Aliens zwischen Bergen – Ein Tag im JungfrauPark Interlaken

Gelegen zwischen zwei Seen, schneebedeckte Berge zu allen Seiten, ist Interlaken der Inbegriff einer Schweizer Alpenidylle. Hier eröffnete im Jahr 2003 der Mystery Park, ein Freizeitpark rund um die grenzwissenschaftlichen Theorien Erich von Dänikens, denen zufolge die Erde in grauer Vorzeit von intelligenten Außerirdischen besucht wurde. Der im Nachbarort Beatenberg ansässige Bestsellerautor, der seit der Veröffentlichung seines ersten Werkes Erinnerungen an die Zukunft im Jahr 1968 über 70 Millionen Bücher verkaufte, hatte schon seit 1999 an der Entstehung mitgewirkt. Doch blieb der Triumph von kurzer Dauer: Bereits 2006 ging der Park in die Insolvenz – die anfänglich erwarteten 500 000 Besucher pro Jahr waren nicht ansatzweise erreicht worden. Nach einem Verkauf konnte der Park 2010 – nun unter dem Namen JungfrauPark nach dem gleichnamigen Berg in der Nähe – wiedereröffnet werden. Ein Vergnügungspark auf Basis der Prä-Astronautik: Ein ungewöhnliches Konzept, das auf jeden Fall Interesse weckt – doch kann dies funktionieren? Was sich dahinter verbirgt, haben wir vor Ort herausgefunden.

Wir besuchten den Park am Montag, den 22. Juli 2019. Auf die Ankunft am Bahnhof Interlaken Ost folgte zunächst ein gewisser Fußmarsch – der Shuttle-Service vom Bahnhof aus hatte sich als leicht zu übersehen herausgestellt.            
Vor dem Eingangsgebäude erstreckt sich ein langer Parkplatz, einst angelegt für den Ansturm tausender Besucher – leer. Ein einsames Lama präsentiert auf der Grünfläche zu unserer Rechten seine wollige Rückseite. Mehr werden wir von dieser faszinierenden Spezies, die Visionen der einschlägig bekannten Inkastädte Macchu Pichu und Cuzco heraufbeschwört, am heutigen Tag nicht zu Gesicht bekommen.          
Trotz anfänglicher Zweifel stellt sich nach Überwindung der Strecke heraus, dass der Park in der Tat wie vorgesehen geöffnet hat – ein nennenswerter Besucherandrang ist indes nicht festzustellen. Von drei Kassen ist nur eine besetzt; die Eingangshalle, in den unbenutzten Bereichen mangelhaft beleuchtet, wirkt irgendwie unfertig. Eine Seite des Raumes wird von ausgemustertem Bürobedarf in Form zahlreicher Schreibtische, Schränke und Ordner eingenommen, die sich käuflich erwerben lassen. Uns steht jedoch nach anderem der Sinn. Der Eintritt kostet 20 Franken für jeden der beiden Studenten – in der Tageskarte inbegriffen sind sämtliche Shows sowie je eine Fahrt mit den beiden Simulatoren, nicht jedoch der örtliche Segway-Parkour. Als wir nun endlich das Eingangsgebäude durchquert haben, finden wir uns in einem futuristischen Glasbaukomplex wieder. Ein Tag im JungfrauPark beginnt!

Überblick

Der JungfrauPark ist kreisförmig aufgebaut. Rund um den Mittelbau verläuft ein gläserner Gang, der zu den sieben darum gelegenen Themenpavillons führt. Ein jeder besitzt ein unverwechselbares Äußeres, das auf seinen Inhalt Bezug nimmt, besonders markant die an die Pyramiden von Gizeh und Chichen Itza angelehnten Pavillons „Orient“ und „Maya“. Der Mittelteil des Komplexes beherbergt neben zwei Restaurants (davon eines in der Kuppel, dieses jedoch nur am Wochenende geöffnet) und mehreren kleineren Attraktionen das für Kinder konzipierte Mysti Land, das auch einen Teil des Zwischenraumes zwischen Mittelteil und Rundgang einnimmt.

