Pyramiden in Europa

Der Hausberg bei Stronegg (JonnyBrazil, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 at)

Ob es um Atlantis geht, Aliens in der Vorzeit oder Atlantikkontakte vor Kolumbus – in grenzwissenschaftlichen Spekulationen nehmen Pyramiden aller Art oft eine Spitzenstellung ein. Um zwei vorgebliche europäische Pyramiden soll es nun gehen, beide stammen aus den Büchern von Atlantisforschern.

Der Borgbjerg bei Boeslunde, Seeland, Dänemark

Der Atlantisforscher Jürgen Spanuth, der in Atlantis eine in der heutigen Nordsee vor Helgoland versunkene Hauptstadt der „germanischen Megalithiker“ sieht, will den von Plato beschriebenen Poseidon-Tempel als Tempelpyramide mit einer Irminsul auf der oberen Plattform deuten. Solche Tempel seien in der germanischen Bronzezeit tatsächlich errichtet worden, beispielsweise auf der Insel Seeland in Dänemark:

„Daß es solche mächtigen Dreistufenheiligtümer im nordischen Raum einst wirklich gegeben hat, beweist der Dreistufenhügel ‚Borgbjerg‘ bei Boeslunde auf der Insel Seeland. Dieser hat eine rechteckige Form mit drei Stufen oder Terrassen, von denen jede etwa 10 Meter hoch und 3,5 Meter breit ist. Auf der Höhe befindet sich eine ebene Fläche von 54 Meter Länge; in dem Hügel fand man Goldgefäße, die nach SCHILLING ‚Schöpfgefäße für das Opferblut‘ waren. Offenbar fanden hier einst ähnliche Kultfeiern statt, wie sie uns im Atlantisbericht geschildert werden.“[1]

So spannend eine solche gewaltige Tempelpyramide wäre (es gibt in Europa durchaus echte prähistorische Pyramiden, etwa auf Sardinien), so überholt ist Spanuths Interpretation. Der Borgbjerg wurde in der archäologischen Literatur des 19. Jahrhunderts tatsächlich als Tempel bezeichnet, allerdings nicht als Stufenpyramide, sondern als ein „künstlich terrassierter Hügel“[2]  
Die neuere Forschung, die so viel Romantik der vergangenen Zeit vertrieben hat, weiß aber mittlerweile, dass es sich um einen Zentralort der mittleren und späten Eisenzeit gehandelt hat, vergleichbar mit den mittelalterlichen Pfalzen. Der Borgbjerg war demnach eine typische Burg oder Befestigung; den Typus gab es mehrmals in Südschweden und Dänemark. 
Judith Jesch[3] spricht davon, dass diese Zentralorte immer die Verkehrswege auf Meer und Land beherrschend angelegt waren und aus einem Haupthaus (dem größten Bauernhof), das wohl auch kultische Bedeutung hatte, sowie außenliegenden Gebäuden bestand. Beispiele neben dem Borgbjerg fänden sich bei Sorte Muld (Ibsker), Bornholm, Gudme auf Fünen, Tisso und Toftegard auf Seeland.   
Spanuths „Pyramide“ war also ein mit Wällen umgebener Erdhügel aus der Zeit kurz vor Christi Geburt – und damit keine Kopie eines atlantischen Tempels auf Helgoland oder gar eine germanische Pyramide der Bronzezeit.

Auch der französische alternative Archäologe und Entdecker Professor Marcel Homet führt die „dänische Pyramide“ als Relikt von Atlantis an. Er verweist in seinem Buch „Auf den Spuren der Sonnengötter“ (Limes, Wiesbaden 1978) auf eine prähistorische Pyramide in Schweden (S. 171), die sich dann allerdings als Boeslinde in Dänemark herausstellt (S. 260, 270, 273, seine Quelle für diese Angabe ist offenbar Spanuth). Nach Homet handelt es sich um eine 30 m hohe Stufenpyramide mit einer rechteckigen Tempelplattform. Homet führt zudem eine Stufenpyramide bei El Madrassem, Algerien an (S. 279), über die sonst keine Informationen bekannt sind.

