wꜢs ḏt(17) dieses Gottes umfasste 18 Jahre und 6 Monate. Gemacht hat dies Amasis, damit er ewiglich Leben und Macht habe.“

Aus Stele und Sarkophag-Inschrift gehen in Hinblick auf die Fragestellung folgende Informationen hervor:

  • Beide nennen eindeutig den Apis-Stier (p); auf der Stele ist zudem ein solcher abgebildet.
  • Beide nennen ausdrücklich den Sarkophag aus „kostbarem Stein“, d.h. Granit – im Gegensatz zum weniger hochwertigen Kalkstein, wie er für die früheren Sarkophage in Einzelgräbern und Kleiner Galerie verwendet wurde[47]. König Amasis betont dies als einmalige Leistung, wie sie kein Herrscher vor ihm vollbracht habe.
  • König Amasis „liebte den Apis“. Dessen Mumifizierung diente dazu, „ihm Schutz zu verleihen“ – nicht etwa, ihn zu zerstören und noch post mortem auf ewig wegzusperren.
  • Die Stele erwähnt Schmuck aus Gold und Edelsteinen – ein allzu plausibles Motiv für die Plünderung der Gräber durch Grabräuber.
  • Die Stele nennt penibel die Lebensdaten des Stieres und den Zeitpunkt seiner Bestattung (einschl. Anfertigung des Sarkophages). Diese datieren in die Regentschaft des historisch fassbaren Amasis, nicht etwa in eine nicht näher definierte geheimnisvolle Vorzeit.

Zahlreiche Stelen dieser Art nennen oder zeigen den Apis-Stier und zeugen von seiner Verehrung, mehrere nehmen Bezug auf die Beisetzung. Eine Auswahl von vier weiteren aussagekräftigen Stelen findet sich im Anhang des vorliegenden Artikels.

Pharao Amasis‘ nie zuvor da gewesene Leistung verlor alsbald ihre Einmaligkeit: Fortan bestatteten auch alle folgenden Könige einschließlich der persischen Fremdherrscher die verstorbenen Apis-Stiere in derartigen monumentalen Granitsarkophagen.  
Im Zwischenraum zwischen dem Eingang der Saitischen Dynastie und Kammer U findet sich ein Sarkophag (Z) mit der Inschrift des persischen Königs Kambyses II. (reg. 530–522v. Chr.). Die Inschrift lautet in englischer Übersetzung:

„Horus, Sam-towi; King of Upper and Lower Egypt, Meswet-rēꜤ; Son of Rē, Cambyses, may he live for ever! He dedicated his monument to his father, Apis-Osiris : a great coffin of granite which the King of Upper and Lower Egypt Meswet-rēꜤ, Son of RēꜤ, Cambyses, made, who is given all life, all continuance and dominion (?), all health, all gladness, glorious as King of Upper and Lower Egypt, for ever.“[48]

Dies lässt sich mit dem in den Stelen bezeugten Apis 26.6/XLI verbinden, der im 27. Regierungsjahr des Amasis geboren wurde und im 6. Jahr des Kambyses verstarb. Es ist unklar, ob der Sarkophag ursprünglich für eine andere Kammer bestimmt war (in Frage kommt Kammer A‘), aber aus unbekannten Gründen im Gang verblieb. Hiermit jedoch war der ursprüngliche Eingang der Großen Galerie für die Einbringung weiterer Sarkophage blockiert. Stattdessen wurde unter Kambyses‘ Nachfolger Dareios I. zunächst ein neuer Eingang angelegt (gegenüber Kammer W). Dieser jedoch fungierte offenbar nur als Provisorium, denn noch unter Dareios erbaute man einen weiteren, deutlich breiteren Eingang, der zwischen Kammer E und Y in die Große Galerie mündete. Hiervon berichtet die Stele IM 4039 anlässlich des Begräbnisses von Apis 27.4 im 34. Jahr des Dareios (Abbildung und Übersetzung im Anhang).[49] Die Positionierung des anhand der Inschrift Kambyses zuzuweisenden Sarkophags und die in der Stele des Dareios‘ bezeugte Anlage eines neuen Eingangsschachtes bestätigen somit die Baugeschichte und chronologische Einordnung der Sarkophage im Serapeum.

In Kammer D‘ steht ein deutlich kleinerer Sarkophag, der eine Inschrift des sonst kaum bekannten Königs Chabbasch trägt. Dieser führte eine kurzlebige Rebellion gegen die persische Herrschaft und residierte 338–335v. Chr., nur wenige Jahre vor der Eroberung Ägyptens durch Alexander den Großen, als Pharao. Aufgrund der geringen Größe wurde vermutet, dass dieser Apis bereits als Kalb verstarb. Da der letzte bezeugte Apis bereits im 3. Jahr des Nektanebos II. (359–341) verstarb und sein Nachfolger wahrscheinlich kurz darauf installiert worden ist, müsste entweder der zur Zeit Chabbaschs gestorbene Apis 31.1/XLVI über zwanzig Jahre alt geworden sein oder ein weiterer Apis in der Zwischenzeit gelebt haben, der nicht im Serapeum bestattet wurde. Letzteres würde zu der antik überlieferten Anekdote passen, ein Apis-Stier sei von dem Perserkönig Artaxerxes III., der Ägypten zurückeroberte und 343–338 als Pharao amtierte, getötet und verspeist worden.[50] Denkbar ist, dass der Rebell Chabbasch direkt nach seinem Amtsantritt einen neuen Apis installierte, der in geringem Alter verstarb und in Kammer D‘ beigesetzt wurde. Auch könnte die turbulente Situation während des Bürgerkriegs die Anfertigung eines monumentalen Apis-Sarkophags verhindert haben, weshalb der Stier in einem menschlichen Sarkophag beigesetzt werden musste.[51]

Sarkophag des Chabbasch mit Inschrift, Kammer D‘ (Fotos: André Kramer)

Die Sarkophage der Kammern K‘ bis W‘, im Westen der Großen Galerie deutlich abgesetzt von den vorigen, werden der hellenistischen Dynastie der Ptolemäer zugeordnet. Zwar lassen sich die einzelnen Kammern nicht eindeutig individuell zuordnen, doch entspricht die Zahl von 13 Kammern exakt der Zahl von 13 in Stelen und anderen Quellen belegten Stieren zwischen dem Tod von Apis 31.1 und dem Stier, der als Zeitgenosse des römischen Kaisers Augustus bezeugt ist.[52]  
Der letzte beschriftete Sarkophag steht in Kammer V‘ und datiert in die späte Ptolemäerzeit. Die Königskartuschen wurden bei diesem leer gelassen. Hierbei könnte es sich um den in Stelen bezeugten Apis Ptol.13 handeln, der im 3. Jahr von Kleopatra VII. und ihrem Bruder Ptolemaios XII. starb, als Unklarheit über das Vorrecht des Thrones herrschte.[53] Der Sarkophag trägt insgesamt vier Inschriften an verschiedenen Seiten. Die an der Fußseite im Norden lautet:

„O Apis-Osiris, someone shall stand behind thee, thy brother shall stand behind thee, he stands (1) and shall not perish behind thee; <thou> shalt not perish, thou shalt not pass away, during the whole of eternity, Apis-Osiris!“[54]

Zugegeben: Der Wunsch, der Apis möge beschützt sein und bis in alle Ewigkeit niemals vergehen, ist exakt das Gegenteil der Interpretation, die Erich von Däniken und seine Epigonen als Zweck der „Monstersarkophage“ postulieren.    
Nach Apis Ptol.13 wurden keine weiteren Stiere mehr im Serapeum bestattet. Zwar belegen die Zitate klassischer Autoren den Fortbestand des Apis-Kultes unter römischer Herrschaft bis zum Verbot durch den christlichen Kaiser Honorius I., doch der Ort der Bestattung jener späten Stiere ist unbekannt.

Sarkophag in Kammer V‘, Ptolemäerzeit (Foto: André Kramer)

5.4 Wo sind die Mumien?

Bei allen Sarkophagen waren die Deckel bei der Auffindung ein Stück zur Seite gerückt[55], nur bei einem mit bloßer Gewalt eingeschlagen. Auch sonst bot die Große Galerie bei der Auffindung ein Bild größter Unordnung, zahlreiche Stelen zu Boden geworfen oder zerschlagen.
Da an manchen Inschriften scheinbar bewusst der Apis-Name beschädigt wurde, scheint eine erste Zerstörung bereits zu einer Zeit stattgefunden haben, als man noch in der Lage war, die Hieroglyphen zu lesen. Dies geschah möglicherweise während der Christianisierung in der Spätantike, etwa im Umfeld der Schließung des Serapeums unter Honorius. Mariette vermutete eine weitere Verwüstung der Großen Galerie im Mittelalter, als der Kalif al-Ma’mūn (813–833) auch die Pyramiden von Gizeh öffnen ließ.[56] Sowohl Christen als auch Muslime kommen somit in Frage, die in religiöser Überzeugung die Spuren des heidnischen Kultes auszulöschen versuchten.    
Noch wahrscheinlicher als religiöse Eiferer dürften aber herkömmliche Grabräuber sein. Im Inneren ägyptischer Mumien befanden sich meist goldene Amulette, hinzu kamen oft goldene Verzierungen der Särge. Auch für den Apis erwähnt Amasis: „Sein Schmuck war aus Gold und allerlei herrlichen Edelsteinen, schöner als man es je gemacht hatte“. 
Bereits im alten Ägypten war Grabraub ein allgegenwärtiges Problem; so fanden im Neuen Reich bekanntermaßen Prozesse gegen Grabräuber statt. Aus der Zeit Ramses‘ IX. (späte 20. Dynastie, ca. 1129–1111 v. Chr.) sind mehrere Papyri erhalten, die uns anhand der Geständnisse über das Vorgehen der Grabräuber unterrichten:

„(3) […] We opened their outer coffins and their inner coffins in which they lay. We found this (4) noble mummy of this king equipped like a warrior (?). 6 A large number of sacred-eye amulets and ornaments of gold was at his neck, (5) and his headpiece of gold was on him. The noble mummy of this king was all covered with gold, and his inner coffins (6) were bedizened with gold and silver inside and outside with inlays of all kinds of precious stones. We appropriated the gold (7) which we found on this noble mummy of this god and on his eye amulets and his ornaments which were at his neck and on the inner coffins in which he lay. (8) [We] found the royal wife just (?) likewise and we appropriated all that we found on her too. We set fire to their inner (9) coffins. We stole their outfit which we found with them, consisting of objects of gold, silver, and bronze, and divided (10) them up among ourselves. We made this gold which we found on these two gods and on their mummies, their eye amulets and ornaments and their inner coffins into eight [parts].“[57]

„(4) […] We opened it, and we brought out his inner coffins, and we took his mummy, (5) and left it there in a corner in his tomb. We took his inner coffins to this boat, along with (6) the rest, to the Island (?) of Amenope. We set fire to them in the night. And we made away with the gold which we found (7) on them, and 4 kite of gold fell to the lot of each man: the five (sic) men, each one 4, total 1 deben and 6 kite of gold. We went once again (8) to the quarter of Nefer…. [life, prosperity] and health and entered a tomb. We opened it and brought out an inner coffin (9) from it, and up to its neck was covered with gold. We stripped it <with> a chisel (?) of copper. We took it (10) [and we] set fire to it there in the tomb. And we found a laver of bronze and two nw-vases of bronze.“[58]

In mehreren Fällen bezeugt ist die Methode, die Särge und Mumien anzuzünden. So ließen sich die goldenen Amulette und Intarsien ohne großen Aufwand herauslösen – zudem schützte man sich mit der Zerstörung der Mumie vor der befürchteten Rache des Verstorbenen. Die Verbrennung fand manchmal noch im Grab statt, im anderen Fall wurden die Särge zunächst an einen sicheren Ort gebracht.  
Auch die Apis-Mumien könnte man also mitsamt ihrer Innensärge im Sarg angezündet oder sie ganz oder in Stücken fortgebracht haben, um sie an einem anderen Ort ungestört zu durchwühlen oder zu verbrennen. Respekt vor dem göttlichen Stier spielte keine Rolle – selbst die Mumien von Königen fielen bekanntermaßen Grabräubern zum Opfer.       
Waren die Plünderer der Antike noch allein auf wertvolle Schätze aus gewesen, so hatte sich doch spätestens im frühen 18. Jahrhundert n. Chr. bereits ein reger Antiquitätenhandel entwickelt, der auch Stiermumien einschloss (siehe Abschnitt 9). Wann und wie oft die Beraubung der Großen Galerie stattfand, lässt sich kaum sagen – dafür kommt jeder Zeitpunkt zwischen der ägyptischen Spätzeit (v.a. in Zeiten politischer Instabilität) und dem 19. Jahrhundert in Frage.