Der JungfrauPark ist kein herkömmlicher Freizeitpark – eine selbstbestimmte Bewegung zwischen den verschiedenen Attraktionen ist im Wesentlichen nicht vorgesehen. Den Kern des Programms bildet eine Reihe von „Multi-Media-Shows“, die zu festgelegten Tageszeiten in den Themenpavillons gezeigt werden. Eng getaktet bewegt man sich somit von einem Pavillon zum anderen; für die kleineren Nebenattraktionen bleibt Zeit am Nachmittag, wenn zwei der früheren Shows wiederholt werden. Es ist also ratsam, bereits zur Parkeröffnung um 11 Uhr vormittags vor Ort zu sein, um innerhalb eines Tages sämtliche Shows mitzubekommen. Eine einzige Parkmitarbeiterin führt die überschaubare Besuchergruppe jeweils von einem Pavillon zum nächsten, um sie dort einzulassen und die jeweilige Show zu starten. Bei dreien der Pavillons existiert ein sogenanntes „Vorprogramm“: Hier kann in der Viertel- bis halben Stunde vor der eigentlichen Show selbstbestimmt ein weiterer Raum erkundet werden, der anhand von Exponaten und Erläuterungen Hintergründe des Pavillonthemas beleuchtet. Dazu dient ein am Eingang ausgehändigter Audioguide, welcher sich aktiviert, sobald man dem fraglichen Objekt nahekommt – ein einfaches und gut funktionierendes System.

Rundgang durch die Themenpavillons

Megastones. Wir beginnen unseren Tageszyklus mit dem Pavillon der Megalithen. Im „Vorprogramm“ finden sich künstliche Reproduktionen verschiedener megalithischer Stätten der Welt, von denen jede – in der jeweiligen Däniken-Deutung – durch den Audioguide erläutert wird. Zu diesen gehören etwa die beeindruckenden Monumente von Tiahuanaco (Bolivien, ca. 500-900 n. Chr.), verkörpert durch eine lebensgroße Nachbildung des dortigen Sonnentores sowie – nicht ganz in Lebensgröße – der mächtigen H-Blöcke des dazugehörigen Puma-Punku-Komplexes (unten). Unglaublich, wie Menschen mit bloß steinzeitlichen Mitteln diese riesigen Steinmonumente errichtet haben sollen, die in ihrer Perfektion wirken wie mit modernen Maschinen aus dem Fels geschnitten! So zumindest die suggestive Erläuterung, die sich durch eigene Anschauung nur allzu gut nachvollziehen lässt. Bereits dies ist jedoch irreführend: Anhand von Bearbeitungsspuren, Funden von Steinwerkzeugen und experimenteller Nachprüfung konnte mittlerweile belegt werden, dass die Megalithen des Puma-Punku-Tempels in der Tat mit zeitgemäßen Steinwerkzeugen bearbeitet wurden.[1]

In einem Querschnitt wird weiterhin das (halbe) Ganggrab von Gavrinis in Frankreich präsentiert; der Guide macht auf die unzähligen in den Größenverhältnissen verborgenen kosmischen Maße aufmerksam. Witzig zu betrachten ist auch eine Vitrine, die in Miniatur einen der großen Monolithen von Baalbek (ein römischer Tempelkomplex im Libanon) zeigt, umringt von über zwanzig modernen Kränen, die gemeinsam nötig wären, um diesen zu bewegen – eine passende Darstellung des gewaltigen Gewichts des mit 1.650 Tonnen größten von Menschenhand geschaffenen (wenngleich nie bewegten) Monolithen der Welt. Ein abgedunkelter weiterer Raum erläutert anhand eines partiell beleuchteten Globus die Hypothese, sämtliche Megalithanlagen (zumindest Europas) seien auf einem Geflecht gemeinsamer Linien errichtet worden. Ein solches Linienmuster konnte der Stonehenge-Ausgräber Richard Atkinson im Übrigen auch – was im Park nicht erwähnt wird – für die Anordnung neuzeitlicher Telefonzellen feststellen, was den Schluss nahelegt, es hier mit einer zufälligen Korrelation zu tun zu haben.[2] Die Show des Megalith-Pavillons findet vor einem lebensgroßen Halbmodell der Steinkreise von Stonehenge statt, wozu allgemeine Informationen aus dem Off eingespielt werden. Durch eine aus Strahlen und Hologrammen bestehende Lasershow und den Einsatz von künstlichem Nebel ist dies tatsächlich die einzige wirkliche Multimedia-Show des Parks, während es sich bei allen anderen um bloße Filmvorführungen handelt.