Der Hausberg bei Stronegg, Niederösterreich

Otto Muck, der Mann, der den Untergang von Atlantis auf die Minute genau datieren konnte, entdeckt mitten in Österreich eine Pyramide der Atlanter, die unzweifelhafte Ähnlichkeit mit der Stufenpyramide von Sakkara, den mexikanischen „Pyramiden“ und – was sonst – dem biblischen Turm von Babel aufwies. Eine Skizze in seinem Buch verdeutlicht diese Gemeinsamkeiten noch.[4]  
Im Gegensatz zu Spanuth folgt Muck keiner überholten archäologischen Meinung, sondern fabuliert frei. Zwar wird der Hausberg, den es in der Tat gibt, seit dem 19. Jahrhundert als Pyramide bezeichnet, allerdings nur, um seine Form zu umreißen (wie man auch einen natürlichen Berg zuweilen eine Pyramide nennt). Nie galt er als früh- oder gar vorgeschichtlich. Auch hat die Anlage von Stronegg kaum Ähnlichkeit mit Mucks Skizze:

„Der Hausberg erhebt sich auf einer Gesamtfläche von ca. 2,85 ha und ist damit eine der größten und bedeutendsten Anlagen dieser Art in Niederösterreich. Obwohl die Entstehung derartiger Wohn- und Befestigungsanlagen bis in das 3. Jahrhundert zurückreicht, dürfte dieses Erdwerk aus dem 9. bis 10. Jahrhundert stammen.
Nordwestlich des ersten Hauptwerkes befindet sich das zweite, kleinere mit einer Basislänge von 53 m in Form eines Pyramidenstumpfes. Auf einer Höhe von 6 m liegt eine ebene, rechteckige Fläche mit einem Ausmaß von 30/25 m, deren Ränder an drei Seiten ziemlich stark abfallen, nur die nach Norden zugewandte Böschung ist weniger steil.       
Ein kleineres, an der Südwestseite gelegenes Vorwerk diente zur Verteidigung der Anlage gegen die flachere Seite des Hausberges, hier befand sich auch die Auffahrtsrampe, welche aber durch die Bewirtschaftung der angrenzenden Fläche nur mehr teilweise zu erkennen ist.    
Forschungen zufolge befand sich auf dem äußeren Wall ein Palisadenzaun mit einem Tor zur befestigten Zufahrtsrampe. Auf dem pyramidenstumpfförmigen ersten Hauptwerk stand neben einigen anderen Gebäuden ein Wächterhaus. Eine hölzerne Zugbrücke führte zur eigentlichen Burg, deren Hauptwerk aus einem achteckigem Turm bestand und ebenfalls mit einer Brustwehr umgeben war. Bei Grabungen wurden Kupfergeschirr und Münzen aus der Babenbergerzeit gefunden, ebenso Reste von bearbeiteten Balken. Dadurch ist anzunehmen, daß die gesamte Befestigungsanlage aus Holz gebaut war. 1444 erhält Friedrich der IV. die Nachricht, daß mährische Raubscharen das ‚Gschloß Straneck‘ erobert und zerstört haben.“[5]

Stronegg ist ein typischer Vertreter des Burgentyps der Motte, der in ganz Europa verbreitet ist und reichlich 10 000 Jahre nach dem Untergang von Atlantis in Mode kam. In vielen englischen Städten kann man noch sehr schön erhaltene, bis zu großer Höhe aufgeworfene konische Mottenhügel sehen, auch in Deutschland gibt es noch einige.[6]  
Schwarzwaldurlauber beispielsweise können im Murgtal eine Motte bestaunen, die fast identisch ist mit Mucks Atlantischer Pyramide: Den Ringwall auf dem Großen Schanzenberg bei Bad Rotenfels, Gaggenau. Die doppelte Umwallung um den etwa 20 x 25 m messenden Kern wurde um 1100 errichtet.[7]

Es gilt somit, zwei angebliche Pyramiden aus dem Inventar der europäischen Vorzeit zu streichen – eine ist ein befestigtes Gehöft aus der Eisenzeit, die andere ein weit verbreiteter Burgtyp. Beide sind weder Pyramiden noch haben sie etwas mit Atlantis zu tun.