6. Alternativtheorien im Faktencheck

Wie sind vor diesem Hintergrund also die Darstellungen und Thesen Erich von Dänikens zu bewerten? Unvollständig im besten Falle, klar falsch und entstellend im anderen:

  • Die Zitate bezüglich der „Pseudo-Mumien“ mit einer Füllung aus Bitumen und Knochensplittern sind korrekt; diese wurden tatsächlich so gefunden.
  • EvD behauptet mit Verweis auf Grab G, es seien nirgendwo erkennbare Reste eines Apis-Stieres, insbesondere kein Kopf, gefunden worden. Dabei verschweigt er Grab E, in dem in der Tat ein Apis-Kopf gefunden wurde.
  • EvD verbindet fälschlich die monumentalen Granitsarkophage der Großen Galerie mit den ungewöhnlichen Mumienfunden aus den Einzelgräbern und der Kleinen Galerie. Obwohl er in Die Augen der Sphinx noch zwischen den verschiedenen Bereichen differenziert, werden die beiden getrennten Fundkategorien explizit gleichgesetzt.[59] Die Sarkophage in der Kleinen Galerie hätten explizit „dieselben überdimensionalen Ausmaße“[60]. Spätere Publikationen nennen Kleine Galerie und Einzelgräber gar nicht mehr, hier findet sich die Bitumenmasse direkt in den zuerst entdeckten Granitsarkophagen.[61]Tatsächlich wissen wir aus dem Apis-Papyrus, dass die Stiere zur Zeit der Granitsarkophage eben nicht mehr auf jene geheimnisvolle Weise mumifiziert wurden, wie es offenbar zur Zeit des Neuen Reiches geschah.[62]

Es handelt sich also um eine klare Verfälschung der archäologischen Realität.    
Für Erich von Däniken „steht fest, daß die Monstersarkophage im Serapeum nie Stiermumien enthielten“[63] – mehr noch, die Sarkophage seien „Gefängnisse für die Ewigkeit“[64]. Diese Aussagen sind nur unter völliger Ignoranz aller archäologischen Funde möglich – ist doch das ganze Serapeum gefüllt mit Belegen für den Kult und die respektvolle Bestattung der Apis-Stiere:

  • Pausanias schreibt, der Apis werde im Serapeum bei Memphis bestattet.
  • In Grab E wurde der Kopf eines Stieres gefunden.
  • Über tausend Stelen aus allen Bereichen des Serapeums beziehen sich in ihren Inschriften auf den Apis, auf vielen ist er bildlich dargestellt. Zahlreiche zeugen von der Verehrung der verstorbenen Stiere, manche wie etwa IM 4131 beschreiben explizit die Mumifizierung, „um ihm Schutz zu verleihen“ (s.o.).
  • Amasis beschreibt in Stele und Sarkophaginschrift die Anfertigung des ersten Granitsarkophags, Kambyses in der Sarginschrift die eines weiteren. Die Stelen aus der Perserzeit thematisieren zudem den Ausbau der Großen Galerie und liefern somit eine Datierung für die Entstehung des Gebäudekomplexes in seiner erhaltenen Form. Insgesamt lässt sich die Zahl und Chronologie der in den Inschriften genannten Stiere hervorragend mit den Baubefunden im Serapeum in Einklang bringen.
  • Die Inschriften auf den Innensärgen in Grab E („Apis-Osiris, großer Gott, der in Amenti wohnt, der ewig lebende Herr“) und G („Das ist Osiris-Apis, der in Amenti wohnt, der große Gott, der ewige Herr, der Herrscher für immer.“) kennzeichnen den Inhalt explizit als Apis und widersprechen einer beabsichtigten Vernichtung des Toten diametral.
  • Auch vier der Granitsarkophage tragen Inschriften, die den Apis nennen, wobei jener aus der Ptolemäerzeit explizit den Wunsch nach ewiger Unvergänglichkeit für diesen ausdrückt.
  • Sämtliche Einzelgräber (A–H) enthalten Kanopen (Gefäße für die separate Beisetzung der Organe), die unberaubte Grabkammer G zudem weit über 200 Uschebtis (Miniaturfiguren, die dem Verstorbenen im Jenseits als Diener zur Verfügung stehen sollten). Sie entsprechen somit dem üblichen Grabritus der alten Ägypter, um einem Verstorbenen das sichere und würdige Weiterleben im Jenseits zu ermöglichen. Weitere Kanopen fanden sich auch in der Kleinen Galerie; mehrere von ihnen tragen Inschriften, die den Apis nennen.[65]
  • Mehrere Wandmalereien (in Grab G und neben Kammer M) zeigen die Verehrung eines Apis-Stieres.

Dass in allen drei Bereichen des Serapeums tatsächlich Apis-Stiere bestattet wurden, deren Weiterleben im Jenseits, nicht ihre endgültige Zerstörung, der Sinn und Zweck ihrer Bestattung war, steht angesichts dieser Befunde außer Zweifel. Wie viel deutlicher noch hätten die alten Ägypter dies betonen können, als buchstäblich auf die Sarkophage draufzuschreiben, dass sie Apis-Stiere darin bestatteten und diese für immer geschützt wissen wollten? Dänikens Thesen beruhen dagegen auf Falschdarstellungen und lassen sich angesichts der tatsächlichen Funde nicht länger aufrechterhalten.  

Korridor der Großen Galerie (Fotos: André Kramer)

Doch es ist nicht allzu überraschend, dass andere grenzwissenschaftliche Autoren auch auf all dies eine Antwort wissen, die nicht in der Anerkennung der „Lehrmeinung“ liegt. Der Einzige, der die obigen Belege berücksichtigt, ist Reinhard Habeck in seinem Buch Gräber, die es nicht geben dürfte (2019). Doch die Inschriften der Sarkophage, die von der Herstellung derselben berichten, werden bei ihm zur Grundlage einer ganz anderen Argumentation:

„Die Bearbeitung der „Monstersärge“ im Serapeum ist perfekt. Doch die eingeritzten Hieroglyphen und Linien sind stümperhaft. Wurden sie erst viel später hinzugefügt?“[66]

„Die ungleichmäßige, teils unterbrochene Linienführung widerspricht der perfekten Sargkonstruktion, die den Eindruck erweckt, als sei sie fehlerfrei mit Hightech-Steinfräsern und Winkelschleifern aus dem harten Fels herausgeschnitten worden. Zwischen beiden Leistungen liegen handwerkliche Welten! Es ist augenscheinlich, dass hier etwas nicht stimmen kann“[67]

„Doch woher will man wissen, dass die Apisschätze und Scherben nicht vielleicht nur Restbestände einer Nachnutzung gewesen sind? Macht es nicht stutzig, dass nirgendwo in Ägypten ähnlich gigantische Granitwannen hinterlassen worden sind, die man zweifelsfrei den Errungenschaften der Spätzeit zuordnen kann? Wäre es möglich, dass die Riesensärge aus viel älteren Epochen stammen?“[68]

Eine ähnlich gigantische „Granitwanne“ fand sich unter den Sarkophagen im Bucheum von Armant, das der Bestattung der heiligen Buchis-Stiere diente.[69] Einiges Medienecho erregte auch die Entdeckung eines riesigen Granitsarkophages von 30 Tonnen in Alexandria (eine hellenistische = spätzeitliche Gründung) im Jahr 2018, der die schlecht erhaltenen Überreste von drei Menschen enthielt.[70]         
Es sollte erstaunen, dass Habeck – im Geiste vieler Prä-Astronautik-Befürworter – nicht näher definierte „ältere Epochen“ (wann genau?) für einen naheliegenderen Entstehungskontext hält als eine gut fassbare historische Kultur, die allgemein für ihren Gigantismus hinsichtlich Bestattungen und Steinbearbeitung bekannt ist. Im Gegensatz zum Neuen Reich, das bereits mit bloßen Bronze- und Steinwerkzeugen Meisterwerke wie die Kolossalstatuen von Amenophis III. (Memnonskolosse) und Ramses II. (Ramesseum) sowie Obelisken von über 300 Tonnen Gewicht schuf, standen den Ägyptern der späteren Dynastien nunmehr auch Eisenwerkzeuge zur Verfügung. Auch in der Spätzeit entstanden zahlreiche berühmte Bauwerke wie die Tempel von Philae (ab Nektanebos I.) und Dendera (Ptolemäer) sowie die ebenfalls aus Rosengranit gefertigten Obelisken von Montecitorio (Psammetich I., 21,79 m lang) und Philae (Ptolemäer, jeweils 9 m) – allesamt aus gewaltigen Steinen gefertigt und mit makellosen Inschriften versehen. Das handwerkliche Können für die Monumente des Serapeums war in der ägyptischen Spätzeit zweifellos vorhanden. Der Großteil der Granitsarkophage (darunter auch der von Habeck abgebildete[71]) stammt der Lage im Serapeum nach aus der Ptolemäerzeit – dem Inbegriff des Hellenismus, als neben zahlreichen anderen Monumentalbauten auch Alexandria mit seinem Leuchtturm und der berühmten Bibliothek entstand. So man die Gravuren der Granitsarkophage tatsächlich als „stümperhaft“ bewerten will, was zu diskutieren wäre, dürften die Ursachen dafür doch nicht in der generellen Unfähigkeit der Menschen dieses Zeitalters, sondern vielmehr den individuellen (etwa finanziellen) Bedingungen gelegen haben.
Schlussendlich gilt jedoch wie immer, dass derjenige seine Behauptung belegen muss, der sie aufstellt – in diesem Falle, dass die Sarkophage deutlich älter seien, als ihr archäologischer Kontext und ihre eigenen Inschriften nahelegen. Dafür liegen keine Indizien vor.

Doch auch alle archäologischen Belege außenvorgelassen, selbst nähme man die Fehldarstellung Erich von Dänikens als gegeben hin: Die Monstergräber-These krankt nicht zuletzt auch an ihrer praktischen Plausibilität. Die Granitsarkophage der Großen Galerie wurden aus massivem Assuan-Granit gefertigt; sie wogen teils über 60 Tonnen und waren selbst für Stiere überdimensioniert. Der teuerste, am schwersten zu bearbeitende Stein Ägyptens, in zig Tonnen schweren Blöcken herangeschafft aus dem nicht weniger als tausend Kilometer entfernten Assuan und bis zur Perfektion bearbeitet – ein Projekt von schier irrsinnigem Gigantismus, wie auch die Prä-Astronautiker nur allzu gerne betonen. Sollte dieser Aufwand – nach Diodor der Wert von 100 Talenten, entsprechend der Ausstattung einer ganzen Streitmacht –nur der Vernichtung und sicheren Endlagerung unliebsamer Monster dienen? Diesem Zweck wäre mit grob bearbeiteten Sarkophagen genauso gedient gewesen. Mit weit geringeren Kosten hätte man ebenso große, gar größere Sarkophage aus dem in Unterägypten vorkommenden Kalk- oder Sandstein fertigen können, der sich leichter bearbeiten lässt. Auch die von Kohse herausgearbeiteten Praktiken der Wiedergänger-Prävention in ägyptischen Gräberfeldern sind meist von schlichter, pragmatischer Art. Noch günstiger und zudem effektiver: Anstatt die Kadaver aufwendig zu zerhacken und in teuren Sarkophagen einzulagern, hätte man sie schlichtweg verbrennen können. Diese Praxis war den alten Ägyptern durchaus geläufig: So berichtet etwa eine der Wundergeschichten des Papyrus Westcar davon, wie eine untreue Ehefrau zur Strafe verbrannt und ihre Asche im Nil verstreut wird[72] – dies bedeutete für die Ägypter die endgültige Vernichtung im Diesseits und Jenseits gleichermaßen.     
Der ungeheure Aufwand, der für die Bestattungen im Serapeum betrieben wurde, lässt sich hingegen nur auf eine Weise erklären: Der Apis galt als lebender Gott auf Erden, in seiner religiösen Bedeutung auf einer Stufe mit dem Pharao.[73] Das teuerste nur vorstellbare Begräbnis war für ihn gerade gut genug. In einer Kultur, die für ihre Herrscher Pyramiden errichtete und ihnen Grabschätze wie den des Tutanchamun mit auf den Weg ins Jenseits gab, sollte es kaum überraschen, dass für einen inkarnierten Gott kein geringerer Aufwand betrieben wurde. Nichts anderes beschreibt die zuvor zitierte Stele des Amasis. So ist das Unverständnis der Prä-Astronautik-Autoren für eine solch aufwendige Bestattung zuallererst ein Unverständnis der ägyptischen Kultur selbst: Die Steinsarkophage wurden nicht eingeführt, obwohl, sondern buchstäblich, weil ihre Herstellung irrsinnig aufwendig und teuer war.

Die Thesen der Grenzwissenschaftler sind unhaltbar – wir können anhand der Funde und Schriftzeugnisse sicher ausschließen, dass die Bestattungen im Serapeum in irgendeiner Form als feindseliger Akt gegen die bestatteten Wesen gedacht waren.    
Was aber ist stattdessen der Grund für die ungewöhnliche Bestattungsform in den Gräbern des Neuen Reiches, die dem typischen Grabritus der Ägypter so klar zu widersprechen scheint? Lässt sich anhand der überlieferten Quellen rekonstruieren, weshalb die Apis-Stiere der 18. und 19. Dynastie als Mischung von zerbrochenen Knochen und stinkender Bitumenmasse beigesetzt wurden?

7. Was geschah mit den Mumien?

Diese Frage ist weit weniger einfach zu beantworten als die nach den Apis-Stieren selbst, sodass man zwangsläufig das Gebiet der Spekulation betreten muss. Doch lässt sich das Problem anhand mehrerer Fakten systematisch eingrenzen:

1. Die genannte Bestattungsform findet sich bei Apis 18.5 (Einzelgrab E), Apis 19.2 und 19.3 (Einzelgrab G) sowie Apis 19.7 (die „Chaemwaset-Mumie“ in Grab K der Kleinen Galerie). Dabei handelt es sich um alle erhaltenen Mumien der Einzelgräber und der Kleinen Galerie, d.h. des Neuen Reiches. Man darf also mit einiger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass ursprünglich auch die anderen Stiere dieser Zeit in ähnlicher Weise beigesetzt wurden.