Orient. Der Pavillon in der Form einer Pyramide ist ganz dem alten Ägypten gewidmet. Als Vorprogramm steigt man durch einen Nachbau der Großen Galerie in der Cheopspyramide hinauf in einen ägyptisch dekorierten Raum, der mit mehreren lebensgroßen Rekonstruktionen einschlägig bekannter ägyptischer Mysterien aufwartet:

  • Die Glühbirnen von Dendera. Reliefs aus dem Hathortempel von Dendera zeigen Kegel, die optisch deutlich an moderne Glühbirnen erinnern. Kritiker argumentieren gegen diese Deutung, dass sich die gesamte Komposition aus der bekannten religiösen ägyptischen Ikonographie heraus erklären lasse; zudem geben die beistehenden Inschriften keinen Hinweis auf eine technische Funktion.[3] Neben einer Kopie des originalen Reliefs ist eine moderne Rekonstruktion in einem Glaskasten zu bestaunen, angetrieben durch die sogenannte
  • Bagdad-Batterie. Im Irak wurden mehrere Tongefäße aus parthischer Zeit gefunden, die eine mit Bitumen befestigte Kupferrolle samt einem Eisennagel enthalten und somit möglicherweise in der Lage waren, mit Säure gefüllt eine geringe elektrische Spannung zu erzeugen. Diese Deutung als mutmaßliches Instrument zur Galvanisierung wird weithin rezipiert. Markus Pössel weist jedoch darauf hin, dass die erzeugte Spannung verschwindend gering sei (vergleichbar der eines Apfels, in den man zwei Drähte steckt) und aufgrund textlicher Belege ein vielmehr kultischer Zweck solcher Apparaturen nicht auszuschließen sei.[4]
  • Die Sabu-Scheibe. Ein aufwendig aus Stein gearbeitetes Rad, gefunden in der Nekropole von Sakkara, dessen tatsächlicher Zweck bis heute ungeklärt ist und zu verschiedenen gewagten Spekulationen geführt hat.
  • Die Kernbohrungen von Abusir. In den Ruinen der ägyptischen Stadt Abusir – wie auch an vielen anderen alten Gebäuden in Ägypten – finden sich präzise Bohrlöcher, die nach der Interpretation der Grenzwissenschaft nicht mit „primitiven“ altägyptischen Werkzeugen herzustellen seien. Rückstände von Kupfer und Quarzsand sowie experimentelle Überprüfungen konnten jedoch inzwischen belegen, dass diese durchaus durch einen kupfernen Hohlbohrer mit Quarzsand als Schleifmittel gebohrt werden konnten.[5] Im Park präsentiert durch eine Gegenüberstellung eines altägyptischen und eines modernen Kernbohrers.
  • Der Gantenbrink-Schacht (durch einen Film und Audioguide erläutert). Im Jahr 1993 ließ man einen der sogenannten Lüftungsschächte der Cheops-Pyramide durch einen von dem Ingenieur Rudolf Gantenbrink entwickelten Roboter untersuchen – jedoch ohne vermutete weitere Räume zu entdecken. Auch bei Durchbohrung der Wand am Ende des Schachtes stieß man dahinter nur auf einen weiteren Schachtabschnitt mit einer Steinwand. Was sich hinter jener befinden mag, reizt bis heute zu Spekulationen.