Weitere Pyramiden – Eine kleine Übersicht

Pyramiden von Güimar, Teneriffa (Berthold Werner, Wikipedia Commons)

Die vorgeblichen Pyramiden von Bosnien, Dänemark und Österreich sind nicht die einzige sensationelle „Entdeckung“ von vorgeschichtlichen Pyramiden, die in den letzten Jahren von Hobbyforschern in Europa gemacht wurden. Es gibt allerdings auch eine große Zahl echter – selbst antiker und prähistorischer – Pyramiden auf unserem Kontinent.        
Unter der stetig wachsenden Zahl von angeblichen Pyramiden, die von der archäologischen Wissenschaft nicht anerkannt sind, sind die wichtigsten:

  • In Deutschland die von Walter Haug entdeckten Pyramidengruppen von Sternenfels und Schmie nahe Maulbronn, Baden-Württemberg.[8]
  • Die von Thor Heyerdahl entdeckte Stufenpyramide Cirumeddi bei Pietraperzia nahe Enna, Sizilien, die den mittlerweile als neuzeitlich erwiesenen kanarischen Pyramiden gleicht.[9]
  • Die Stufenpyramiden bei Icod de los Vinos und Güimar auf Teneriffa.[10] Archäologen halten sie nach ausführlichen Ausgrabungen (deren Ergebnisse im entsprechenden Wikipedia-Artikel dokumentiert sind) für landwirtschaftliche Terrassen aus dem 19. Jahrhundert.
  • In Italien heiß diskutiert werden die „Pyramiden von Montevecchia“ am Comer See. Sie sollen in ihrer Anordnung den Pyramiden von Gizeh gleichen. Archäologen halten sie für eiszeitliche Moränenhügel, die im Mittelalter für den Ackerbau terrassiert wurden. Ihr „Entdecker“ hat auch ein Buch geschrieben, Vincenzo Di Gregorio: Il mistero delle piramidi lombarde, Fermento 2009.

Neben diesen umstrittenen Funden gibt es jedoch auch wissenschaftlich bestätigte, von Archäologen und Historikern anerkannte Pyramiden in Europa:

Prähistorisch

Monte d’Accodi, Sardinien (Foto André Kramer)
  • Im Nordwesten Sardiniens liegt in der Nähe von Porto Torres die Stufenpyramide von Monte d’Accodi. Der Bau ähnelt einer mesopotamischen Stufenpyramide, er weist sieben Stufen mit einem breiten, rampenartigen Zugang auf. Auf der oberen Plattform stand, wie bei den Pyramiden Mittelamerikas, ein Tempel. Das Gebäude ist aus großen Felsblöcken errichtet und von Dolmen, Menhiren und Hypogäen umgeben. Die Anlage wurde in mehreren Phasen zwischen 3200 und 2700 v. Chr. errichtet. In Europa ist das Bauwerk bislang einzigartig, es war wohl zuerst ein Freilichtaltar, der in folgenden Bauphasen immer monumentaler gestaltet wurde.[11]
  • Bekannt ist der Hügel von Silbury Hill in Wiltshire, England. Heute grasüberwachsen, war er zur Zeit seiner Erbauung – etwa 2700 v. Chr. – eine aus Kalkblöcken errichtete, runde Stufenpyramide. Silbury Hill ist 40 m hoch und misst an der Gipfelplattform 30 m im Durchmesser.
  • Auf dem Gelände des Marlborough College in Marlborough, Wiltshire, steht eine kleinere, nur 19 m hohe Version des Silbury Hill. Erst 2011 fanden Archäologen heraus, dass die Erdpyramide ebenfalls aus der Jungsteinzeit stammt und um 2400 v. Chr. errichtet wurde.[12]
  • Bei Migjorn Gran auf Menorca findet man einen quadratischen Talajot, einen prähistorischen Monumentalturm. Man nimmt an, dass die Türme als Festungen und Wachttürme dienten. Dieser Talajot allerdings hat eine um seine Seite umlaufende Rampe, die ihn in eine Stufenpyramide verwandelt. Archäologen halten es für möglich, dass es sich um einen Tempel gehandelt haben könnte. Die Talajotkultur auf Menorca gab es zwischen 1200 und 120 v. Chr. Wie alt diese „Pyramide“ ist, kann schwer gesagt werden.[13]