2. Die Gräber waren nachweislich ungestört. Sämtliche Goldschätze waren noch vorhanden, die Mumien nicht geöffnet, die Grabkammern teils hinter unberührten Wänden oder Schutt verborgen. Es handelte sich also nicht um sekundär zerstörte Mumien.

3. Der Apis-Papyrus, der (frühestens) zur Zeit Nektanebos‘ II. (359–341 v. Chr.) entstand[74], beschreibt ein anderes, konventionelles Mumifizierungsritual, bei dem der Apis offensichtlich im Stück mumifiziert (gereinigt, gesalbt und umwickelt) wurde. Zur Zeit der Bestattungen in den Granitsärgen der Großen Galerie, aus der keine Mumie überliefert ist, existierte der frühere Bestattungsbrauch also offenbar nicht mehr; stattdessen wurden die Stiere nach konventioneller Methode mumifiziert. Der nicht näher zeitlich einzugrenzende Wechsel der Mumifizierungsmethode könnte auch mit dem Wandel von kleineren, anthropomorphen Särgen zu riesigen Granitsarkophagen (in denen ein ganzer Stier Platz fand) in Zusammenhang zu bringen sein. Aus dem Bericht von Paul Lucas (s. Abschnitt 9) können wir jedoch schließen, dass bereits in der Kleinen Galerie Mumien in Stiergestalt vorhanden waren, also könnte der Wechsel auch früher stattgefunden haben.

4. Von anderen ägyptischen Tiermumien sind ebenfalls unkonventionelle Mumifizierungen bekannt: So fanden sich in vielen Tiermumien, insbesondere Vögeln, oft nur einzelne Knochen oder Federn, manchmal gar keine tierischen Bestandteile.[75] Diese Praktiken können jedoch nicht als sinnvoller Vergleich herangezogen werden, da es sich um kulturell klar getrennte Praktiken handelt: Bei den mumifizierten Vögeln handelt es sich um Votivmumien, die von einer Mumifizierungsindustrie in Massen als Weihegaben produziert wurden. Der Apis dagegen war ein heiliges Tier, das nicht für einen weitergehenden Zweck, sondern um seiner selbst Willen mumifiziert wurde.

5. Bitumen – also natürlicher Asphalt – fand in Ägypten häufig bei der Mumifizierung Anwendung, so auch etwa bei der „Münchener Ochsenmumie“.[76] Sein Vorhandensein muss also nicht überraschen. Die Anomalie liegt vielmehr darin, dass anstelle eines zusammenhängenden Körpers ungeordnete, zerbrochene Knochen zur Gestalt einer (menschlichen) Mumie geformt wurden. Die Annahme liegt nahe, dass Bitumen nur als Bindemittel zum Formen der Mumiengestalt verwendet wurde.

Die Schlussfolgerung: Bei der Bestattung von Apis-Stieren in Form einer Masse aus zerbrochenen Knochen und Bitumen, geformt als anthropomorphe Mumie, handelte es sich um ein gezieltes Bestattungsritual, das mindestens in der Zeit von Haremhab (um 1300) bis Ramses II. (1279–1213) praktiziert und irgendwann zwischen diesem und der Zeit Nektanebos‘ II. (359–341) aufgegeben wurde.      
Im Folgenden seien drei Hypothesen vorgestellt, die die rätselhaften Bestattungen allein oder gemeinsam erklären könnten:

I. Einen pragmatischer Erklärungsansatz thematisiert ausgerechnet der grenzwissenschaftliche Autor Reinhard Habeck, der ihn zwei befreundeten Fleischern verdankt: Die Kadaver größerer Tiere bilden bei höherer Temperatur einen Wärmestau, der das Fleisch bereits kurz nach dem Tod von innen her verderben lässt („Verhitzung“) – daher wurde auch hierzulande früher vor allem im Herbst oder Winter geschlachtet, Rinder in heutigen Schlachthöfen sofort gevierteilt. Im warmen Klima Ägyptens sei daher eine Mumifizierung vollständiger Stiere undenkbar, was eine vorherige Zerteilung des Körpers nötig macht.[77]         
Diese Erklärung scheint sich durch die Funde weiterer Mumien zu bestätigen: Auch andere Rindermumien enthielten häufig keine ganzen Körper, sondern bestanden aus den entfleischten und in Gestalt eines Rindes wieder eingewickelten Knochen. Hierbei fanden auch Pech und/oder Harz Verwendung, wie sie Mariette für die Apis-Bestattungen nennt.[78]Fraglich bliebe jedoch der Grund für die zerbrochenen Knochen im Serapeum, sofern Mariettes Beschreibung desbezüglich zuverlässig ist.          
Dem entgegen wurden die in Armant gefundenen Buchis-Stiere und ihre Mütter mit der sogenannten „Einlauf“-Methode mumifiziert, die auch Herodot beschreibt: Während man den Körper mit Natron austrocknete, wurde Zeder- oder Pinienöl in den Anus injiziert, wo es im Laufe einiger Tage die Eingeweide verflüssigte, die man anschließend ausleiten konnte.[79] Auch der Apis-Papyrus scheint von einem vollständigen Stier auszugehen, der wahrscheinlich auf ähnliche Weise behandelt wurde.         
Denkbar ist, dass die Technik der Großtier-Mumifizierung vom Neuen Reich bis zur Spätzeit weiterentwickelt wurde oder – vielleicht abhängig vom Zustand des Kadavers und den verfügbaren Ressourcen – parallel verschiedene Methoden Anwendung fanden, die die Verhitzung des Körpers verhindern sollten. Auch sonst waren im Alten Ägypten eine Vielzahl von Mumifizierungsmethoden mit unterschiedlichen Anwendungsfeldern nebeneinander im Gebrauch.[80]

II. In der Forschung hat indes eine andere Theorie eine gewisse Akzeptanz gefunden und wird von mehreren Autoren zitiert[81]: Dieser zufolge wurde in der früheren Zeit der Apis nach seinem Tod rituell verspeist – nur die unzusammenhängenden Überreste eines Festmahls also wurden mumifiziert und zu einer „Pseudo-Mumie“ geformt.       
Maßgebliches Indiz dieser Theorie ist ein Text, der unter dem Titel „Kannibalenhymne“ zu einer gewissen Berühmtheit gelangt ist. Erstmals findet sich dieser unter den Pyramidentexten des Pharaos Unas (Ende 5. Dynastie, ca. 2380–2350 v. Chr.; alternative Lesung Wanjash), dessen Pyramide knapp einen Kilometer vom Serapeum entfernt gelegen ist. Beschrieben wird darin, wie der König seine Metamorphose zum Gott vollendet, indem er Menschen und auch Götter in einem drastischen Festmahl verschlingt:

33 Wanjash ist einer, der Menschen frisst
34 und von den Göttern lebt,
[…]
47 Wanjash ist es, der ihre Zauberkraft frißt und ihre Geistesmacht verschlingt.
48 die Großen unter ihnen sind für sein Frühstück,
49 die Mittleren unter ihnen sind für sein Abendessen,
50 die Kleinen unter ihnen sind für sein Nachtmahl,
51 und die Greise und Greisinnen unter ihnen dienen ihm zur Feuerung.
[…]
72 Wanjash ist aufs neue erschienen im Himmel
73 und ist gekrönt zum Herrn des Horizonts.
74 Er hat die Kreuzwirbel zerbröselt,
75 hat den Göttern die Herzen herausgerissen,
76 hat das Rote gefressen,
77 hat das Rohe verschlungen.
78 Wanjash zehrt von den Lungen der Weisen und befriedigt sich damit,
79 von ihren Herzen und Zauberkräften zu leben.[82]

Es ist nicht unplausibel, dass mit dieser Schilderung auf reale Rituale im Königskult Bezug genommen wird. Könnte es sich bei jenen Göttern, die vom König rituell verzehrt werden, um den heiligen Apis-Stier gehandelt haben? Diese These stellten bereits Mond/Myers in ihrer Publikation zum Bucheum (dem Grabmal der heiligen Buchis-Stiere) auf:

„Apis was incarnate from a very early date, possibly predynastic, and was ceremonially eaten, probably by the king, at least until the Nineteenth Dynasty and probably till the Twenty-sixth. Ceremonial burial of Apis was not begun, upon any scale, till the Eighteenth Dynasty, and from that time became rapidly more and more like a human burial.“[83]

Dieser zeitliche Rahmen deckt sich mit den in anderen Quellen zu beobachtenden Entwicklungen im ägyptischen Tier- und insbesondere Apis-Kult: In der Frühzeit fungierte der Apis noch als Teil des Herrscherkultes[84], wobei „der selbstständige Apis-Kult dienend in das Königsritual eingebettet wurde“[85]. Für die Spätzeit jedoch beobachtet man einen massiven Bedeutungsgewinn des Apis selbst, der sich zunehmend aus dem Königsritual löste und selbst zum zentralen Objekt der Anbetung wurde.[86] Es ist diese Zeit, in der irgendwann auch die zerstückelten Bestattungen durch konventionelle Mumifizierung und monumentale Steinsarkophage ersetzt wurden.      
Demzufolge diente in den früheren Epochen die Verzehrung des Apis dem König zur Regeneration seiner göttlichen Macht. Die Reste des Festmahls (zerbrochene Knochen) wurden zunächst gar nicht oder an einem unbekannten Ort, ab der 18. Dynastie dann zu Mumien geformt in den Einzelgräbern und der Kleinen Galerie des Serapeums beigesetzt. Als aber im 1. Jt. v. Chr. der Apis aus dem Schatten des Pharaos heraustrat und sich zu einer souveränen eigenen Gottheit entwickelte, wurde das Ritual der Verspeisung eingestellt und der Apis fortan konventionell mumifiziert.     
Diese Theorie ist sowohl mit den archäologischen Funden als auch der kulturhistorischen Entwicklung gut vereinbar – belegen lässt sie sich bislang jedoch nicht.

III. Es existiert ein anderes bemerkenswertes Detail, das Raum für weitere Spekulationen eröffnen könnte: Die innersten Särge der drei Mumien aus der Zeit Ramses II. hatten eine anthropomorphe – menschliche – Form, der vermeintliche Kopf bedeckt mit einer menschlichen Goldmaske. Im Falle des Apis XIV war die Mumie von außen offenbar nicht von der eines Menschen zu unterscheiden, sodass sie aufgrund der Inschrift für den Körper des Prinzen Chaemwaset gehalten wurde. Unabhängig davon, ob der Körper des Apis konventionell mumifiziert oder zuvor zerstückelt wurde –weshalb hatte seine Mumie nicht die Gestalt eines Stieres? 
Aus den überlieferten Quellen – so auch den Inschriften der fraglichen Särge selbst – wissen wir, dass der Apis mit zwei anderen ägyptischen Göttern identifiziert wurde: „Während der lebende Apis der ba des Ptah war, wurde er nach seinem Tod identifiziert mit Osiris, um Osiris-Apis oder Osorapis zu werden.“[87] Die Götter Ptah und Osiris wurden von den Ägyptern beide in Menschengestalt (genauer: als Mumie) dargestellt. Könnte es sein, dass die Umformung des Apis in menschliche Form seine Wandlung zum anthropomorphen Gott Osiris verkörperte? Dienten die Entfleischung und das Zerbrechen der Knochen also dazu, die Mumie in eine anthropomorphe Form zu bekommen?         
Eine interessante Anekdote berichtet auch Diodor:

„Als Ursache für die Verehrung dieses Bullen führen einige an, nach dem Tode sei die Seele des Osiris in ihn übergegangen und wandere daher bis auf den heutigen Tag stets wieder in dessen Nachfolger hinüber, sobald dieser öffentlich gezeigt werde. Nach anderen sammelte Isis, als Osiris durch Typhon [=Seth] ermordet worden war, seine Glieder und legte sie in ein hölzernes Rind, das mit Byssos [Muschelseide] umhüllt war.“[88]

Auch Osiris wurde nach seinem Tod zerstückelt und wieder zusammengesetzt. War damit für die Metamorphose des Apis zu Osiris-Apis ebenfalls eine Zerstückelung des bovinen Leibes vonnöten, möglicherweise auch in einem zeremoniellen Ritual? Wie die vorige lässt sich auch diese Annahme aus der religiösen Vorstellungswelt der Ägypter herleiten – beweisen jedoch nicht.

Keine der drei Hypothesen lässt sich abschließend als alleinige Erklärung nachweisen, zumal sie einander nicht ausschließen und durchaus miteinander verbunden gewesen sein könnten. Die Apis-Bestattungen des Neuen Reiches sind damit keinesfalls unerklärlich, doch bis auf weiteres unerklärt. Auch weiterhin handelt es sich also um eines der großen Rätsel (fachsprachlich: Forschungsfragen) der Ägyptologie.