Die Show des Orient-Pavillons besteht aus zwei verschiedenen Dokumentarfilmen, die direkt an die Bücher Erich von Dänikens anknüpfen und diesen näherstehen als die meisten anderen, oberflächlicheren Shows. Bei den Hauptthemen handelt es sich um:

  • Die Cheops-Pyramide. Anschaulich und fachlich weitgehend korrekt stellt der Film die verschiedenen (wissenschaftlichen) Hypothesen zum Bau des riesigen Grabmonuments dar. Erich von Däniken zitiert den aus seinen Büchern wohlbekannten Bericht des arabischen Historikers al-Makrizi, dem zufolge die Pyramide vor der Sintflut von einem König namens Saurid (der dem biblischen Henoch entspricht) errichtet wurde zu dem Zweck, in ihrem Inneren das Wissen jener geheimnisvollen Vorzeit zu bewahren. Auch werden die zahlreichen geometrisch-astronomischen Werte erwähnt, die sich in den Maßen der Pyramide wiederfinden sollen – ganz ähnlich dem schon zuvor erwähnten Ganggrab von Gavrinis. Bei dieser sogenannten Pyramidiologie handelt es sich jedoch um eine zweifelhafte These, denn angesichts der großen Zahl möglicher Werte entstehen solche Korrelationen bereits zufällig mit statistischer Zwangsläufigkeit. So vermochte der niederländische Astronom Cornelis de Jager ebenso viele mystische Zahlenwerte in den Maßen seines Fahrrads zu ermitteln, wofür er den satirischen Begriff Velosofie prägte.[6]
    Auch das noch immer rätselhafte sogenannte Osiris-Grab nahe der Chephren-Pyramide wird anhand von Bildern vorgestellt, dies weitgehend korrekt.
  • Das Serapeum von Sakkara (Aushänge sowie die Website des Parks schreiben fälschlich Seraphäum). Der gewaltige unterirdische Komplex wurde vom Neuen Reich bis in die ptolemäische Zeit als Grabmal für die in Ägypten heiligen Apis-Stiere genutzt, wofür man gewaltige Steinsarkophage mit einem Gewicht von über 60 Tonnen verwendete. Erich von Däniken spekulierte bereits in Die Augen der Sphinx darüber, diese und auch andere irreguläre Tierbestattungen gingen auf genetisch erzeugte Mischwesen zurück, die die Ägypter durch Zerstückelung und monumentale Sarkophage an der Auferstehung hindern wollten. Tatsächlich fand man in älteren Holzsarkophagen des Serapeums eine Masse aus Bitumen sowie zerfallenen oder zerstoßenen Knochen, was als mutwillige Zerstörung der Körper anstelle einer Mumifizierung gedeutet wird. In späteren Publikationen – und so auch der Darstellung im JungfrauPark – verlegte er diese Funde kontrafaktisch in die (tatsächlich leeren) Steinsarkophage. Die These von Mischwesen und Totenfurcht ist durch die über 500 sogenannten Apis-Stelen im Serapeum widerlegbar, die explizit die Beisetzung hoch verehrter Apis-Stiere bezeugen.[7] Wie in mehreren früheren Publikationen zitiert von Däniken auch im Park-Video die angebliche Auflistung zahlreicher mythischer Mischwesen durch den ägyptischen Priester Manetho, die tatsächlich jedoch nicht von diesem stammt, sondern auf den Babylonier Berossos zurückgeht und Urwesen vor der Weltschöpfung beschreibt, die zu historischen Zeiten längst nicht mehr am Leben gewesen sein sollen.[8] Als weiteres Beispiel für vorzeitliche Mischwesen werden die Reliefs auf dem Schwarzen Obelisken Salmanassars III. gezeigt, die nach der eigenen assyrischen Inschrift jedoch Affen darstellen und keine Mischwesen.[9]