Antik

Pyramide von Hellinikon, Griechenland (Foto André Kramer)
  • Durch Erich von Dänikens Bücher (Im Namen von Zeus) und Artikel in Sagenhafte Zeiten (Legendary Times, März 2001) sind die griechischen Pyramiden bekannt geworden. In prä-astronautischen Büchern findet sich häufig nur ein Verweis auf den Bau in Hellinikon, der am besten erhalten ist; es gibt aber insgesamt 16 solcher Pyramiden entlang der antiken Straße von Argos nach Epidauros auf der Peloponnes. Die Pyramide von Hellenikon nahe Kephalari misst grob 7 x 7 m. In der Antike galt sie als Grab. Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, dass es sich um eine Festung, eine Art Wachturm, aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. handelte.     
    Ein zweite Pyramide, ungleich schlechter erhalten, steht nahe der Martinskirche in Ligourio. Während in Hellenikon noch ein Drittel des Baus erhalten ist, steht bei Ligourio praktisch nur noch das quadratische Fundament und die erste Reihe der geneigten Pyramidenflächen.[14] In der Beschreibung Griechenlands (Buch II, 25,7) aus dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert erwähnt Pausanias „ein Gebäude, das annähernd einer Pyramide gleicht“ auf dem Weg von Argos nach Tiryns – vermutlich das Bauwerk von Hellenikon, aber er geht nicht darauf ein, wohl, weil er es weder für alt noch für sehenswert hält.
  • In Rom steht an der Piazza Ostiense die einzige römische Pyramide, das Grabmal des Gaius Cestius aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert. Die klassische Pyramide ist mit weißem Marmor verkleidet, ihre Basislänge beträgt rund 30 m, die Höhe 36,4 m. In ihrer Konstruktion folgt sie den ägyptischen Vorbildern.[15]
  • In seinem Buch Die Meister der Welt[16] erwähnt Robert Charroux zwei Pyramiden in Frankreich: die Pyramide von Falicon bei Nizza und die Pyramide von Autun. Die Pyramide von Autun, 27 m hoch, steht auf einem quadratischen Sockel – praktisch identische „Pyramiden“ findet man in Igel bei Trier und in Kirchentellinsfurt bei Tübingen, es sind römisches Grabmonumente.[17] Die Pyramide von Falicon dürfte dagegen zur Zeit Napoleons entstanden sein.[18]
Pyramide de Couhard bei Autun, Frankreich (Foto Leif Inselmann).

Apulien

  • Viele der zuweilen mehrere Jahrhunderte alten Trulli erscheinen dem Beobachter wie runde Stufenpyramiden – das Bild zeigt einen aufgegebenen und überwucherten Trullo bei Casalini und ein verfallenes Trullo bei Ostuni.

Barock

  • Als 10-stufige Pyramide wurde im 17. Jahrhundert der Garten der Isola Bella im Lago Maggiore errichtet.
  • Auf dem Marktplatz von Karlsruhe und im Barockgarten von Potsdam stehen kleine Pyramiden. Die Pyramide von Karlsruhe ist tatsächlich ein Grab, in ihr ruht der Markgraf Karl Wilhelm († 1738).
  • Im Schlosspark von Garzau ließ Friedrich Wilhelm Carl Graf von Schmettau (1743–1806) eine Pyramide errichten.[19]
  • Auch im Schlosspark von Machern gibt es eine Pyramide.[20]
  • Im Park von Schloss Lüderbach im Werra-Meißner-Kreis, Hessen, steht die Grabpyramide derer „von Capellan“. „Der Bau [aus Bruchsteinen] ist bis in ca. drei Metern Höhe quadratisch, darauf, mit einer leicht verkleinerten Basis, eine etwa fünf Meter hohe spitz zulaufenden Pyramide, die von einem Sockel mit Kugel bekrönt ist. An der Ostseite befinden sich zwei eingefasste Wappen in der Mauer, in Blickrichtung links das Wappen von Capellan für Adam Friedrich von Capellan [gest. 1776] und rechts das Allianzwappen Cornberg-Capellan für seine Schwester Frederike von Cornberg [gest. 1776]. Wie das Schloss ist die Grabpyramide als hessisches Kulturdenkmal ausgewiesen.“[20a]
  • Im Schlosspark Wilhelmshöhe bei Kassel befindet sich eine Pyramide, die um 1775 nach dem Vorbild der Cestius-Pyramide errichtet wurde. Sie besitzt eine Seitenlänge von ca. 6 m.[21]
Pyramide im Bergpark Wilhelmshöhe bei Kassel (Hafenbar, CCASA 3.0 Wikimedia Commons)