8. Weitere Mumien?

Als Auguste Mariette das Serapeum entdeckte, waren fast alle Gräber – darunter alle Steinsarkophage der Großen Galerie – längst beraubt. Mit Ausnahme der genannten vier Mumien, die eine Mischung aus disartikulierten Knochen und Bitumenmasse enthielten, fand er keine Apis-Mumien, und auch jene sind leider nicht erhalten. Doch existieren oder existierten womöglich weitere Mumien von Apis-Stieren, die nicht bei Mariette erwähnt werden?    
Im Besitz des Landwirtschaftsmuseums in Kairo befinden sich ein Rinderskelett und ein Schädel, die offenbar als die eines Apis-Stieres bezeichnet werden. Der Ursprung dieser Relikte scheint nicht bekannt zu sein. Reinhard Habeck versuchte, näheres über das Skelett in Erfahrung zu bringen – eine Herausforderung, da das Museum seit einigen Jahren geschlossen ist. In seinem Buch Gräber, die es nicht geben dürfte findet sich neben einer Fotografie des Skelettes auch die Übersetzung des englischen Begleittextes. Diesem zufolge handle es sich um „Das Skelett eines afrikanischen Bullen, der in Sakkara mumifiziert gefunden wurde“ – gefolgt von allgemeinen Informationen zum Apis-Stier.[89] Hieraus geht nicht einmal direkt hervor, ob es sich nach Aussage des Museums tatsächlich um einen Apis-Stier handeln soll. Da die von Mariette entdeckten Apis-Überreste nicht erhalten seien, bewerten auch Aidan Dodson und andere Forscher die Authentizität des besagten Skelettes als zweifelhaft.[90]       

Weitere Stiermumien umstrittener Provenienz erwähnte der Chefausgräber von Sakkara Dr. Holeil Ghaly im Gespräch mit Erich von Däniken, wiedergegeben in Kosmische Spuren:

„Im Münchner Museum liegt eine recht gut erhaltene Stiermumie, ebenfalls in den Naturhistorischen Museen von New York und Wien. Die Geschichte dieser Mumien ist obskur. Die Münchner Mumie wurde dem Museum bereits im Jahre 1870 von einem Doktor angeboten, der am ägyptischen Obergericht tätig war. Sie soll aus Sakkara stammen. Archäologisch ist aber kein derartiger Fund registriert. Die Mumien in New York und Wien sind nur teilweise erhalten. Sie stammen aus der Abbott-Kollektion aus dem letzten Jahrhundert. Herr Abbott war britischer Konsul in Kairo und behauptete, die Mumien seien bei Dahshur gefunden worden. Deshalb wissen wir nicht mit Sicherheit, ob in Sakkara je eine Stiermumie entdeckt worden ist.“[91]

Diese Angaben sind korrekt. Mit Ausnahme der Mumie(n) in Wien lassen sich alle genannten identifizieren:

Münchener Ochsenmumie vor Zerstörung und Auswicklung
(Staatliches Museum Ägyptischer Kunst: Die Geschichte der Münchener Ochsenmumie.)

Die sogenannte „Münchener Ochsenmumie“ wurde der Bayerischen Akademie der Wissenschaften 1846 von dem Arzt Dr. Seraph von Prunner-Bey geschenkt. Da sie angeblich aus Memphis stammen soll, wurde lange Sakkara als Ursprung der Mumie vermutet und sie daher als Apis-Stier oder Apis-Mutterkuh betitelt. Aufgrund vandalistischer Beschädigungen und fortschreitenden Verfalls durch Feuchtigkeit entschloss man sich in den 1980er Jahren dazu, die Mumie komplett auszuwickeln und zu untersuchen. Es stellte sich heraus, dass es sich keinesfalls um die Mumie eines vollständigen Stieres handelte. „In die Mumienbinden eingewickelt waren ausschließlich einzelne Knochen. Sie wiesen weder Überbleibsel von Fleisch oder Sehnen noch Schnittspuren auf. Demnach fand die Mumifizierung erst nach der vollständigen Verwesung des Tieres statt.“[92] Hinzu kam eine weitere Überraschung: „Anhand der spezifischen Ausformung des Beckens und der Hörner ist das Tier eindeutig als Ochse zu identifizieren.“[93] Die Zuordnung als Apis-Stier oder Mutterkuh scheidet damit aus. Das trotz Disartikulierung vollständige Skelett der Mumie befindet sich bis heute im Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst, wo es auch in der Ausstellung „Die Münchener Ochsenmumie: Voll entwickelt“ gezeigt wurde.

„Kleine“ Stiermumie (Small Bull Mummy/1, Nr. A413942-0, Bild ebd.)
„Große“ Stiermumie (Large Bull Mummy/1, Nr. A413941-0, Bild ebd.)

Zwei Stiermumien befinden sich im National Museum of Natural History in New York. Den Angaben des Museumskatalogs zufolge wurden beide in Daschur gefunden und gelangten in die Sammlung eines Dr. H. Abbott. Am 4. Juni 1956 wurden sie dem NMNH vom Brooklyn Museum geschenkt. Auch die „kleine“[94]und „große“[95] Stiermumie enthalten keine vollständigen Tiere, sondern nur disartikulierte Knochen, die in Leinen eingewickelt und zur Gestalt eines Stieres zusammengebunden waren. Beide stammen aus ptolemäischer bis römischer Zeit. Es handelt sich offensichtlich nicht um Apis-Stiere.

Turiner Stiermumie (Cat. 2343/02, Bild ebd.)

Eine verhältnismäßig gut erhaltene, wenngleich kleine Mumie (48 x 29 x 62,5 cm) befindet sich im Museo Egizio in Turin (Cat. 2343/02). Auch diese enthält nur Einzelteile eines Kalbes, die mit pflanzlichen Bestandteilen wieder zur Gestalt eines Rindes geformt wurden.[96] Anhand des Aussehens schiene die Mumie auf den ersten Blick klar als Apis zu deuten, doch wurde sie bereits 1824 – fast dreißig Jahre vor der Entdeckung des Serapeums durch Auguste Mariette – aus einer gewissen Drovetti-Sammlung erworben.

Kalbsmumie EA6773 im British Museum (Foto LI)

Zwei Kalbsmumien gleicher Erscheinung (EA6771 und EA6773) sind im British Museum in London ausgestellt. Erworben wurden beide 1821 von Henry Salt, gefunden angeblich in Theben. Ebenso wie die Turiner Mumie zeigen diese bemerkenswerte Ähnlichkeit zu dem Apis-Kopf aus Einzelgrab E, einschließlich des unverwechselbaren Dreiecksmusters auf der Stirn, das als charakteristisches Zeichen des Apis bekannt ist. Dies muss jedoch nicht zwangsläufig auf echte Apis-Stiere aus dem Serapeum hindeuten: So fand der Ägyptologe Walter Emery in den 30er Jahren auch im Umfeld des nahen Iseums (dem Grabmal der Apis-Mutterkühe) Überreste mehrerer Rindermumien, die „mit den typischen Apisstier-Merkmalen bemalt waren“[97]. Offensichtlich wurde das Erscheinungsbild anderer Rindermumien an das des Apis-Stieres angepasst.
Ebenfalls im British Museum befinden sich die schlecht erhaltenen Überreste von vier weiteren Stiermumien, von denen drei – EA47623 (ein fragmentarischer Schädel[98]), EA47622 (ein Kopf mit erhaltenen Mumienbinden[99]) und EA6772 (eine stark zerfallene Mumie von 70 cm Länge[100]) – als Reste von Apis-Stieren tituliert werden. Erworben wurden die beiden ersteren 1907 von Dr. David George Hogarth, gefunden angeblich in Assiut, die dritte sowie ein weiterer Schädel einer Stiermumie (EA6774[101]) stammen ebenfalls von Henry Salt (1821, Theben). Es bleibt unklar, weshalb die Mumien als Apis-Stiere gedeutet werden – die Fundorte sprechen jedenfalls gegen eine solche Deutung. Möglicherweise könnte auch hier eine Verpackung mit Apis-Merkmalen der Grund sein.

Kalbsmumie EA6771 im British Museum (Foto LI)

Keine dieser Mumien lässt sich auf die Ausgrabungen durch Auguste Mariette zurückführen, teils wurden sie bereits Jahrzehnte zuvor erworben. Bei jenen, die in ihrer Erscheinung den Apis-Stieren gleichen, ließe sich spekulieren, ob sie aus einer offiziell noch unentdeckten Gruft stammen könnten – konnten doch die Bestattungsplätze der Apis-Stiere bis Amenophis III. und ab der Römerzeit, obwohl sie existiert haben müssen, bislang nicht lokalisiert werden. Oder aber könnte es sein, dass diese oder andere Mumien aus dem Serapeum bereits vor der Ausgrabung 1851 auf den Antikenmarkt gelangten?

9. Eine Entdeckung vor der Entdeckung?

Auguste Mariette gilt in der Forschungsgeschichte allgemein als Entdecker des Serapeums – doch war er offenbar nicht der erste, der in der Neuzeit einen Fuß in das antike Grabmal setzte.        
Bereits über ein Jahrhundert zuvor besuchte der französische Kaufmann und Altertumskundler Paul Lucas (1664–1737) Ägypten. Die Erlebnisse seiner drei ausgedehnten Reisen veröffentlichte er später in ausgeschmückten Reiseberichten (1704, 1712, 1719). Auch Sakkara bereiste Lucas, wo er in unterirdische Gänge hinabstieg und erstaunliches entdeckte:

„All the galleries were cut in the rock, and there were a mixture of kinds of chambers, those filled with these pots, and the others with mummies, most of them reduced to dust. I noticed in many of the niches the heads of bulls, from which I deduced that this was the place where the god Apis was interred; I have no doubt that the bull-head that was given to me for M. de Valincourt by M. le Maire, Consul in Egypt, came from this place. It had been found by the Arabs of Sacara in a chamber cut in the rock and hermetically sealed, which by a singular chance was opened and an embalmed bull found.
I found something similar in the catacombs that I have described; this bull was buried in a large case, upon which the head was represented: this case was gilded and painted, and surrounded by a beautiful balustrade around five feet high, also gilded and painted in various colours. There was also found in the same area eight urns of white stone, upon the covers of which are represented the heads of young girls, and upon the sides many sorts of hieroglyphs.“[102]

Verwunderlich ist, dass der Bericht direkt an die Beschreibung von Gängen voller Vogelmumien (wahrscheinlich die Ibis-Katakomben) anschließt. Da diese nicht direkt mit dem Serapeum verbunden sind, scheint es auf den ersten Blick naheliegender, die beschriebene Rindergruft mit dem Iseum – dem nahegelegenen Grabmal der Mütter der Apis-Stiere – zu identifizieren.    
Lucas bedauert in seinem Bericht, die Schriftzeichen auf den Objekten nicht lesen zu können – erst ein Jahrhundert später (1822) sollte seinem Landsmann Jean-François Champollion die Entzifferung der Hieroglyphen gelingen. Doch veröffentlichte Lucas in seinem Bericht auch die Abzeichnungen mehrerer Kanopenkrüge, die er nahe der Stiermumie gefunden hatte. Auch wenn die Objekte selbst mittlerweile verloren sind, so lassen sich die hervorragend kopierten Inschriften heute lesen: Sie nennen eindeutig den Apis und entsprechen der Art der Kanopen, die den Apis-Stieren des Neuen Reiches beigegeben wurden. Da solche Kanopen nicht im Iseum vorkommen und eine Fälschung aufgrund der Unkenntnis der Hieroglyphen ausgeschlossen ist, kann es keinen Zweifel daran geben, dass Lucas in der Tat Teile des Serapeums betreten haben muss. Die scheinbare Nähe zu den Ibis-Katakomben dürfte daher zustande gekommen sein, dass Lucas‘ Berichte nicht von ihm selbst, sondern mehreren „Ghostwritern“ aufgezeichnet wurden, was offensichtlich in verschiedenen Kürzungen und Komprimierungen des Stoffes resultierte.[103]         
Die von Lucas dargestellten Kanopen gehören typologisch ins Neue Reich; sie passen zu zwei von Mariette entdeckten Kanopen aus der Zeit Ramses II. Bei der beschriebenen Mumie und den bereits zuvor beraubten dürfte es sich somit um Apis X–XII gehandelt haben, die in den Kammern I und 1 der Kleinen Galerie bestattet wurden. Mit der „großen Truhe, auf der der Kopf dargestellt ist“, dürfte ein anthropoider Sarkophag gemeint sein, wie Mariette ihn in Einzelgrab G (Apis VII und IX) sowie Grab K (Apis XIV) fand. Darum scheint sich ein prächtig bemalter Holzsarkophag oder Schrein befunden zu haben, wie es auch von Mariettes Funden bekannt ist.[104]
Der Reisebericht von Paul Lucas ist von großem Wert für die Frage nach dem Verbleib und ursprünglichen Fundkontext der Apis-Mumien im Serapeum: Noch Anfang des 18. Jahrhunderts waren im Serapeum offenbar mehrere Stiermumien vorhanden, die sukzessive von den Einheimischen geplündert wurden und teils bereits auf den Antikenmarkt gelangten. Möglicherweise könnten das Skelett im Kairoer Landwirtschaftsmuseum und andere dem Apis zugeschriebene Stiermumien auf die in dieser Zeit gehandelten Mumien aus dem Serapeum zurückgehen. Die Behauptung, im Serapeum seien nie Stiermumien gefunden worden, wird hiermit abermals widerlegt. So liefert der Bericht auch Beweis und Datierung für die Plünderung der Gräber in der Kleinen Galerie – bei der offiziellen „Entdeckung“ durch Mariette war schließlich nur noch jene Mumie vorhanden, deren Kammer durch den Einsturz des Deckengewölbes verschüttet und damit unzugänglich geblieben war. Bei der „hermetisch verschlossenen Kammer“, in der die einheimischen Araber eine weitere Mumie gefunden hatten, könnte es sich auch um eines der älteren Einzelgräber gehandelt haben. Ob auch die Große Galerie um 1700 entdeckt und beraubt wurde, oder ob dies zu einer anderen Zeit geschah, geht aus der Quelle leider nicht hervor.