Vimana. Der Pavillon „Vimana“ führt uns ins alte Indien. Anders als die Filme des Orient-Pavillons legt dieser seinen Fokus nicht auf reale Fotografien vergleichbar den Büchern von Dänikens, sondern vielmehr auf aufwendige Animationen. Auch hier existiert ein Vorprogramm, welches jedoch im Wesentlichen aus Erläuterungen des Audioguides inmitten eines an indische Tempel angelehnten Raumes besteht. Indische Texte wie das Epos Mahabharata, so berichten Guide und Film, enthalten Beschreibungen rätselhafter Technologien: Vimanas, fliegende Wagen der Götter, anscheinend durch komplexe Technologie betrieben, und sogar die Schilderung einer kosmischen Waffe, deren Auswirkungen deutlich an eine moderne Atombombe erinnern. Was der Film indes verschweigt, ist die Tatsache, dass das in Mystery-Kreisen wohlbekannte Atombomben-Zitat aus mehreren aus dem Kontext gerissenen Sätzen zusammengesetzt wurde und in dem angeführten Sinne überhaupt nicht existiert.[10] Der Film illustriert die indischen Schlachtbeschreibungen durch Animationen futuristischer Weltraumschlachten, während weitere Erläuterungen etwas gezwungen wirkend von einer attraktiven Inderin namens Nandini[11] moderiert werden.

Maya. Der Maya-Pavillon ist in seinem Aussehen deutlich von der Pyramide des Kukulcan in Chichen Itza (Mexiko) inspiriert. Der Film bettet hierbei die Informationen in eine oberflächliche Rahmenhandlung ein: Ein alter Maya erzählt zwei Jungen in einem antiken Tempel von den Mythen seiner Ahnen, denen zufolge einst Besucher von den Sternen auf der Erde landeten und schließlich von den Menschen als Götter verehrt wurden. Hiermit wird bildhaft die Grundhypothese der Prä-Astronautik illustriert, wenn auch ohne wirklich konkrete Anknüpfungen an die altamerikanische Mythologie und ihre Quellen. Anders als die Ägypten-Dokumentationen bemüht sich diese Show um eine eher oberflächliche, kindgerechte Präsentation. Im weiteren Verlauf des Films tritt überraschend Erich von Däniken selbst auf und ergänzt die Maya-Darstellungen durch weitere Informationen. Die bemerkenswerten Lichtphänomene an der Kukulcan-Pyramide werden hierbei korrekt dargestellt. Einen armseligen Eindruck hingegen machen die Erläuterungen zum Maya-Kalender mit der geheimnisvollen Frage, was wohl bei dessen Auslaufen im Jahr 2012 passieren wird … So etwas nennt sich dann wahrscheinlich „Erinnerungen an die Zukunft“.

Nazca. Dieser Pavillon nimmt den Besucher mit zu einem Flug über die legendären Nazca-Linien in Peru. Zusätzlich zu der frontalen Leinwand ist auch tief unter dem Fußboden der Herabblick auf die rätselhaften Scharrbilder zu sehen, doch kommt dies aufgrund der Saalgröße und Sitzposition nur bedingt zur Geltung. Die aus dem Off eingestreuten Informationen treten gegenüber den bloßen Bildern in den Hintergrund, die einen runden Überblick über die weltbekannten Linien geben.

Jungfrau Aletsch. Der einzige Pavillon ohne Bezug zur Prä-Astronautik und den Thesen von Dänikens besteht in einem beeindruckenden 360°-Kino. Hier werden ganz im Sinne des Lokaltourismus Panoramabilder der Schweizer Alpen in der Umgebung gezeigt – wenn auch nicht in 360 Grad, sondern einer Wiederholung desselben Bildes auf mehreren Seiten des Saales. Erläuterungen fehlen; der Besucher bleibt alleine mit den je nach Geschmack mehr oder minder reizvollen Naturaufnahmen. Jeweils abends zeigt der Pavillon den längeren Naturfilm Magical Oberland.