19. und frühes 20. Jahrhundert

Die Grabpyramide des Canova in der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari, Venedig (Foto: Ulrich Magin)
  • In der Kirche Santa Maria Gloriosa dei Frari in Venedig befindet sich die Grabpyramide Antonia Canovas (1757‒1822). Ursprünglich von Canova als Grabmonument für den (direkt gegenüber beigesetzten) Maler Tizian entworfen, wurde das Herz des klassizistischen Bildhauers selbst 1827 darin beigesetzt.[22]
  • Im Park des Schlosses Branitz bei Cottbus, der von dem berühmten Fürst Pückler zu Muskau geplant wurde, gibt es gleich zwei Pyramiden. „Die größere Wasserpyramide, 1856/57 errichtet, stellt eine künstliche Insel im See dar. Im Inneren des Tumulus liegen die Grabstätten Pücklers und seiner 1854 verstorbenen und – nach dem Tod des Fürsten – umgebetteten Frau Lucie von Pückler-Muskau. Am südöstlichen Seeufer befindet sich die stufenförmig gestaltete Landpyramide.“[23]
  • In Laglio am Comer See hat sich der Pfälzer Arzt Josef Frank (gest. 1875) eine große weiße Grabpyramide nach dem Vorbild der Cestius-Pyramide in Rom erbauen lassen, die vom Schiff aus gut zu sehen ist.
  • Die Pyramide von Falicon hat eine Seitenlänge von rund 6 m, die Kanten waren etwa 9 m lang – hier handelt es sich um einen eher unscheinbaren Bau. Der Forscher Francois de Sarre[24] hat herausgefunden, dass der Bau vom Ende des 19. Jahrhunderts stammt.
  • Die Steine der Ruine der ehemaligen Burg Heidenkeller im Ortenaukreis, Baden-Württemberg, „wurden Anfang des 19. Jahrhunderts zur Errichtung einer achteckigen „Stein-Aussichts-Pyramide“ mit Treppe verwendet, um den Blick in die Rheinebene möglich zu machen.“[24a]
  • Am Upstalsboom bei Aurich in Ostfriesland versammelten sich im 13. und 14. Jahrhundert die Abgesandten der friesischen Landesgemeinden. 1833 wurde am Ort zum Gedenken eine Steinpyramide errichtet.
Pyramide am Upstalsboom bei Aurich (Foto: Ulrich Magin)
  • Das Denkmal der jüdischen gefallenen Soldaten im Ersten Weltkrieg von 1934 auf dem jüdischen Friedhof in Köln-Bocklemünd ist als stehendes Dreieck gestaltet und wirkt aus frontaler Ansicht wie eine Pyramide.[24b]

Unbestimmt

  • Von unbestimmtem Alter, aber sicherlich interessant sind die „Pyramiden“ des österreichischen Waldviertels. Bei Zwettl findet sich eine 4-stufige Rundpyramide aus Bruchsteinen mit einem größten Durchmesser von 20 m. Habeck nimmt an, dass sie aus dem Mittelalter stammt, es soll in der Gegend noch weitere ähnliche Bauten geben.[25] Das österreichische Bundesdenkmalamt geht von einem Entstehungsdatum im 19. Jahrhundert aus.[26]
  • Ganz bizarr Zeitalter, Geografie und Konzepte durcheinander wirbelt der letzte Bericht. Der alternative Archäologe Marcel Homet zitiert den belgischen Professor Maurice Broens, der schreibt, Stufenpyramiden treffe man „in Aquitanien (Südwestfrankreich) und weiter südlich sowie im Donaubecken an, aber nirgends findet man eine Schrift, die uns über ihre Herkunft erzählen würde! Lediglich einige Keramikfunde ermöglichen es uns, ihr Alter zu berechnen. Einige dieser Votivzwecke dienenden Tongefäße sind Dreifüße, wie man sie auch auf den Friesischen Inseln findet, aber sie tragen das Zeichen des Kreuzes mit der Sonnenscheibe. […] Diesen Pyramiden liegt der Gedanke zugrunde, den Toten die getreue Wiedergabe der Behausung zu geben, die sie zu ihren Lebzeiten bewohnten; sie sind also keine richtigen Gräber, sondern Kenotaphe (Leergräber), die die Schatten eines toten Reisenden oder Kriegers aufnehmen sollten. Grégory de Tours [Gregor von Tours] weist darauf in seinem Werk ‚In Gloria Confessorum‘ des öftern hin, und in seinen späteren Schriften findet man dafür noch andere Hinweise.“        
    Und Homet fügt an: „Diese Pyramiden, von denen Broens im übrigen angibt, es gebe davon zweitausend in Schluchten und schwer zugänglichen Wäldern verborgene, diese Kenotaph-Pyramiden sind demnach geheime Denkmäler.“[27]        
    Broens erscheint leider nicht im Literaturverzeichnis des Buchs, und wie es 2000 Pyramiden in Frankreich geben kann, von denen man noch nie gehört hat, ist ein eigenes Geheimnis.