10. Zusammenfassung

Das Serapeum von Sakkara bleibt einer der faszinierendsten Fundplätze des Alten Ägyptens. Von der 18. Dynastie bis zum Ende der ptolemäischen Zeit wurden hier die heiligen Apis-Stiere beigesetzt, die im Tempelbezirk von Memphis lebten. Die Entdeckung durch Auguste Mariette im Jahr 1851 gehört zu den großen Geschichten der frühen Ägyptologie – auch wenn der Bericht von Paul Lucas dokumentiert, dass das Serapeum offenbar schon Anfang des 18. Jahrhunderts entdeckt und geplündert wurde. Die über tausend Apis-Stelen aus dem Serapeum sind bis heute eine der wertvollsten Quellen für die Chronologie der ägyptischen Spätzeit.
Aus der frühen Periode, als die Stiere in Holzsarkophagen in Einzelgräbern und dann der Kleinen Galerie bestattet wurden, waren bei der Entdeckung noch vier Mumien erhalten. Diese bestanden aus disartikulierten Knochen und Bitumenmasse, lassen sich durch die Sargbeschriftungen aber eindeutig als Apis-Stiere identifizieren. In Falle des Apis 18.5/V in Grabkammer E wurde der Kopf eines Stieres gefunden. Dieser ungewöhnliche Bestattungsbrauch könnte ihren Sinn darin haben, den Verfall der für konventionelle Mumifizierung zu großen Körper zu verhindern – auch im Falle anderer Stiermumien wurden entfleischte Knochen in Stiergestalt eingewickelt. Möglicherweise geht die Behandlung auch auf eine rituelle Verspeisung der frühen Stiere im Königsritual zurück oder lässt sich mit der Identifikation des Apis mit Osiris verbinden.  
In späterer Zeit fand die Beisetzung in einem neuen Gewölbe, der Großen Galerie, statt. Ab dem Pharao Amasis wurden hier gewaltige, bis zu 60 Tonnen schwere Sarkophage aus Rosengranit verwendet. Obwohl all diese bei der Auffindung bereits beraubt waren, belegen Sarginschriften und zahlreiche Stelen doch die einstige Belegung durch weitere Apis-Stiere und Anfertigung der Sarkophage zu diesem Zweck. Keine Mumie hat sich aus dieser Epoche erhalten, doch beschreibt der Papyrus Apis einen Teil des in dieser Zeit üblichen Mumifizierungsrituals.            
Seit der Thematisierung durch Erich von Däniken in den Büchern Kosmische Spuren und Die Augen der Sphinx ist das Serapeum auch zu einem bekannten Motiv der Prä-Astronautik geworden, wobei sich die Darstellung der Funde und ihre Interpretation von Anfang an von den archäologischen Tatsachen lösten. So verband von Däniken die disartikulierten Bestattungen fälschlich mit den deutlich späteren Granitsarkophagen. Das Serapeum wird hierbei als postmortales Gefängnis zur „Endlagerung“ vorzeitlicher Ungeheuer (Mischwesen/Riesen) gedeutet, was in klarem Widerspruch zu allen vorliegenden Belegen (Apis-Schädel, Sarkophaginschriften, über tausend Stelen, Kanopen, Uschebtis, Zeugnisse klassischer Autoren) steht. Zwar konnten neuere Forschungen das Vorhandensein einer „Totenfurcht“ im Alten Ägypten belegen, doch wäre die hier postulierte Methode als absurd unfunktional zu bewerten. So stellt das Serapeum ein weiteres Beispiel für die mystifizierende Fehldeutung eines bereits bedeutsamen und faszinierenden archäologischen Fundplatzes durch pseudowissenschaftliche Ignoranz dar.

Anhang

Tabelle nach Dodson 2015, 90 (Tab. 1) und Text ebd.

ApisNr.[105]König / JahrGrabBefund / Funde
Amenophis III (18. Dyn.) – Ramses II (19. Dyn.)Einzelgräber
Apis 18.1IAmenophis IIIA4 Kanopen, magische Ziegel, Gefäße (u.a. mit Namen des Prinzen Djhutmose).
Apis 18.2IIAmenophis III/IVBKanopen.
Apis 18.3IIITutanchamunCKanopen, Teile des Holzsarkophags, Glasanhänger mit Königsnamen (Louvre N 2271)
Apis 18.4IVHaremhabDBlock mit KN; Westwand zeigt Stier mit Horussöhnen, 1 Kanope.
Apis 18.5VHaremhabEHinter Kammer D, unberaubt. Holzsarkophag in Steinsarkophag, darin Stierkopf auf Bitumenmasse mit zerbrochenen Knochen und Goldblechstücken. Kanopen, 12 Gefäße mit Asche und verbrannten Knochen.
Apis 19.1VISethos IF4 Kanopen, 14 Gefäße mit Asche & verbrannten Knochen, Relieffragment mit KN.
Apis 19.2VIIRamses II ‘16GUnberaubt. Bild an Südwand: Chaemwaset & Ramses II opfern Apis. 2 Ushebtis des Ch., 2 Tonschakale, 3 Uschebtis des Wesirs Paser, Amulette, Goldblätter. Im Boden 247 Uschebtis (teils mit Widmungen, teils stierköpfig). Apis 19.3/IX: Hölzerner Sarkophag, von Deckeneinsturz beschädigt, darin 2 weitere Sarkophage, darin anthropomorpher Sarkophag mit Goldmaske, gefüllt mit schwarzer Masse, Fragmenten von Rinderknochen (kein Schädel), 15 stierköpfige Uschebtis, Schmuck, Amulette. Daneben lebensgroße, vergoldete hölzerne Osiris-Figur.
Apis 19.2/VII: Holzsarkophag mit 4 Kanopen, Inhalt wie bei Apis 19.3/IX; als Beigaben nur goldener Naos und 6 Uschebtis.
Apis 19.3IXRamses II ‘30
   HIn Südseite des Eingangsschachts zu G, beraubt. Offenbar Kanopenraum von Apis 19.3/IX. 1 Gefäß. Am Eingang 13 Stelen – 3 nennen Tod des Apis im 30. und im 16. Jahr Ramses‘ II., 1 nennt Tod des Mnevis im 25. Jahr.
Ramses II (19. Dyn.) – Psammetich I (26. Dyn.)Kleine Galerie
Apis 19.4XRamses IIIApis-Mumie(n) offenbar noch von Lucas gesehen, Kanopen mit Inschriften dokumentiert – von Mariette leer aufgefunden
Apis 19.5XIRamses III
Apis 19.6XIIRamses II1 (?)
Apis 19.7XIVRamses II ‘55KVermeintliche „Mumie des Chaemwaset“. Holzsarkophag, Oberseite zerstört, darin wohlriechendes Harz und Knochen, die zur Gestalt einer menschlichen Mumie mit Goldmaske geformt waren. Sarginschrift erwähnt nur Chaemwaset, aber Uschebtis mit Apis-Inschrift in der Nähe. Wandtext erwähnt 55. Jahr (von Ramses II).
Apis 19.8XIIIRamses II ‘65K(wahrscheinlich) ein Gefäß
Apis 19.9 Siptah2?Existenz nur belegt durch Fayence-Vase des Siptah, gefunden in Grab M (eigentlich Apis 20.4/XVII)
Apis 20.1 Ramses III?3 / L?Existenz nicht belegt, nur durch Abstand zu Apis 20.2 und Grab plausibel.
Apis 20.2XVRamses III ‘26LQuelle für Todesjahr (bei Mariette) unbekannt, womöglich Grafitto oder nicht erhaltene Stele.
Apis 20.3XVIRamses VIL?Auf Gefäß erwähnt, aber Grab nicht identifiziert.
Apis 20.4XVIIRamses IXMUschebtis des Bakenptah (2. Prophet von Onnuris), Vase Ramses‘ IX, Fayence-Amulett. Bakenptah und König auch auf Wandmalerei zu sehen. Neben Kammer weitere Wandmalerei mit Hohepriester, der Apis verehrt.
Apis 20.5XVIIIRamses XIM 
Apis?XXIRamses XI?N 
Apis?XXIIRamses XI?N 
Apis?XXIIIRamses XI?N 
Apis?XXIV?OVon Mariette vermutet.
Apis?XXV?O
Apis?XXVI?O
Apis 22.x+1XXVIIITakelot I? ’14??Auf Block erwähnt.
Apis 22.x+2XXVIIOsorkon II ’233?Stele an Südende der Kleinen Galerie gefunden, Grab nicht identifiziert.
Apis 22.x+3 Šošenq III3? 
Apis 22.x+4XXIXŠošenq III ‘28P 
Apis 22.x+5XXXPimay ‘2P 
Apis 22.x+6XXXIIŠošenq V ‘11Q 
Apis 22.x+7XXXIIIŠošenq V ‘37R 
Apis 24.1XXXIV
= XXXV
Bakenrenef ‘6 / Shabaka ‘2SVon mehreren Stelen dokumentiert.
Apis 25.1 Shabaka ‘144?Stele.
Apis 25.2 Taharqa ‘4?5?Stele.
Apis 25.3XXXVITaharqa ‘24T 
Apis 26.1XXXVIIPsammetich I ’20/21TVerschluss der Grabkammer bei Entdeckung noch in situ, nur ein Stein für Zugang entfernt (trotzdem beraubt). In der Mitte Stele.
Psammetich I (26. Dyn.) – Ende PtolemäerGroße Galerie
Apis 26.2XXXVIIIPsammetich I ‘52UKeine „offizielle“ Stele, nur eine mit Beschreibung der Begräbnisarbeiten.
Apis 26.3XXXIXNecho II ‘16V 
Apis 26.4XLWahibre ‘12X 
Apis 26.5 Amasis ‘5WZuordnung unbelegt.
Apis 26.6XLIAmasis ‘23YErstmalig Steinsarkophag, mit Text und Gravur (hierzu auch Stele IM 4131, s.o.).
Apis 27.1XLIIKambyses ‘6ZSarkophag zwischen Eingang und Kammer U verblieben. Deckel mit Inschrift. Vielleicht Kammer A’ ursprünglich geplanter Zielort.
Apis 27.2XLIVDareios I ‘4B’Wegen blockiertem Korridor neuer Eingang angelegt (vgl. Stele IM 4039).
Apis 27.3XLVDareios I ‘31C’ 
Apis 27.4XLIIIDareios I ‘34A’ 
Apis 27.5(?) Xerxes I /
Artaxerxes I?
E’ 
Apis 27.? Dareios II ‘11F’ 
Apis 29.1 Nefarud I ‘2G’ 
Apis 29.2 Hagar ‘3H’ 
Apis 30.1 Nektanebos I. ‘3I’ 
Apis 30.2 Nektanebos II. ‘3J’ 
Apis 31.1XLVIChabbasch ‘2D’Sarkophag ungewöhnlich klein und mit Inschrift.
Apis Ptol.1 Ptolemaios I ‘6L’ 
Apis Ptol.2 Ptolemaios II ‘5M’ 
Apis Ptol.3 Ptolemaios II ‘29N’ 
Apis Ptol.4 Ptolemaios III ‘15O’ 
Apis Ptol.5 Ptolemaios IV ‘12P’ 
Apis Ptol.6 Ptolemaios V ‘19Q’ 
Apis Ptol.7LVPtolemaios VI ‘17R’Offizielle Stele vorhanden
Apis Ptol.8 Ptolemaios VIII ‘27S’ 
Apis Ptol.9LVIIPtolemaios VIII ‘52T’Offizielle Stele vorhanden
Apis Ptol.10 Ptolemaios IX ‘31U’ 
Apis Ptol.11 Ptolemaios XII ‘7V’Sarkophag mit Inschrift, Kartuschen nicht ausgefüllt.
Apis Ptol.12 Kleopatra VII ‘3W’ 
Apis Ptol.13 Augustus?K’Kammer schmaler, in ungewöhnlichem Winkel und ohne Sarkophag.