Weitere Attraktionen

Das Zentralgebäude des Parks beinhaltet verschiedene kleinere Attraktionen. Zu sehen sind hier unter anderem Modelle der aus der Prä-Astronautik wohlbekannten Goldflieger aus Kolumbien. Diese im Original nur kleinen goldenen Schmuckstücke, hier in einer Größe von bis zu einem halben Meter nachgebildet, stellen geflügelte, aerodynamisch geformte Wesen dar – die von den Anhängern der Prä-Astronautik als Abbilder moderner Fluggeräte, von der konventionellen Wissenschaft hingegen als Insekten oder fliegende Fische gedeutet werden. Weitere Modelle illustrieren das Phänomen der Cargo-Kulte: Hierbei handelt es sich um Religionen, die vor allem in der Südsee während des Zweiten Weltkrieges von Ureinwohnern in Reaktion auf den Kontakt mit technologisch fortgeschrittenen Europäern begründet wurden – einschließlich dem Nachbau von Flugzeugen aus Holz und Stroh, wie auch im JungfrauPark eines in Rekonstruktion zu sehen ist. Diesem zur Seite steht die Nachbildung eines Kultanzuges der Kayapó im Amazonas-Gebiet (links), den von Däniken als dem Cargo-Kult vergleichbares Echo auf die Beobachtung Außerirdischer in Raumanzügen deutete.       
Zusätzlich zu den eigentlichen Shows (d. h. Filmen) in den Pavillons existieren im Zentralbereich zwei Simulatoren: Das U-Boot Nautilus nimmt den Besucher mit auf einen Tauchgang zu den versunkenen Ruinen vor Alexandria, dem als vorzeitliche Pyramide interpretierten Yonaguni-Monument vor der Küste Japans und schlussendlich sogar den Überresten von Atlantis auf dem Meeresgrund. Die Show ist hierbei trotz des speziellen Themas kindgerecht gestaltet, einschließlich Angriffen von Meerestieren auf das vermeintliche Tauchboot und einem unerwarteten Auftauchen im See bei Interlaken am Schluss. Die durch die kleinen Bullaugen des Bootes zu sehenden Animationen sind nicht schlecht gestaltet, wirken mittlerweile jedoch deutlich in die Jahre gekommen, da (wie auch die anderen Attraktionen) seit Eröffnung des Parks nie überarbeitet. Ein zweiter Simulator ist das Fun Shuttle, das – in einst solider, mittlerweile aber eher veralteter Qualität – zu Fahrt und Flug über die Oberfläche des Mars einlädt.          
Dann gibt es schließlich noch den Fahrstuhl zur Spitze der Cheops-Pyramide. Oder, anders ausgedrückt, einen kleinen, rüttelnden Raum, der sich nach einer Weile „Fahrzeit“ wieder öffnet und den Besucher auf einen schmalen Gehweg entlässt, vor dem ein mehr oder minder dreidimensional wirkendes Panoramabild der Umgebung der Pyramide an die Wand gemalt ist. Auch in vermeintlichen 140 Metern Höhe hält sich die Begeisterung jedoch in Grenzen.
Hinzu kommt ein Bereich mit Flipper- und Videospielautomaten, außerdem eine kleine Ausstellung von Holzschränken im Miniaturformat (?).

Leicht zu übersehen ist ein Raum gleich neben dem Eingangsbereich des Parks. Hier erhebt sich mit einer Größe von über sieben Metern über mehrere Stockwerke das Skelett eines Riesen, umringt von einer Reihe herabhängender Banner mit Informationen über weitere Phänomene der „alternativen Archäologie“. Es handelt sich um die Überreste der großen Ausstellung Unsolved Mysteries, die im Jahr 2004 (nach Aufenthalt in Wien) im damaligen Mystery Park zu sehen war. Für die Ausstellung trug der Initiator Klaus Dona eine große Zahl tatsächlich oder vermeintlich rätselhafter Fundstücke aus aller Welt im Original zusammen, darunter Objekte aus den Sammlungen des Pater Crespi (Ecuador) und Jamie Gutierrez (Kolumbien), der Acámbaro-Figurinen und Steine von Ica, außerdem mehrere mutmaßliche „Out-of-Place-Objekte“ des Creation Evidence Museums von Carl Baugh, die berühmte „Embryonale Scheibe“, den Runenstein von Kensington und zahlreiche mehr[12]. Seit nach dem Ende der Ausstellung die Exponate zu ihren Besitzern zurückkehrten, erinnern nunmehr noch Fotos und kurze Infotexte im einstigen Ausstellungsraum an einige von ihnen. An dieser Stelle erweckt der Park – abgesehen vom Orient-Pavillon – noch am ehesten den Eindruck einer Ausstellung zur Grenzwissenschaft, in der tatsächlich die (bisweilen zweifelhaften) Informationen der einschlägigen Theorien vermittelt werden. Das Riesenskelett stellt im Übrigen eine Rekonstruktion auf Basis mehrerer in Ecuador gefundener Knochen dar, bei denen es sich Dona zufolge um die Überreste riesenhafter Humanoiden handeln soll.[13]