Ulrich Magin lebt nahe Bonn und ist Autor des Buchs „Megalithen in Deutschland: Rätselhafte Großsteingräber, Hinkelsteine und Steinkreise“ (Nikol).


[1] Spanuth, J. 1965: Atlantis, Tübingen, 473; ähnlich in ders. 1953: Das enträtselte Atlantis, Stuttgart, 140.

[2] z.B. Asmussen Worsaae, J. J. 1886: The pre-history of the North: based on contemporary memorials, London, 93.

[3] Jesch, J. 2002: The Scandinavians from the Vendel period to the tenth century: an ethnographic perspective, Woodbridge, 16.

[4] Muck, O. 1978: Alles über Atlantis, München, 125–127.

[5] http://www.stronsdorf.at/system/web/zusatzseite.aspx?menuonr=218266273&detailonr=218248969 (mit Plan, Literaturangaben und Fotos)

[6] Beispiele: http://de.wikipedia.org/wiki/Motte_%28Burg%29. Am Rande des Dorfes, in dem ich zurzeit wohne, gibt es eine schlecht erhaltene Motte, eine zweite – eine perfekte Rundpyramide – liegt kaum 10 km Luftlinie entfernt. Wer sich in seiner unmittelbaren Umgebung umschaut, kann archäologische „Rätsel“ aus ferneren Gegenden oft schneller lösen.

[7] Kieser, C. 2002: Kunst- und Kulturdenkmale im Landkreis Rastatt und in Baden-Baden, Stuttgart, 238.

[8] http://efodon.de/html/archiv/vorgeschichte/andere/SY38%20Haug-Pyramiden.pdf

[9] http://www.hotel-sicily.it/it/archeologia-3.html

[10] Braem, H. 1994: Die Geheimnisse der Pyramiden, München.

[11] Contu, E. 2000: L’Altare preistorico di Monte d’Accudi. Sardegna Archeologica 29, Sassari.

[12] Fortean Times 278 (2011), 22.

[13] Führer von Menorca. Amics del Museu de Menorca, Mao 1998, 53.

[14] Papahatzis, N. o.J.: Mycenae – Epidaurus – Tiryns – Nauplion, Athen, 21, 24, 25.

[15] Pescarin, S. 1999: Rom, Erlangen 1999, 102.

[16] Knaur, München 1974, 84–90.

[17] Wikipedia: Pyramide de Couhard

[18] Wikipedia: Pyramide von Falicon

[19] http://www.pyramide.garzau.de

[20] www.meinestadt.de/machern/bilder/detail?id=231960

[20a] Wikipedia: Schloss Lüderbach

[21] Wikipedia: Bergpark Wilhelmshöhe

[22] Wikipedia: Santa Maria Gloriosa dei Frari
Zainoo: Santa Maria Gloriosa dei Frari

[23] Wikipedia: Branitzer Park

[24] de Sarre, F. 1994: A Pyramid on the French Riviera. INFO-Journal 71, 44.

[24a] Wikipedia: Burg Heidenkeller

[24b] Kölner Stadt-Anzeiger, 15. Juli 2023. Foto siehe Wikipedia: Denkmal des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten (1934)

[25] Habeck, R. 1997: Das Unerklärliche, Wien, 304.

[26] Kramer, A. 2022: Paläo-SETI, Lüdenscheid, 452.

[27] Homet, M. 1976: Nabel der Welt – Wiege der Menschheit, Freiburg, 154.