Auch in späteren Büchern thematisierte Erich von Däniken das Serapeum, so etwa in seinem Beitrag für die Anthologie Die andere Seite der Archäologie (2011). Eine nahezu identische Darstellung findet sich in einem Live-Vortrag von 2008[106] sowie der Video-Show im JungfrauParkInterlaken.     
Doch beschränkt sich die grenzwissenschaftliche Rezeption des Serapeums längst nicht mehr auf von Däniken selbst. Nachdem er es mit seinen Büchern im Kanon der Prä-Astronautik etabliert hatte, griffen auch mehrere andere Autoren das Thema auf, wobei sie sich oft auf eine bloße Paraphrase seiner Aussagen einschließlich Falschinformationen beschränkten:

  • Walter-Jörg Langbein thematisiert das Serapeum in seinem Buch Bevor die Sintflut kam (1996): Die Darstellung basiert auf Erich von Däniken, der explizit erwähnt wird, wobei hier statt Mischwesen Riesen als Belegschaft der Sarkophage suggeriert werden.[107]
    In seinem Beitrag zur Anthologie Kreaturen der Nacht (2006) dient das Serapeum als Einleitung für einen längeren Abschnitt über Untote und Artverwandtes, wobei an die Darstellung der Funde das bereits von EvD bekannte Eusebius-Zitat zu antiken Mischwesen anschließt.[108] Beide Bücher übernehmen die falsche Darstellung mit Bitumenmasse in monumentalen Steinsarkophagen.
  • Hartwig Hausdorf erwähnt das Serapeum in den Büchern Nicht von dieser Welt (12008) und Götterbotschaft in den Genen (2012). Die Darstellung einschließlich Eusebius-Zitat und den Stiermumien von Abusir entspricht der bei EvD, welcher in letzterem in einer Fußnote zitiert wird.[109] Auch hier Bitumenmasse in Steinsarkophagen.
  • Gregor Spörri stellt „Die Gruft der Riesen in Sakkara“ auf seinem Blog als ungelöstes Mysterium dar. Hierbei differenziert er zwischen tatsächlichen Apis-Bestattungen im Abschnitt der „kleinen Galerie“ und den Riesensärgen angeblich unbekannten Zweckes in der „großen Galerie“. In seinem Roman Lost God – Das jüngste Gericht stellt sich das Serapeum als Bestattungsplatz für die zerstörten Überreste außerirdischer Riesen wie den Riesenfinger von Bir Hooker heraus.[110]
  • Hermann Ilg und Helmut P. Schaffer thematisieren das Serapeum im Buch Die Bauten der Außerirdischen in Ägypten.
  • Ulrich Dopatka fasst das Thema in Die große Erich-von-Däniken-Enzyklopädie folgendermaßen zusammen: „Als gewaltige Steinsarkophage waren die àApis-Stiere vorgesehen, die man bei Sakkara im sogenannten àSerapeum findet. In ihnen befanden sich aber nur winzige Knochensplitter vermischt mit einer Bitumen-Masse. Wollte man so eine Wiedergeburt der Ungeheuer verhindern?“[111]
  • Auch Reinhard Habeck übernimmt die falsche Darstellung zunächst im Buch Ungelöste Rätsel (2015), korrigiert diese jedoch im späteren Werk Gräber, die es nicht geben dürfte (2019). Als einziges gesichtetes Buch stellt dieses die archäologischen Fakten korrekt dar. Habeck differenziert nun die unterschiedlichen Bereiche und Funde des Serapeums, kontextualisiert diese historisch und thematisiert dabei den Fehler anderer Autoren. Auch die Stelen und Inschriften werden erwähnt, doch für diese der Ursprung in einer Sekundärnutzung suggeriert.[112]
  • Eine gänzlich andere Hypothese wird dagegen in einem Artikel von Konstantin Borisov beim grenzwissenschaftlichen Internet-Portal Ancient Origins vertreten: Im Serapeum seien weder Stiere noch Monster begraben worden. Stattdessen hätten die Sarkophage eine fermentierende Mischung beinhaltet, deren entstehende Gase gegen den tonnenschweren Deckel drückten. Der Druck habe in den Quarzkristallen des Granits elektrische Spannung erzeugt, um die Luft über den Sakkara zu ionisieren und damit zum Leuchten zu bringen.[113]
  • Zu guter Letzt hat auch der rechtsextreme Verschwörungs-Blog Pravda-TV.com am 26.02.2020 einen Artikel zum Serapeum veröffentlicht. Dieser besteht zum Großteil aus einem ungekennzeichneten Plagiat meines eigenen früheren Serapeum-Artikels (bei Mysteria3000), bei dem natürlich der kritische Teil mit den Apis-Stelen weggelassen wurde. Da der Artikel somit selbst eine Chimäre aus däniken’scher Einleitung und inselmann’schem Plagiat ist, finden sich nacheinander sogar beide Darstellungen: Erst Bitumenbrei in Granitsarkophagen[114], dann meine korrekte Differenzierung[115]. Ist man als rechte Desinformationsfabrik zu faul, zu dumm oder einfach zu gleichgültig im Verbreiten von Falschinformationen, um beim Abschreiben wenigstens die offensichtlichsten Widersprüche zu glätten? Ein Kommentar zur Redlichkeit und intellektuellen Kapazität von Nazi-Schwurblern erübrigt sich.

IM 4113 – Stele des Chnum-ib-re(?)
Transkription und Übersetzung: Labudek 2010, 357.

(1) …….. jr ntꜤ nb jrt m wꜤbt……………………….(1) …….made all the rights that should be made in the wabet………………………..
(2) nṯr pn r pt isṯ tw{.j} ḥr nḏ rn{w} jwt nṯr ḥmw ntr n ptḥ r jr n.f ntꜤ(2) this god went to heaven. Then I was calling the names of the god’s fathers and prophets of Ptah to make for him all the rights
(3) nb nt wꜤbt tn nn ḥd.n.j ḥr nb ẖnw.j jqr…….mr(3) of this wabet. I did not upset anyone for my utterances were excellent…….
(4) nsw-bjty ẖnm-jb-rꜤ ḥp Ꜥn r nṯr{w} nb{w} jr m-ẖt kꜢt jj ẖrw nw jꜢb ḥꜤw nṯr(4) the King of Upper and Lower Egypt, Khnumibre, loves the living Apis more than all the other gods. Now, after the work came the day of the East? when the body (lit. limbs) of the god were
(5) smꜢ tꜢ rdj{t.j} n.f sꜢw.f ẖkrw.f m nbw ꜤꜢt [p] nb špswt ḥm.f wḏ.tw.f n rdj(5) united with the earth/land I adorned him with his amulets and his ornaments in gold and all precious stones. His Majesty commanded the causing of the
(6) mn rn.j m wḏꜢ nṯr pn n ꜤꜢ n mrw ḥm nb.j jw gr? wḏ n.(6) establishment of my name on this divine stela of one great in the love of the Majesty of my lord ? commanded of
(7) j ḥm.f ? …… ft jj.f m kmt r ? ? pr.f m jnb-ḏt?(7) me ? …… in front of/in accordance with his coming in Egypt? to ? his house/place in Memphis.

IM 133 – Stele des Nekau
Transkription und Übersetzung: Labudek 2010, 383 f.

[…] 
(9) wḥm-jb-rꜤ sꜢ rꜤ n ẖt.f mr.f nkꜢw Ꜥn ḏt ḥp Ꜥn ḥp wsjr mrj(9) Wehemibre son of Re, of his body, his beloved, Nekau, living eternally, Apis Osiris, beloved
(10) rꜤ smꜢ tꜢ n nṯr pn sṯꜢ nṯr pn m ḥtp r ẖrt-nṯr r djt ḥtp.f st.f ḥwt-nṯr.f ḥr smt jmntt(10) of Re. This god was united with the ground/buried and this god was dragged in peace to the necropolis to be placed in peace in his place in his temple in the Western desert of
(11) Ꜥn-tꜢwy m-t jr.n.f jrt nb m wꜤbt mj jrt ḏr-bꜢḥ ms.n.tw-(11) Memphis, after he had performed all that has been done since the earliest times in the place of embalment. He was born
(12) .f m ḥꜢt sp 53 Ꜣbd 2 prt sw 19 r ḥm n nsw-bjty wꜢḥjbrꜤ sꜢ rꜤ psmṯk mꜢꜤ rw(12) in year fifty-three, second month of winter, day nineteen under the Majesty of the King of Upper and Lower Egypt, Wahibre, son of Re, Psamthek, true of voice
(13) … ḥpt?.tw.f r pr ḥm ḥꜢt sp 54 Ꜣbd 3 Ꜣt sw 12 ḥtp m Ꜥn(13) .. he was embraced to the temple of Ptah in year fifty-three, third month of inundation, day twelve, at peace in life?
(14) ….. 14 Ꜣbd 2 Ꜣt sw 6 dmḏ ꜤḥꜤw.f m Ꜥn ḥꜢt sp 16 Ꜣbd ? sw 17 jr.n ḥm n(14) …….. second month of inundation, day six. The total of his period of life sixteen years, eight months, and seventeen days. Payments were made by the Majesty
(15) nsw-bjty nkꜢw an ḏt ḏbꜢ nb t nbt ? n nṯr pn ? …(15) of the King of Upper and Lower Egypt, Nekau, living eternally, for each and every splendid and glorious thing for this god ….
(16) qd.f n.f st.f m ẖrt-nṯr m jnr ḥd nfr n Ꜥnw m kꜢt mnt n pr ..(16) He built for him his place in the necropolis in fine white (lime)stone of Ainu in excellent workmanship, which had not existed…
(17) ḏr pꜢwt jr.f dj Ꜥn ḏd wꜢs snb Ꜣw[t]-jb nb mj rꜤ ḏt nḥḥ(17) since the primeval time. He makes and gives life, stability, dominion, health and all joy like Re forever and ever.

IM 4187 – Stele des Dareios
Transkription und Übersetzung: Labudek 2010, 399 f.

[…] 
(4) ḥꜢt sp 4 Ꜣbd 3 šmw sw 13 r ḥm n nsw bjty drjwš dj an mj rꜤ ḏt(4) Year 4, third month of summer, day thirteen under the Majesty of the King of Upper and Lower Egypt Darius, given life like Re eternally.
(5) sṯꜢ nṯr pn m ḥtp r jmntt nfrt r dj ḥtp.f st.f m ẖrt-nṯr m  (5) This god was dragged in peace to the Beautiful West, to be placed in his rest in his place in the necropolis in
(6) st jr.n.f ḥm.f n pꜢwty jrt mjtt ḏr-bꜢḥ m-t jr.n.f jrt nb  (6) the place which His Majesty made, never had the like been done before. After, he performed all that is done
(7) m wꜤbt js ḥm.f m sꜢ.f mj jr.t{w}.n ḥr n jt wsjr  (7) in the wabet, for His Majesty, in remembering what Horus had done for his father Osiris,
(8) jr.n.f ḏbꜢṯ ꜤꜢt m ꜤꜢt ḏrt … jrt .. t n …………  (8) who made for him a great sarcophagus with precious stones ? … ? ……….
(9) mnt rdj hꜢ?.n.f sꜢw ẖkrw nb.f m nbw(9) linen/ clothing causing his amulets to be placed there and all of his ornaments of gold
(10) ꜤꜢt nb nfr.sn r jrr m-bꜢḥ js mr ḥm.f ḥp Ꜥn(10) and all great things, they were more beautiful than what had be done before, for His Majesty loved the living Apis
[…] 

IM 4039 – Stele des Dareios
Transkription und Übersetzung: Labudek 2010, 402.

(1) ḥꜢt sp 34 Ꜣbd 2 prt sw 11 n nsw-bjty nb tꜢwy drjwš jr.n.f ḥsw n ḥp Ꜥn dj.f n.f Ꜥn wꜢs rw pn(1) Year thirty-four, second month of winter, day 11 of the King of Upper and Lower Egypt, lord of the Two Lands, Darius, praise to the living Apis, he gives life and dominion to him this day.
(2) sṯꜢ nṯr m ḥtp r jmntt nfrt jsk wḏ ḥm.f ws sṯꜢ?.f rdjt ḥtp ḏbꜢt jm.s wp …(2) The god was dragged in peace to the Beautiful West, indeed, His Majesty ordered the construction of his tomb? so that the sarcophagus could be placed (lit. rested) therein, open
(3) wꜢt r.s m šꜢꜤ r Ꜣ? wꜢt jrt n tp-Ꜥw ḥ? st m ḏbꜢ t nbt n nṯr ….(3) the road to him, in beginning to ?, the road which was made by the ancestors, ?, in providing everything for the god …
[…] 

Grab E: Apis 18.5 (Mariette 1857, 10 f):

„Apis IV. Il est évident que quand, au fond d’un caveau creusé tout entier à même du rocher, on rencontre un mur, ce mur ne peut être qu’une cloison élevée entre la chambre que l’on connaît déjà et une autre chambre contiguë.        
Mais, comme nous venons de voir que la chambre d’Horus avait été enduite de stuc, on conçoit que, tant que ce stuc restait intact, on ne pouvait savoir si les quatre parois étaient le rocher lui-même, ou bien si, en un point de l’une d’entre elles, les pierres d’un mur ne se cachaient pas derrière ce même stuc.           
Il était donc essentiel, pendant l’exploration de la chambre, d’en sonder attentivement toutes les parties, ce que n’avaient pas fait les premiers fouilleurs. Effectivement, après avoir successivement constaté la présence du roc aux côtés est, sud et ouest, je m’aperçus qu’au côté nord je n’avais plus, sous le stuc, le rocher naturel, mais bien une cloison construite en pierres du Mokattam.      
Une seconde chambre existait par conséquent à côté de celle d’Horus, et, après avoir fait desceller une des pierres de la porte d’entrée, je ne tardai pas moi-même à m’y introduire.
C’était un souterrain beaucoup plus petit que la chambre peinte que je venais de quitter. Au centre s’élevait une construction en pierres blanches, qui renfermait un cercueil rectangulaire, sans peinture, et orné sur chaque face de panneaux allongés au milieu desquels apparaissait plusieurs fois la légende :  
« Apis Osiris, dieu grand, qui réside dans l’Amenti, le seigneur vivant à toujours. »
Quatre grands canopes1 avaient été placés, par groupes de deux, à droite et à gauche construction. Le tout reposait sur une couche de sable pur.           
Cette fois je n’avais donc plus affaire aux chambres dévastées d’Aménophis, d’Amentouonkh et d‘Horus, et quoique tout l’ensemble que j’avais sous les yeux n’accusât pas un grand luxe funérailles, je ne devais cependant avoir aucun doute sur l’origine de la sépulture, qui était bien celle d’un Apis, dans l’état même où l’avaient laissée, trois mille six cents ans auparavan, les ouvriers chargés de l’arrangement matériel de cette tombe.       
Quand je levai le couvercle, je crus que la tombe était vide. Mais en prêtant un plus d’attention, je distinguai bientôt, au fond du cercueil, une tête de taureau, et sous tte tête une masse noirâtre qui lui servait de support.  
J’examinai d’abord la tête. Elle n’adhérait à rien et avait été posée sur la masse. La peau avait complètement disparu, et tous mes efforts pour retrouver les traces des bandelettes furent inutiles.        
J’examinai ensuite le support. Il était de forme ovale, assez régulier et mesurait un mètre environ de longueur, trente centimètres de largeur, et autant à peu près d’épaisseur. Quant à sa nature, je reconnus qu’il était formé d’un amas confus de bitume et de gros ossements de boeuf brisés, le tout amoncelé sans ordre sous une enveloppe de mousseline.     
Tel était l’Apis inviolé d’Horus. Pas une amulette, pas une statuette ne fut trouvée. La sépulture, comme je l’ai dit, était aussi pauvre que possible, et en même temps s’éloignait, de plus loin même que je ne l’aurais soupçonné, du mode d’ensevelissement si généralement adopté dans toute l’Egypte. Je n’en dirai pas plus ici. Le problème est maintenant, je l’espère, bien clairement posé. J’aurai occasion d’y revenir.La seconde chambre d’Horus est représentée au Louvre par les quatre canopes que j’y ai recueillis. Il paraît que l’Apis mourut subitement, car trois seulement d’entre ces canopes avaient leur couvercle2. Nous avons placé au musée du Louvre, sur le quatrième canope sans tête le couvercle unique trouvé dans la chambre peinte. On peut voir par là que les deux Apis de nos chambres contiguës sont tellement du même temps que les quatre têtes humaines, sorties toutes les quatre du ciseau du même artiste, ne se distinguent pas entre elles.       
Apis V . La chambre où a été déposé l’Apis nouveau en présence duquel nous nous trouvons est encore une de celles qui ont été taillées sur le modèle uniforme de la première série des hypogées du Sérapéum.         
Pendant qu’on y travaillait, j’y découvris trois stèles 3 qui, au premier abord, me semblèrent donner la date de la chambre et le nom du roi qui en avait ordonné le percement.         
Sur l’une de ces stèles4 était gravé un proccynème en tête duquel un roi, nommé par son cartouche5, est introduit par le dieu Horus en présence d’Osiris.“

