Fossiler Menschenfinger aus der Kreidezeit

In den 1980er Jahren erwarb Carl Baugh, Betreiber des Creation Evidence Museums in Glen Rose, Texas, ein Objekt, das er seitdem als einen versteinerten menschlichen Finger präsentiert. Dieser war nach Baughs Aussage von einem örtlichen Landbesitzer in einem Haufen losem Kies nahe der kreidezeitlichen Commanche Peak Formation gefunden worden. Da ein menschlicher Finger aus der Kreidezeit dem bekannten Ablauf der Erdgeschichte widerspricht, wird das Objekt von Baugh und anderen Kreationisten bis heute als vermeintliches Beweismittel gegen die Evolution und die etablierte Erdgeschichte propagiert.

Deutliche Zweifel an dem angeblichen Fund äußerte hingegen der Kreationismus-Kritiker Glen Kuban (2005/2012): Dieser untersuchte den Finger vor Ort und kam zu dem Schluss, dass es sich vielmehr um eine natürliche Bildung handeln dürfte. Zunächst sei das Objekt eben nicht, wie oft suggeriert, in situ in einer kreidezeitlichen Gesteinsschicht gefunden worden, zumal ohne jegliche Dokumentation des Fundkontextes, was die Datierung in die Kreidezeit hinfällig macht.
Zudem fehlen dem „Finger“ offenbar jegliche Gelenke, auch sei der Fingernagel für einen realen Nagel zu schmal am hinteren Ende. Ein von Baugh angefertigter CAT-Scan zeigt zwar dunklere Stellen im Inneren des Objekts, doch keine klar erkennbaren Knochen – derartige Verdunklungen seien bei natürlichem Stein indes auch zu erwarten, da die Strahlen der Untersuchung nur bedingt bis dorthin vordringen. Auch an der Bruchstelle in der Mitte des Fingers sind Knochen nicht klar zu erkennen – die am ehesten als Knochen zu identifizierbaren ovalen Verfärbungen befinden sich zudem zu weit am Rand als bei einem echten Finger zu erwarten.
Schließlich widerspricht der scheinbare Erhaltungszustand des „Fingers“ auch dem sonst bei kreidezeitlichen Fossilien aus Texas zu beobachtenden Zustand. In keinem anderen Fall ist dort eine Fossilisation von Weichteilen belegt. (Vielmehr erinnert die angebliche “Komplettversteinerung” an den berühmten Fälschungsfall des Cardiff Giant von 1869 …)
Es ist somit weder belegt, dass es sich bei dem Objekt tatsächlich um einen menschlichen Finger handelt, noch, dass dieser wirklich kreidezeitlichen Ursprungs wäre. Die wahrscheinlichere Erklärung für das Objekt: Es ist einfach ein Stein.

Quellen

Glen Kuban 2005/2012: An Alleged Cretaceous Finger (Bild ebd.)

Rezeption: Hans-Joachim Zillmer, Darwins Irrtum (45 f) / Unsolved Mysteries (135) / Jason Mason, Mein Vater war ein MiB 2 (57-58)

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