Fazit

Die menschliche Vergangenheit bietet genug reale Rätsel, Kuriosa und ungelöste Fragen, um mehrere Themenparks damit zu füllen. Leider aber schlägt der JungfrauPark dabei ganz in die Richtung der leider so weit verbreiteten Pseudowissenschaft: Wie auch allzu oft in den zugrundeliegenden Publikationen sind manche Informationen falsch (Funde im Serapeum, Mischwesen des Eusebius), andere in höchstem Maße sinnentstellend aus dem Zusammenhang gerissen (indische Atombomben, Schwarzer Obelisk), während gleichsam entgegenstehende Erkenntnisse rundum verschwiegen (Bau von Puma Punku, ägyptische Kernbohrungen) und anderswo aus eher zufälligen Korrelationen Mysterien konstruiert werden (Ganggrab von Gavrinis, Megalithlinien, Pyramiden von Gizeh). Zu Recht rätselhafte Fälle (z.B. die Sabu-Scheibe) lassen sich so leider kaum von den fälschlichen Mysterien trennen. Ein Freizeitpark mag keinen wissenschaftlichen Anspruch haben, eine solche offensive Desinformation breiter Bevölkerungsschichten einschließlich Kindern dürfte jedoch schwerlich zu befürworten sein. Mag der inhaltliche Zugang auch bedenklich sein, so bleiben doch zumindest ideologisches und wirklich verschwörungstheoretisches Gedankengut außen vor. Große Sorgen muss uns der Park schließlich eher nicht bereiten – zu einem gefährlichen Massenmedium fehlt ihm schlichtweg der Erfolg.

Bei unserem Besuch wirkte der JungfrauPark reichlich verlassen. Aufgrund der verbindlichen Rundtour durch die einzelnen Pavillons lässt sich die Zahl der Besucher relativ gut abschätzen – an jenem sonnigen Montag, den 22. Juli 2019 dürfte es sich um nicht mehr als dreißig gehandelt haben, wohlwollend geschätzt. Dass dieser Andrang mehr Regel- als Ausnahmefall darstellt, verrät der Park durch mehr als nur die ausgestorben daliegenden Glaskorridore und das von keinem Kinderlachen durchbrochene Schweigen im Mysti Land: Da wären auch das Restaurant hoch oben in der Kuppel, das nur am Wochenende geöffnet hat, die unbesetzte zweite und dritte Kasse im Eingangsbereich und schließlich die zum Verkauf angebotenen Büroartikel gleich neben der verbliebenen, Zeugen einer schon vor langer Zeit abgewanderten Verwaltung.           
Bereits 2006 meldete der Park Insolvenz an, um schließlich von einem neuen Besitzer wiedereröffnet zu werden. Investitionen freilich scheint es schon seit langem nicht mehr gegeben zu haben – davon zeugen die deutlich in die Jahre gekommenen Attraktionen bis hin zu einem noch immer nicht entfernten Plakat, das suggestiv nach den zu erwartenden Ereignissen des Jahres 2012 fragt. Es scheint, dass der Park sich mittlerweile selbst genug ist – satte Eintrittspreise trotz geringer Besucherzahlen scheinen auszureichen, um den Dienst einer Handvoll Angestellter in den Ruinen vergangener Ambitionen zu refinanzieren. Eine weitere Einnahmequelle erwächst aus den Schließfächern, die für jedes Einschließen etwaigen Gepäcks ein weiteres Mal einen unwiederbringlichen Franken verlangen.     
Was ist der Grund, mag man sich fragen, für den bis heute ausbleibenden Erfolg des einst so groß geplanten Mystery Parks? Über etwaige Standortnachteile lässt sich streiten – ebenso über den eng getakteten Zeitplan der Shows, der für einen selbstständigen Rundgang nur wenige klar vorbestimmte Stunden lässt. Doch dürfte das größte Problem sein, dass der Park sein eigenes Zielpublikum nicht kennt. Mit von Dänikens Theorien zu Prä-Astronautik wird man schwerlich große Massen anlocken können – doch selbst den wenigen Interessierten wird man hier nicht unbedingt gerecht: Nur ein Teil der Attraktionen reproduziert den aus Däniken-Büchern bekannten Detailreichtum, die übrigen wirken deutlich oberflächlicher. Auch bei ersteren gibt es gegenüber den Buchpublikationen nichts wirklich Neues zu entdecken, die Qualität der Filme („Shows“) geht nicht über durchschnittliche Folgen von Ancient Aliens hinaus. Es fehlen alternative Konzepte zur Präsentation, wie sie nur solch ein Park bieten könnte – leider sind die originalgetreuen Rekonstruktionen von eher geringer Zahl, interaktive Ansätze finden sich nicht. Obwohl überwiegend recht nett und unterhaltsam, wirken die Darbietungen angesichts des aufwendig errichteten Parks doch relativ unspektakulär.     
Mehr an ein kindliches Publikum adressiert sind die Simulatoren und der Pyramiden-Fahrstuhl, während sich das bunte Mysti Land an noch kleinere Kinder richtet. Jungfrau Aletsch und Magical Oberland wiederum versuchen an die Schweizer Heimatromantik anzuknüpfen, vielleicht um damit auch landschaftsinteressierte Lokaltouristen anzulocken. Mit seinem breit gefächerten Programm visiert der JungfrauPark also vom Däniken-Leser bis zur Touristenfamilie mit Kindern ganz verschiedene Zielgruppen an – doch gibt das Programm es für keine von diesen her, einen ganzen Tag mit erstklassiger Unterhaltung auszufüllen. Auch die zu Recht umstrittene Seriosität der präsentierten Theorien außer Acht gelassen, ist der ausbleibende Erfolg des JungfrauParks am Ende nicht allzu verwunderlich – die aus diesem Misserfolg resultierend recht trostlose Atmosphäre tut ihr Übriges. Dabei hätte die ursprüngliche Idee eines Freizeitparks über die ungelösten Rätsel der Vergangenheit viel Potenzial geboten. 