Grab G: Apis 19.2 + 19.3 (Mariette 1857, 13–15):

« Mais la surveillance dont j’étais l’objet me fit remettre à la nuit l’ouverture de la porte. Le moment venu, je m’y rendis en effet, et ayant fait desceller une des pierres, je reconnus immédiatement, à l’odeur qui s’échappa du trou nouvellement ouvert, que la chambre n’avait nas été touchée. J’y descendis, et je constatai que je me trouvais dans un souterrain assez vaste, régulièrement taillé dans le roc. Devant moi se trouvait un grand sarcophage en bois, de forme rectangulaire, peint en noir, et accompagné de quatre très-grands canopes en albâtre oriental, tous les quatre à tête humaine. A ma droite s’élevait un sarcophage de même dimension, à côté duquel était, appliquée contre le mur, une statue en bois doré, de grandeur naturelle, représentant Osiris debout. Pas de canopes.          
« Des niches étaient ménagées dans les murs. Celle de la paroi Est contenait deux statues en grès de Scha-em-Djom, peintes en rouge et en bleu3; dans les deux niches de la paroi Sud étaient déposés deux chacals en terre crue accroupis sur un autel en forme de pylône, chacun de ces autels renfermant, dans des trous ménagés par-dessous, quatre figurines en porcelaine émaillée, écrites au nom du personnage que Champollion a nommé Poëris4. Quant aux niches des parois Ouest et Nord, j’y recueillis plusieurs tablettes en terre crue avec légendes gravées à la pointe5, un tat en porcelaine, et quelques paillettes d’or. Les murs étaient, du reste, eux-mêmes couverts de peintures très – effacées tracées sur le rocher. Celles de la paroi Sud étaient seules un peu visibles, et on y distinguait deux tableaux où le roi Ramsès II et son lils Scha-em-Djom sont deux fois représentés faisant des libations funèbres devant deux Apis, de forme humaine, montés, comme Osiris, sur la coudée de Phtah, et armés, comme le premier de ces dieux, du fouet et du crochet6.    
« Sur le sol étaient répandues une grande quantité de feuilles d’or, et je constatai que,dans des trous taillés dans le roc, existaient une centaine de statuettes funéraires en pierre dure, en pierre calcaire et en terre cuite émaillée7.           
« Du reste, la partie inférieure des deux sarcophages et le soubassement des murs dans tout le pourtour de la chambre étaient entièrement recouverts de feuilles d’or8.   
« Ayant ainsi constaté l’état général des lieux, je pris mes dispositions pour procéder à l’ouverture des deux sarcophages. Je choisis pour la première exploration le sarcophage situé à droite de la porte d’entrée9.  
« La chute d’une partie du plafond en avait défoncé le couvercle et abattu l’un des côtés. Je reconnus sur les trois côtés qui restaient des inscriptions en lettres blanches, au nom de Scha-em-Djom et d’Apis. Je lis déplacer le tout avec soin et je donnai l’ordre qu’on me portât le lendemain ces débris au jour, afin que j’en pusse copier les inscriptions.         
« Ce premier sarcophage enlevé, j’en reconnus un second, puis un troisième, ces deux derniers en bois uni et soigneusement ajusté, mais sans peinture et sans légendes. Quand la troisième de ces enveloppes successives eut été écartée, je vis paraître une grande boîte de momie, le visage doré, sans urceus, et ornée sur la poitrine d’une légende coupée à angle droit par quatre légendes plus petites. Ces quatre légendes ne contenaient que les noms des quatre génies de l’enfer égyptien. Quant à la plus longue, on y lisait : ce Voici Osiris Apis, celui qui réside dans l’Amenti, le dieu grand, le Seigneur éternel, le dominateur à toujours. »        
« J’acquis donc ainsi la certitude que j’avais devant moi une momie d’Apis, et en conséquence je redoublai d’attention. Je pris le couvercle de ce cercueil par les pieds, un autre le prit par la tête, et nous le soulevâmes. Mais, à mon grand étonnement, je reconnus que cette partie supérieure n’était qu’une moitié de cercueil, et que ce couvercle posait directement sur le sol. Seulement, comme le monument était considérable, on avait ménagé par-dessous et dans l’épaisseur du bois une cavité qui avait environ sept pouces de profondeur, un peu plus de quatre pieds de longueur et deux pieds environ de largeur; de telle sorte qu’en soulevant le couvercle je ne trouvai sur le rocher qu’un monceau tout noir, qui avait conservé la forme et les dimensions de la cavité dans laquelle il avait été logé.       
« Mon premier soin fut de chercher une tête de taureau; mais je n’en trouvai pas. Une matière bitumineuse, très-odorante et qui tombait en poussière sous la moindre pression de la main, enveloppait une quantité de petits ossements déjà brisées à l’époque de l’ensevelissement du taureau. Au milieu de ces ossements, répandus dans la masse sans ordre et au hasard, je recueillis : 1°quinze statuettes funéraires, à tête de boeuf, avec légendes au nom d’Apis mort1; 2° une dizaine d’objets en or gravés au nom de Scha-em-Djom et de divers autres personnages occupant de hautes fonctions à Memphis2; 3° plusieurs statuettes en stéachiste verdâtre représentant le prince lui-même3; 4° d’autres statuettes de même matière,représentant d’autres princes de la famille royale4; 5° enfin des amulettes en cornaline, en quartz rouge et en serpentine, finement gravées5. Dans la masse avaient été déposées une grande quantité de paillettes d’or.      
« Ayant ainsi reconnu la disposition du premier des deux sarcophages, je portai mon attention sur la statue en bois doré d’Osiris. Je reconnus qu’elle se composait de deux parties qui se rajustaient longitudinalement, et qu’entre elles deux une petite cavité intérieure contenait du baume enfermé dans une mousseline très-fine.       
« Je procédai ensuite à l’examen du second sarcophage6. Il était sans inscription, et les enveloppes extérieures se présentèrent dans les mêmes conditions que celles du premier monument. Le cercueil, en forme de momie, offrait les mêmes légendes, et quand je le soulevai,je reconnus qu’il posait à plat sur le rocher, et qu’ici encore le cercueil n’avait que son couvercle.
« Les mêmes observations se présentèrent quand je découvris la toile qui enveloppait la masse bitumineuse de l’intérieur. Pas de tête de boeuf, pas de gros ossements, au contraire, une profusion plus grande encore de petits os brisés. Mais au lieu des bijoux, des statuettes et des amulettes de l’autre sarcophage, je ne découvris qu’un naos7 en or, à émaux onnés1 et portant au-dessous de la frise le cartouche-prénom de Ramsès II; il était accompagné de six statuettes funéraires à tête de taureau2
« Ces opérations terminées, je fis ouvrir les canopes3 qui ne contenaient que de l’or nové dans du bitume, et comme la nuit avançait, je remis au lendemain à réunir et à cataloguer les nombreuses statuettes4 de toute matière dont le sol était jonché. »     
Tel est le procès-verbal, rédigé sur les lieux mêmes, de la découverte des tombes consacrées à la sépulture des deux Apis morts l’an 16 et l’an 26 du règne de Ramsès II. Les détails consignés dans ce procès-verbal, rapprochés de ceux auxquels a déjà donné lieu l’examen de la tombe inviolée du quatrième Apis de la XVIIIe dynastie, nous prouvent que, selon toute vraisemblance, Apis n’était pas embaumé selon le mode ordinaire, que ses ossements étaient brisés pour être divisés, et que sa tombe est plutôt un monument commémoratif du dieu ou une sorte de cénotaphe, qu’un lieu destiné à préserver son cadavre des atteintes du temps,ou de celles de la main des hommes.  
Apis IV. C’est l’Apis dont il a été question plus haut. Treize stèles5 ont été trouvées près de sa tombe. L’un de ces monuments6 mérite surtout l’attention à cause de la mention qui t est faite de la mort des trois Apis dont nous nous occupons. Ces trois Apis sont représentés au principal registre de la stèle. Le premier, comme je l’ai déjà dit, mourut l’an 16 du règne de Ramsès; le second, l’an 26, et le troisième, l’an 30 et le 21 d’épiphi. La formule est un peu différente de celles que nous rencontrons à d’autres époques. On lit :
« L’an du roi Ramsès, jour de la venue de la Sainteté d’Apis dans la contrée de Khébi pour s’établir dans l’adytum auprès d’Anubis, etc. »       
Sur une autre stèle7 de la même main que la précédente, commence en ces termes une invocation au dieu défunt : Action de faire le proscynème dans la chambre d’or (le tombeau).Que ta purification soit la purification d’Horus; que ta purification soit la purification de Séb ;que ta purification soit la purification de Thoth; que ta purification soit la purification de (effacé),o basilicogrammale… Piaï!    

Grab K: Apis 19.7 – Die „Chaemwaset-Mumie“ (Mariette 1857, 15 f)

Trois de ces Apis8 ont été ensevelis dans les chambres nos 2, 3 et 4 des Petits Souterrains. Les deux autres9 avaient été déposés dans un même caveau sur l’une des parois duquel était tracée la date de l’an 55 déjà mentionnée. L’un mourut alors que le prince Ménephtah, qui plus tard devait succéder à son père Ramsès II, avait remplacé Sha-em-Djom dans le gouvernement de Memphis10, et par la position de la momie, je ne pense pas que ce soit à cet ‘ nue se rapporte la date écrite sur le mur. L’autre est mort par conséquent en l’an 55, et cette remarque a de l’intérêt si, comme il pourrait se faire, la momie dont j’ai recueilli les débris au lieu d’être celle d’un Apis, était celle du prince Scha-em-Djom lui-même. Ce point nouveau mériterait de longues explications. Qu’on se figure une momie de forme humaine, détruite dans toute sa partie inférieure à partir de la poitrine. Un épais masque d’or, aujourd’hui au Louvre11, couvrait le visage. Au cou étaient passées deux chaînes également en or à l’une desquelles trois amulettes étaient suspendues12. Quant à l’intérieur, il ne présentait plus qu’une masse de bitume odorant, mêlée d’ossements sans forme au milieu desquels furent trouvés deux ou trois bijoux à cloisons d’or, emplies de plaquettes de verre1. Enfin, auprès de ce singulier monument, je ramassai un gros scarabée en stéaschiste grisâtre, une colonnette en feldspath vert et une vingtaine de statuettes funéraires de forme humaine2. Voilà notre Apis, et on aura la mesure de l’embarras dans lequel cette découverte doit nous mettre quand on saura que, tandis que tous les monuments trouvés sur la momie ne portent rien autre chose que le titre et le nom de Scha-em-Djom, tous ceux au contraire trouvés dans les environs mentionnent le nom et les qualifications habituelles d’Osorapis. Est-ce là un Apis? est-ce là la momie de Scha-em-Djom, qui, mort en l’an 55 du règne de son père, aura tenu à être enterré dans la plus belle des tombes qui ornaient le cimetière de la ville dont il était le gouverneur, à l’exemple des autres grands de l’Egypte qui se faisaient ensevelir à Abydos près de la tombe d’Osiris? J’hésite à prendre un parti, et je n’aborde pas même une discussion qui nous entraînerait bien loin des limites dans lesquelles nous sommes obligés de nous renfermer.“[116]

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Winter, E. 1978: Der Apiskult im Alten Ägypten, Mainz.

Siehe auch:
MMM 2: Rätselhafte Tiermumien
MMM 3: Die Mischwesen des Eusebius
MMM 4: Monster, Aliens, Sex und Nazis – Rassenlehre mit Erich von Däniken
MMM 5: Assyrische Menschentiere? Der Schwarze Obelisk und das Relief des Assurnaṣirpal
Nazi-Schwurbler zu blöd zum Abschreiben – Das Serapeum bei Pravda TV
Wiedergänger im Alten Ägypten


[1] Paus. 1:18,4: „Ofthe Egyptian sanctuaries of Serapis the most famous is at Alexandria, the oldest at Memphis. Into this neither stranger nor priest may enter, until they bury Apis.“

[2] Diod. 1:84. Ein Talent entsprach in der klassischen Antike etwa dem Gegenwert eines Schiffes.

[3] Deuel (Hg.) 1974, 30 (nach Mariette 1877, 93).

[4] Zurück zu den Sternen, 182.

[5] Kosmische Spuren, 25 f.

[6] Ebd.

[7] Die Augen der Sphinx, 15/18.

[8] Die Augen der Sphinx, 19–22.

[9] Zurück zu den Sternen (Kopp 2015), 181–183.

[10] Die Augen der Sphinx, 84–86.

[11] Die andere Seite der Archäologie, 211.

[12] Die Augen der Sphinx (1989), 60–90.

[13] Zur Wiedergängerprävention in Mitteleuropa und ihren archäologischen Zeugnissen siehe etwa Grenz 1967, Wehner/Grüneberg-Wehner 2014, Nösler 2014 sowie die populärwissenschaftliche Monographie von Franz/Nösler 2016.

[14] So etwa im Grab des Nenki in Sakkara: „[…] With regard to any noble, any official or any man who shall remove any stone or any brick from this tomb of mine, I shall be judged with him by the Great God. I shall seize his neck like a bird’s; I shall place fear (among) all the living upon earth on behalf of the akhs who are in the West and are far away from them. […]” (Üs: Strudwick 2005, 226; zitiert nach Kohse 2019, 236).

[15] Auch ich schrieb in einer früheren Version dieses Artikels, derartige Vorstellungen und Praktiken seien für das alte Ägypten nicht belegt.

[16] So etwa Assmann 2001, 17.

[17] Kohse 2019, 234.

[18] Kohse 2019, 6.

[19] Dodson 2015, 72.

[20] Marković 2015, 135.

[21] Winter 1978, 11.

[22] Ikram 2015, 7 f.

[23] Arr. 3,1.

[24] Ikram 2015, 8.

[25] Vgl. Plut. Quaes. Conv. 8.1.

[26] Winter 1978, 16–19.

[27] Winter 1978, 20.

[28] Diod. 1:84 f

[29] Ritner 2009, 186 f.

[30] Quack 2019, 418.

[31] Die Bezeichnung der Gräber folgt Dodson 2015 (erweitert nach Mariette).

[32] ab urbe condita = „nach der Gründung der Stadt Rom (753 v. Chr.)“

[33] Marković 2015, 137.

[34] Mariette 1882, 66.

[35] Mariette 1857, 10 f. Übersetzung: DeepL. Vgl. nahezu identische Beschreibung in Mariette 1882, 67.

[36] Mariette 1882, 61.

[37] Gomaa 1975, 898.

[38] Mariette 1857, 14 f. Übersetzung: DeepL.

[39] Dodson 2000, 64 f.

[40] Mariette 1857, 15.

[41] Mariette 1857, 15 f.Übersetzung: DeepL.

[42] Dodson 2015, 66, 103.

[43] Mariette 1882, 58.Übersetzung: DeepL.

[44] Leca 1982, 188.

[45] Mariette 1882, 54.

[46] Gunn 1926a, 93. Dort auch Originaltext in Hieroglyphen.

[47] Gunn 1926a, 94.

[48] Gunn 1926, 85 f.

[49] Dodson 2015, 84 f.

[50] Vgl. Plut., De Iside et Osiride 31.

[51] Dodson 2015, 87.

[52] Dodson 2015, 88. Vgl. Suet. Aug. 91 zum Besuch des Apis durch Augustus.

[53] Dodson 2015, 88 f.

[54] Gunn 1926, 88 f. Inschrift vgl. Pyramidentext 256 b, c.

[55] Mariette 1882, 47.

[56] Mariette 1857, 5 f.

[57] Papyrus Amherst, S. 2, 3–10 (Peet 1930, 48 f).

[58] Papyrus B.M. 10054, Recto S. 1, 4–10 (Peet 1930, 60 f).

[59] Die Augen der Sphinx, 25: „Die Stier-Sarkophage (ohne Deckel) sind aus einem einzigen Block aus Assuan-Granit hergestellt worden. Assuan liegt rund tausend Kilometer vom Serapäum entfernt. Schon alleine das Heraushämmern, Glätten und der Transport nur eines Sarkophages mit Deckel von immerhin neunzig bis hundert Tonnen Gewicht bedeutete eine fast übermenschliche Leistung. Die schwergewichtigen, starren Ungetüme mußten in die vorbereitete Gruft gezogen, geschoben, gerollt und in ihrer Nische verankert werden. Diese organisatorischen und technischen Großtaten belegen die ungeheure Wichtigkeit, welche die Ägypter dem Sarkophag-Inhalt zumaßen. Und dann – es ist nicht zu fassen – zerschlagen, zerhacken die Priester die kurz zuvor kunstvoll mumifizierten Stiere zu winzigen Knochensplitterchen, vermischen das Ganze mit zähem, klebrigem Bitumen (Asphalt), rühren einige Götterfigürchen und Amulette darunter und hieven die stinkige Masse in den exquisiten Sarkophag. Deckel drauf, fertig.“  
Kosmische Spuren, 25: „Ich wollte wissen, was nun wirklich in den Sarkophagen gelegen hatte. Stiere? Wer war der Entdecker dieser Katakombe? Wer hatte die 20-Tonnen-Deckel zum ersten Mal gehoben? Es war im Jahre 1850, als der französische Archäologe Auguste Mariette eher zufällig einen Eingang zum Serapeum fand. Aus den Werken der alten Historiker Herodot, Plinius und Strabon wußte Mariette, daß die Ägypter einen Kult um den heiligen Apis-Stier getrieben hatten. Jetzt stand er vor den gewaltigen Sarkophagen, es gab für ihn nicht die geringsten Zweifel, daß sie Stiermumien enthielten. Mit Hebeln und Winden wurde der erste Sarkophag mühsam geöffnet. Er enthielt – nichts. Verblüfft und enttäuscht wurden die Hebel an den zweiten Deckel gelegt. Mariette fand »… eine bitumöse Masse, die fürchterlich stank und beim geringsten Druck der Hände zu Staub zerfiel… keinen Stierschädel, keine großen Knochen, im Gegenteil, ein Durcheinander von kleinen Knochen splittern …« Nicht ein einziger Sarkophag enthielt eine Stiermumie! Einzig in einem schweren Holzsarkophag entdeckte Mariette die Mumie eines jungen Prinzen.“

[60] Die Augen der Sphinx, 15.

[61] Die andere Seite der Archäologie, 208 f: „Vor ihm [Auguste Mariette] zwei gewaltige Sarkophage. Mühsam wurden die 40 Tonschweren Sarkophagdeckel mit Stemmeisen und Seilwinden gehoben. Dazu Mariette:            
»Auf diese Weise hatte ich Gewissheit, dass vor mir eine Apis-Mumie liegen müsse[…] Meine erste Sorgfalt galt dem Kopf des Stieres, aber ich fand keinen. Im Sarkophag lag eine bitume, sehr stinkige Masse, die beim kleinsten Druck zerbröselte […], inmitten des Durcheinanders Knöchelchen und eher zufällig 15 Figürchen […].«
Dieselbe Feststellung machte Mariette beim Öffnen des zweiten Sarkophages: »Keine Stierschädel, keine größeren Knochen, im Gegenteil, eine noch größere Verschwendung von Knochensplittern.«

[62] Vgl. Quack 2019.

[63] Kosmische Spuren, 26.

[64] Die andere Seite der Archäologie, 211.

[65] Zu Kanopen aus dem Serapeum siehe vor allem Dodson 1999, zu früheren Funden aus der Kleinen Galerie Dodson 2000.

[66] Habeck 2019, Abb. 10 + Bildunterschrift.

[67] Habeck 2019, 87.

[68] Habeck 2019, 86.

[69] Mond/Myers 1934, 53.

[70] DerStandard 2018: Ägypten: Archäologen lüften Geheimnis um seit 2.000 Jahren versiegelten Sarkophag. 21.07.2018.

[71] Dodson 2015, 88 f (Datierung) / Gunn 1928, 87–89 (Identifkation des Sarkophages über die Inschrift).

[72] Papyrus Westcar, 4:9 f: „Then the majesty of the king of Upper and Lower Egypt Nebka, justified, had the wife of Ubainer taken away to a plot of land north of the residence and he burnt her, […] thrown in the river.“ (Üs. Nederhof 2008 nach Transkription Blackman 1988).

[73] Vgl. Ikram 2015, 5.

[74] Quack 2019, 418.

[75] Ikram 2015, 14.

[76] Ikram 2015a, 21, 24.

[77] Habeck 2019, 82 f.

[78] Ikram 2015a, 25; siehe auch die weiteren Beispiele in Abschnitt 8.

[79] Ikram 2015a, 23.

[80] Vgl. Ikram 2015a.

[81] u.a. Mond/Myers 1934, 7 / Ikram 2015a, 25 / Dodson 2015, 74.

[82] Kammerzell 2005, 107 f. Der Text ist weiterhin überliefert aus den Pyramidentexten von Unas‘ Nachfolger Taataj und vier Jahrhunderte später in der Grabkammer des Priesters Senwaślat-dánghew.

[83] Mond/Myers 1934, 7.

[84] Winter 1978, 5 / Marković 2015, 135.

[85] Winter 1978, 12.

[86] Winter 1978, 14: „Vor den Augen des Historikers löst sich der Apiskult immer mehr aus der Symbolik des Königsrituals und verselbstständigt sich. Durch diese Löslösung wurde auch das einzelne Tier vom Symbolträger zum Kultobjekt. Um es nochmals klarzustellen: Die großen Zeiten der altägyptischen Hochkultur verehrten im einzelnen Apis-Stier die ihm innewohnenden göttlichen Kräfte. Die Spätzeit dagegen identifizierte diese göttlichen Kräfte mit dem Stier und betete das einzelne Tier an.“

[87] Nicholson 2015, 46: „While the living Apis was the ba of Ptah, on his death he became identified with Osiris to become Osiris-Apis, or Osorapis.“ (Üs. LI)

[88] Diod. 1, 85, 4-5.

[89] Habeck 2019, 77 f.

[90] Dodson 2015, 103.

[91] Kosmische Spuren, 26.

[92] Staatliches Museum Ägyptischer Kunst: Die Geschichte der Münchener Ochsenmumie. Ebenso Schlüter 2020.

[93] Ebd.

[94] „Although at least nine layers of wrappings protect this bull, the x-ray below reveals only a jumble of bones inside.“

[95] „disarticulated bones wrapped with linen, cartonage around head“; „Hall 26 exhibit label notes that the bull mummy is shaped correctly but actually contains disarticulated bones filled out with cloth stuffing.“

[96] „Mummy of a bull containing only parts of the animal, with the missing parts replaced by vegetable matter“

[97] Lauer 1977, 223.

[98] „Upper section of the skull from a mummy of an Apis bull, only one horn remains, very incomplete“

[99] „Head of the mummy of an Apis bull, linen wrappings very worn, facial features originally painted, with further fragments of the linen wrappings stored separately.“

[100] „Mummy of an Apis bull consisting of the head and some of the principal bones, reinforced with a reed frame and covered with linen, the hindquarters are covered with light-brown linen, the forequarters and head are covered with red/brown linen, much of this material is now missing revealing the reed frame and packing beneath, the front of the body is covered with a panel of decorative bandages arranged in patterns of concentric squares, the horns are exposed and the eyes indicated with painted pupils surrounded by applied circles of different coloured linens.“

[101]„Skull from the mummy of a bull, lower jaw missing, damaged in places, traces of flesh remaining.“

[102] Übersetzung aus dem Französischen nach Dodson 2000, 50 f.

[103] Dodson 2000, 51 f.

[104] Dodson 2000, 53.

[105] Nach Mariette

[106] Däniken, E. von 2008: Erich von Däniken über das Serapeum von Sakkara. YouTube, 30.07.2008.

[107] Langbein 1996, 43–46.

[108] Langbein 2006, 147–151.

[109] Hausdorf 2012, 150–152 / Hausdorf 2011, 98–101.

[110] Spörri 2018,80–82, 206 f.

[111] Dopatka 1998, 236 f.

[112] Habeck 2015, 25 f / Habeck 2019, 86.

[113] Borisov 2018.

[114] Pravda: „Keiner der Riesensärge enthielt einen einbalsamierten Stier, sondern jeweils Tausende kleine, zersplitterte Knochen in einer stinkenden, teerartigen Masse.“

[115] Pravda (plagiiert nach L. Inselmann): „Die mysteriöse Bitumenmasse nämlich wurde nicht in den monumentalen Steinsarkophagen gefunden, sondern in den älteren Holzsärgen in einem anderen Abschnitt des Serapeums.“

[116] Mariette 1857, 15 f.

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