Büroutensilien in der Eingangshalle – zu verkaufen

[1] Dazu Jean-Pierre Protzen / Stella Nair, The Stones of Tiahuanaco. A Study of Architecture and Construction. The Cotsen Institute of Archaeology Press, Los Angeles 2013.

[2] Clive Ruggles, Ancient Astronomy. An Encyclopedia of Cosmologies and Myth. ABC-CLIO, Santa Barbara 2005, 225.

[3] Dazu Markus Pössel, Phantastische Wissenschaft. Über Erich von Däniken und Johannes von Buttlar. Rohwolt, Reinbek 2000, 25-50.

[4] Ebd., 17, 20 f.

[5] Dazu der umfangreiche Artikel von Rainer Lorenz unter https://mysteria3000.de/magazin/kernbohrungen-im-alten-agypten/ sowie Wunderkammer-Artikel Kernbohrungen im alten Ägypten.

[6] Dazu Gero von Randow (Hg.), Mein paranormales Fahrrad. Rowohlt, Reinbek 1998.

[7] Dazu Wunderkammer-Artikel Serapeum von Sakkara (in Vorbereitung).

[8] Dazu Wunderkammer-Artikel Mischwesen bei Eusebius (in Vorbereitung).

[9] Dazu Wunderkammer-Artikel Schwarzer Obelisk (in Vorbereitung).

[10] Dazu https://mysteria3000.de/magazin/die-atombomben-des-mahabharata/ sowie Jason Colavito: Ancient Atom Bombs.

[11] Der Weg zum Mystery Park. Schlaefli & Maurer AG, Interlaken 2003, 75.

[12] Dazu Ausstellungskatalog Unsolved Mysteries. Die Welt des Unerklärlichen. Druckerei Eugen Ketterl Ges.m.b.H., Mauerbach/Wien 2001.

[13] https://www.youtube.com/watch?v=OhzcRKB_oxA, ab 13:16.

Bilder: Leif Inselmann

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